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Die Stimme · 1932-10-13 · Heft 249 (13.10.1932) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 249 (13.10.1932)
Date
1932-10-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 249 — 13. Oktober 1932 DIE STIMME Seite 3 wegen der hohen Erhaltungsspesen allen Wert elngeboßt hatten. «Man darf nicht ganz außer acht lassen» — fügt Ruppin dort hinzu — «daß auch jede geringere kriegerische Entwicklung, die den Schiffsverkehr im Mittelmeer stört oder wichtige Einfuhrländer der Orange versperrt, die Orangenpflanzer ihrer Einnahmen berauben und katastrophale Folgen haben würde.» *** Diese Bemerkung wird zum Hauptargument Ruppfns erhoben, weil sich das lustige Beispiel von den drei Meter starken Stahlwänden anbringen läßt. Vorenthalten aber werden die wichtigen und entscheidenden Argumente Ruppins für die von den Revisionisten heftig befehdete Emek-Siedlung und Ihre gemischte Wirtschaft. Ruppin erinnert daran, daß Palästina kein Kuchen ist, aus dem wir uns nach Belieben die Rosinen herausholen können. Die Möglichkeit zur schnellen Erwerbung zusammenhängender großer Bodenkomplexe sei in der Zeit nach dem Kriege nur im Emek gegeben gewesen. Wollte also die Zionistische Organisation den Auftakt zu einem neuen Tempo in der Kolonisation geben, so wies die größere Leichtigkeit und Schnelligkeit des Landerwerbs auf den Emek hin, wo aber infolge der klimatischen Bedingungen nicht der Orangenbau, sondern nur die gemischte Wirtschaft die Grundlage der Kolonisation bilden konnte. Er weist ferner — ein Argument, das gerade den Revisionisten nahegehen müßte — auf die wirtschaftsstrategische Bedeutung des Emek hin, welcher das einzige große Quer-Tal Palästinas, die Einfallstraße Ist, welche das Mittelmeer mit dem Jordantal, mit Transjordanien, Damaskus und Mesopotanlen verbindet, aber auch die Brücke zwischen der jüdischen Kolonisation in Judäa und Samaria, im Jordantale und in Galiläa ist. Er führte ferner an, daß doch die Orangenzone, also die sogenannte Pflanzungszone ein minimaler Teil des besiedelbaren Palästinas ist: «Vom Standpunkt der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina kann es unmöglich unser Ziel sein, uns auf diese 200.000 Dunam in der Küstenebene zu beschränken und eine kleine Enklave in einem nichtjüdischen Palästina zu bilden. Erez Israel ist nicht nur dort, wo die Orange gedeiht. Es ist vielmehr unsere Aufgabe, überall in den Ebenen die Kolonisation aufzunehmen, selbst wenn sie vom Standpunkt der Rentabilität zurzeit weniger aussichtsreich ist als die Orangenkultur.* Nicht unwichtig ist wohl auch die Erinnerung daran, daß die jährlichen 100.000 Pfund, welche die zionistischen Siedlungen aus Milchprodukten erlösen, nicht in jüdischen Händen geblieben wären, hätte man nicht mit der Milchproduktion im Rahmen der gemischten Wirtschaft begonnen. Und er schließt: «Eine Konjunktur-Kolonisation steht auf tönernen Füßen. Wir können nicht alle paar Jahre unsere Kolon:sation je nach der Konjunktur vom Grund auf ändern .... Statt Adaptierung wenden wir uns nur zu schnell zur Revolutionierung. Das ungeheure Maß von Energie, Opfern und Geld kann erhalten werden, wenn wir uns nicht von den post-factum-Prop h e t e n leiten lassen, die bei jeder neuauftauchenden Konjunktur sich darüber ereifern, daß man nicht schon früher diese Konjunktur in Rechnung gestellt hat. Wenn wir uns vor Augen halten, daß unsere Kolonisation nicht nur ein Mittel zur Erzielung von Profiten ist, sondern gleichzeitig auch ein Mittel zur Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina sein soll, so muß sie sich auf a 11 e wirtschaftlich für jüdische