Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 247 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Die stimme Stltet September 1932 Jixchak GvUnbaum über den Revisionisifiug Im dichtgefüllten Saal des Hotels Continental sprach vor einer tausendköpfigen Zuhörerschaft Sejmdeputierter Jizchak Grünbaum über das Thema «Warum sind wir Zionisten gegen die Revisionisten?» Wiewohl im Saale anwesende Revisionisten den mißglückten Versuch machten, den Vortrag durch Zwischenrufe zu stören, konnte OrÜnbaum unter dem Beifall der Zuhörerschaft sein vom tiefen Ernst für die zionistische Gesamtsituation und großer Sachlichkeit getragenen Ausführungen zu Ende bringen. OrÜnbaum führte u. a. aus: Beide Bewegungen, radikaler Zionismus und Revisionismus, verdanken ihre Entstehung den gleichen oppositionellen Strömungen j sie beide traten auf dem Kongreß als Opposition auf und führten den schärfsten Kampf gegen die offizielle Verwaltung. Wir radikale Zionisten legten gewissermaßen den Akzent unseres Kampfes gegen die Erweiterung der Jewteli Agency, die Revisionisten legten ihr Hauptgewicht auf die politische Arbeit. Schon in der Zeit, als wir noch wegen einer Einigung mit den Revisionisten konferierten, mußten wir feststellen, daß sich große Unterschiede zwischen den beiden Richtungen gebildet hatten, die sich hauptsächlich auf drei Gebieten bewegen. Das erste Gebiet ist die Kolonisation der jüdischen Arbeiterschaft In Erez Israel. Wir haben die Arbeiterschaft als eine Kraft angesehen, die in Ere2 Israel die Basis Ist, auf der wir den Judenstaat aufbauen müssen. Wh* halten die Arbeiterschaft in Erez Israel als das wichtigste schöpferische Element im Lande. Diese Einstellung hatten wir nicht bloß vor dem Kriege, sondern auch nach dem Kriege. Wir waren auch einmal eine Jugendgruppe, eine Gruppe, so wie sich heute die Revisionisten nennen. Wir waren eines Sinnes, Jabotinsky und ich. Aber immer weiter und weiter entfernte sich der Revisionismus nach rechts und immer weiter kam er von der Arbeiterschaft ab und schärfer wurde seine Einstellung der jüdischen Arbeiterschaft in Erez Israel gegenüber. Der künftige Historiker wird gewiß nicht behaupten können, daß eine bestimmte soziale Einstellung, ein bestimmtes soziales Denken bei Jabotinsky dies bewirkt. Seine ganze Erziehung, seine politische Vergangenheit hat Jabotinsky datu prädestiniert, wenn schon nicht mit der Arbeiterschaft zusammenzugehen, so doch ihr wenigstens freundlich gesinnt zu sein. Be» Zwi und Ben Gurion sie waren Arbeiter und kämpften in der jüdischen Legion. Die Ideologie des Kl aase »kämpf es wurde von den Revisionisten In den Zionismus hineingetragen. Man matte den Teufel an die Wand und Schon machte sich der Klassenkampf In Erez Israel bemerkbar. Und dennoch ist die jüdische Arbeiterschaft nicht iklassenkämpferisch. Wenn die jüdische Arbeiterschaft zu wählen haben wird zwischen einem Befehl des Sozialismus und einem Befehl des Zionismus, dann wird sie sich mit ganzer Seele dem Zionismus verschreiben. Und nun müssen wir das Seltsame erleben, daß die Arbeiterschaft der heftigste Gegner des Revisionismus wurde. Dieser Kampf wurde immer heftiger, als sich der Revisionismus anschiCkte, Macht und Einfluß zu gewinnen. Und der Revisionismus bekämpft die Arbeiterschaft auf daß heftigste. Und nun zum zweiten Unterschied zwischen uns und dem Revisionismus. Es ist die Tendenz, eine Parallelorganisatlon zu schaffen zur zionistischen Weltorganisation. Wir radikale Zionisten vertreten den Standpunkt, daß in der zionistischen Organisation Platz für alle Strömungen zu finden ist. Wir wollen uns nicht lossagen von der zionistischen Organisation und bekennen uns stolz zu ihr. Die zionistische Organisation umfaßt den linken Flügel, der den fudenstaat auf sozialer Grundlage aufbauen will. Sie hat Platz für den religiösen Flügel, der auf dem Standpunkt steht, daß die Wieaererstehung des