Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 248 (6.10.1932)
- Date
- 1932-10-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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... U:U bcr 1932 DIE STIMME Seite 3 Weixmann-Tage in dev Schweix Große Rede De. IDetemonni Uber: „Zehn Jahre Palästina-Arbeit“ Eigenbericht der „Stimme“ Zürich. Nach den Huldigungen, die Prof. Weizmann in Base! zuteil wurden, wurde ihm auch bei seinem mit größter Spannung erwarteten Vortrag in Zürich ein überaus inniger und herzlicher Empfang bereitet. Dr. Weizmann1 sprach hier in einer von mehr als 600 Personen besuchten Versammlung über das Thema: «Zehn Jahre Palästina-Arbeit*. Zahlreiche angesehene Nichtjuden, so unter anderen Altbundesrat Dr. Haab, der Rektor der Universität Prof. Fleiner, der Altrektor Prof. Ludwig Köhler, Prof. Heß, Oberrichter Dr. Häßler und noch viele andere, höchste Aemter wie führende Wirtschaftsstellen bekleidende Persönlichkeiten, die ganze Elite der Gesellschaft, Regierung, Wissenschaft und Kunst in Zürich wohnten1 der Versammlung bei. Telegraphisch begrüßte William Martin die Versammlung, Weizmann als großen Staatsmann feiernd. Begrüßungsschreiben sandten der Direktor der Mandatsabteilung, der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, der englische und der amerikanischeGeneralk o n s u I, Stadtpräsident Dr. Klöti und Regierungsrat Dr. Wettstein und eine Anzahl weiterer prominenter Politiker und Gelehrte. Nach einleitenden Worten von Generaldirektor Georg Guggenheim (Schweizerischer Keren Hajessod) und Dr. Marcus Kohn (Präsident des Schweizerischen Zionistenverbandes) führte Prof. Weizmann u. a. folgendes aus: Das Thema des heutigen Abends: «Zehn Jahre Palästina-Mandat* ist keine leichte Aufgabe. Man kann das Thema von sehr verschiedenen Standpunkten behandeln und es ist eine verlockende Rolle, die Motive zu erkennen, wie alles zustande gekommen Ist, was zum Palästina-Mandat geführt hat. Es handelt sich hier zunächst um die Ak:ua!ität und wie das Palästina-Mandat sich vviikbcli ausgewirkt hat. Ich will hier versuchen, Ihnen aus eigener Erfahrung zu schildern, wie das Mandat inauguriert wurde. Das Mandat ist ein Kahmenvftrag, doch wird selbst die Rechtskraft dieses Vertiagcs -eitens der Araber angezweifelt. Und dieses Recht kann auch nur theoretisches Recht sein, wenn dieser Rahmen mit einem Inhalt ausgefüllt wird Ich will Sie nur mit einigen Wesenspunkten Jes Mandats vertraut machen. Das Mandat sieht vor, daß das jüdische Volk in Palästina eine Heimstätte aufkaue, nicht also Paläsiina. Das Mandat spricht vom jüdischen Volk, das!n der ganzen Welt verstreut ist. Es setzt voraus und verwandelt diese Masse, deren Vertretung durch die jewish Agency anerkannt wird. Die Jewish Agency ist mit einer zweiten Funktion betraut. Sie hat eine beratende Funktion. Sie beratet die Mandatar. cht, die Britische Regierung, in allen Fragen, die den Aufbau des jüdischen Heimes betreffen. Sie muß und kann Rat erteilen und man hört manchmal diesen Rat. Jede Gesetzesnovelle, die die englische Regierung durchführt, tangiert in direkter oder indirekter Weise unser Aufbauwerk. Es ist eine Art überwachende Tätigkeit, die notwendig war, eine neue Verwaltungsarbeit, die sich in Palästina sehr rasch ausgedehnt hat. Diese Mittätigkeit war eine Hauptarbeit. Eine andere Funktion war viel wichtiger und verantwortungsvoller. Die Jewish Agency war die Trägerin. Sie hatte nicht nur die englische Regierung zu beraten, sondern sie hatte die Pflicht, dieses Werk aufzubauen. In der ersten Nachkriegszeit standen wir vor einer Aufgabe, die das jüdische Volk seit der Zerstörung des jüdischen Heims nie voir sich batte. Zum Aufbau gehören zwei Elemente: Land und Menschen. Man mußte die Menschen aufs Land bringen, passende Menschen, die sich ansiedeln konnten. Es gab sehr viele emigrationsbedürftige Juden, es gab aber auch keine Landstraße der Welt, wo nicht Juden wanderten. Wir brauchten jedoch luden, die in unfertige