Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 249 (13.10.1932)
- Date
- 1932-10-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3054003--3169-3058662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V. b.b. L^ilothekraitä^~ BEZUGS- BEDINGUNG»-« Oesterreich monatlich S 150, visrteljlhri S 4*20, ganz jShrl . .? 16- Deutachld viertel jlhrl. RM V— Tschechoslowakei viertelj Kr 24 — lutfoelawieti viertel iihri Din 40 — Pole» vierteljährlich Zlot> ft 50 Ungarn vietteljähr lieh Pengö 4 20 Rumänien viertel Bbrl Lei 120ebriger Ausland vierteljährl Schw Frankei 4 50 Jüdisdte Zeitung Preis 35 g Erfdi eint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, 1„ Kärntner atraße 28 Tel. R-274-80 Postsparkassen konti: Oesterr. D 113.54t' Polen 191.199 lachecho Slowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 S. Jahrgang Wien, Donnerstag, 13. Oktober 1932 (13. Tischri 5693) Nummer 249 Der zumm des denischen Judeeiums und Jüdischer Ulelihonorefl Aus einem Gespräch mit Dr. Nahutn Goldmann (Berlin) Offnunu dev Tore Palästinas 4500 Einreisezertifikate Ein Zeichen stetiger Entwicklung des iiidischen Palästina-Aufbaues Jerusalem. Die Palästina-Regierung hat der Jewish Agency für die laufenden sechs Monate (Oktober 1932 bis März 1933) 4500 Einreise-Zertifikate für Chaluzim und Chaluzoth, 3000 Zertifikate für Männer ttnd 1500 Zertifikate für Frauen, zur Verfügung gestellt Es ist dies die höchste Zahl von Zertifikaten, (0e die Palästina-Regierung seit Bestehen der kontingentierten Chaluz-Ein Wanderung, für eine bestimmte Periode »bewilligt hat Dies wird von der öffentlichen Meinung als Zeichen dafür-angesehen, daß die Regierung Palästinas und mit ihr die englische Regierung den wirtschaftlichen Fortschritt ln Palästina als konstant betrachten und insbesondere die Entwicklung der jüdischen . n-i.i ... ipi»1»——■ "■ -'■'"-••uudBgi NewrYork. Oberst Herbert H. Lehman, bisher Vizegouverneur von New-York, ist heute von der Convention der Demokratischen Partei zum demokratischen Kandidaten für das Amt eines Gouverneurs dieses größten und einflußreichsten Staates durch Akklamation nominiert worden. Die Nominierung Lehmans, die einstimmig erfolgte, wird in der amerikanischen öffentlichen Meinung bereits als tatsächliche W a h 1 g e w e r t e t, da der Posten eines Gouverneurs des Staates .New-York seit einer ununterbrochenen Reihe von Jahren in demokratischen Händen und der Staat New-York eine demokratische Feste ist. Die gesamte Presse New-Yorks äußert Genugtuung über die Nominierung Lehmans, den man für den geeignetsten Mann auf dem Gouverneurstuhl hält «New York Times» nennt ihn den würdigsten Nachfolger von Roosevelt und Smith, den man hätte finden können. Auch die Hearst-Presse unterstützt einmütig Lehmans Kandidatur und erklärt, Lehman werde die demokratischen Prinzipien nicht allein im Staate New-York, sondern auch ln der ganzen amerikanischen Nation festigen. Die zweite wichtige Nominierung, die die amerikanische Oeffentlichkeit beschäftigt, ist die von George Z, Med ad e, Distriktsanwalt der Vereinigten Staaten zum Kandidaten auf den Posten eines Senators des Staates New-York, die auf der Convention der Republikanischen Partei erfolgt ist. Wird Medalie gewählt, so wird erdererstejtidischeSenator des Staat es New-York sein. In den Ver- Zu den bevorstehenden Kultusgemelndewahlen Die Allgemeinen Zionisten und die Union der Zionisten Revisionisten hat beschlossen, mit einer gemeinsamen Liste unter der Bezeichnung «Zionistische Ult«» ta den Wahlkampf rinzutreten. Arbeit als so günstig an sehen, daß sie das Verlangen nach Zuführung weiterer tausender Arbeiterhände rechtfertigt Die Jewish Agency hatte um die Bewilligung von 6750 Zertifikaten für das laufende Halbjahr nachgesucht Für die Arbeitsperiode April/September 1933 hat die Exekutive der Jewish Agency um 3750 Zertifikate nachgesucht, es wurden ihr aber -nur -2000 Zertifikate bewilligt, von denen 300 Personen reserviert wurden» die als Touristen in das Land gekommen sind und sich dann entschlossen haben, dauernd im Lande zu verbleiben. einigten Staaten gab es bis jetzt nur drei jüdische Senatoren. Auch im Staate Ohio kandidiert gegenwärtig ein Jude, Gilbert B e 11 m a n, für den Posten eines Senators des Staates Ohio. * Im Jahre 1928 kandidierte Albert C. Ottinger, damals Oberstaatsanwalt von New York, ein Schwager des verstorbenen Louis Marshall, für die Republikanische Partei auf den Posten eines Gouverneurs von New York, er unterlag aber gegen den Demokraten Franklin Roosevelt. 