Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 247 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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3M*? DIB STIMME «fj twüiüir 1 ms, gentter mögen £ ZU SCH» Wirts #12 wL«SSSTSS£% Prinzipien als letzte Gründe des Ruins Herausstellen. Diese nüchterne Feststellung ist heilsam und gesund. Sie kann zur Blößlegung bisher unentdeckter Fehler und lur Auffindung Ihrer Quellen und Verursacher führen. Das vergangene Jahr war für das Judentum der Welt kein glückliches. Es hatte auch kein Recht und keinen Anspruch darauf, daß es ihm besser ergehen sollte, ale der schwer heimgesuchten Mitwelt. Zu dem allgemeinen Unglück, unter dem man in der Regel die große materielle Not versteht, kam und kommt aber für die Judenhelt der fast in allen Ländern zusammengeballte Judenhaß in Formen, die man törichterweise für ausgestorben und vergessen gehalten hatte. Nur phantastische Schwätzer, geschichtsunkundige Schwächlinge und weichliche .Flachköpfe konnten glauben, daß die brennende Not der Zeit und die wilde Verzweiflung wirtschaftlich zerschmetterter Massen ihre grausame Wut nicht an den Juden auslassen würden. So viel könnten wir aus der Geschichte gelernt haben. Diese traurige Erfahrung hat uns nicht zu verbissenen Pessimisten gemacht; wir sind Optimisten geblieben. Das ist der Wunder größtes. Doch nur für den unerklärbar, der diese jüdische Geschichte nicht kennt. Ohne jede Uebertreibung. Uns hat der glühende Feuerofen gehärtet, so daß höchste Hitzegrade einer wahnsinnig gewordenen, nach Millionen zählenden, organisierten nichtjüdischen Menschenmasse uns nicht verzehren. In diesem Feuer ist auch nicht ein Funken Verstand. Es ist geschürt von Verbrechern und Verrückten, in deren Gefolge Verzweifelte sich zusammenrotten. Daß sich geistig Normale finden, die solchem Wahnsinn Methode geben, ja, geistig Hervorragende, die ihn logisch, wissenschaftlich begründen, ist ein neuerlicher Beweis, dessen wir nicht bedurften, daß Intellekt, Wissen, Gelehrtentum keine Bürgschaft für Anstand, Würde und Sittlichkeit sind. — So sind wir denn von Feindschaft umstellt. Bei bestem Willen und mildester Beurteilung können wir nur wenige Ausnahmen finden. Wir empfangen also reichlich Strafe, «doppelt für alle Sünden», die wir begangen haben sollen. Bedenken wir jedoch, daß eine sehende Welt den wirtschaftlichen Ruin der ganzen Menschheit kalten Bluts zuläßt, obzwar er nach dem Urteil zahlreicher Denker durchaus aufzuhalten wäre, bedenken wir ferner, daß alle Kongresse und Konferenzen für Ruhe und Pfleden von Haus aus zu Unfruchtbarkeit verflucht sind, weil fast kein einziger der Weltpolitiker frei ist von Verlogenheit, Hinterhälttigkeit und Tücke; bedenken wir endlich, daß es hunderttausende Menschen gibt, die den Krieg an sich als erlaubtes, ja, als einziges Mittel zur Durchführung ihrer Ziele und Zwecke, ja, als moralische Tatsetzung betrachten — dann schwindet jedes Erstaunen über den ethischen und materiellen Zusammenbruch aller Weltteile. Haben wir Juden also Zeit zu innerem Zwist? Wütet der Feind von außen, so verwüstet Zwiespalt uns von Innen. Ja, fürwahr, Revision unseres eigenen physischen und moralischen Bestandes ist dringend nötig. Es gilt Erhaltung und Rettung unserer höchsten Güter. Im Streit und Kampf um Anschauungen, Weltpolitik und Weltstellung dürfen diese Grundbestände rein ideeller Art nicht untergehen, Es ist wahrlich weder Wahn noch Ueberhebung, wenn wir das jüdische Volk als Träger welterhaltender Grundideen bezeichnen. Das ist nun einmal so und kann wohl geleugnet, aber nicht als historisch unwahr erwiesen werden. Es hat sich!m Laufe der Jahrhunderte wenig daran geändert. Streitet um Religion und Nation; es ist müßig. Ihr werdet an der unerschütterlichen Tatsache der religiösen Bestimmung und nationalen Eigenexistenz des jüdischen Volkes nichts ändern können. Ebensowenig wie man aus dem religiösen Grundbesitz des Judentums das nationale Element zu streichen