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Die Stimme · 1932-10-06 · Heft 248 (6.10.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 248 (6.10.1932)
Date
1932-10-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 ült 51 iMmc n., & .« / u. oAiouer 1932 PALÄSTINA Neue Wege dev Siedlung handelt, der Gewinn Uber Gewinn abwirft. Es ist vielmehr ein aufopfernder Idealismus — gepaart mit merkantiler Weitsichtigkeit — vonnöten, um neben den reichdotierten Hoftheatern, die nach dem Kriege Landestheater wurden, ohne Subvention bestehen zu können. Während sonst angenommene Demonstrationsanträge nicht beachtet werden, weil derartige Anträge in Wahrheit auch noch nicht Gesetzeskraft haben, haben hier Theaterleitungen in vielen Fäden im Sinne des eingangs angeführten Antrages schon gehandelt, ehe er im preußischen Landtag zur Sprache gekommen war, nicht nur in Preußen, sondern auch an Theatern der anderen Länder. Es ist Tatsache, daß namentlich in der Provinz deutsche Schauspieler jüdischer Abkunft seit langem boykottiert werden. Manche Theaterleitungen geben das offen zu, andere noch mit Hemmungen. Sie weisen Angebote jüdischer Künstler mit der Begründung ab, daß keine Vakanz sei, um diese dann mit Künstlern anderer Konfessionen zu besetzen. Freie Intendantenstellen werden schon seit Jahren kaum oder überhaupt nicht mit Theaterleitern jüdischer Herkunft besetzt. Das ist Boykott! Denn es geht nicht um die Befürchtung, «daß Juden das Verständnis für die deutsche Kunst fehle», sondern um die Befriedigung des politischen Masseninstinkts, um die Beruhigung politischer Straßenschreier! ♦ Die Votfel S'ranß'PoJitih des Dealsdien DQimenverelnfS Prof. Jeßner schließt seine Betrachtung mit dem folgenden Ruf an den Deutschen Bühnenverein: «In Abwehr gegen diese theaterfeindlichen Tendenzen hat die Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände zwar eine scharfe Erklärung abgegeben, aber die eigentlichen Großorganisationen, die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger und vor allem der Deutsche Bühnenverein, in dem u. a. die Städte und Länder, die Theater in eigener Regie leiten, zusammengeschlossen sind, haben diesem Problem gegenüber bisher eine Vogel-Strauß-Politik getrieben. Gerade der Deutsche Bühnenverein, der die Organisation aller Theater darstellt, hat die Aufgabe, diesem der Theatergeschichte, dem Wissen und der Sache widrigen Zustand ein Ende zu machen. Gerade der Deutsche Bühnenverein, der Städten und Ländern gegenüber die Macht hat, organisatorische Beschlüsse, die sogar den Etat der Städte und Länder betreffen, zu beeinflussen, hat die Pflicht, seine Mitglieder zu Recht und Kulfnr^ecinnung zurlickzuführer. Es ist traurig, daß das Kontingent des jüdischen Künstlernachwuchses unter dieser Boykottbewegung leidet. Aber darum geht es nicht. Es ist traurig, daß auch einzelne große Künstler unter diesem Boykott leiden. Doch spielt der einzelne hier keine Rolle. Auch um ihn geht es nicht. Selbst nicht um die Belange deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Es geht um die Belange des deutschen Theaters, der deutschen Kultur!» erklärte, er habe erst jetzt von dem Judentum seines Großvaters erfahren. Der «Stahlhelm» hat seine Demission abgelehnt, mit der beachtenswerten Motivierung, daß der verhängnisvolle Abraham Selig, mit dessen Person man sich doch eingehender beschäftigt zu haben scheint, in dem Freiheitskriege des Jahres 1813 als Kriegsfreiwilliger seinen Mann gestellt und glänzenden deutschen Frontgeist bewiesen habe. Grabbe bringt in seinem «Napo!eon»-Drama zwei preußisch» Kr cgslrelwillige während eines Rückzuges auf die Bühne. Der eine von