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Die Stimme · 1932-10-13 · Heft 249 (13.10.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 249 (13.10.1932)
Date
1932-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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-sr te 2 DIE STIMME Nr. 249 — 13. Oktober 1032 - dem deutschen Juden ein ungeheures Prestige In r jüdischen Welt gegeben. Alle Theorien der Emanzipation und der Assimilation sind von deutschen Juden geschaffen worden, und bis in die fernsten Weiten jüdischen Lebens ist der Einfluß um die Autorität des deutschen Judentums fühlbar gewesen. Diese Position des deutschen Judentums ist nun zusammengebrochen. Die Gefahr des russischen Antisemitismus war physische Vernichtung für Juden, aber nicht die Demoralisation des jüdischen Menschen. Der deutsche Jude, der an Deutschland naiv und hingebungsvoll glaubte, hat nicht mehr diese schützende Haltung der freiwilligen Distanz. Die ganze moralische Auswirkung der antisemitischen Atmosphäre in Deutschland, die Juden zu Menschen zweiter und dritter Klasse degradiert, auf das Gros der deutschen Juden ist die ärgste Gefahr in diesem Zustand. Bei Betrachtung dieser Erscheinungen muß man auch die allgemeine Situation des Judentums, die heute natürlich eine wesentlich andere ist als vor etwa zwei Jahrzehnten, ins Auge fassen. Brach früher ein jüdisches Zentrum zusammen, so war zumindest ein anderes da, das physisch und seelisch Zuflucht gewährte. Heute sind alle jüdischen Zentren zusammengebrochen. Das große Kraftreservoir, das ehemals das russische Judentum bildete, existiert nicht mehr. Die Lage des übrigen osteuropäischen Judentums ist eine trostlose. Verarmung, Verdrängung, die schließlich auch den kulturellen Niedergang zur Folge haben, kennzeichnen sie. Auch Amerika kennt heute, nicht zuletzt infolge der Wirtschaftskrise, eine Judenfrage, Am symptomatische- FDP den Wiederaufbau von Safed London. Unter dem Vorsitz der Bürgermeisteiin des Londoner Bezirkes Stepney, Miß Moses, fand in der Kunstgalerie von Whitechapel eine vom Pro-Safed Comittec veranstaltete Be; atung statt, in der Dr. O’Donovan, Unterhausnrtglicd für Stepney, erklärte, er werde sich bei der Regierung nach der Richtung bemühen, daß sie an dem Wiederaufbau von Sa cd, das bei den arabischen Unruhen im Herbst 1929 zu einem großen Teil zerstört worden ist, mitwirkt. Es folgten Ansprachen von Rabbi Abramski. dem Vizepräsidenten der Revisionistischen Weltorganisation Meer Grossmann und dem politischen Sekretär der Weltorganisation Agudas lisroel A. H. Goodman Großmann gab die Anregung, daß die Londoner Judenheit Safed «adoptiere» — nach dem Beispiel der «Adoptierung» im Kriege zerstörter belgischer und französischer Stcädte durch englische Städte —, d. h. daß die Londoner Judenheit die Verpflichtung auf sich nehme, Safed wieder aufzubauefl. Goodman führte aus, die Weltjudenheit hätte ohne Palästina keinen Existenzgrund und Palästina hätte ohne se:ne heiligen Städte Safed und Hebron keine wirklich jüdische Zukunft. „SHAAR" Co. Ltd. Für trte.lung von Informationen und für Transaktionen in: Orangerien, Böden, Häusern, Bauparzellen, Industrie und Hypotheken Unsere europäisch-amerikanische Methode, die Objekte genau zu prüfen und auf ihren Wert einzu- .ichätzen, ermöglicht uns, die richtige Auswahl zu treffen und solche Objekte zu offerieren, deren Wertsteigerung gesichert erscheint. Wenden Sie sich an uns persönlich oder brieflich und wir werden Ihnen Entsprechendes offerieren. TE-LAVIV, Rotschild Blvd. 11 P. 0. 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Es ist ein Jahrhundert der brutalen Kämpfe, «p^nze Rassen und Kontinente sind erwacht und Subder Geschiphte geworden. Die Völker wollen heute nichts von Demokratie und Freiheit hören. Eine solche Zeit ist sehr ungünstig für Minoritäten. Sie ist doppelt ungünstig für uns Juden, die politisch atomisiert, territorial verstreut, machtlos, preisgegeben den brutalen Kämpfen dieser Zeit sind, in denen auf uns wenig Rücksicht genommen wird und in der die Gefahr besteht, daß wir rücksichtslos zur Seite gedrängt werden. In diesem traurigen Gesamtbilde ist aber auch die Lehre enthalten, daß alle Versuche der Lösung der