Judentums nur auf religiösen- Grundlage möglich ist, die vom linken Flügel als Privatangelegenheit bezeichnet wird. Die zionistische Weltorganisation umfaßt alle diese Strömungen. Der religiöse Flügel, dessen Grundlage zum Klerikalismus führen kann, aber nicht muß, der soziale Flügel, der den sozialen Staat vorbereitet, sie beide haben Existenzberechtigung für die -zionistische Organisation. Und jeder dieser beiden Flügel hat wieder Unterabteilungen geschaffen, wie sie etwa die Hitiachduth in der Poale Zion ist. Wir radikale Zionisten wollten keine ständige Organisation schaffen. Wir wollten nur eine Fraktion auf dem Kongreß sein und halten uns streng im Rahmen der Weltorganisation. Die Revisionisten aber haben sich abseits gestellt und wollen eine andere Organisation schaffen, sie wollen die zionistische Organisation mit einer anderen Organisation vertauschen. Uno das ist der zweite große Unterschied, der uns von ihnen scheidet. Der dritte Unterschied, der uns von den Revisionisten trennt, ist vielleicht der wichtigste. Ich bezeichne ihn mit Absicht als Legionismus. Nicht als Legion. Jabotinsky hat die Legion geschaffen, sie ist vielleicht seine größte Schöpfung. Jabotinsky ist die Seele des Revisionismus, ohne Ihn wird es keinen Revisionismus geben. Er war der Meinung, daß einem Rufe in die Legion zehntausende Juden folgen werden und daß er mit dieser Legion Erez Israel den Juden erobern werde. Im politischen Leben aber kam es anders. Die Balfour-Deklaration gab Erez Israel den Juden, der Bolschewismus eroberte Rußland, und statt der Zehntausende, die in die Legion eintreten sollten, waren es nur fünftausend. Das war der große Denkfehler Jabotinakys. Jabotinsky sagt,’ es wäre für uns ein Glück gewesen, wenn wir anstatt fünftausend zehntausend Menschen in der Legion gehabt hätten. Ich weiß nicht, ob es ein Glück gewesen wäre. England hatte 5000 Menschen entwaffnet und heinigeschickt. Hätte England nicht noch 5000 Menschen entwaffnen können? Vielleicht wäre Blut geflossen. Ich weiß nicht, ob es besser gewesen wäre, wenn es zu einem bewaffneten Zusammenstoß mit der Mandataimacht und zu •iner blutigen Liquidation der jüdischen Legion gekommen Wäre. Ich glaube nicht, daß eine Legion von 10.000 Mann besser gewesen wäre als die Balfour-Deklaration. Es handelt sich jetzt nicht um die Frage, ob eine jüdische Legion bestehen soll oder nicht, ob wir eine Wehrmacht haben sollen, die unsere Arbeiter bei Unfall und Not verteidigen sollen. Es hat sich gezeigt, daß England keine Armee unter jüdischem Befehl will. Und wir haben keine Macht, England dazu zu zwingen. Dem Revisionismus geht es nicht um die Legion, es geht ihm um den Legionismus. Es geht um den Gäst, in dem die Jugend erzogen werden soll. Der Legionismus will die Jugend dazu erziehen, sich selbst zu verteidigen, selbst in einer Situation, die zu keiner Hoffnung Aussicht gibt Wir haben es jetzt in Osteuropa, in Erez Israel erlebt. Die Legion kann uns nur schaden, aber nie Nutzen bringen. Der Krieg hat bewiesen, daß nicht die gedrillten Soldaten die besten waren, sondern daß auch $le jene sich zumindest so tapfer schlugen, die von allen möglichen Berufen /u den Waffen gerufen wurden Auf dem 17. Kongreß hieß es noch, Weizmann sei an allem schuld. Wer glaubte, daß die Revisionisten bei dieser These Weihen, der hat geirrt. Nach dem Kongreß machten die Revisionisten eine kolossale Entdeckung. Plötzlich war nicht mehr Weizmann schuld, sondern England, mit dem es bergab geht, das schlaff, energielos geworden ist. Es fehlt den Engländern an der kolonisatorischen Initiative des 19. Jahrhunderts. Und dann hat man eine zweite Entdeckung gemacht: England ist schuld an der Störung des Prozesses des jüdischen Aufbaues in Palästina. Früher sagte nian, die Engländer sind Gentlemen, sie halten ihr Wort. Englische Minister gaben das Versprechen, daß der Judenstaat auf- Sebaut werde. Und man vertraute