vermag, ebensowenig kann und darf aus diesem erhabenen Volksbewußtsein der religiöse Grundton schwinden. Das ist ethisch-historische, unerbittliche Forderung. Gibt es noch Juden auf der Welt, die das nicht wissen? Gibt ee noch Juden, welche die heilige Arbeit für Palästina geringschätzen; fühlen sie nicht, daß sich hier ein Stück Schicksal, ein Stück Vorsehung vollzieht? Ist damit auch nur ein Pünktchen unserer bürgerlichen Ansprüche und Rechtsforderungen in allen Erdteilen gefährdet oder aufgegeben? Mit Brutalität allerdings ist nirgendwo für uns ein Weg zu finden. Die Barbarei haben wir überwunden und das vielgepriesene antike Heldentum anderer Völker ist für uns nicht begehrenswert. Zwingt man uns, so werden wir auch wehrhaft sein. Aber immanent sind Uns andere Kräfte: Kräfte, welche in unserer Kultur zum Ausdruck kommen, die GeisteskultUf Ist, ethische Kultur, religiöse Hingebung und Weihe Ohne Verstiegenheit und erdfremde Verhimmelung. Wir müssen unsere innerliche Haltung revidieren. Realpolitik allein ist uns nicht angemessen, selbst dann nicht, wenn wir die positiven, unstreitig großen Erfolge in Palästina im Auge haben. Die Judenhelt der Welt Steht in Abwehr gegenüber einer doppelten Phalanx; einer materiell gerüsteten und einer politlsch-orientierten. Unsere materielle Schwäche ist so furchtbar und notorisch, daß nur Verstockheit und Blindheit sie nicht zugestehen; die ungeheuren, aufgepeitschten Massen mit Ihren Instinkten und Trieben stürzen über uns und werden nach wie vor die Juden als Opfer verlangen. Nicht Staat, nicht Kirchen, nicht Philosophen, Dichter und Denker werden sie hindern; Willen dazu. All dies aber soll uns weder entmutigen, noch an uns selbst verzweifeln lassen. Denn ebenso notorisch wie unsere materielle Schwäche und Not, sind unsere sittlichen, geistigen, kulturellen, religiösen, historischen Kräfte, die in Einfachheit und Größe in der Gedankenwelt zum Ausdruck kommen, die uns gerade an den höchsten Feststagen trägt, erfüllt und beglückt. ■■Jüdische MädchenII ■ ■ vor der Beruf• wähle' Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäschewarenerzeugung mit Öffentllehkeitsrecht Staatsgllltige zaugnlssa Einjährige Koch- und Haushaltungsschule mit erweitertem T i.rplan für allgemeine Bildung Modistenkurs Dr. Krüger-Heim, 2., Malzgasse 7, Tel. A-4Ö-0-77 Internat. Samstag Schulfrei Berufsberatung täglich von 11 bis 12 Uhr Die immanenten Ideen unserer Geschichte und unseres Glaubens waren und sind und bleiben: Recht und Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit, Toleranz und Universalismus. Davon lassen wir nicht und stürzte die ganze Welt zusammen. Wir müssen uns für die Rettung dieser schwer bedrohten Krongüter aller Kultur erhalten um jeden Preis. Nur nicht um den Preis der Entjudung und Schändung unserer selbst. Im heißen Kampf um diese Güter müssen wir einig sein. .. Für Auslösung des Bodens in Palästina Rosch-haschanah-Aufruf der Zionistischen Exekutive London. Die Zionistische Exekutive erläßt aus «Anlaß der bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage einen Aufruf, in dem allen Zionisten und Freunde des Palästina-Werkes darauf aufmerksam gemacht werden, daß der Monat Tischri 5693 als Monat der Auslösung des Bodens in Palästina zu gelten hat und daß in diesem Monat Sondersammlungen für den Jüdischen Nationalfonds durchzuführen seien. Die Kampagne für dem Keren Kajemeth im Monat Tischri, heißt es in dem Aufruf, wurde vom XIV. Zionistenkongreß als traditionel! erklärt; der XVH. Zionistenkongreß hat dann den ganzen Mor.at Tischri als Monat des Keren Kajemeth Lejisrael proklamiert. Die Sammlungen für den Keren Kajemeth erstrecken sich also auf den ganzen Monat. Zum Schluß des Aufrufes heißt es: Auslösung, des Bodens in Palästina ist vornehmstes und dringendstes Gebot der Stunde. Die Zionisten haben die Pflicht, im kommenden Monat des Jüdischen Nationalfonds ständig zu gedenken und mit aller Kräft darauf hinzuarbeiten, daß die Sammlungen einen b"trncht|'r,'rn