Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 248 (6.10.1932)
- Date
- 1932-10-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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K- Seite 4 DIE STIMME Nr. — u. UKtober 1932 Das Programm des WeUvevbandes der MUgemeinen Zionisten*) Es ist vielleicht m der zionistischen Oeffentlichkeit nicht überall bekannt, daß der Verband der Allgemeinen Zionisten ein prinzipielles Programm festgelegt hat, welches vorläufig als die einzige offizielle programmatische Kundgebung des Weltverbandes gelten muß. Die Orümfur.gsversammlung des Weltverbancfes der Allgemeinen Zionisten, die am 5. Juli in Basel anläßlich des XVII. Zionistenkongresses stattfand, hat durch die allgemein-zionistischen Delegierten dieses Kongresses aus 34 Ländern einstimmig ein Programm zum Beschluß erhoben, das wörtlich folgendermaßen lautet: «In Erwägung der entscheidenden Bedeutung des Allgemeinen Zionismus für die Oesamtbewegung und geeinigt im Willen zur Wiedervereinigung sämtlicher Allgemeinen Zionisten, getragen vom heißen Wunsche, diese nationalen Kräfte in noch höherem Maße als bisher in den Dienst der Oe* aamtbewegung und des Wiederaufbaues Erez Israels zu stellen, beschließen die nachstehenden Mitglieder des XVII. Zlo? nisten Kongresses namens ihrer Landesorganisationen bzw. Landesgruppen als Grundlage ihrer künftigen gemeinsamen Arbeit: I. Die Landesverbände bzw. Landesgruppen der Aügemel. oen Zionisten vereinigen sich zu einem Weltverband Allgemeiner Zionisten. II. Treu dem Baseler Programm erstrebt der Weltverband die Verwirklichung eines uneingeschränkten Zionismus. III. Der Weltverband anerkennt das Primat der nationalen Interessen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Erez Israel und des Wiederaufbaues Palästinas. Die Intet essen von Gruppen, Schichten und Klassen müssen daher mit den Geboten des nationalen Wohles in Einklang gebracht werden. IV. Der Wettverband Allgemeiner Zionisten proklamiert dje Losung der Vereinigung und Aktiv.eruug der schöpferischen Kräfte der Arbeit und des Kapitals im Dienste der Nation. Er vertritt den Standpunkt, daß zusammen mit dem Ausbau der nationalen Fonds und der Arbeit der Chaluzim die Privatinitiative in Landwirtschaft und in Industrie sowie die Scßhaftmachung jener Elemente, die zum Teile oder ganz die Mittel hiezu besitzen, organisiert und gefördert wird. Hiedurch sollen die Möglichkeiten für eine große Immigration und für eine rascheste Erschließung des Landes geschaffen werden. V. Der Weitverband erachtet es für unbedingt notwendig, eine allgemeine Zionistische Jugendorganisation innerhalb des Verbandes im Geiste der ob'gen Grundsätze ins Leben zu rufen und auszubauen. Die Chaluzbewegung soll auf dem Prlnzipe der nationalen Chaiuzluth beruhen und aulgebaut sein,» Dieses Programm wurde ln der Festsitzung in einem schrifilichen Protokoll von den allgemeinen zionistischen Delegierten beider Gruppen A und B* unterfertigt. Es bildet gewissermaßen auf dem Wege der Bestrebungen der Erneuerung des Allgemeinen Zionismus ein historisches Dokument und es wird vielleicht deshalb von Interesse sein, dit Namen der Unterfertigten bekannt zu geben, weil dararus zu ersehen ist, daß sich Vertreter von Anschauungen über den Inhalt des Allgemeinen Zionismus, die sonst als Gegner gelten, zusammengefunden und geeinigt haben, Diese Einigung erfolgte nach langwierigen Unterhandlungen von Vertretern der Allgemeinen Zionisten der Gruppe Ä und B Es ist deshalb als ein Resultat von reifer Ueberiegung und gegenseitigem Entgegenkommen im Dienste einer gemeinsamen Sache anzusehen, Es unterfertigten das Protokoll: Präsident Dr. Leo Motzkin: aus den einzelnen Ländern: Vereinigte Staaten von Nordamerika} Stephen S, Wise, Abraham Tulin, Archibald Silvermann, Lou's Lipeki, David PodQlski, Jacob de