Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1932-10-13 · Heft 249 (13.10.1932) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 249 (13.10.1932)
Date
1932-10-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053963-3054003--3175-3058668
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 249 — 13. Oktober 1932 DIE STIMME Seite V AUSLANDSCHAU SPannig Ausweisung von Hiflerleuten wegen anfisemi« fischer Terrorakte Danzig. Der Senator des Innern des Danziger Freistaates Dr. Hinz ordnete die Ausweisung von vier reichtsdeutschen Hitler-Leuten an, die eine Reihe Terrorakte gegen jüdische Einwohner der Umgebung von Danzig verübt natten. Die Presse bemerkt, daß die Danziger Regierung durch diese Ausweisung die H i 11 e r - B e w e g u n g als staatsfeindlich erkannt hat. {Deutsetktand Wiederum Friedhofschändung Berlin. Auf dem alten jüdischen Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde Aschbach (Bayern) wurden — wie dem «Israelitischen Familienblatt» mitgeteilt wird — in einer der letzten Nächte drei Grabsteine umgeworfen, von denen zwei vollständig zertrümmert sind. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die Ausfriffsbewegung in Berlin Berlin. Nach den soeben bekanntgegebenen statistischen Erhebungen betrug die Zahl der bei den Berliner Amtsgerichten im Jahre 1931 abgegebenen Kirchenaustrittserklürtiiigen 79.274 gegen 66.635 im Jahre 1930. Das entspricht einer Zunahme von 19 v. H. Die stärksten Verluste hatte die evangelische Kirhche. Geringer sind die Verluste der Katholiken. Die jüdische Austrittsziffer war in den letzten Jahren ungefähr konstant gewesen: 1927: 559, 1928: 556, 1929: 579, 1930 : 586. Sie sprang im vergangenen Jahre auf 722, ist also um 23 v. H. höher als die Ziffer von 1930, und der Zuwachs übersteigt somit den protestantischen. Hindenburgs Dankschreiben an den R. j. F. Berlin. Zu seinem 85. Geburtstag hat der Reichsbund J'üdischer Frontsoldaten durch seinen Bundesvorsitzenden, ferrn Dr. Leo Löwenstein, dem Herrn Reichspräsidenten seine Glückwünsche ausgesprochen. Er verband damit die Uebergabe des ersten Exemplars seines Gedenkbuches für die gefallenen jüdischen Soldaten des Weltkrieges, das er gleichzeitig; mit einem Blumenstrauß dem Generalfeldmarschall überreichen ließ. Reichspräsident von Hindenburg hat darauf durch einen eigenhändig geschriebenen Briet geantwortet: Der Reichspräsident. Berlin, den 3. Oktober 1932. Sehr geehrter Herr Dr. Löwenstein! Dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten spreche ich für seine Glückwünsche zu meinem 85. Geburtstag sowie für die •schöne Biumenspende und das Gedenkbuch meinen herzlichen Dank aus. In ehrfurchtsvoller Erinnerung an die auch aus Ihren Reihen für das Vaterland gefallenen Kameraden nehme ich das Buch entgegen und werde es meiner Knegsbücherei einverlciben. Mit kameradschaftlichem Gruß! gez.: von Hindenburg. England PIumBF'Gedenhhundgebung in London L o n d o n. Am 5. Oktober abends fand eine Gedenkkundgebung für den vor kurzem verstorbenen früheren High Commissioner für Palästina Feldmarschall Lord Plumer statt. Feldmarschall Lord A 11 e n b y, der Eroberer Palästinas, hie?v eine Gedenkansprache, im der er ausführte: Lord Plumer diente seinem König und seinem Lande nicht um Ehren einzuheimsen, sondern a.us Pflichtgefühl. Er war weise mi Rat und entschlußkräftig in der Tat. Sir Robert Hamilton, bis vor kurzem Unterstaatssekretär für die Kolonien, wies darauf hin, daß Lord Plumer das Opfer gebracht hat, Im Alter von 68 Jahren das Amt eines High Commissioner für Palästina zu übernehmen. Er folgte Sir Herbert Samuel, unter dessen Amtszeit Palästina eine rapide Entwicklung durchgemacht hat. Plumer knüpft an diese Entwicklung an und hat sich als ausgezeichneter Verwaltungsbeamter erwiesen. Während seiner Amtszeit