Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 249 (13.10.1932)
- Date
- 1932-10-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 249 — 13. Oktober 1932 PALÄSTINA Eingreifen der Palästina-Regierung in d n hebräischen ScLulhonfiikt. Jerusalem. Großes Aufsehen in der gesamten palästinensischen Oeffentlichkeit erregt das Eingreifen der Palästina-Regierung in den gegenwärtig im hebräischen Schulwesen Palästinas herrschenden Konflikt. Die Palästina-Regierung teilte der Exekutive der Jewish- Agency ultimativ mit, daß sie entschlossen sei, dem hebräischen Schulwesen die staatliche Subvention in der Höhe von annähernd 20.000 Pfund jährlich zu entziehen, falls die Schulen nicht noch in diesem Monat eröffnet werden sollten. Die hebräischen Schulen in Palästina sind zu Beginn dieses Schuljahres nicht wieder eröffnet worden als Folge der Meinungsverschiedenheiten betreffend die Kontrolle über das Schulwesen, die zwischen den verschiedenen jüdischen Instanzen in Palästina bestehen. Die Jewish Agency hat das bisher von ihr allein kontrollierte hebräische Schulwesen unter die Verwaltung des Waad Leumi gestellt und schlug vor, daß der Waa:, die Verantwortung für die Aufbringung des Schulbudgets auf sich nehme, zu welchem die Agency jährlich 40.000 Pfund beisteuern will. Verschiedene jüdische Instanzen aber, die auch ihrerseits zum Budget beitragen sollten, wie z. B. der Stadtrat von Tei-Awiw und der Verband jüdischer Kolonisten, widersetzten sich der ausschließlichen Kontrolle des Waad Leumi und fordern für sich eine Vertretung in der Schulverwaltung in einem Ausmaße, wie es der Waad Leumi ihnen zu bieten nicht in der Lage zu sein behauptet. Bis zur . Bendigung dieses Streitfalles, der gegenwärtig im Mittelpunkt der öffentlichen Erörterung des Jischuw steht, können die Schulen nicht wieder eröffnet werden. Die von der Palästina-Regierung der Jewish Agency gemachte ultimative Mitteilung wird als ein Versuch der Regierung, ihrerseits einen energischen Druck zwecks Lösung des Schulkonflikts und sofortiger Wiedereröffnung der Schulen auszuüben, gedeutet. Man nimmt an, daß der Schritt der Regierung den von ihr gewünschten Erfolg haben wird. Sturm über Palästinas Röste Sc! , e Schäden in Tel-Awiw und in den Weinbergen - Das Laser des Haschomer Hazacr in Rischon le Zion vollkommen zerstört - Die Zionistische Exekutive bringt Hilfe Jerusalem. Die palästinensische Küste ist am 6. Oktober von einem schweren Sturm heimgesucht worden, der in Tel Awiw und auch im Landesinnern vielfach schwere Schäden verursacht hat. Das Zeltlager des Haschomer Hazair in Rischon le Zion wurde vom Sturm vollkommen zerstört, sämtliche 27 Zelte ka:..!;üaui, ich öffnete die Tür, ich trat an das Bett meiner Frau, ich drückte einen langen, unendlich langen Kuß auf ihre Stirn . . . Bis hinter mir Licht wurde — ein Mann in der Kleidung der Grafen hielt es —, und ich sah: die ich geküßt hatte, •war gar nicht meine Frau. Von ihrem Mann, eben dem Grafen, der ins Zimmer getreten war, während ich da kniete, schon lange der Untreue verdächtigt, war ich nun mit ihr zusammen «entdeckt» worden. Sie führten mich ab. Sie machten mir den Prozeß. Sie hörten nicht, was ich ihnen zu meiner Entschuldigung sagte. Sie konnten es auch nicht glauben. Kein Jude wohnte mehr in der Stadt, das Haus als einst der reichsten der Gegend wer dem Grafen L'clinowsky bei der Teilung des polnischen Erbbesitzes zugefallen, er bewohnte es, bei seiner Frau war ich gefaßt worden, ich, ein Jude — sie verurteilten mich zum Tode. Sie führten mich um Mitternacht auf einen Hof. Da sollte ich sterben. Da siand auf der einen Seite der Galgen, auf der anderen aber — ein Kruzifix und ein Taufbecken. Hier sollte ich erschlagen werden, hier konnte ich mir das