Haas, Miß Pearl Franklin, Airs. David Grünberg, Abraham Goidberg, Emanuel Newmann, Elihu David Stone, Robert Shold, Jacob Fishmann, Benjamin Evarts; Argentinien: Natan Gesang; Australien; Mare Eiingen; Be’glen: Numa Torczyner (brieflich zugestimmt); Bessarablen: Izchak Berger; Brasilien: Menasche Haipern; Bukowina: Dr. Leon Schmelzer; Bulgarien: Halm Parchy; Deutschland: Dr. G-'org Haipern, Kurt Blumenfeld, Alfred Landsberg, Dr. Salii H:rich, Dr. Ateinliojd Nußbaum, S-üman Schocken; England} Barmett Jänner, Dr. M. D, Eder, Percy Bäcker, Morris Myer; Erez Israel: AL N. Uszyszkin, Doktor Benzion Mossinson, Jehoszua Suprasky, Dr, Mosze Glückson, Dr. Joseph Mohiiewer, E. Berligne; Frankreich: I, Naiditsch, Ostfrankreich: Jeam Schrameck; Finnland: B. Nemeschanslcv; Griechenland: Dnv;d Florenlin: Holland: F. Bernstein; Italien: Dr. Umberto Nahon; Jugoslawien: Doktor •Marco Horn, Hans Hochsinger, Uv Siiiin; Kanada: J. L, Zlotnik; Litauen: Mosze Kahane; Lett'and: Boris Ourewitz; Luxemburg: Max Rosenfeld, Sam Cohen: Marokko: Jonathan Thursch; Neuseeland: Dr. Alexander Ooldsteln; Oesterreich; Dr. Oscar Grünbaum: Ostgalizien: Dr. Emü Schmorak, Dinah Karlowa, Ing. Naftali Landau, Dr, Jecheskiel Lewin, Abraham Stupp, Dr. lehuda Ohrenstein; Kongreßpolen: Leon Lewite, Dr. G. Rosenblatt, Mateusz Hindes; Westgalizlen: Dr. Osias Thon, Dr. Ignatz Schwarzbart, Joachim Neiger, Dr. Samuel Spann, Abraham Hofstätter, Dr. Izak *) Wir setzen mit diesem Artikel, den wir der bereits angekündigten Abhandlung Brodetskys vorausseh eken, die Diakuasion über Probleme de» Allgemeinen Zionismus fort. Die Redaktion. Bestrenommierte Küche im neueröffneten Gassenlokal ll., Hammer Purosumoasse 3, lei. ä 40-8-82 Grünstein; Rumänien (Altrumäniert): Dr. A. Mibashan, Transylvanien: Dr. Ernst Vermes, Frau Dr. Desider Roth; Schweden, Dänemark, Norwegen: Prof. Hugo Valentin; Schwei«: B. Bornstein (kein Del.); Südafrika: A- M. Abrahams; Ungarn: Dr. Fritz Fried; Tschechoslowakci: Doktor Rufeisen, Dr. Angelo Goldstein, Dr. Robert Sonnenmark, Harry Bleiweis. Das obige grundsätzliche Programm nimmt Stellung zu allen prinzipiellen Problemen der Bewegung. Nur dieses Programm kann als eine derzeit bindende und offizielle Kundgebung des Verbandes betrachtet werden. Dr. Ignatz Schwarzbart, Vorsitzender des Weltverbandes der allgemeinen Zionisten. * Gründung eines ständigen Sekretariates des Weltverbandes der allgemeinen Zionisten Die Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten teilt uns mit: Bei der Leitung des Weltverbandes wurde ein ständiges Sekretariat ins Leben gerufen, das zunächst die Referate der Allgemein-zionistischen chaluzischen Jugendbewegung, der Allgeme'n-zionistischen akademischen Jugend sowie da« Referat der Propaganda und Organisation umfaßt. Die Landesverbände und die allgemein-zionistischen Landesgruppen werden ersucht, sich in obigen Angelegenheiten an die Leitung des Verbandes unter der Adresse: Zwiazek Ogolnych S'onistnw, Krakow (Polen), ul. Diet|a 81, zu wenden Die allgemein-zionistische Presse wird ersucht, diese Mitteilung abzudrucken. Dtp cliol zische ütdonhe in der lupdiicwsgunti der Allgeni.iiuii Zionisten Seit einigen Jahren nimmt die chaluzische Einstellung der Jugendbünde der Allgemeinen Zionisten immer größeren Umfang an. Kürzlieh fand die Tagung des Rates der Jugendverbände der Allgemeinen Zionisten Polens statt, die folgende beachtenswerte Beschlüsse faßte; 1. Der Oberste Rat der Bewegung der Vereinigten allgemein-zionistischen Jugend stellt fest, daß die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes, das Wanken der Fundamente des Judentums und das Versiegen der Erwerbsquellen für die jüdischen Massen die erste These Theodor Herzls bestätigt, daß die einzige Lösung der Judenfrage dje Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Eraz Israel