wurden die Verfügungen in Kraft gesetzt, die die Position, die Rechte und Befugnisse sowie die Administration der jüdischen Gemeinschaft Palästinas definieren. Lord Plumer ist es auch zu danken, daß der jüdischen Gemeinschaft in Palästina durch staatliche Subvention die Möglichkeit zum Ausbau ihres Schulwesens gegeben wurde. Palästina schuldet Plumer viel Dank nicht nur für das, was er tat, sondern für die Art, wie er es tat Nahum S o k o 1 o w, Präsident der Jewish Agency, führte aus: Unter den vielen, die um Lord Plumer trauern, nimmt das jüdische Volk einen hervorragenden Platz ein. Zion luvt einen Freund und Mitarbeiter verloren. Als High Commissioner hat Lord Plumer der Welt bewiesen, daß es einem Vertreter der britischen Regierung wohl möglich ist, am Prinzip des Mandates festzuhalten und den Aufbau des Jüdischen Nationalheims zu fördern und sich gleichzeitig auch die hoche Achtung der nichtjüdischen Welt zu erringen. Er war von einer monumentalen Einfachheit. Nie gab er sich anders, als er wirklich war. Wir hoffen, daß die Tradition Lord Plumers den Vertretern Großbritanniens Im Osten ein Leitstern sein wird. Dies wird das schönste Denkmal für Lord Plumer sein. Skanßwetelk Eine neue Dreyfiis-üfiäre in Frankreich verhütet Ein des Hochverrates beschuldigter berühmter jüdischer Flieger rehabilitiert Paris. Durch die Verhaftung von zwei Fälschern wurde das Entstehen einer neuen Dreyfus-Affäre ln Frankreich verhütet und ein berühmter jüdischer Flieger, gegen den sich der Verdacht, Hochverrat begangen zu haben, gerichtet hatte, «•habilitiert. Der Hergang war folgender: Paul Louis Weiler, Sohn des verstorbenen jüdischen Senators Lazare Weiler, geschäftsführender Direktor der Compagnie Internationale de la Navigation Aerienne, der sich als französischer Flieger rm Kriege hervorragend ausgezeichnet hatte und dreizehnma! in den Heeresberichten lobend erwähnt wurde, wurde beschuldigt, Betriebspatente des größten französischen Flugmotorunternehmens an Deutschland verkauft und, um dies zu ermöglichen, hohe französische Regierungsbeamte bestochen zu haben. Die Affäre bildete die letzte Woche hindurch das Tagesgespräch von Paris. Schließlich wurden am 6. Oktober zwei Franzosen verhaftet, von denen festgestellt wurde, daß sie eine Reihe Dokumente fälschten, aus denen die Schuld Weilers hervorgehen sollte. Sie fälschten auch Schecks, die angeblich von Weiler an Beamte als Bestechung ausgefolgt sein sollten. An Interesse gewinnt die Angelegenheit durch die Persönlichkeit des einen der Fälscher, Jean Lubersac, eines Bruders des früheren Senators Lubersac. Der,.tunesische Beilis" befreit Erfolgreiche Intervention der französischen Behörden — Nachklänge zu den Vorfällen ln Tunis Unter dem Titel «Der Fall Ankri» berichtete die «Stimme» in ihrer Neujahrsnummer ausführlich über diesen «tunesischen Beilis». Im Zusammenhang mit den in Tunis und in verschiedenen anderen Orten Tunesiens stattgefundenen ausgedehnten antijüdischen Ausschreitungen wurden auch mehrere Juden verhaftet, unter ihnen Jacob Ankri, von dem abergläubische Araber sagten, er habe an der Erblindung eines Arabers die Schuld. Ankri hatte nämlich, um seine Angreifer zurückzuschrecken, einen Fahrt ins Bian-Weiße Erstmalig wir.l tun Sonntag tl o n 3 0. Oktober 1. J., eine ganztägige l'i'lieiTascliungsfahrt ins Illau-Weiße io oeqnemen Autobussen (Allwctter-Aussichtswugcn) vurunslultot! Bei dieser Fahrt mit unbekanntem Ziel werden etwa 200 km zurückgelcgt und zumindest 10 Orte besuoht, die jüdische Sehenswürdigkeiten aus trüberen Jahrhunderten bewahren. So wird dies« Fahrt ins Blau Weiße, durch schönste Landschaft eil führend, zugleich lielegpnlieit bieten, einen Ausschnitt aus der (Jeschichte der Juden in Oesterreich vor den Augen der gleichgesinnten, das heißt ausschließlich jüdischen