Leben erkaufen. Ich wählte das Leben. Ich wurde Christ, man behielt ein Auge auf mich, man brachte mich, aus Angst vor der Rache der Lichnowsky, über die Grenze, man empfahl mich dem höhmischen Heer, ich wurde Korporal, ich durfte der Judenstadt von Prag helfen. Es geht mir gut. Aber — ich bin gestorben. Der Jude Schalom Meir, der ich einmal war, lebt nicht mehr. Er hat tausend Tode erlitten. Er wird morgen hinausgehen lind im Kampt gegen irgendeinen Feind der Böhmen einen letzten *«d erleiden. Niemand in der Judenstadt wird wissen, wo und wann das geschieht. Niemand wird ahnen, daß der Körper, der da irgendwo als der eines Landsknechtes verscharrt wird, einmal Hülle einer jüdischen Seele war. Deshalb: Sagt Kaddisch für diese Seele, die schon längst tot ist. Sagt Kaddisch für einen unbekannten Juden. Die Gemeinde von Prag hat die Bitte erfüllt Die Gemeinde von Prag hat es durch die Geschlechter überliefert, daß für einen, dessen wahren Namen man nicht kennt, am Vorabend des Jom-Kippur vor allem Gebet Kaddisch zu sagen sei. Und noch heute, wenn Jom-Kippur-Abend zu Prag die Altneuschul sich füllt, wenn alle Beter ihre weißen Kittel angezogen haben und das Rauschen der Erwartung endgültig abgeklungen »st, wenn die Zeit kommt, daß der Chasan sich ans Pult stellen muß, Kol-Nidre sagen, — dann heißt ihn, Jahr für Jahr, der Rabbiner von der Ostwand her . . . tchweigen. Er wendet sicli von seinem Platz, tritt neben den Vorbeter und spricht den «Prager Kaddisch». («Ist. Fam.-Bl. — H>) wurden fortgetragen, 70 jüdische Arbeiter mußten eine ganze Nacht im schweren Sturm ohne Dach Uber dem Kopfe verbringen, so daß mehrere von ihnen erkrankt sind. Die Zionistische Exekutive hat sofort den Lagerinsassen Hilfe gebracht und für ihre Unterkunft gesorgt. Besonders heftig wütete der Sturm in Tel-Awiw Elektrische Maste wurden umgeworfen, das Lichtnetz wurde vielfach zerstört, so daß die Stadt Tel-Awiw die ganze Nacht in Dunkel gehüllt war. Eine wilde Panik entstand im Theater Matate, wo während der Aufführung am Abend das Licht erlosch und der Sturm um das Haus wütete. Das Publikum drängte zu den Ausgängen, glücklicherweise gab es keine Verletzte. Schwerer Schaden wurde an den King Solomons Pools angerichtet, wo Häuser im Rohbau und im Gerüst niedergerissen wurden. Auch die Ernte in der Küstengegend hat vielfach Schaden gelitten, besonders wurden große Teile der Weinernte vernichtet. Man beziffert den Schaü’en auf etwa 2000 Pfund. Staatsunterstutzung auch für dos jüdische Gesundheitswesen in Palästina Jerusalem. Die vom High Commissioner General Sir Arthur Wauchope vor kurzem einer Abordnung des Waad Leumi gegebene Zusicherung, daß er die jüdischen Institutionen in angemessener Weise subsidieren wird, bezieht sich nicht allein auf das Schulwesen, sondern auch auf das Gesundheitswesen. In den Kreisen des Jischuw legt man dieser Zusicherung große Bedeutung bei, denn es ist dies das erste Mal, daß die Palästina-Regierung sich geneigt zeigt, ihre bisherige prinzipielle Stellung in der Frage der Staatsunterstützung für jüdische Krankenhäuser und Volksgesundheitsanstalten zu ändern. Bis jetzt hat die Palästina-Regierung dem jüdischen Gesundheitswesen fast keinerlei Unterstützung zuteil werden lassen. GroBfleiscItliauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale iX, Berggasse IV, l ei. A i/-d-m>u. A 16-9-34 Lieferant tür Heilanstalten Abteilungen für 1&2-Flei8ch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kaobmats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Aulozusiedung «onemo» IX, Bercgasse h XVili Währingerstraße 79 Die Araber und der Balfour-Tag Jerusalem. Die arabischen Führer erließen heute einen Aufruf an die arabische Bevölkerung, den 2. November d. J., den Jahrestag