Kolonisation irgendwie geeignete Gebiete in Palästina erstrecken. Die gemischten Wirtschaften haben in der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens bewiesen, daß sie es verstehen, sich in hohem Maße an die wechselnden Bedingungen des Marktes a n z u - passen und selbsterhaltend zu werden.» Aber statt sich mit diesen ernsten Fragen wirklich ernst auseinanderzusetzen und die durchaus nötige, erwünschte produktive Kritik zu üben, bringt das revisionistische Organ in seinem Kampfartikel gegen die Wirtschaft der zionistischen Exekutive neuerdings den sattsam bekannten Schlager von den arabischen Müttern, welche «zahlenmäßig die Siedlungsarbeit der zionistischen Organisation und Fonds in sieben Monaten wettmachen». Es wird wieder hinausgeschrien, daß die Fonds mit ihren ungeheuren Mitteln eine lächerlich geringe Zahl von Kolonisten nach Palästina gebracht hätten. Ganz abgesehen davon, daß bei den von den revisionistischen Kritikern empfohlenen Siedlungsmethoden bloß eine zumindest um ein Drittel kleinere Zahl hätte angesiedelt werden können, muß doch endlich diese wirklich demagogische Methode mit einigen Worten und Ziffern ins richtige Licht gesetzt werden: Bloß 32 Prozent des Keren Hajessod sind für effektive Kolonisationszwecke verwendet worden. Der Rest, beinahe 70 Prozent, war bisher Aufwand für öffentliche Arbeiten in Stadt und Land, für das Gesundheitswesen, für das Schulwerk, kurz für alle jene Zwecke, welche das Einsetzen der Privatinitiative, das Zuwandern von Menschen mit eigenen Mitteln überhaupt erst ermöglichte. Es ist zum Beispiel unrichtig, daß Tel-Awiw ganz ohne Hilfe der Fonds entstanden ist. Ganze Stadtteile stehen auf K. K. L.-Boden und ohne die Investitionen des Keren Hajessod im Elektrizitätswerk, ohne die Anleihe des Keren Kajemeth, welche er anno 1909 jener Gesellschaft bewilligte, die den Grundstein zu Tel-Awiw gelegt hat, ohne den Bau von Straßen und Chausseen aus den Mitteln des Keren Hajessod und ohne das hebräische Schulwerk wäre Tel-Awiw wohl nicht das geworden, was es heute ist. Es ist eben Aufgabe des nationalen Kapitals, die Gr u n d 1 a g e n zu schaffen, für den Aufbau im ganzen besiedlungsfähigen Lande und die WirksamkeitderFonds lassen sich nicht bloß nach der Zahl der ins Land gebrachten Unbemittelten, der Chaluzim, beurteilen. Es ist übrigens unrichtig, daß die zionistische Organisation ausschließlich die Kolonisation auf Basis der gemischten Wirtschaft begünstigt. Nicht weniger als e i n Drittel aller mit Hilfe der Zionistischen Organisation angesiedelten Familien wurde i n derPflanzungszone angesiedelt, und es ist u nrichtig, daß die zionistischen Nachkriegskolonien im Emek «auf der Basis des Getreidebaues» errichtet wurden, sie sind vielmehr — auch das weist Ruppin nach — in bewußter Ablehnung des Getreidebaues der alten untergaliläischen Kolonien entstanden, sie produzieren Getreide nicht für den Verkauf, sondern nur für Eigenbedarf, im Zentrum ihrer intensiven Wirtschaften stehen Milchwirtschaft, Hühnerzucht, Gemüse, Weintrauben und sonstige unbewässerte Pflanzungen. Das zionistische Siedlungswerk, das Werk der Fonds, ist ganz gewiß verbesserungsfähig und stets reformbedürftig. Aber eine Kritik, welche die besten Söhne der Nation, jene, welche als Pioniere in das versumpfte Emek gegangen sind, die Steinbrtiche geöffnet, die Straßen gebaut haben, zu «Kostgängern» degradiert, die ganze Arbeit des nationalen Kapitals eine «kranke Spendenwirtschaft» nennt und skrupellos, in förmlicher Vernichtungswut das ganze bisherige Siedlungswerk «ein Faß ohne Boden» nennt, richtet sich selbst. Ewer Hafardcn Von Dr. E. N« Zweiq, Jerusalem I. Amman. «Ewer