Fahrtteilnehmer aufzurollcn Ein fachkundiger Führer wird auf alle Sehenswürdigkeiten verweisen. Oer Fahrpreis betrügt pro Person, einschließlich Führungsbeitrag, ohne Verpf'egung, 8 II —. für Kinder (halben Platz) 8 5 50. Die Durchführung der ..Fahrt ins Blau-Weiße“ liegt in Händen der ..Pag“ reg. Ucn. m. b. H., Wien, III., Landstraßer Gürtel 9, wo — in Anbetracht der beschränkten Tellnehmcrzahl — die Anmeldung baldigst vorzunelunen istl Dl« „Fahrten ins Blau Weide" werdeu —- jedesmal mit anderem Ziele — am letzten Sonntag jedes Monats wiederholt; Tellnohmeraahl stets beschränkt, daher rechtzeitige Anmeldung zu empfehlen. (Bedingungen wie oben ungegeben ) Schreckschuß abgegeben, in diesem Augenblick soll einer der Angreifer, ohne daß er getroffen wurde, das Augenlicht verloren haben. Es stellte sich heraus, daß dieser Araber an einer schweren Augenkrankheit litt. Unter den Juden Tunesiens herrschte große Empörung darüber, daß Ankri zwei Monate lang wegen eines Aberglaubens im Gefängnis schmachten mußte, er wurde der «tunesische Beilis» genannt. Nunmehr haben die französischen Behörden beim moslemitischen Gericht, dem auch die Juden in Tunis unterworfen sind, die Freilassung Ankris durchgesetzt. Jugoslawien Ussischkin in Jugoslawien und in Italien Belgrad. Der Präsident des Keren Kajemeth, M. M. Ussischkin, weilte sechs Tage lang in Jugoslawien, wo er eine Aktion zugunsten des Bodenfonds durchführte. Er verbrachte das Rosch Hascliana-Fest in Belgrad, wo er in drei Synagogen sprach und einen durchschlagenden Erfolg hatte. Die Zeitungen brachten ausführliche Berichte über Ussischkins Aufenthalt. Von Belgrad fuhr Ussischkin nach Zagreb, wo er während seines zweitägigen Aufenthaltes mehrere Vorträge hielt. Auch in Zagreb war die Aktion erfolgreich. M. M. Ussischkin ist von Zagreb nach Italien abgereist. Er sprach auf einer Kundgebung in Mailand und wohnte in Florenz einer Beratung der Mitarbeiter des Keren Kajemeth bei. Von dort ging er nach Rom und wird über Brindisi nach Palästina zurückkehren. Solen 250.000-Zloty-Budget der Warschauer jüdischen Gemeinde Warschau. Vorstand und Repräsentanz der Warschauer jüdischen Gemeinde hielten zur Beratung der Budgetvorlage eine Sitzung ab, die die ganze Nacht andauerte und stürmisch verlief. Die Budgetvorlage in Höhe von rund 250.000 Zloty wurde gegen die Stimmen des zionistischen Blocks angenommen, woraufhin die Mitglieder dieses Blocks zum Protest den Saal verließen. Das Budget sieht die Anstellung von 35 neuen Rabbinern vor. Der von den Zionisten stark bekämpfte Beschluß, daß Polnisch die Unterrichtssprache in den Gemeindeschulen sein soll, blieb ungeändert. Die Warschauer jüdische Gemeinde prämiiert jüdische Dichter und Gelehrte Warschau. Die Warschauer jüdische Gemeinde, die beschlossen hat, alljährlich je einen Preis an einen jüdischen Dichter und einen jüdischen Gelehrten zu verleihen, hat die diesjährigen Preise in Höhe von je 1500 Zloty dem hebräischen Dichter Jacob Kahn für seine zuletzt erschienenen zwei Lyrikbände und dem Gelehrten und Forscher A. S. Herschberg für sein Werk «Die hebräische Kultur in der Talmud-Epoche» (hebräisch geschrieben) verliehen. (Rumönten Berücksichtigung der jüdischen Feiertage bei der rumänischen Armee Bukarest Für den 14., 15. und 16. Oktober wurde von der Bukarester Zentral-Rekrutierungsbehörde die feierliche Vereidigung der neuernannten rumänischen Reserveoffiziere angesetzt, die dem König den Treueid ablegen Die Kundmachung der Rekrutierung b Wirdeine Ausnahmebestimmung z u g u n r i e n der jüdischen Offiziere, die bereits am ersten Tage vereidigt werden sollen, da am zweiten Tage das Sukkothfest beginnt. In jüdischen Krt:■ en vir l >i: Rücksichtnahme der Militärbehörde aut die religiösen bedümüsse der jüdischen Offiziere mit Genugtuung verzeichnet. {Ruß