der Verkündung der Balfour-Deklaration, zu einem Tag arabischen Protestes zu gestalten und im ganzen Lande Versammlungen abzuhalten, in denen Entschließungen gegen das Mandat und di« Balfour-Deklaration gefaßt werden sollen. König Feisal in Jerusalem Jerusalem. (J. T. A.) König Feisal vom Irak, der in Amman zum Besuch seines Bruders Emir Abdullah geweilt hat, ist am 19. September in Jerusalem eingetroffen, wo ihm General Sir Arthur Wauchope einen Staatsempfang bereitete. Auch der Oberste Moslemitische Rat gab zu Ehren Fedsals einen Empfang. Man nimmt an, daß König Feisals Besuch in Transjordanien und Palästina mit der pan-arabischen Bewegung und dem geplanten pan-arabischen Kongreß, ebenso mit der Frage der Vereinigung des Irak mit Syrien zu einem einzigen Königreich unter Feisal in Zusammenhang steht. Palästina soll Zollautonomie erhalten Jerusalem. (J. T. A.) Eine von der Jewish Agency einberufene, in Tel-Awiw stattgefundene Versammlung jüdischer Wirtschaftsfiihrer, an der neben Vertretern der Jewish Agency und des Waad Leumi noch Vertreter des Verbandes jüdischer Landwirte, des Industriellen-Verbandes und des Verbandes der Citrus-Züchter teilnahmen, behandelte die Frage der Gründung einer Liga zur Herstellung einer Zollunion zwischen Palästina und England. Dr. A. I. Kaste- Iiansky trat für die Abschaffung des Zollsystems der Offenen Tür in Palästina, das auf der sogenannten Meistbegünstigungsklausel (Most Favoured Nations Clauses) basiert, ein und forderte die Inaugurierung einer eigenen Handels- und Zollpolitik in Palästina. Palästina soll die Freiheit haben, Zollabkommen mit verschiedenen Ländern gemäß seinen eigenen Bedürfnissen abzuschließen. Dr. Chaim Arlosoroff, Mitglied der Exekutive und Leiter des Politischen Departements der Jewish Agency, übernahm die Leitung des Komitees zur Organisierung der neuen Palästina-Liga zur Herstellung einer Zollunion zwischen Palästina und England. Er wird einen Aktionsplan für Vorbereitung eines Handelsabkommens mit dem britischen Reich ausarbeiten. 1t2D IM Bestrenommierte Küche im neueröffneten Gassenlokal II.. 3, Tel. A 48*8*82 . Die Arbeit des Hechaluz*) Am 17. und 18. September fand in Wien die diesjährige Konferenz des Hechaluz statt. Wir wollen dies zum Anlaß nehmen, um die jüdische Oeffentlichkeit kurz über die Arbeit der Bewegung zu informieren. Die große Arbeitslosigkeit, die jetzt in Wien herrscht, hat auch vor unseren Mitgliedern nicht Halt gemacht. Diese wirtschaftliche Entwicklung Oesterreichs, verbunden mit dem gleichzeitigen Aufschwung Palästinas, unterstützten die chaluzische Erziehung der Jugendbünde. Eine Immer wachsende Anzahl von Mitgliedern der Bünde meldete sich bei unserer Organisation an, verlangte, auf Hachscharah und zur Aliah geschickt zu werden. Auch innerhalb der Bünde, die früher der Chaluziuth fern gestanden waren, bildeten und bilden sich Chaluzgruppen und die Chaluziuth wie auch der Hechaluz hörten auf ein Monopol der sogenannten «Linken Gruppen» zu sein. Die Arbeitslosigkeit, die jetzt in Oesterreich herrscht, brachte noch eine sehr interessante und wichtige Erscheinung mit sich. Jugendliche, die früher fast keine Beziehung zum Zionismus gehabt hatten, kamen zu uns mit dem festen Willen, sich für Palästina vorzubereiten. Eine der wichtigsten Aufgaben, die vor uns standen, war die Beschaffung von Hachscharah-Arbeitsplätzen. Leider konnten wir dieser Aufgabe nur in unzureichendem Maße gerecht werden. Trotz eifrigster Suche, trotz Besuchen® jüdischer Grundbesitzer, trotz Beanspruchung der Hilfe öffentlicher Institutionen konnten wir in Oesterreich dieses Jahr bloß zwei Arbeitsplätze für größere Arbeitergruppe!» in Oesterreich und einen Platz in der C. S. R. erhalten. Nicht, daß unsere Leute sich nicht