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Die Stimme · 1932-10-20 · Heft 250 (20.10.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 250 (20.10.1932)
Date
1932-10-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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*eite 2 Die SiiMmt: iNr. üoj l'M'. ULM' I ÜJ2 stellt und verfolgt nunmehr gleich den «Werktätigen Juden-* *!- in der jüdischen Oemelnde bestimmte ideologische und weltanschauliche Prinzipien. Unsere Aufgabe und die Aufgabe einer aufrechten jüdischen Publizistik muß es daher sein, die gesamte jüdis he Oeffentlichkeit, mag sie sozialpolitisch eingestellt sein wie immer, auf diese Tatsache nachdriicklichst aufmerksam zu machen. Die jüdische Oeffentlichkeit, die jüdische Kultuswählerschaft hat ein Recht zu fordern: Farbe bekennen! Die Herren der Union mögen Bündnisse mit Verleugnern allen positiven Judentums schließen, mit einer Gruppe, die zahlenmäßig eine quantite negligeable, nur von der Gunst eines sein Judentum verleugnenden Renegaten ihr Dasein verdankt, sie mögen sich ferner mit Menschen, deren Arbeit auf Zertrümmerung der jüdischen Gemeinde hinausläuft, verbinden, um die Kultusgemeinde zu einem Schauplatz klassenkämpferischer Politik zu machen. Aber die Herren müssen auch den Mut aufbringen — vielleicht gegen ihre bessere Ueberzeugung von gestern — sich zu dem zu bekennen, wofür sie mit ihren Bundesgenossen in den Wahlkampf ziehen. Die Maske von dem «Hort des konservativ bürgerlichen Judentums« muß fallen. * Selten wohl ist e i n e r Partei eine verantwortungsvollere Aufgabe für die Wahrung der Interessen der jüdischen Allgemeinheit unserer Stadt erwachsen, wie diesmal der vereinigten Zionistischen Liste. Selten wohl hat eine wahlwerbende Gruppe so die ganze Verantwortung für das Schicksal unserer jüdischen Bevölkerung zu tragen gehabt, wie diesmal die zionistische Welt. Ueber die eigene Partei hinaus, weit über die zionistische Anhängerschaft hinaus, sieht heute in der wahlwerbenden Zionistischen Liste die jüdische Kultuswählerschaft die einzige Partei, die ihren Prinzipien, Grundsätzen, Idealen von gestern und vorgestern unerschütterlich und ungeachtet aller demagogischen Schlagworte und Zeitströmungen t r e u- Wohlbeleibte Menschen können durch gewissenhaften Gebrauch des natürlichen «Franz-Josef»-Bitterwassers ausgiebigen Stuhlgang ohne Anstrengung erzielen. In allen Apotheken und Drogerien erhältlich. geblieben ist, die einzige Partei, die die Einheit der Gemeinde in religiöser, sozialer, geistiger und kultureller Beziehung auf ihr Panier gesetzt. Im Laufe der Wahipropaganda werden die Kandidaten der zionistischen Liste genügend Gelegenheit finden, über die Arbeiten und Leistungen der zionistischen J&andatare in der letzten Funktionsperiode des Wiener Kultusgemeindevorstandes vor der breitesten Oeffentlichkeit zu berichten. Die Zionisten waren es, die überall, im Präsidium, fei den Vertreterkollegien und in Kommissionen, in den verschiedensten Institutionen und Körperschaften des vielverzweigten Kultusgemeindeapparates fei aufreibender Tätigkeit, im Interesse der Gemeinde und für das Gedeihen der Gemeinde gearbeitet Ihre Leistungen und ihre Arbeiten fibertrafen bei weitem jenen Arbeitsteil, der ihnen nach dem Kräfteproporz des Kultusvorstandes zukäme. Ein besonders stolzes Kapitel zionistischer Arbeit in der Kultusgemeinde bilden dieSchöpfungenaufdemGebiete der sozialen Fürsorge, die der Initiative und aufopferungsvollen Arbeit der zionistischen Minderheit zu verdanken sind. Aber auch in religiöser und kultureller Beziehung fanden die Bestrebungen der zahlreichen, infolge der Wirtschaftskrise schwer kämpfenden Tempel- und Bethausvereine gerade in den zionistischen Mandataren, die, bei aller Freiheit des Individuums, den Wert des religiösen Kollektivs der jüdischen Gemeinschaft hochhalten, tatkräftige Förderung. Der radikal-liberale-religiöse Umschwung in den unionistischen Reihen der die geistige Vorbereitung sowohl zum Wahlbündnis mit den religiösen werktätigen Juden bildete, als auch die eingangs erwähnte Förderung des liberalen reformierten Gottesdienstes verständlich macht, kam bereits in der bisherigen Arbeit der unionistischen Vertreter im Kultusvorstande zum Ausdrucke. Diese Herren