Hajarden» — jenseits des Jordans — drohend und lockend zugleich klingst Du dem jüdischen Ohr. Drohend als ein Bollwerk arabischer Macht unter dem Szepter Emir Abdallahs, der mit dem Mufti von Jerusalem liebäugelt, so oft es dem Jüdischen National'heim eins am Zeug zu flicken gilt. Und lockend wie das Märchenland der verschollenen zehn Stämme jenseits des tobenden Sambattion. Denn auch Ewer Hajarden war bis vor kurzem uns Juden, Einwanderern und selbst Touristen, streng verschlossen. Und doch lebten dort von der Landnahme durch Josua an die reisigen Stämme Reuben, Gad un Halb-Menasseh und ihre Nachfahren bis in die byzantinische und noch die früharabische Zeit... Als darum das Touristenbüro des rührigen Palestine Lloyd in Jerusalem eine Gesellschaftsreise nach Amman und Djerasch ansagte, konnte mich nichts abhalten, mitzutun. Inmitten eines glutheißen Augusttages ratterte unser Autobus mit zwölf Fahrgästen unter Führung des bewährten Mentors Judai los. Jeder Gast hatte, wie ein geaichter Afrikareisender, seinen Proviantsack und eine Riesenflasche, mit Wasser oder Tee gefüllt, bei sich. Am Damaskustor vorbei und um die Nordwestecke der Stadtmauer herum, wo gegenüber dem Storchenturm der Prachtbau des von Rockefeiler gestifteten Archälogischen Museums emporwächst, hinab ins Kidrontal und die wohlbekannten Serpentinen tiefer und tiefer, bis wir in Jericho, vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel, schwitzend ankamen. An der schier versiegten Elisha-Quelle durch paar Schluck Gasos gelabt und dann — auf der Flucht vor der Tropenglut des Ghor — weiter, ostwärts bis zur Landesgrenze. Hier führt die Allenby-Brücke über die gelben Wellen des Jordans. Diesseits werden wir von der palästinensischen und jenseits — o heil’ge Ordnung! —• von der transjordanischen Polizei registriert. Sie trägt schon, statt dem Kalpak aufgestülpt, weißflutende Tücher um den Kopf gewunden. Das Amtsorgan wiegt sich just, mit näselnder Stimme gleich einem Chasan psalmodierend, über dem Koran und hat sich erst nach Erledigung der nötigen Zahl Suren zum Tisch seines Freiiuftbüros. Zwei Eingeborene, ihm zu Füßen, schauen dem Schreibkunstbefließenen ehrfürchtig zu. Her mit ihnen! Samt ihren Donnerbüchsen und schimmernden Dolchmessern brauchen wir sie als Staffage der Gruppe, welche sich in diesem historischen Moment am Brückenrand knipsen läßt. Daß der Bus weiterrollt, merkt man an den amtlichen Aufschriften, welche nur mehr englisch und arabisch lauten, daß die Juden hier nichts mehr zu sagen haben. Und doch grüßt aus Südost vom alten Moabiterland her durch die Dunstschicht, welche über dem Jordantal schwelt, die Kuppe des Nebo, von wo Mosche Rabbenu alles Land der Verheißung überschaut hat. Der Salzstaub verfliegt, das Gelände steigt wieder an und unsere Straße, lang nicht mehr so gut gepflegt als in Palästina, schlängelt sich am Hochrand eine Rinnsales empor, das Wadi Nimrin, der Tigerbach, heißt. Die üppig wuchernden Pflanzen an beiden Ufern TE PPICH HAUS S. SCHEIN A. G. NUR WlfcN.I, BAUERNMARKT 12 14 ALLES,WAS DAS HEIM BEHAGLICH MACHT Kiesenauswahl za konkurrenzlos nilliuen Preisen TEPPICHE VOUHÄNGE DECKEN MÖBELsTOEEE LINOLEUM ETC. Io der Schwemme: Beste und Auslagenstucke zu Schleuderpreisen I bilden ein dunkelgrünes Band, das sich von dem Ocker der kahlen Berghänge mit ihren rötlichen und vioietten Tinten und den gewellten Steinrippen erquicklich abhebt. Ja, in diesem Dickicht von hohem Schilf und blütenübersätem Oleander mag der Tiger sein Lager gehabt haben, zum Schreck unserer Altvordern vom Stamme Gad, die nahebei in Bet Nimrin hausten. Hier wütete stets der Kampf zwischen Mensch und Tier und