gut in der Arbeit gehalten hätten und so die Unzufriedenheit des Arbeitsherrn hervorgerufen hätten; nein, die jüdischen Grundbesitzer, an die wir uns in dieser Angelegenheit wandten, sahen keine Veranlassung unsere Gruppen aufzunehmen, obwohl die eingezogenen Informationen ausgezeichnet waren, obwohl es in den Kreisen der Landwirte bekannt ist, daß unsere Leute nicht nur gute, sondern auch verläßliche und arbeitswillige Arbeiter sind. Angst vor dem Antisemitismus der Landarbeiter, Bequemlichkeit und diverse Vorurteile hinderten die Grundbesitzer an der Aufnahme unserer Gruppen. Unsere Chawerim und Chaweroth arbeiteten in Geflügelfarmen, Molkereien, Gemüse- und Obstgärten, Großküchen usw., um ihre Zeit für Palästina positiv zu verwerten. Auch die Israelitische Kultusgemeinde half uns dank dem Drucke der zionistischen Mandatare bei der Beschaffung von Arbeitsplätzen. Unsere Organisation übernahm nach und nach die diversen Arbeiten auf dem Zentralfriedhof und unsere Chawerim bewiesen, daß sie auch die schwersten Arbeiten, wie die der Totengräber ausfüllen können. Auf diesem Gebiete verdanken wir besonders viel unserem Dr. Löwenherz, der sein Möglichstes tat, um uns Arbeit zu verschaffen. Wir hoffen, daß sich das Prinzip der jüdischen Arbeit innerhalb der Kultusgemeinde noch weiter durchsetzen wird. Großen Einfluß auf die Bewegung übten die wieder im erhöhten Maße erscheinenden Aliahmöglichkeiten. Im Frühjahr gingen 25 Chawerim zur Aliah und jetzt stehen weitere Chawerim knapp vor ihrer Aliah auf Grund der erhaltenen Zertifikate. Diese Aliah einer so großen Anzahl von Chawerim «entführte» uns wohl einen Teil von aktiven Chawerim, brachte jedoch neuen Schwung und neue Hoffnung in die Bewegung, zeigten den Chawerim, daß es eine Erfüllung gebe daß sie tatsächlich die Möglichkeit haben, nach einer gehörigen Hachscharah zur Aliah zu kommen. Soll unsere Vorhereitungsarbeit von Erfolg gekrönt sein, dann müssen wir die Frage der Beschaffung von Haschscharahplätzen regeln. In dieser Arbeit fordern wir di« Unterstützung der ganzen zionistischen Oeffentlichkeit. Marian. Die Weidah des Hechaluz Samstag, den 17. September, fand im Theatersaal Reklam als Eröffnung der Weidah eine feierliche Abschiedskundgebung für die Olim statt, an der etwa 500 Chawerim und Gäste teilnahmen. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden hielt Gg. Mendel Singer die Festrede, in der er die besondere Rolle des Chaluz im Aufbau Palästinas hervorhob. Es folgten dann Ansprachen der nahestehenden Organisationen und Freunde der Chaluzbewegung. Es sprachen: Im Namen der Kultusgemeinde Prof. Rath, im Namen der Allianz Doktor Kaminka, für das zionistische Landeskomitee und das Palästina-Amt Dr. Horowitz, für die Arbeiterkammer Dr. F. Rager, für den Misrachi Koppel Blum, für die zionistische Arbeiterpartei Weinreb und schließlich Lehrer Herzberg für die Histadrutli hamorin. An die Feier schloß sich ein künstlerischer Teil, dessen Höhepunkt der Gesangsvortnng des bekannten palästinensischen Konzertsängers K r y b u s bildete. Der begabte palästinensische Künstler rief mit seinen hebräischen und jüdischen Volksliedern wahre Begeisterungsstürme hervor. Noch lange vergnügten sich die Chawerim bei fröhlichen Gesängen und hoffnungsfrohen Horahtänzen. Erst spät nachts wurde diese gelungene Feier, die so recht die Stärke und die Begeisterungsfähigkeit der Chaluzbewegung gezeigt hatte, mit dem Absingen der Techsakna und der H a t i k w a abgeschlossen. Sonntag wurde dann die eigentliche Arbeitstagung abgehalten, über die noch berichtet werden wird. >) Wegen Raummangels zurückgestellt. Iran! und prona«i«rl das gemeinsame zionistische Erkennungszeichen idle blau-weiß« Stecknadel (Vertrieb: Kcrea Nalereeth) 492786196^6284