ist. 2. Der Oberste Rat stellt fest, daß der gegenwärtige Stand im Aufbau des Landes, das Erstarken des privaten Elementes, die Verminderung des Anteiles des Nationalvermögens am Aufbau, die gegenwärtige politische Lage und die tragische Wirkung des jüdischen Volkes in der Diaspora es erfordern, die Verwirklichung des zionistischen Werkes zu beschleunigen. Und so sieht der Oberste Rat im Allgemeinen Zionismus, der Jen nationalen Grundgedanken in der Erziehung der jüdischen Massen in der Galuth verankert, den einzigen Weg im Zionismus, der die Verwirklichung dieser Aufgabe ermöglicht. 3. Er stellt ferner fest, daß nur auf dem Wege einer nationalen Solidarität, die sich stützt auf gemeinsame Arbeit und gegenseitiges Verständnis zwischen allen Teilen des jüdischen Volkes, die Verwirklichung des zionistischen Ideals möglich ist. Deshalb betrachtet der Rat alle jene Strömungen, die geeignet sind, die Spannung zwischen den einzelnen Klassen zu erhöhen, für schädlich, gleichgültig, ob sie durch Verschulden der Arbeitgeber oder Arbeitnehmer entstanden sind. 4. Der Oberste Rat betrachtet ferner die hebräische Arbeit als eine der Hauptaufgaben des Zionismus, von deren Verwirklichung das Gelingen des zionistischen Werkes abhängig ist und deshalb bezeichnet der Rat jeden Verstoß gegen dieses Prinzip als unzionistisch und jeder nationalen Verantwortung entbehrend. 5. Ebenso betont der Rat, daß die Versuche der Verkleinerung des allgemein-zionistischen Gedankens, die ihn als Bewegung einer einzigen Schichte Im allgemeinen und des Mittelstandes im besonderen hinstellen, ein offener Widerspruch zu unserer Auffassung des allgemeinen Zionismus ist, die das Wesen des Allgemeinen Zionismus als eine allgemeine Volksbewegung erkannt hat, die eine positive Einstellung zu jeder konstruktiven Tätigkeit im Aufbau des Landes hat. 6. Weiters erklärt der Rat, daß die Hauptaufgabe der Renaissancebewegung des jüdischen Volkes das Erfassen, die Organisation und die Erziehung der jüdischen Massen in der Galuth im Rahmen der allgemeinzionistischen Organisation ist, um sie in allen Gebieten zionistischen Wirkens zu aktivieren. Wie z. B, hebräische Kulturarbeit, die nationalen Fonds, Vertrieb der palästinensischen Landesprodukte, Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Massen und ihre UeberfUhrung nach Palästina. 7. Der Oberste Rat begrüßt die Schaffung eines allgemein-zionistischen Weltverbandes und hofft, daß es dem Verbände gelingen wird, die Gesamtheit aller allgemeinen Zionisten im Rahmen des Verbandes zu organisieren. 8. Nur für Polen interessant. 9. Da die jetzige Lage des Aufbaues eine Stärkung d«r chaluzischen Bewegung, die eine historische Not- Jl Jüdisch« Mädchen II ■ vor der Berufswahl« ■ Zweijährige Fachschule für Klsldermachen und Wäschewarenerzeugung mit Offsntllehksltsrscht SlgafsgOlfig« Zeugnisse Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung Modistenkurs Dr. Krüger-Helm, 2., Malzgasse 7, Tel. A-48-0-77 Internat Samstag Schulfrei Berufsberatung täglich von 11 bis 12 Uhr wendlgkelt Ist, verlangt, stellt der Rat fest, daß das Endziel der Mitglieder der allgemein-zionistischen Jugendbewegung die Betonung des Erez-lsrael-üedankens Ist. Ebenso sind unsere Mitglieder in der Galuth verpflichtet, in der zionistischen Organisation auf die Notwendigkeit der Chaluzarbelt hinzuweisen. 10. Der Oberste Rat anerkennt in Uebereinstlmmung mit unserer Ueberzeugung, daß alle Formen des Aufbaues gleich an Wert seien. Er glaubt, daß im Anschluß an die ln Petach Tikwah bereits in kollektivistischer Form bestehende Organisation sich auch die aus unserer Organisation hervorgegangenen Mitglieder ähnlich im Anschluß an die Organisation in Petach Tikwah zuBammenschlleßen werden. 