zwischen Mensch und Mensch. Denn von der Wüste im Osten her drängen immer neue Unholde in das mühsam der Zivilisation gewonnene Land. Auch heute ist Transjordanien, wie einst von den Römern, nun von den Briten als Militärgrenze ausgerüstet, um die drohende Ueberfiutung durch die Wüstenstämme abzuwehren. Ebenda hält am Wegrand eine Patrouille der transjordanischen Reiterei. Die zwei Kerls auf ihren feurigen Rossen lassen sich nicht lang von uns verblüffen. Schon sind sie im Galopp, die Flinten hochgeschwungen, hinter unserem Auto her, bis sie es richtig überholt haben. Jetzt erst, mit einer stolzen Geste an uns degenerierte Europäer, reißen sie die Zügel zurück. Wo immer wir fortab in Ewer Hajarden auf Männer treffen — stattliche Gestalten allesamt —, trugen sie Waffen; wenn schon nicht eine Flinte, so doch die Schabrije im üuj^t. Das Tal wird breiter und ist randvoll von Gärten, mit Gemüsen und Bäumen aller Art. Zwischen Ricinus, Tamarisken und Akazien leuchten die roten Kugeln d’^s Granatapfels. Und damit wir uns ganz nach tausend- und einer Nacht versetzt fühlen, sieht man die Bewohner dieser Ooase als wahre Troglodyten an den überhängenden Höhlen ein und ausschlüpfen. Und doch ist dies schon das Außengelände von Es-Salt, der größten Ortschaft des Landes, mit 15.000 Einwohnern. An einer Wegbiegung hält der Bus und Judai erklärt: «Hier stand das jüdische Gadarah. Doch wir wollen die Stadt lieber nicht betreten. Die Leute darin sind meist Muslims und der Rest Christen; allesamt aber stehen sie an Fanatismus hinter den Helden von Hebron kaum zurück.» — Wie, kann also auch der süße Saft der großkugeligen Weintrauben, die rings an den Hügeln reifen, die Herzen nicht zur Milde stimmen? Im Abenddunkel auf die in der Bibel genannte Hochebene Jogbeha bis zu 1100 Meter steigend, kommen wir durchs Tscherkessendorf Es-Suweli, dessen Sauberkeit angenehm auffällt. Gleich darauf — es geht mit Fug bergab — wieder ein Stück Wüstenromantik. Schwarze Beduinenzelte säumen hier und dort die Fahrbahn und im Sohein der primitiven Lagerfeuer bewegen sich gespenstig hagere Gestalten. Nun rollen wir nach. Amman herein. Schon die Türken errichteten hier, an der Mekkabahn, ein Verwaltungszentrum. Und nun wurde Amman gar zur Haupt- und Residenzstadt des Emir Abdallah Ibn Hussein und zählt ganze 10.000 Seelen. Eine Neuschöpfung auf uraltem Grund, denn eine der Bergschroffen trug vor dem Rabbah, die Feste der Bne Ammon, unsere streitbaren Vettern aus der Bibelzeit. Und als das Makkabäerreich unter dem würgenden Zugriff der Römer dahinsiechte, ballten sie hier in der Provinz Peraea das Gemengsel semitischer . Völkersplitter zu einer Einheit gegen das in Trotz verharrende Judäa zusammen. So entstand der Städtebund der Dekapoiis, deren Bürger sich der griechischen Kultur und der römischen Herrschaft gebeugt hatten. Ihm gehörte auch Rabbah an, das schon zu Ehren des. Diadochen Ptolomäus II. Philadelphus von Aegypten in Philadelphia umgenannt worden war. Ebenso hieß das-, Hotel, vor dem nun unser Auto hielt. Das Reisebüro Cook hat es erbaut und ein arab.scuer Wirt ui.ai es mit Umsicht und Takt.- Heil dem Unternehmungsgeist, der in diesem verschollenen Erdenwinkel Hotelzimmer rnit fließendem Wasser schuf. Und die Reinigung tut uns not. — Gerade vor meinem, mit Moskitonetzen wohlverwahrten Fenster weitet sich das Halbrund des; antiken Amphitheaters und gleich nebenbei deuten di« Rundbogen einer würdigen Ruine auf das Odeon, das vor Zeiten den Ammonitern als Konzerthaus diente. Nach dem Abendessen lockt der Vollmond unser« Gesellschaft noch zu einem Rund durch den setok

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