beiden ist Jude und wird deshalb von dem andern, trotz der Gefahr, in der sie gemeinsam schweben, schrecklich gehänselt. Diesem Antisemiten hätte man ohneweiters zugetraut, Ahnherr eines «Stahlhelm*- Kommandanten zu werden. Nunmehr stellt sich heraus, daß das Schicksal diese Ehre just dem Juden zuteil werden ließ . . . Man hat sich bisher darüber gewundert, welche Bedeutung die deutschen Antisemiten der halben Million deutscher Juden beimessen. Hört man sie reden, muß man glauben, daß die Juden Deutschland förmlich überschwemmen. Jetzt erkennt man, daß diese Schlußfolgerung zwar nicht auf Deutschland zuzutreffen scheint, in dem die Juden knapp ein Prozent der Bevölkerung bilden, wohl aber auf das antisemitische Lager. Das dort herrschende Gedränge von Juden muß nachgerade wirklich unheimlich sein. Ja, es scheint, daß sich die Judenfeinde überhaupt nur aus zwei Schichten rekonstruieren: aus den Nachkommen rechtzeitig Getaufter und den Sprößiingen zu spät Getaufter. Die ersteren sind in der glücklichen Lage, die Frage, ob sie wissentlich von Juden abstammen, unter Eid zu verneinen, zumal da das Wissen, das ihnen In diesem Punkte zugemutet wird, sich bloß auf drei Generationen beschränkt. Die letzteren sind auf die Diskretion ihrer feindlichen Brüder angewiesen. Bewährt sich diese Diskretion, dann können die Urenkel der rechtzeitig Getauften gemeinsam mit den Enkeln der zu spät Oetauften gegen die — gar nicht Getauften marschieren. Platzt aber einmal im Kampfe bundesbrüderllcher Rivalität eine Enthüllungsmethode, dann bleibt, wie Im Falle DUsterberg, ein geschmolzener Nibelunge auf der Strecke ... Dr. Hugo S p I e g 1 e r. Während der letzten zwei Jahre haben die Siedlungsmethoden eine Veränderung erfahren, die geradezu revolutionär genannt werden darf; Bedeutung und Umfang dieser Veränderung mit ihren weitgehenden Möglichkeiten sind noch nicht genügend gewürdigt worden. Das System der Ansiediung auf KKL-Boden bewegte sich bis jetzt ln den ausgetretenen Wegen der Bereitstellung des Bodens durch den KKL und des Budgets durch den Keren Hajessod. Auf diese Weise wurden mittellose Chaluzim als Bauern an gesiedelt, sei es als Kleinsiedlcr, sei es in genossenschaftlichen Siedlungen. Natürlich erforderte diese Methode der Ansiedlnng — ob sie nun in der Pflanzungs- oder üetreidezonc vor sich ging — große Mittel. Als z. B. Orte wie Kfar Malal und Nachlath Jehuda in der Pflanznngszone gegründet wurden, ging das ganze Budget von LP. 850.— pro Familie zu Lasten des Kolonisationsfonds. Infolge der schnellen Entwicklung der Citruspflanzungen und der seitens der jüdischen Arbeiter geübten strengen Sparsamkeit ist eine neue Siedlungsmethode entstanden. Da Kolonisationsmittel zur Beisteliung des gesamten Budgets nicht vorhanden waren, wurde der landwirtschaftliche Arbeiter gezwungen, in einem gewissen Sinne sein eigener Kolonisator zu werden. Er hat von seinem Lohn, den er als Hilfsarbeiter in den alten Kolonien oder sonstwie durch Akkordarbeit erhielt, eigene Ersparnisse gemacht. Hierzu hat er sich aus anderen Quellen Geld beschafft — von Verwandten in und außerhalb Palästinas, die er bisher nicht in Anspruch genommen hst, teilweise darum, weil er seinen Weg ohne Hilfe von außen machen wollte. Viele Eltern, die früher das Unterfangen ihrer Söhme, als Chaluzim nach Erez Israel zu gehen, als ein jugendliches Abenteuer betrachtet haben, erblicken jetzt in ihnen die Schritt m a eher für ihre eigene Niederlassung in Palästina und sind eifrig bemüht, den Rest ihres Vermögens, den sie aus dem allgemeinen ökonomischen Zusammenbruch gerettet haben, in Boden und Pflanzungen zu investieren, die ihnen und ihren Kindern einen Lebensunterhalt versprechen. Da ein solcher angehender Siedler seine Arbeit in den Pflanzungen anderer fortsetzt und Boden vom Keren Kajeniet in Pacht erhält, ist es ihm möglich, mit seinen bescheidenen Mitteln allmählich eine 17-Dunam-Wirtschaft zu gründen, die ihm, sobald sie fruchttragend ist, den eigenen Lebensunterhalt sichert, so daß er sich vom Arbeitsmarkt zurückziehen und den Platz für neue Immigranten freimachen kann. Während für die volle Ansicdlung der Betrag von LP. 850.