Ihnen, weil man sie für lentlemen hielt. Und wir rührten uns nicht und bauten auf das Versprechen. Und weil wir uns nicht gerührt haben, dann kamen die Gentlement auf die Idee, daß wir den Judenstaat nicht aufbauen wollen und so versagten sie uns die Unterstützung. Nach dem 17. Kongreß begannen die Revisionisten plötzlich sich um eine andere Mandatarmacht umzusehen. Sie wollen nicht auf dem organischen Wege bleiben, sie kennen keine organische Entwicklung, sie wollen den Prozeß mit Gewalt gewinnen, sie säen nicht Samen, sie wollen gleich ganze Bäume einsetzen. Man verkennt dabei, daß England das Mandat nicht allein uns zuliebe angenommen hat. Palästina ist für das britische Imperium ein wichtiger Stützpunkt und deshalb halten sie das Mandat. Man dächte an Frankreich als Mandatarmacht, an eine Ansiedlung in Marokko oder Syrien, doch all dem können wir keinen Gefallen abgewinnen. Wir führen den Kampf gegen die Politik des britischen Imperiums, mit Mitteln, die Erfolge versprechen, weil sie sich auf realer Grundlage halten. ln der Folge entstand bei den Revisionisten der Gedanke der Petition. Es ist leicht, Forderungen auf dem Papier aufzustellen, aber man kann nur mit den gegebenen Mitteln rechnen. Petitionen sind keine Erfüllung von Idealen. Wir widmen unsere Kräfte nur der Erfüllung aktueller Forderungen. Der jüdische Staat kann nur allmählich aufgerlchtel werden, nur dann, wenn wir bestrebt sind, die aktuellen Forderungen zu erfüllen. Wir stehen mit beiden Füßen auf dem Boden des Zionismus und unterwerfen uns der zionistischen Organisation. Warschau. Das Zentralkomitee der Zionistischen : Organisation Polens befaßte sich in seiner soeben ab-; gehaltenen Plenarsitzung mit den Beschlüssen der fünften revisionistischen Weltkonferenz hinsichtlich der Disziplin, in denen zum Ausdruck kommt, daß alle, auch die schekelzahlenden Mitglieder der Union einzig und allein der Disziplin der Union unterworfen sind, während anderseits der Disziplinbeschluß des Zionistischen A. C., als mit den Statuten der Z. O. nicht vereinbar, für die einzelnen Zionisten nicht bindend sei. Nach eingehender Beratung beschloß das Zentralkomitee der polnischen Zionisten einstimmig, sich an die zionistische Exekutive in London und Jerusalem sowie an das A. C. mit einem Memorandum zu wenden, in welchem dargelegt wird, daß die Haltung der revisionistischen Weltunion in der Diszipllnarfrage in absolutem Gegensatz zu dem Disziplinbeschluß der letzten A. C.-Sitzung steht und daß eine Unterwerfung der schekelzahlenden Die Tatsachen lehren, daß der volle Aufbau von Erez Israel innerhalb kurzer Zeit nur durch das Privatkapital erfolgen kann. Wenn Sie absolut verläßliche Informationen über einen beliebigen Zweig der palästinensischen Wirtschaft usw. wünschen, Wenn Sie welche Unternehmung immer dort gründen wollen, Wenn Sie Boden kaufen und bepflanzen, Wenn Sie Häuser in Stadt oder Land bauen oder kaufen, Wenn Sie auf welche erdenkliche Art immer Ihr Kapital ln Erez Israel fruchtbringend unterbringen wollen: Wir anerkennen die Hegemonie der Arbeiterschaft in Eres Israel, denn sie sind die Pioniere des Zionismus. Es hat eine Zelt gegeben, da galt es als Ideal, sich zu proletarisieren« Es geschah das wunden daß Söhne wohlhabender Eltern, geistige Arbeiter nach Erez Israel gingen und schwere physische Arbeit leisteten. Nicht dem Sozialismus zuliebe haben sie dies getan. Nur allein dem Zionismus zuliebe und dem jüdischen Staate sind tausende und tausende jüdische junge Leute nach Ere* Israel gegangen, haben alle Widerstände gebrochen und eine Armee von 30.000 bis 40.000 Arbeiter geschaffen. Erst später kamen auch jüdische Kleinbürger nach Ere* Israel. Nur zionistische Arbeit in Erez Israel und in der Gallith kann uns dem Ziele näher bringen. Und wenn man mich fragt, wie ich am besten den Revisionismus charakterisieren würde, so würde ich antworten: Der Revisionismus ist