Judenfrage in der Galuth zum Scheitern verurteilt sind. Selbstverständlich zwingt die jüdische Lage heute, Palästina als die wirkliche Lösung der Judenfrage zu proklamieren. Aber auch der Zusammenschluß aller Kräfte im Judentum der Galuth ist ein Gebot der Stunde. Palästina wird vielleicht einst der Protektor der Galuth sein. Die Juden aber, die in der Galuth zu leben gezwungen sind, müssen aus den Erscheinungen der letzten Jahre die richtige Lehre ziehen. Die vierzigjährige zionistische Geschichte mit ihren bewährten Kongreßinstitutionen hat den Beweis der Internationalen Organisierung des Judentums erbracht. Allein nach der Balfour-Deklaration, nach der naturnotwendigen Konzentrierung der zionistischen Energien auf Palästina, , ergibt sich heute überdies die Notwendigkeit der Schaffung einer zweiten Institution, des jüdischen Weltkongresses. Der Grundcharakter des Weltkongresses wird ein radikal-demokratischer sein. Ueber die Parteien hinweg wird er den Weg direkt zu den jüdischen Massen suchen und finden. Diese werden selbst das jüdische Parlament wählen. Eine der historischen Aufgaben des Weltkongresses wird es sein, endlich ein Ende zu setzen dem schändlichen und schädlichen Chaos des jüdischen Lebens hinsichtlich seiner politischen Repräsentanz. Der Weltkongreß wird gegen die jüdische Plutokratie kämpfen, er wird vielleicht nicht der Weltkongreß aller Juden, wohl aber der Weltkongreß des jüdischen Volkes sein, der Juden also, die sich zum Volke bekennen. Und im Namen des Volkes wird er für dieses wirken. Dr. Jakob Rosenthal In der jüngsten Nummer der «Neuen Welt» wird das Palästina-Werk der zionistischen Exekutive und ihr Finanzinstrument, der Keren Hajessod, wieder einmal einer recht «liebenswürdigen» und «verantwortungsvollen» Kritik unterzogen. Der Keren Hajessod wird kurzerhand ein «Faß ohne Boden» genannt, wodurch jedermann, der sich bisher für das Aufbauwerk und seinen Fonds besteuerte, die Legitimation erhält, in Hinkunft seinen Opferbeitrag mit Entrüstung zu verweigern. Für eine Wirtschaft, die zum Bankrott verurteilt ist, für einen Fonds, der ein «Faß ohne Boden» ist, Steuerbeiträge zu leisten, darf man tatsächlich niemand zumuten. Pflichtgemäß müssen wir uns also, so peinlich es auch sein wird, mit diesem gehässigen, durchaus falsch orientierenden Aufsatz auseinandersetzen. Anlaß zu dem «vernichtenden» Artikel geben ein Aufsatz von A. Granovsky, einem leitenden Beamten des Keren Kajemeth, der im «Palestine and Near East» erschienen ist und eine sehr ausführliche Darlegung von Dr. Arthur Ruppi-n, die im «Boustn’nai», in Adolf Böhms Zeitschrift «Palästina» (August- September-Heft 1932); sow-ie : Tn mehreren anderen Zeitschriften •. publiziert' * * wtifde.. Rappln - behandelt den ganzen Komplex-der Fragen, weiche durch die : jetzt aktuelle Kontroverse «Gemischte Wirtschaft — Orangenpflanzung» aufgeworfen ist und in der er mehrfach an den bewußten Aufsatz Granovskys anknüpft, weil er «die weitverbreiteten Einwendungen gegen die gemischte Wirtschaft im Emek zusammenfassend formuliert». Granovskys Kritik richtet sich, was vorauszuschicken ist, gegen beide Fonds, auch gegen den jüdischen Nationalfonds. Er vertritt die Meinung, der K. K. L. hätte nicht Böden im Emek kaufen, der K. H. nicht den Emek besiedeln dürfen, sondern unsere nationalen Fonds hätten ihre Wirksamkeit ausschließlich in die Orangenzone, nämlich in die Küstenebene verlegen müssen. Vorausgeschickt muß auch werden, daß der Schlußsatz des Artikels in der «Neuen Welt»: «Die Landwirtschaft der zionistischen Organisation bleibt, was sie leider heute ist, wieDr. Granovsky b e h a u p t e t: ein Faß ohne Boden», bewußt irreführend ist. Granovsky stellt weder in der deutsch en noch in der englischen Fassung seines Aufsatzes diese Behauptung auf. Sie wird ihm in den Mund gelegt. Im besonderen behandelt Granovsky die Rentabilitätsverhältnisse in einzelnen Emek-Siedlungen des Keren Hajessod, welche noch immer mit Defizit arbeiten. Die «Neue Welt» zitiert diese Stelle aus Granovsky’s Ausführungen eingehend und läßt, objektiv, wie sie ist, auch Ruppin zu Wort kommen. Selbstverständlich schneidet er sehr schlecht ab. Den von Gra- Erzeugung und Reparatur von Herren- und