— erforderlich ist, benötigt er jetzt nur das Geld für sein Häuschen und Wasserversorgung, um einen Teil seines Gutes irrigieren zu können. Bei diesem neuen Siedlungstyp, der ständig an Bedeutung zummmt, ist der Boden ein noch wichtigerer Faktor als bei anderen, denn er macht hier statt 10 bis 26% des gesamten Siedlungsbudgets 40%, in einigen Gegenden sogar 60% desselben aus. Hunderte von Menschen siedeln sich jetzt in Erez Israel mit einem Kapital von nicht mehr als LP. 125 an (LP. 60 für Haus, LP. 35 für Bewässerung und LP. 30 für Inventar), wozu noch der Boden des KKL hinzukommt. Hiermit beginnt der Arbeiter die Kultivierung eines kleinen Teiles seines Landes, den er allmählich ausdehnt, während er noch immer Lohnarbeiter bleibt. Die Entwicklung dieses Typus führt zu der größtmöglichen Intensivierung der Wirtschaft. Selbstverständlich könnte der Arbeiter mit einem Kapital von LP. 125 nicht beginnen, wenn ihm nicht der Boden zur Verfügung gestellt würde; mit dem Boden aber kann er sich —• wenn auch unter Schwierigkeiten — allmählich etablieren. Und wenn eine weitere Bodenreserve nur für die etwa 4000 Personen dieses Typs nötig wäre, die über eine Erfahrung von fünf bis acht Jahren verfügen und sich heute gern auf diese Weise ansiedeln wollen, so wäre die Forderung gerechtfertigt, daß der KKL seinen Bodenbesitz in der Pflanzungszone erweitert. Hätten wir heute 30.000 Dunam Pflanzungsboden verfügbar, so wäre dies nicht zu viel, denn dieser Boden würde nicht unbearbeitet und un* beschützt bleiben. NüuciioiB selit noch Senf Jerusalem. Der High Commissloner General Sir Arthur Wauchope begibt sich am 5. Oktober zur Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes nach Genf. Der High Commissloner wird etwa einen Monat lang Palästina femblelben. Chefsekretär M. A. Young wird ihn im Amte vertreten. Wachsende jüdische Einwanderung in Palästina Jerusalem. 400 Juden, in der Hauptsache Chaluzim, die vor etwa drei Wochen Polen verließen, sind ain 26. September in Jerusalem eingetroffen. An dem gleichen Tage trafen an Bord der „V u 1 c a n i a» in Haifa 500 Juden ein, unter ihnen 300 Touristen aus den Vereinigten Staaten und 90 Juden aus Polen, ferner eine Anzahl Chaluzim aus verschiedenen Ländern. Das Einwanderungsdepartement, unter der Leitung von Herrn Mlnde!, führte an Bord des GroOfleischnauerei SIEGM. KORN MEHL Zentrale »X, Berggasse IS, l e> A n. A 16-9-34 Lieferant Ür oeilaristalten Abteilungen lOr "i&'^-Fleisch «VX:■ -i ir»***, ttrmvf «i. «.■ —/* unter Aufsicht des Ehrwürdigeu rfabbinat* der Israelitischen Ku tustemeinde Wien Aulosu»teltuno «o»t«n>o» IX, Bertgasse XVili, WährlngerstraSe 7o Dampfers ehie scharfe Kontrolle im Hinblick auf die Möglichkeit, daß sich unter den Passagieren illegale Einwanderer befinden, durch; d.e Kontrolle dauerte von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags. Das Ergebnis war, daß sieben junge Leute, von denen die Beamten annahmen, daß sie beabsichtigen, dauernd in Palästina zu verbleiben, ersucht wurden, je 25 Pfund als Bürgschaft dafür zu hinterle^en, daß sie vor Ablauf der Aufenthaltsfrist das Land wieder verlassen. Die Tatsache, daß die Touristen