Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 247 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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..fette ia DIE STIMME Nr. 247 — 29. September 1032 JÜDISCHE GEMEINDE Dev Auftakt zum Wahlkampf für die Kuttusgemeinde Die Vovbeveiiungsarbeiten in vollem Gange Unter Vorsitz des Obmannes des Klubs der zionistischen Mandatare. Herrn Dr. Desider Friedmann, fand am 15. September 1932 eine überaus stark besuchte Versammlung von Vertrauensmännern aus allen Bezirken Wiens für die bevorstehenden Kultuswahlen statt. Der Vorsitzende berichtete über die Gründe, welche die zionistischen Mandatare veranlaßten, für die Ausschreibung von Neuwahlen zu stimmen, ferner über die Verhandlungen mit den einzelnen zionistischen Gruppen zum Zwecke der Herbeiführung einer einheitlichen zionistischen Liste. Herr Dr. Löwenherz entwickelte das Programm des künftigen Kultusvorstandes und legte den Plan einer großzügigen Wahlpropaganda vor. Nach diesen beiden Referaten entwickelte sich eine Diskussion, in welcher zum Ausdruck kam, daß mit den Vorarbeiten für die am 4. Dezember d. J. stattfindenden Wahlen sofort zu beginnen sei. Alle Anträge der Referenten gelangten einstimmig zur A n nah m e. Im Sinne dieser Beschlüsse sind auch schon in den einzelnen Bezirken Wahlkomitees gebildet worden. einen Wahlfonds ins Leben gerufen, dessen Stärkung die Aufgabe eines jeden Zionisten sein muß. Wir sind uns der heute schwierigen wirtschaftlichen Situation voll bewußt, daß die großen Einzelspenden früherer Jahre heute nur mehr durch eine g esteigerte Massensammlung ersetzt werden müssen. Wir appellieren daher an alle Zionisten, den Wahlfonds mit allen ihren Kräften zu stärken und eine energische Sammeltätigkeit fiir den zionistischen WahTfonds zu entfalten. IM frledmanii & sun Kerzenfabrik Wien. II.. Praterstraße 66. Telephon R 40-8*17, wünschen allen Freunden und Bekannten i lm: nsvrr. r\.v:c Zu den bevorstehenden Hohen Feiertagen empfehlen wir unsere Menorab- Kerzen und Menoinh-NachftllcItfter mit garantierter 24 stttndigar Brenndauer. Unsere Produkte sind mit K. K. L.-Marken versehen, und ist es Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen. nur mit K. K- L.-Marken ver- Das Zentral-Wahlkomitee der Zionistischen Liste. sehene Lichter zu gebrauchen. AUSLANDSCHAU Bulgarien kennt keinen Antisemitismus Dev bulgarische Ministerpräsident Muschanoff über aktuelle iüdische Profileme Jüdische Kultusivählev sichert Euch Euer Wahlrecht Auflegung dev Wählerlisten ab 44. Oktober Wie wir in der letzten Nummer der «Stimme» bereits berichteten, finden die Kultusgemeindewahlen endgültig am 4. Dezember d. J. statt. Die Auflegung der Wählerliste zur allgemeinen Einsichtnahme erfolgt bereits am 11. Oktober. Die Reklamationsfrist dauert 14 Tage. Bezüglich des Wahlrechts liegt folgende Aenderung vor: Das aktive Wahlrecht haben alle Angehörigen der israelitischen Kultusgemeinde Wien ohne Unterschied des Geschlechtes, sofern sie am Tage der Wahlausschreibung (§ 9 W. O.) das 21. Lebensjahr vollendet haben, welche mindestens in den dem Jahre der Wahl vorausgegangenen zwei Verwaltungsjahren in Kultussteuervorschreibung gestanden sind und die ihnen für das Jahr der Wahl oder für eines der drei vorausgegangenen Verwaltungsjahre statutengemäß vorgeschriebene Kultussteuer bis zum Ablauf der Reklamationsfrist 9 W. 0.) entrichtet haben. Das Zentral-Wahlkomitee der Zionistischen Liste hat sich bereits konstituiert und amtiert in der zion. Bez.