fand Mißerfolg der antireligiösen Kampagne der hoben Feiertage Moskau. «Emess» erhebt schwerste Anklagen gegen die jüdischen Dorfzeitungen, wie z. B; «Leninweg» in Freidorf, «Kolwirt-Emess» in Kalinindorf, «Kolwirt-Stem» in Neu-Zlatopol und «Stalinindorfer Emess» in Stalinindorf, und wirft ihnen vor, daß sie die antireligiöse Kampagne sabotiert hätten. In atien jüdischen Rayonen konnten am Rosch Haschana die «Klejkodesch» (religiöse Funktionäre) und die übrigen «Klerikalen» zum Schaden des kollektiven Aufbaues «ihr Treiben fortsetzen». «Emess» bringt Telegramme, in denen mitgeteilt wird, daß in vielen Orten jüdische Kolonisten die Arbeit zur Einbringung der Rübenernte in Stich gelassen und zu Rosch Haschana in die Bethäuser gegangen sind. Regierung London. Infolge ues Ausscheidens von Sir Herbert Samuel und seiner Kollegen aus der von MacDonald geführten nationalen Regierung sind Neuernennungen und Umgruppierungen in der Regierung notwendig geworden. Höre Belisha, der bisherige Parlamentssekretär beim Handelsministerium, wurde zum Staatssekretär für Finanzen beim Schatzamt ernannt. Er ist der e i n z i g e J u d e in der gegenwärtigen Regierung MacDonald. Jubiläum des Kulfusvorsfehers von Sf. Pölten Aus St. Pölten wird der «Stimme» berichtet: Eine eindrucksvolle Feier fand am 23. September anläßlich des 70. Geburtstages des Kultusvorstehers Kommerzialrates Albert Leicht im hiesigen Tempel statt. Nach einem feierlichen Choral des Oberkantors B. Zimmerspitz umriß Oberrabbiner Prof. Dr. A.Schächter in der Festrede das Wirken des um das jüdische Gemeindeleben in St. Pölten hochverdienten Jubilars, der seit 30 Jahren dem Kultusrat angehört und 22 Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde ist. Obwohl er sich nicht ausdrücklich als Zionist bekennt, hat er doch immer an jüdischen Aktionen mitgewirkt und seine ganze, von jüdischem Gefühl durchoulste Kraft in den Dienst der jüdischen Sache gestellt. ln Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens wurden ihm von allen jüdischen Organisationen St. Pöltens Ehrungen zuteil, von denen besonders die auf seinem Namen lautende, von der Kultusgemeinde errichtete «Albert-Leicht-Stiftung», seine Ernennung zum Ehrenmitglied des jüdischen Turnvereines Makkabi St. Pölten und des Jüdischen Fraiuenvereins St. Pölten hervorgehoben seien. Auch die zionistische Ortsgruppe St. Pölten und di« Chewra Kadischah stellten sich mit Gratulationen ein, lind die zionistische Jugend brachte dem Jubilar den Dank dar für das Verständnis, das er Ihr jederzeit entgegengebracht hat. Die Gattin des Gg. Gustav Seidemann, der zu den ältesten Zionisten Oesterreichs gehört und in Tepütz-Schünau jetzt ständig wohnt, ist am 9 Oktober verschieden. Das Zionistische Landeskomitee und das Präsidium des Keren Kajemeth drücken dem altbewährten Gg. auf diesem Wege ihr tiefstes Beileid aus. «Franz-Josef»-Bitterwasser reinigt Magen, Darm und Bhit. Beatrixbad Michaelerbad Wien, '. Bei rk, Linke Bahngasaa Nr. 8, näohat Stadtpark Wien, 18. * ezlrk, M obae.erslrnßo 13, näobst Volksoper Orößter Komfort Vollständig neu eingerichtet Billige Preis« A,u.ba.M.n! ERMAESSIOUNOS-ANWEISUNG A.«d».u.. i Oexen diese Anweisung sablen Sie im Beatrixbad nur S 1'— statt Gegen diese Anweisung erhalten vie im Beatrix- oder Miobaoler- S rgo für ein Ruvslaobea telnscbwit bad Inkl. Wäsche. Besenbaa ein ermäßigte« Dampf-, Wannen- oder Sohwimmb-d. Im Vor« Massage. Größter und modernster Ofen in Wion. Neu erbaut! verkauf auch: Klchtennade-, Schwefel■, Kob eniäuro-, Badlum-ood Sehenswürdigkeit! Obiger F.infübrungspreis gilt nur bis Ende Darmbad. Wasserkur, Plstyansehlamm-Paokung, Höhensonne, Dia- Oktober 1932 tbermie, Hocbfrequens, Tonisator und alle anderen Heilbehandlung« 8654

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.