Organismen hineinkommen sollten, wir brauchten Pioniere. Diese Vorkämpfer am Aufbauwerke stellten die große Reserve von Menschen, die Rußland für strategische Zwecke herangebildet hatte, die Straßen bauten und Felde* bestellten. Diese Pioniere kamen und wanderten «durch die Steppen Rußlands, durch die Eisfelder Sibiriens, auf allen Wegen und Umwegen, sie kamen mach Palästina. Heute, nach zehn Jahren, haben wir in Palästina eine Klasse Menschen, die in einer organisierten und differenzierten Gesellschaft jede Arbeit zu leisten bereit sind und sie durchführe» können Jüdische Agronomen werden nach Kalifornien berufen, um die Methoden, die sie in Palästina ausgebildet haben, dort zu kultivieren. 1922 handelte es sich darum, die Landwirtschaft auf eine hohe wissenschaftliche Stufe zu bringen. Durch moderne wissenschaftliche Methoden mußte das Maximum erreicht werden, was das Land hervorzubnngen vermag. Die Landwirtschaft folgte diesen technischen und agrarchemischen Errungenschaften. So wurde nicht der Jude auf die Stufe, die primitive Stufe herirntergedrückl, auf der die Landwirtschaft vor mehr als fünfzig Jahren stand, sondern die Landwirtschaft gehoben, den geschulten Kräften angepaßt. Nicht mehr mit 1000 Pfund wurde pro Familie kolonisiert, sondern es genügten 175 Pfund, zu denen der Ansiedler 50 Pfund beitrug, so daß eine Familie mit 225 Pfund kolonisiert werden konnte. Darin liegt ein bedeutender Fortschritt. Die weiteren großen leitenden Ideen hat Prof. Weizmann in seinem Basler Vortrag bereits zum Ausdruck gebracht. Wir wollen den Vortrag mit seinen eigenen Worten schließen: Es mag weitere zehn Jahre dauern, wir werden mit Freuden und in Ehren ernten, was wir gesät haben. Wir wollen unsern Acker so bestellen, daß die nächste Generation ihre Arbeit leichter vorfinden wird. An uns liegt es, diesen Willen zur Wirklichkeit werden zu lassen. Nach Schluß seiner Rede war Prof. Weizmann Gegenstand großer Ovationen. Bei einem zu Ehren Prof. Weizmanns veranstalteten Empfang wurde der Gast vom Präsidenten der jüdischen Gemeinde Zürich, Saly Braunschweig, und anderen jüdischen Führern gefeiert. Rosdi-tlösdianah-Bolttlialtcn fltr fOhrentfCD amerikanischen Staatsmänner New York. Aus Anlaß des Rosch Haschanah haben die führenden amerikanischen Staatsmänner durch die Jüdische Telegraphen-Agentur Glückwunschbotschaften an ihre jüdischen Mitbürger gerichtet. Der Präsident der Vereinigten Staaten Herbert Hoover sandte die folgende Botschaft: Das Rosch-Haschanah-Fest ist Anlaß genug, die Amerikaner aller Glaubensrichtungen daran zu erinnern, daß unser ganzes Volk gegenüber der jüdischen Rasse für deren beispiellos hohen Beitrag zum geistigen Leben der Menschheit eine große Schuld abzutragen hat. Mehr als irgend einer anderen Rasse verdanken wir den Juden den erhabenen und reinen Begriff Gottes und die im Dienste Gottes zu befolgenden höchsten ethischen Prinzipien. Ich gebe den Gefühlen der Nation Ausdruck, wenn ich den jüdischen Gemeinschaften Amerikas meine herzlichsten Glückwünsche zu diesem Jahresfest der Erneuerung ausspreche. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten Charles D. C u r t i s sandte die folgende Botschaft: Meinen Mitbürgern jüdischen Glaubens sende ich zu ihrem Neujahr meine herzlichsten Grüße und Glück¬ TE PPICH HAUS S. SCHEIN A. G. NUR WIEN, I, BAU ERN MARKT 12 14 ALLES,WAS DAS HEIM BEHAGLICH MACHT Kiesenauswuhl zu konkurrenzlos nlllii* on Preisen TEPPICHE VORHÄNGE DECKEN MÖBElihTOKEK IMNOI.KUM ETC. In der Seh wcimno: Roste und AuslaKOnstiicke ru Schlcudcrprc’sen wünsche. Die unter Christen immer mehr aufkommende Sitte, des jüdischen Neujahrs durch Botschaften des Wohlwollens zu gedenken, heiße ich herzlich willkommen. Ich möchte den Anlaß dieses Festes benutzen, um ein Wort warmer und herzlicher Ermunterung jüdischer Aspirationen auf Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina, die ich bei jeder Gelegenheit mit Freude unterstütze, zu sagen. Die Ideale des Zionismus geben dem