haben es verwirkt, als Vertreter des konservativen bürgerlichen Judentums, □nrxnrrxrxxifTyrrrTDancoxptTOTinrritxciog, Erzeugung und Reparatur von Herren- und Damenwäsche, Pyjamas, Blusen, Kleider, Hemden. Anfertigung nach Maß. Spezialität: Aerzte- und Pflegerinnen-Mäntel. Strümpfe repassieren, stopfen, anstTicken. Beste A usf Uh r un g Billigste Preise Wascti«9«scliJlft Macourek Nacht. ANNA EPSTEIN Wim, VUIm Ikoäagassi Nr* 10 (nächst Alserstraße) Telephon B 40*7*78 pjinnaxixmxnnnjDnnxm als Sachwalter der traditionellen Elemente des Wiener Judentums aufzutreten. Es gab keine religiöse, keine soziale und keine kulturelle Arbeit im Kultusvorstande, die nicht zum größten Teile von einem zionistischen Mandatar gemacht werden mußte, keine Aufgabe, auf welchem Gebiete immer, die nicht von den zionistischen Mandataren i m Interesse der Gemeinde und für die Gemeindeerfüllt worden wäre. Es ist ein trauriger Mut und überdies eine arge Demagogie, wenn die Union davon nur zu sprechen wagt, daß die Zionisten die Kultusgemeinde einzig für ihre jüdischnationalen Parteiinteressen und Zwecke erobern wollen. Herr Dr. Karl Steiner wird nicht müde, Gespenster vor die Augen der Wählerschaft zu führen für den Fall, daß die Jüdischnationalen die Majorität im Kultusvorstand erringen. Herr Dr. Steiner, Hand aufs Herz, Sie hätten die Stimme Ihrer «Wahrheit» wahrscheinlich nicht ertönen lassen, wenn sie bereits vom Parteibündnis Ihrer Partei gewußt hätten. Jedenfalls zeigt es sich jetzt — und dieses werden auch Sie, Herr Dr. Steiner, wohl oder übel zugeben müssen — daß die Wahrheit der «Stimme» auf festeren, „SHAAR“ Co. Ltd, Fiir Krt.-'iliin'j von Intormn.>n, ,i iui;l für Tnaktioiu-n in: Orangerien, Böden, Häusern, Bauparzellen, Industrie und Hypotheken Unsere europä sch-nmerikanisrhe Methode, die Objekte genau zu prüfen und auf ihren Wert einzuschätzen, ermöglicht uns, die richtige Auswahl zr treffen und solche Objekte zu offerieren, deren Wertsteigerung gesichert erscheint. Wenden Sie sich an uns persönlich oder brieflich und wir werden Ihnen F.iitsn-echendes offerieren. TEL-AVIV. Potschild Elvd. 11. Palatine P. 0. B. 484 gesünderen und vor allem ehrlicheren und überzeugenderen Füßen seit Jahr und Tag steht als Ihre Stimme, die Sie der jeweiligen gelb- oder rotgefärbten «Wahrheit» verleihen! Die Hakenkreuzexzesse an den Wiener Hochschulen „Rache für Simmering“ fordert Jüdische Opfer Zahlreiche jüdische Studenten schwer verletzt Wie bei der Mentalität unserer Radaustudenten I feigen, nationalsozialistischen Ueberfaiies auf wehrlos«, nicht anders zu erwarten war, fanden die unglück- | einzelne jüdische Studenten waren, und geradezu et'- seügen Vorfälle des Blutsonntags von Simmering ihre blutige Fortsetzung an den Wiener Hochschulen. Die Schüsse zwischen rechts und links hatten, wie so oft, ihr unvermeidliches Nachspiel auf dem Rücken der Unbeteiligten, der wehr- und schutzlosen jüdischen Studenten. Wie immer bei ähnlichen Hochschulkrawallen, zeichneten sich auch diesmal die Nazihelden durch eine ganz unerhörte, ans Verbrecherische grenzende Brutalität aus, wobei sie sich, in dreißig- bis vierzigfacher Ueberzahl, auf einzelne gleich wilden Horden stürzten und ihre Opfer in fürchterlicher Weise bearbeiteten. * Ueber die Vorfälle des Montag-Vormittag liegen der «Stimme» in Ergänzung der bereits durch die Tagespresse bekannten Tatsachen folgende Berichte vor: Die Unruhen nahmen an der Technik ihren Anfang. Dort gab es auch die ersten jüdischen Verwundeten. Um 10 Uhr drangen Hakenkreuzierstudenten mit dem Rufe «Juden, Tschechen und Polen soll der Teufel holen!» in einzelne Lehrsäle ein und zwangen unter anderem den Professor Dr. R e h 1 a, der im Saal XV1I1 eben Mathematik vortrug, den Unterricht abzubrechen. Acht jüdische Studenten wurden verprügelt, in die Aula geschleppt, wo sie weiter bearbeitet wurden, bis man sie schließlich einzeln auf die Straße warf. Auf der Universität selbst, wo der Studienbetrieb noch nicht aufgenommen Ist, erschienen die Hakenkreuzler ln der Aula und ln der Quästur und begannen dort auf ein gegebenes Zeichen mit dem Rufe «Rache für Simmering!» auf die jüdischen Studenten loszuschlagen. Jüdische und sozialistische Studenten wurden blutig geschlagen und ähnlich, wie es auf der