1912 war der jüdische Diplomat Oskar S. Straus Kandidat der Partei des einstigen Präsidenten Roosevelt für den Posten eines. Gouverneurs des Staates New York; auch er unterlag im Wahlkampf. Wenn Lehman jetzt gewählt wird, wird er der erste jüdische Gouverneur des Staates New York sein. Hingegen haben in anderen Staaten Juden als Gouverneure gewirkt und wirken heute noch. 1803 wurde David Emanuel zum Gouverneur von Georgia, 1863 Michael Hahn ztrni Gouverneur von Louisinia, 1874 Edward Salomon zum Gouverneur von Washington. 1872 Franklin Moses zum Gouverneur von South Carolina, 1901, 1915 und 1917 — also ln drei Perioden — Moses Alexander zum Gouverneur von Idaho, 1914 Simon Bamberger zum Gouverneur von Utah gewählt. Gegenwärtig gibt es zwei jüdische Gouverneure; Julius M Meier im Staate Oregon, Arthur Seligman im Staate New Mexico. „Felesfin“ fn Kairo verboten Auf Verordnung des ägyptischen Ministeriums des Innern wurde der Verkauf des «Felestin», des Leiborgans des Mufti von Jerusalem, in ganz Aegypten verboten. M KÄI5ER5TR. 123 Ar. Alserstr.. 6 SI&-S18-S20 Dr. Nahum Goldmann, der bekannte zionistische Politiker, der die jüdische Weltkonferenz in Genf mitorganisiert hat und nun in Berlin das Bureau zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses, der im Jahre 1934 stattfinden soll, leitet, weilte dieser Tage in Wien, um auch hier die nötigen organisatorischen Vorarbeiten in die Wege zu leiten. Diesem Zwecke galt auch sein am letzten Montag im Hotel Post gehaltener Vortrag, in dem Dr. Nahum Goldmann auf die gegenwärtige schwierige Situation der Juden in aller Welt und auf die aus dieser Situation sich ergebende Notwendigkeit der Oigänis}erung des Judentums auf Basis des natiolaien Zusammenschlusses hinwies, ln einer ausgezeichneten und tiefschürfenden Analyse über die Lag: der Juden .in Osteuropa, Amerika und Mittel-'und Westeuropa entrollte Dr. Goldmann ein geradezu erschütterndes Bild über den Zusammenbruch des deutschen Judentums, des einstigen Stolzes der gesamten Judenheit. Die Ausführungen Dr. Goldmanns über dieses aktuejisfe jüdische Problem. der Gegenwart übten auf das Auditorium nachhaltigen Eindruck aus. Herr Dr. Nahum Goldmann hatte die Freundlichkeit, in einem, Gespräch' mit unserem Redakteur über diese Frage Ergänzendes mitzuteilen: * Wie die Stimmung des deutschen Judentums heute ist?» Im allgemeinen ist ein gewisser Rückschlag zu verzeichnen und die Stimmung eine beruhigtere, wobei diese Ruhe nicht als eine vor dem Sturm bezeichnet weraen kann. Man kann jetzt die Dinge um so v;e* klarer, distanzierter sehen und die Gesamtsituation, die ratJihch eine sehr traurige ist, richtiger bejueiien. «Für mich», sagt Dr. Goldmann, «waren es nicht die pogromartigen Exzesse, die hie und da in manchen Teilen des Reiches auftrafen, die die Situation des deutschen Judentums zu einer tragischen machten. Diese peripherischen Erscheinungen sollen nie überschätzt werden. Viel härter und folgenschwerer trifft die Juden der gesellschaftliche und wirtschaftliche Boykott, der insbesondere den seit Jahrhunderten erbe-.n« gesessenen Juden, in den kleineren und mittleren Städten des Reiches harte und schwere Opfer auferlegt. Erscheinungen, wie die zwangsweise auftretenden Abwanderungen ganzer jüdischer Familien aus den kleineren Städten sind von solch erschütternder Art, da8 sie eigentlich die Situation am richtigsten widerspiegeln. Die Auswirkungen in wirtschaftlicher Beziehung sind geradezu katastrophal. Mit dem Verdrängungsprozeß aus den öffentlichen Aemtern geht Hand in Hand ein nie vorher gekannter Pauperisierungs- und Proletarisierungsprozeß des deutschen Judentums vor sich. Das merkwürdige Verhalten der linken demokratischen Kreise, die Passivität dieser Zentren gegenüber der nationalsozialistischen Judenhetze sind dazu angetan, den deutschen Juden auch noch den letzten seelischen Halt zu nehmen und die seelische Wirkung der heutigen deutschen Verhältnisse auf den deutschen Juden ist es, die seine Tragödie ausmacht. Das deutsche Judentum war bisher der Wortführer des mittel- und westeuropäischen Judentums, das Zentrum des emanzipierten Judentums, das Zentrum der jüdischen Weltgeltung. Das östliche Judentum hat im 19. Jahrhundert unsere großen innerjüdischen Leistungen vollbracht, das deutsche Judentum hat unser« großen Leistungen vor dem Forum der Völker gezeitigt, Wenn wir unseren Anteil an der modernen Kultur proklamieren wollten, dann waren es vorwiegend Namen deutscher Juden — Börne und Heine, Laßker und Bamberger, Mahler und Einstein und viele andere —, auf die wir hinzuweisen pflegten und dac Juden kandidieren auf die höchsten Staaisämtev von New \ovh Herbert K. Lehman demokratischer Gouverneur - Kandidat* George Z. Medalie republikanischer Senator-Kandidat i