der russische Zionismus in der Emigration. Der Emigrant ist ein entwurzelter Mensch, der die Fühlung verloren hat mit den konkreten Dingen seines Lebens. Die Revisionisten haben die ganze Emigrantcnpsychologie in sich aufgenommen. Die Revteionieten hls Emigranten haben nichts zu verlieren, sie stellen das Ultimatum: entweder ihr fügt euch unseren Forderungen oder wir treten aus eurer Organisation aus. Die zionistis he OrganVnt.on M der Jiulvndtaat unterwegs und man kann aus dem Judenmaat nicht so einfach austreten. Das muß der Untergang der revteiönwtiechen Partei sein, kein Sonderverband und keine Juristisch noch so spitzfindige A\ wird '"i davor retten. Wenn Jabotinsky den Revisionismus wilassen würde, dann wäre er erledigt. Denn nur er ist der Träger der Idee. Jabotinsky aber ist ein dreifacher Emigrant. Er Ist ein Emigrant aus Rußland, ein Emigrant aus der zionistischen Organisation und ein Emigrant aus Erez Israel. Der Revisionismus kann keinen Bestand haben, wenn er sich darin erschöpft, Versammlungen zu sprengen, ein gewaltiges Geschrei zu erheben, bestenfalls Kommandorute ertönen zu lassen oder die Hatikwah zu singen. Die zionistische Organisation kennt keinen Zwang, die Grundlage der Diktatur. Nicht physische Gewalt, sondern die Idee muß mitreißen. Wir können niemand zwingen, zu uns zu kommen oder bei uns zu bleiben. Es wäre absurd, in der zionistischen Organisation Vöh einer Diktatur zu sprechen. Eine Partei, die dies tut, ist dem Untergang geweiht. Sie muß verschwinden, früher oder Später. Das Zeichen des politischen Todes ist ihr auf die Stirne geschrieben und wir werden nicht müde werden, ihr ttfes« bittere Wahrheit zu sagen. Revisionisten unter dl« Wiener Beschlüsse einen eklatanten Disziplinbruch gegenüber d«f 2. O. bedeutet. Die Behauptung der Revisionisten, heißt es in dem Memorandum weiter, daß die zionistische Disziplinforderung in Widerspruch zu den Statuten der Z. 0. stehe, sei durch nichts begründet. Die Stellung der Revisionisten in der Diszlplinfrage bedroht die Einheit der Zionistischen Weltorganisation. Die Exekutive möge darum den revisionistischen Sonderverband auffordern, sich bedirt* gungslos der Disziplin der Zionistischen Weltörgani* sation zu unterwerfen, andernfalls möge die Exekutive auf Grund der ihr vom A. C. erteilten Vollmachten die zionistischen Gerichtsinstanzen zusammentreten lassen, damit diese die Rechte des zionistischen Sonderverbandes bis zur nächsten A. C.-Session suspendiert. .Bis zur nächsten Session soll auch die Reorganisierung der zionistischen Institutionen, wie Palästinaamt usw., ausgesetzt werden. Die Tatsachen beweisen, daß in Erez Israel allein in dar ganzen Welt die wirtschaftliche Lage gut Ist und die Zn» kunftsaussichten noch besser, Wir stehen mit voller Verantwortlichkeit und gegen eine mäßige Entlohnung zu Ihrer Verfügung, Wir dienen Ihnen mit Informationen, unterbreiten Ideeifc Vorschläge, Pläne, Programme, Kostenvoranschläge, Wir besorgen für Sie die Gründung, Abwicklung, Leitung oder Aufsicht Ihrer Unternehmungen oder Geschäfte, Wir haben eine sich über die ganze Welt erstreckende Organisation und verfügen über die besten Fachmänner de« Landes. KANJMN- TRIlM4ND6ESELLSCnarT Canaan Trusteeshlp Co. Jerusalem nioßnoiB« man wxt ü'iwtv Vertreter für Oesterreich: Ludwig Gutmann, Wien, I., Fleischmarkt 22, II., III., 96* Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung, „ Der revisionsiische Sonderverband in der zion. Organisation soll sich der Disziplin der Z. 0. unterwerfen Ein Memorandum des Zentralkomitees der polnischen zionistischen Organisation an die Zionistisch Exekutive und das A. (. Daher ist es vom nationalen und individuellen Standpunkt das Richtigste, jüdisches Kapital ln Erez Israel zu investieren, dem einzigen Lande, das dem Juden volle Sicherheit bietet, eine freundliche Atmosphäre und die Möglichkeit, für sich und seine Familie zu arbeiten.