-Sektion, II., Praterstraße 13 (Telepho.X 'R 41-100) von 9 bis 12 vorm, und von 3 bis 6 Uhr nachmittags. Zionisten! Spendet für den Wahlfonds! Wir haben bereits mit den Vurarbeiten zur bevorstehenden Wahlkampagne eingesetzt und in den einzelnen Bezirken haben sich bereits zahlreiche Gesinnungsgenossen zur Mitarbeit angemeldet. Das Zentral- Wahlkomitee der zionistischen Liste hat seine Arbeiten bereits aufgenommen und entsprechende Maßnahmen getroffen, um die Wahlkampagne erfolgreich durchzuführen. Im bevorstehenden Kultuswahlkampf gilt cs, nicht nur die Zahl unserer Mandate zu vergrößern, sondern der seit dreißig Jahren von den Zionisten erhobenen Parole «Erobert die jüdischen Kultusgemeinden» zum Siege zu verhelfen, um die Umwandlung der Kulttisgemeindc in die jüdische Volksgemeinde durchzufiihren. An Euch, Zionisten, ergeht nun der Ruf, sich dem Zentral-Wahlkomitee zur Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Der Erfolg der Wahlkampagne wird aber vor allem davon abhängen, ob wir, der schweren Aufgabe bewußt, in der Lage sein werden, eine entsprechende großzügige Wahlpropaganda durchzuführen. Zu diesem Zwecke aber erfordert es nicht nur Menschen, die ihre Mitarbeit zur Verfügung stellen, sondern vor allem drei Dinge: Geld. Geld und wieder Geld. Wir haben daher Nettes lehrmädchen «ml sofort aufgenommen. Hut-Modell ' rk-trifte JOSIPMINK. IV, Bleehturmgasse *■ Sofia, im September 1932. Der jüdische Historiker Dr. N. M. Gelber, der sich gegenwärtig auf einer Studien- und Vortragsreise in Bulgarien befindet, wurde vom Ministerpräsidenten und Außenminister Bulgariens, Nikola Muschanoff, empfangen und hatte mit ihm eine längere Unterredung über aktuelle Fragen des bulgarischen Judentums und der Weltjudenheit. Dr. Gelber richtete an den Ministerpräsidenten eine Reihe von Fragen, so z. B. die, warum die bulgarische Regierung die gesetzliche Anerkennung des Zentralkonsistoriums der Juden Bulgariens bis heute noch nicht ausgesprochen hat. Ferner, warum die bulgarische Regierung das jüdische Schulwesen, dessen Budget von Staats- und Selbstverwaltungsorganen nur bis 20 Prozent gedeckt wird, nicht in einem ausgiebigeren Ausmaß subventioniert. Dr. Gelber stellte dann fest, daß die Juden, unbeschadet ihrer vollen Gleichberechtigung, in dem Beamtenstatus des Staates nicht vertreten sind. Sodann ersuchte Dr. Gelber um die Bekanntgabe der Stellungnahme der bulgarischen Regierung zur Frage der aktiven Teilnahme der bulgarischen luden an der internationalen Minderheitsbewegung, sowie zum jüdischen Aufbauwerk in Palästina und zum Beschluß der vor kurzem staltgefundenen jüdischen Weltkonferenz in Genf, dem Völkerbund einen Vorschlag betreffend Schaffung einer internationalen Konvention zur Bekämpfung des Antisemitismus zu unterbreiten, ebenso, welche Maßnahmen die bulgarische Regierung treffe, um die in letzter Zeit aus dem Auslände nach Bulgarien importierten antisemitischen und nationalsozialistischen Losungen, die einen exzessiven Antisemitismus liier hervorrufen, zu unterbinden. Der Ministerpräsident Muschanoff gab aut diese Anfragen Herrn Dr. Gelber gegenüber folgende Erklärungen: Die bulgarische Regierung sieht die Notwendigkeit der formalen Anerkennung ein und hat bereits zu diesem Zwecke eine Kommission eingesetzt. Sobald das Ergebnis dieser Kommission dem Ministerrat vorliegen wird, wird das Kabinett auch die gesetzliche Anerkennung des Konsistoriums und seines Statuts aussprechen. Die Regierung und die Selbstverwaltungen der Provinzen und Städte haben bisher wohl nur bis zu 20 Prozent zur Deckung des jüdischen Scluilbudgets beigetragen. Allein die wirtschaftliche schwere Lage in dieser Zeit macht die Bewilligung größerer Beiträge für das jüdische Scluilwerk unmöglich. Was die Frage von jüdischen Beamten m Staats- und Selbstverwaltungsheiiörden anbetrifft, so wäre festzustelleii, daß die bulgarische Regierung die Juden als gleichberechtigte Bürger anerkennt. So hat die Regierung erst vor kurzem jüdische Beamte im Handelsministerium, im Zentralinspektorat fiir Lebensmittelkontrolle in Sofia, im Arbeitsinspektorat in Küstendil sowie einen Juden zum Staatsadvokaten in Burgas ernannt. Hinsichtlich der aktiven Teilnahme der bulgarischen Juden an der internationalen Minderheitsbewegung erklärte der Ministerpräsident, daß die bulgarische Regierung selbstverständlich mit der aktiven Teilnahme ihrer jüdischen Bürger an der internationalen Minderheitsbcwegung, die sie vollkommen billigt, zufrieden ist Die bulgarische Regierung und