Damenwäsche. Pyjamas, Blusen, Kleider, Hemden Anfertigung i nach Maß. Spezialität: Aerzte- und Pflegerinnen-Mäntel. Strümpfe repassieren, stopfen, anstricken. Beste Ausführung Billigste Preise Wäschegeschäft Matourek Nathf. ANNA EPSTEIN Wien, Vlil., Skodagasse Nr. 30 (nächst Alserstraße) Telephon B 40-7*78 jnnnnnmmnnnnannaDDmaDamoanmaDaiXll! novsky erwähnten Tatsachen und Ziffern wisse er nichts entgegenzuhalten und könne sie nicht bestreiten. Wirklich nicht? Lesen wir einmal bei Ruppin nach: «Nach Granovsky ist die Erkenntnis jetzt allgemein, daß die gemischte Wirtschaft nicht einmal das magere Einkommen bringen kann, die allernotwendigsten Bedürfnisse des Siedlers zu decken. Als Beweis für diese Behauptung führt er an, daß in einer Emeksiedlung die Siedler im Jahre 1930 ein durchschnittliches Defizit von 40 Pfund hatten (Name der Siedlung und Quelle ist nicht genannt, anscheinend ist Nahala! gemeint), in einer anderen Emeksiedlung (Tel Adascnim) im Jahre 1929 ein durchschnittliches Defizit von 20 Pfund. Aber ist Granovsky nicht bekannt, daß in den Jahren 1929 und 1930 die Siedlungen im Emek von einer Mäuseplage heimgesucht wurden, wie sie in diesem Umfang noch nie beobachtet wurde? .... Im Falle Tel-Adaschim kommt noch hinzu, daß diese Siedlung im )ahre 1929 noch nicht mit allen erforderlichen Produktionsmitteln ausgestattet war, sondern diese erst 1930 und 1931 erhielt. Von einer noch nicht voll ausgestatteten Wirtschaft kann man aber natürlich nicht volle Einnahmen erwarten .... Im laufenden Jahre werden die erwähnten Siedlungen nicht nur kein Defizit, sondern einen Ueberschuß haben. Wenn man also nicht die beiden «Mäuse» j-a h r s o n d-e r n d ä s normale Jahr 1931/1932 v.?.u gr,u n d e 1 e g t, s..d f.ä'l l:t.d re-gian z e'A r g ü meri^ . . t a t i p n i n s.i c h z u s a m:me n>» - -; r Riippin beruft sich ferner in seiner Polemik auf S m i 1 a n s k y, einem eifrigen Verfechter der Privatwirtschaft, der seinerzeit anläßlich der Kämpfe gegen die arabische Arbeit in den alten Kolonien von den Arbeitern scharf angegriffen wurde und sich erst jüngst in sehr günstigem Sinne über Emek und Kwuzoth ausgesprochen hat. Smilansly konstatiert die großen Fortschritte in der Technik der landwirtschaftlichen Arbeit, die außerordentlich hohen Beträge der Dunam, den prachtvollen Stand der Pflanzungen und er verlangt die endliche Konsolidierung aller Emek-Wirtschaften seitensderJewishAgencyalseiaeih re r dringendsten Pflichten. Wie man sieht, steht also auch in Kreisen, die der Arbeiterschaft des Emek nicht gerade hold sind, Meinung gegen Meinung, und es ist ein starkes Stück, eine Wirtschaft, über welche ein Smilansky derart urteilt, «ein Faß ohne Boden» zu nennen. Ganz merkwürdig aber ist die Polemik des revisionistischen Organes gegen den ihm bekanntlich höchst mißliebigen Ruppin. Als Hauptargument wird Ihm — man muß nach ernstlicher Lektüre der grundlegenden Ausführungen Ruppins leider wieder diesen Ausdruck gebrauchen — in den Mund gelegt, er sei gegen die «Produktion hochwertiger Exportartikel», weil diese Produktion durch Krieg oder Zollkrieg oder sonstige Verwicklungen ruiniert werden könnten. Humorvoll bemerkt hiezu die «Neue Welt»; rHäuser von nor’KiUT Hö!hmul We.'Hstärke halten einein starken Erdbeben nicht stand und stürzen ein. Ehenerdige Häuser ui! drei Meter dicke» Stalliwf. en halten sicher einem Erdbeben viel besser stand. Also bauet nur ebenerdige Häuser mit drei Meter starken Stein- und Stahlwänden! Ungefähr so argumentiert Dr. Ruppin.» Bei der Lektüre dieser Stelle gewinnt man den . Eindruck, daß der Artikel «Das Faß ohne Boden» bei einein guten Faß m i t Boden geschrieben wurde . . . In dein zwölf Druckseiten umfassenden Aufsatz . Ruppins wird nämlich an einer einzigen Stelle, in dem Abschnitt, der die Lage der palästinensischen Landwirtschaft im Jahre 1921 behandelt, als der Keren Hajessod gegründet wurde, daran erinnert, daß damals die Orangenpflanzung als der riskanteste Zweig der Landwirtschaft galt, weil die Orangenkulturen während des Weltkrieges mangels Exportmöglichkeiten und luden, spendet anlSRIch der hohen |f AVAfl tf 9lOiVtOth Feiertage be.ro Thora-Aufruf für den WSieil K\dJ6mClll

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