Technik war, in die Aula und auf die Rampe geschleift. Schon waren an die fünfzehn jüdische Studenten von Hakenkreuzbuben schwer verletzt, als Seine Magnifizenz, Herr Rektor Abel, der selbst ein notorischer Hakenkreuzler ist, bei seinen Gesinnungsgenossen erschien und ihnen die merkwürdige Erklärung abgab, er habe soeben eine Rektorenkonferenz einberufen, die sich mit «den Vorfällen beschäftigen werde». Ueber die Rolle des Herrn Rektors bei diesen Vorfällen, über den Inhalt der von ihm mittags erlassenen einseitigen Kundgebung, die die Ueberfälle auf jüdische Studenten ln einen Zusammenhang mit den Simmeringer Vorfällen zu bringen versuchte und die Sperre der Universität für drei Tage aussprach, wird noch zu sprechen sein. Daß es sich bei der «Rache für Simmering» um organisierte Hakenkreuzexzesse gegen jüdische Studenten handelte, scheint Se. Magnifizenz geflissentlich übersehen zu haben, obwohl dies auch dadurch bewiesen ist, daß die bekannten Prügelbanden der Hakenkreuzler zur gleichen Zeit ln den verschiedensten Universitätsgebäuden und an allen Wiener Hochschulen erschienen sind. Schilderungen eines Augenzeugen In unserer Redaktion meldeten sich gestern früh zwei Studenten, die Augenzeugen des verbrecherischen, schlitternde Einzelheiten berichteten. Der eine Student ist der Bruder jenes schwerverletzten Mediziners, der das Opfer eines besonders brutalen Ueberfaiies wurde. Josef Kesselbrenner, Student der Medizin im 6. Semester, hatte Montag, 11 Uhr vormittags, den Bibliothekssaal verlassen, als er sich plötzlich In der Arkadenallee von etwa 30 bis 40 Hakenkreuzlem umringt sah. Er wurde von ihnen Innerhalb ^weniger Minuten derart zugerichtet, daß er sich von der Stelle des Ueberfaiies, als er von unmittelbarer Lebensgefahr bedroht wurde, nicht entfernen konnte. Er trug eine sieben Zentimeter tiefe, klaffende Wunde am Kopfe davon, sein rechtes Auge wurde, mit einem Schlagring gefährlich verletzt. Nur einer von der Bibliothek her kommenden Studentin, die sich zwischen das Opfer und seine Angreifer warf, und den bereits schwerverletzten Kommilitonen mit ihrem Leib deckte und ihn so vor weiteren Verletzungen bewahrte, hat der junge Medizinen* sein Leben zu verdanken. Eine Episode, die ein grelles Licht auf die gegenwärtigen Sicherheitsverhält;.!3se für jüdische Studenten an den Wiener Hochschulen wirft, darf und soll in diesem Zusammenhänge nicht unerwähnt bleiben. Ein Wachebeamter in der Nähe der Aula, an den sich der schwerverletzte Mediziner zwecks Horbeischaffung eines Krankenwagens wandte, hat diese Bitte gänzlich ignoriert, und in lebensgefährlichem Zustande mußte der Schwerverletzte selbst einen Wagen auftreiben, der Ihn und die anderen verletzten jüdischen Kollegen — deren Namen der Redaktion bekannt sind — auf die 1. Unfallstation brachte, wo ihre Verletzungen als schwer bezeichnet und ilxre Wunden genullt werden mußten. Wie brutal diesmal auf der Alma mater gewütet wurde, beweist folgender Fall: Ein jüdiscuer Student mit einer, jedem sichtbaren Arm* prothese wurde trotz seines Gebrechens, auf das er seine Angreifer aufmerksam machte, von brutalen Schlägen der Nazi nicht verschont. * Durch die Vorfälle hat sich der jüdischen Studentenschaft eine unerhörte Aufregung bemächtigt. Sie ist absolut nicht gesonnen, immer wieder Spielball der Meinungskämpfe zwei einander bekämpfenden Parteien zu sein und auf dem Altäre dieser Kämpf« Opfer zu bringen. Sie wird und muß auf Selbsthilfe sinnen, wenn die Behörden ihre Pflicht den jüdischen Studenten gegenüber als an diesen Kämpfen gänzlich Unbeteiligten nicht erfüllen. Sind die Söhne jüdischer Bürger, jüdischer Steuerträger vogelfrei? Können und dürfen ernste, junge Menschen, wenn sie sich für ihren künftigen Beruf in ehrlicher und harter Arbeit vorbereiten, gedemütigt und körperlich bedroht werden? Jüdische Studenten, wie lange noch werdet ihr diese körperliche und seelische Demütigung dulden? Dem Herrn Staatsanwalt bringen wir hiermit den Fall Kesselbrenner zur Kenntnis; w i r werden diesen Fall nicht auf sich beruhen lassen. Wir werden dafür sorgen, daß jüdische Studenten kein Freiwild bilden. Juden, spendet anläM ch der Hohen Feiertage be.m Thora-Aufruf für den Keren Kajemeth

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