11. Der Oberste Rat ermächtigt die oberste Leitung, mit der Organisation Heehaluz in Verhandlungen zu einer Vereinigung unter folgenden Bedingungen einzugehen: a) Der Chaluz erklärt, daß er keine politisch-sozialistische Bewegung ist. b) Der Heehaluz als Organisation nimmt an den Aktionen der Liga für das arbeitende Palästina keinen Anteil. Im Falle, daß die Verhandlungen scheitern sollten, möge die Leitung an die Schaffung einer Organisation allgemein-zionistischer Chaiuzim schreiten, 12. Der Oberste Rat stellt ein positives Verhältnis unserer Organisation zu der allgemeinen Arbeit der Organisation in Palästina fest, Unsere Mitglieder freien in sie ein, weil sie sie als eine Zweigorganisation ansehen, die eine wichtige konstruktive Autgabe im Aufbau des Landes erfüllt. Wiener zionhti che Mittelschulen in Jugoslawien Das Lager des Verbandes näherte s-.iicui Ende. Die letzte Woche kam und mit ihr der Höhepunkt unsere« Lagerlebens. Nach unserer Schlußfeier, die in Anwesenheit des Bürgermeisters von Hvar und v efer Kurgäste stattfand und deren vollste Zufriedenheit errang, sollten wir unsere K ii te in einem großen Sportfest mit dem Hvarer Sokol, der dort'gen Sportorganisation, messen. Vormit ags war ganz Hvar ni Strandbad versammelt, um die Schwimmwettbewerbe r. :tanzusehen. Die Jugoslaven, Hvarer und Zagrcber Studenten, die ja ganz ausgezeichnete Schwimmer sind, zeigten sich uns als vorzügliche Gegner, besonders als Crawler. In den Ein -Abewerben hatten die lugoslaven bereits einen kleinen Vorsprung erzielt, als der letzte Schw'mrrbcwerh zur Austragr g kam: die Lagenstaffel. Unter größter Anteilnahme und Erregung des ganzen Bades gelang es unserer Staffel (B'äti-l, Bermann, F, Präger) nach aufregendstem Kampfe als Err e durchs Ziel zu gehen und somit den Punktevorspn ::g unserer Hvarer Gegner aufzuholen. Am Nachmittag fand der leichtathletische Teil unsere« Sportfestes statt. Als Einleitung e'ne Staffel durch Hvar, dann Kuge'stoßen, Hoch- und We'tsprung und Staffeln. Auch dieser Teil des Kampfes endete unentschieden und somit war das Ergehn s 50:50 Punkt.a. Bei der Preisverteilung wiesen auch die Redner auf d:e . n wahrhaft freundschaftl’chen Ausgang unseres Sportfestes li'n. Ein Wimpel und ein Album, die uns unsere jugosiavisrhen Freunde überreichten, werden uns auch späterhin an diese schönen Tage erinnern. Am folgenden Tag, dem letzten im Lager, Sams'ag abends, vereinte e n großes Lagerfeuer unsere jugoslnv!sc'.u*n Sportkameraden mit uns. Und als der Morgen graute, war unser Lager zu Ende. Gepackt standen Koffer und Ruclcsftcke. Es ging heim, vorerst aber nach Agram. Zu uns'*r-r Abfahrt hatten sich unsere jugoslavischen Freunde und vVe Kurgäste eingefunden. Man rief uns Schaiom zu, grüßte, winkte. Schweren Herzens verließen w r diese gastliche Ställe. Montag und Dienstag weilten wir in Agram. Man hnPe uns die Räume des Schomer, des einzigen Agramer zion raschen Jugendbundes, zur Vertilgung gestellt. In Agram p'bt es etwa 7 Prozent Juden (12.000), denen es, wie überhaupt den Juden Jugoalaviens, sehr gut geht. Daher macht f'q Asslmilat'on große Fortschritte, und so gestaltete sich unser Aufenthalt zu einer wirksamen nationalen Propaganda. Ueberall kam man uns mit größter Freundlichkeit entgegen, ob es nun der hohe Eisenbahnbeamte oder ob es der Spaziergänger In der Straße war. Jugoslnvicn ist eben das Land ohne Antisemitismus und die dort lebenden Juden glückliche, zufriedene Menschen. Sechs Wochen gemeinsamen Lebens, gemeinsamer Arbeit stad nicht spurlos an uns vorübergegangen. Das Lager des Verbandes zionistischer Mittelschüler ist tatsächlich das Erlebnis geworden, das es zu werden versprach. Es wird allen Teilnehmern in unvergeßlicher Erinnerung bleiben. E r w o. Mathilde »•rein zur Beülolduno armer lOditcder IcbU'hiflder. insbesondere v/ols nkindar Wien. II., Broäa Sportans» M iOflicm inen mitgiledarn, Bonnern u. Spendern ein am in