einzeln und nicht in geschlossenen und von Reisegesellschaften geführten Gruppen eintreffen, hat — so wird erklärt — zur Beseitigung gewisser Schwierigkeiten seitens der Behörden beigetragen. Die Einwanderungsbehörden haben nämlich Mißtrauen gegen gewisse Organisationen, die Touristen nach Palästina bringen. H. Farbstein, Mitglied der Exekutive der fewlsh Agency, btgab sich nach Eintreffen <ler «V'ulcama» sofort an Bord des Schiffes und blieb dort so lange, bis der letzte jüdische Passagier das Schiff verlassen hatte. Berl Locker beim High Commissioner Jerusalem. Der High Commissloner General Arthur Wauchope empfing das Mitglied der Londoner Zionistischen Exekutive, Beri Locker, der sich gegenwärtig in Palästina aufhält. Locker erörterte mit den Mitgliedern der Exekutive des Keren Hajessod, Leib Jaffe und Leo Hermann, aktuelle Keren Hajessod-Fragen. Keren Kajemeth gewinnt zwei Bodenprozesse Jerusalem. In den letzten Tagen fanden vor Gericht zwei Prozesse statt, die 6000 Dunam Boden auf Wadi Hawarlth betrafen, deren Besitz dem Keren Kajemeth seitens anwohnender Araber strittig gemacht worden war. In beiden Prozessen obsiegte der Keren Kajemeth. saiomon Abrahamowlcz Inhaber des Schuhhauses Abrahamowlcz, II., Taborstraße 33, wünscht allen Verwandten, Bekannten und verehrten Kunden ein Oberstes Gericht bestätigt Urteile gegen arabische Mörder Jerusalem. Das Oberste Gericht Palästinas hat das auf 15 Jahre Gefängnis lautende Urteil gegen Rasched üsman, einen der Mörder der zwei Jungen Juden Ernst Stahl und Fräulein Zohar-Goldstein, durch Abweisung der Berufung seitens des Verurteilten bestätigt. Ebenso bestätigte das Oberste Gericht das Todesurteil gegen Mustapha leebawi, der Frau Miller, Gattin eines hohen englischen Beamten, ermordert hat. Dr. Hissin, der jüngste Bllu-Mann, gestorben Jerusalem. Dr. H i s s i n, das Jüngste Mitglied der Gruppe der Bllu (Beth Jaakob lechu unelcha), die vor ungefähr 50 Jahren als erste jüdische landwirtschaftliche Pioniere nach Palästina zogen, ist am 26. September im Alter von 67 Jahren in Tel-Awiw verstorben. Vor wenigen Wochen erst verstarb ein anderes Mitglied der Bllu, Elijah Swerdloft, im Alter von 78 Jahren. Von der Bllu-Gruppt leben heute nur noch vier Mitglieder. An der Bestattung Dr. Hissins am 27. September nahmen Abordnungen de* Jischuw aus ganz Palästina teil. Am offenen Grabe sprachen der Arbeiterführer Ben Qurion, Dr. David Yellin, Dr. Mossinson, Berl Katzenelson, der Vi2ebürgermel»ter von Telwiw u. a. m. Hissin wurde in der Nähe der Grabstätten von Achad Haam und Dr. Max Nordau beigesetzt. Eine Aguda-Abordnung beim High Commissioner Jerusalem. Der High Commissloner empfing am 28. September eine Abordnung der Agudas Jisroel, die an ihn die Forderung nach Anerkennung der extrem-ortho» doxen jüdischen Gemeinde Palästinas stellte und femef besondere Einwanderungszertlfikate für jüdische orthodox* Elemente, sowie Befreiung der in öffentlichen Aemteni tätigen Juden von der Arbeitsdienstpflicht an Sabbattagea verlangte. Der High Commissloner erklärte, er achte durchau* die religiösen Gefühle der Orthodoxie und werde sich bemühen, für die zur Sprache gebrachten Angelegenheiten eine Lösung zu finden. 30.000 Dunam neue Orangenhafne In Palästina Jerusalem. Der J. T. A. wird mitgeteilt, daß im Ver» I lauf der diesjährigen Pflanzungssaison 30.000 Dunam ( Boden in Palästina in Orangenhaine neu umgewandelt worden sind. Konzertsäneerln Maria Winkler-Fialko ist von ihrem Urlaub zurückgekehrt und hat ihre Unten richtstätigkeit (Stimmausbildung) wieder aufgenommtfc Adresse: IV., Weyringergasse 29, Tel. U 48-802,

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