O.Tfentlichkeit stand und steht auch heute den zionistischen Bestrebungen auf Schaffung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina mit größter Sympathie gegenüber und verfolgt mit wärmstem Interesse die große Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina. Als Beweis, daß Bulgarien mit Palästina wirtschaftliche Beziehungen zu unterhalten wünsche, möge die Tatsache dienen, daß erst vor kurzem in Tel-Awiw Herr Mosche Schelusch zum bulgarischen Konsul bestellt wurde; seine Aufgabe ist es, wirtschaftliche Beziehungen zwischen Bulgarien und Palästina weitmöglichst auszubauen. Die jüdische Oeffentlichkeit kann dessen sicher sein, daß Bulgarien, wann immer es notwendig sein wird, stets vor den internationalen Faktoren für die weiteste Förderung des zionistischen Aufbauwerkes in Palästina eintreten wird. Es gehört bereits zur politischen Tradition Bulgariens, den Antisemitismus zu bekämpfen. Aus dieser Einstellung heraus wird Bulgarien vor dem Forum des Völkerbundes für den Vorschlag der jüdischen Wtltkonfaiansltt Genf *ur Schaffung einer internationalen Konvention zur B ekam p f u ng des Antisemitismus, sofort nach dessen Einlangung, eintreten. Bulgarien kennt keinen Antisemitismus und sieht in den Juden Staatsbürger mit gleichen Rechten, die ihrem bulgarischen Vaterland gegenüber stets ihre Pflicht, so auch im letzten Weltkrieg, mit größtem Opfer- und Heldenmut erfüllt haben. Der bulgarische Staat bekämpft mit den schärfsten Maßnahmen den exzessiven Antisemitismus und unternimmt auch entsprechende Schritte, die Ausbreitung der aus dem Ausland importierten antisemitischen und nationalsozialistischen Losungen, die hierzulande geradezu komisch wirken, zu unterbinden. Die bulgarische Regierung ist sich dessen bewußt, daß sie ihre jüdischen Bürger als gleichwertig zu behandeln und sie gegen jedwede antisemitische Bewegung zu schützen hat. (J. T. A.) 2>eutscMand Oie deutsche Reichspost und das jüdische Neujahrsfest Berlin. (J. T. A.) Die Deutsche Reichspost läßt —wie auch andere Telegraplienverwaltungen — zum jüdischen Neujahrsfest (1. Oktober) wieder einen Glückwunschtelegrammdienst zu wesentlich ermäßigter Gebühr zu. Solch« Glückwunschtelegramme können vom 26. September bis 10. Oktober bei sämtlichen Telegrammannahmestellen aufgeliefert werden; sie sind zugelassen im innerdeutschen Verkehr, im Verkehr mit Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland. Jugoslawien, Lettland, Litauen einschließlich Memelgebiet, Luxemburg, Oesterreich, Polen, Portugal, Rumänien. Saargebiet, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Ungarn, Aegypten, Palästina und Irak, ferner mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Kanada. Sicherung der Andachtsübung an den Hohen Feiertagen in Deutschland Berlin. Wie die J. T. A. aus zuverlässiger Quelle erfährt, haben die zuständigen staatlichen Organe für die bevortsehenden jüdischen Feiertage alle erforderlichen Sichemingsniaßnahmen in ausreichendem Umfang getroffen. Irgendein Grund zur Beuruliigung fiir die Synagogenbesucher liegt nicht vor. Demzufolge entfällt auch jeder Anlaß zu irgendwelchen privaten Schutzmaßnahmen. Solche werden, wie wir erfahren, auch nicht getroffen. Jtatien Ein Interview mit dem jüdischen Finanzminister Jung in einem Interview, das der neue italienische Finanzminister einem Vertreter einer Pariser Zeitung gewährte, äußerte sich Jung über die Juden folgendermaßen: «Meine Geschäfte führen mich oft nach Triest, wo ich den wunderbaren Typ des polnischen Juden feststellen konnte. Ich meine da nicht nur den «Chalutz», sondern ich bewundere auch den stillen Idealismus des jüdischen Kaufmannes und Künstlers, die nicht Idealisten aus Profession sind, die nicht für Romantik sind und die doch eine heroische Hingabe für Palästina bewiesen haben, wie in den herrlichsten Tagen der jüdischen Geschichte.» Herr Jung ist nicht nur guter Jude, sondern auch Zionist. «Franz-Josef»-BItterwas8er altbewährt gegen Verdauungsstörungen, Magenweb, Sodbrennen, ' > i, '