jüdischen Volke und der Welt neue Hoffnung auf eine geistige Wiedergeburt und auf alles das, was eine solche Wiedergeburt für das Werden einer besseren Zivilisation bedeutet. In diesem Jahre vollzog sich die Bildung des American Palestine Committee, einer Körperschaft von Nichtjuden zur Förderung des zionistischen Unternehmens. Mit großer Freude bin ich dieser Körperschaft beigetreten, indem ich eine kongrete Gelegenheit ergriff, einen Wunsch zum Ausdruck zu bringen, der schon zu einer amerikanischen Tradition geworden ist: dem jüdischen Volke zu helfen, ein eigenes Heimatland wieder zu errichten. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Franklin D. R o o s e v e 11, der nach allgemeiner Ansicht die besten Chancen hat, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, sandte die folgende Botschaft: Den amerikanischen Bürgern jüdischen Glaubens spreche ich meine aufrichtigsten Grüße anläßlich der hohen Feiertag aus. Die tiefe geistige Hingabe, die die Signatur dieser Tage ist, ringt den amerikanischen Bürgern anderer Glaubensbekenntnisse Ehrfurcht ab. Möge das kommende neue Jahr für sie ein strahlendes und glückliches sein; mögen die tiefen religiösen Grundsätze, die im jüdischen Volke wurzeln, weiterhin die jüngere Generation inspirieren. Der Vizegouverneur von New York, Herbert H. Lehmann, ein Jude, der als der aussichtsreichste Kandidat für den Posten eines Gouverneurs des Staates New York gilt, gibt in seiner Botschaft der Hoffnung Ausdruck, daß die Töne des Schofar ein neues glückliches Jahr einleiten werden. mm Much Sohotow und Ussisehkin evlassen Botschaften London. Nahum S o k o 1 o w, Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, führt in seiner Rosch-Haschanah-Botschaft u. a. aus: Ueberblickt man die schwebenden Fragen unserer Tage: Jüdisches Nationalheim, neue Alijah, French- Bericht, Hitlertum, Cuza, Numerus clausus, Rote Gefahr, so fragt man sich: hat es je, soweit ein Lebender sich erinnern kann, einen mehr drohenden, zugleich einen von mehr Hoffnungen und Ungewißheiten bedeckten Horizont gegeben? Niemals in der Geschichte unseres Volkes bestand tieferes Bedürfnis nach Frieden in der Welt und in Israel. Seit Tausenden von Jahren beten wir Juden um einen Völkerbund. Dieser großen Idee galten unsere Aspirationen, unsere Hoffnungen, für sie sprachen wir innige Gebete und sangen Hymnen. Wir streben nach Frieden. Weil unsere Geschichte ein ununterbrochener Kampf ist. Frieden, das bedeutet: Keine Privilegien, aber auch keine Beschränkungen; wir wollen Frieden, um unserem Gotte dienen und unser Land aufbauen zu können, um unser Leben zu leben und teilzuhaben am Werke der Menschheit. Um nichts mehr bitten wir, und nicht weniger werden wir nehmen. Jerusalem. Der Leiter des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussisehkin, schreibt u. a.: Das Jahr 5692 verlief deprimierender als die vorangegangenen Jahre, dies sowohl innerhalb der Weltiudenheit, als auch hinsichtlich der jüdischen politischen Position in Palästina Nichtsdestoweniger haben wir in dem Aufbau unsere: Nationalheims Fortschritte gemacht, wie dies alle, dii das Land besuchten, bezeugt haben. Wir haben sowoh unseren nationalen wie privaten Besitz, in der Stadt wii auf dem Lande, vermehrt. Mögen im kommenden Jahr« 5693 unsere Kräfte gestärkt und unser Glaube vertief werden, so daß wir weitere beträchtliche Schritte in Wiederaufbau unseres Landes und in der Befreiung un seres Volkes tun. Hierbei steht die Auslösung des Boden: in erster Front bei der Auseinandersetzung mit unserei Gegnern. Wer an dieser Front den Sieg davonträgt, den gehört die Zukunft. Pfofessop Einstein fordert zugcriitgts Das Institut Flexner, das auf die Mitarbeit Ein* steins reflektierte, hat ihn angefragt, welches Honorar er beanspruchen würde. Professor Einstein hat daraufhin einen so geringen Betrag gefordert, daß die Leitung des Institutes ihn um Erhöhung seines Anspruches mit Rücksicht auf den «Standard» des Institutes ersucht* 3915