Frfolg erbrtuyp. Dp. Reizmann in Basel— Oaah an Bundesppisldent Motta Basel. Dr. Chaim Wetzmann hielt auf Einladung des schweizerischen Zionistenverbandes in Basel einen Vortrag über das Thema «Palästina und die Jude n», der von einer großen Reihe jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten besucht war, über den wir in unserer nächsten Nummer noch ausführlich berichten werden. Dr. Weizmann wurde von Dr. Marcus Cohn im Namen des schweizerischen Zionisten-Verbandes und von Herrn Dreyfus-Brodsky im Namen des Schweizeri- Hartnöckige Verstopfung, Dickdarmkatarrh, Blähungsbeschwerden, Magenverstimmungen, allgemeines Krankheitsgefühl werden sehr oft durch den Gebrauch des natürlichen «Franz-Josef»-Bitterwa$$er$ — morgens und abends je ein kleines Glas — beseitigt. sehen Israelitischen Gemeindebundes und der Schweizer Sektion der Jewish Agency begrüßt. Herr Dreyfus- Brodsky ergriff die Gelegenheit, um den Bundespräeldenten Motta den Dank des schweizerischen Judentums für seine bei der 600-Jahr-Feier Luzerns abgegebene Erklärung, in der er ein Verdammungaurteil gegen den Antisemitismus als einer dem schweizerischen Wesen fremden Erscheinung ausgesprochen hat, zu übermitteln. Synagogennot in IHoshou Moskau. (J. T. A.) Unter den religio« geatmuenjude.il Moskaus besteht große Sorge im Hinblick auf den Mangel an Synagogen für die kommenden Hohen jüdischen Feiertage. In Moskau leben etwa 250.000 Juden, für die aber nur vier Synagogen, die insgesamt etwa 3000 Andächtig* aufnehmen können, vorhanden sind.* Es sind dies die Große Synagoge, die Poliakow-Synagpce in der Kleinen ßranggaaaa, die Synagoge Im Stadtteil Arbat und schließlich die Synagoge in der Marinegasse, wo hauptsächlich in den letzten Jahren zugewanderte jüdische Heimarbeiter wohnen. Man befürchtet, daß tausend« Andachtswillige in diesem Jahre in den Synagogen keinen Platz finden werden, Bis vor wenigen Jahren konnte man .noch freistehende Säle für Andadhtszwecke an deh Höhen Ffeiertägen mieten; heute gibt es solche Lokale nicht mehrso daß man daran geht; auf dem Alten und auf dem Neuen jüdischen Friedhof Moskaus sowie in privaten Wohnhäusern Andachtsstätten einzurichten. Jewish Agency verlangt 6750 Einwanderunglzertifikafe Jerusalem. Wie der J. T. A. aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat die Jewish Agency an die Regierung in Palästina das Ersuchen gerichtet, ihr für das Halbjahr Oktober 1932 bis März 1933 6750 Zertifikate für Palästina- Einwanderer auf Grund der Arbeiterschedule zur Verfügung zu stellen. Die Palästina-Exekutive der Jewish Agency hat dieses Ersuchen mit deni Hinweis auf die jetzige Arbeitete in Palästina und dem Bedürfnis nach einer größeren Anzahl neuer Arbeiter sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Industrie eingehend begründet. Fiir die Arbeitsperiode März/Oktober 1932 hat die Exekutive der Jewish Agency um 3750 Zertifikate angesucht, es wurden ihr aber nur 2000 Zertifikate bewilligt, von denen 300 für Personen reserviert wurden, die als Touristen in das Land gekommen sind und sich dann entschlossen hahen, dauernd Ini Lande zu verbleiben. Ein jüdischer Kolonist in Klar Gideon durch Araber verletzt Jerusalem. (J. T. A.) Arabische Hirten, die ihr Vieh auf den Boden der jüdischen Kolonie Kfar Gideon trieben, mißhandelten einen jüdischen Kolonisten, der sie aufforderte, den Boden wieder zu verlassen, und verletzten ihn. Die Polizei wurde benachrichtigt: Verhaftungen wurden bisher nicht vorgenommen. NEUE JÜDISCHE BUHNS Wien, l.,.Rieinergaasf Nr. II (vormal« Pan) Sonntag, 2. Oktober einmalige« Auftreten Paal* Dreiblatt1« in Zolotorevaky1« Lebensbild II Beatrlxbad Mlchaalerbad vta«, 5, Balirif, Wak« Bahngwee *r. a, «»ohat fMadtwk Wien, 18. Caxlrk, M'chaelprstraBo 12, päofrst Yollfsopgr Größter Komfort AvHabaaWaa1 Gegan 8 no fili Maas&ge. BabenswilrdJgk« Vollständig neu eingerichtet BRMAE83IGUNQS-ANWEISUNG Gegen <lieee Anweiauug «rtJ<lB ‘ i« tpi Billige Preise AuwoiMMUdaa i q4«* mahaaji ' 4 |» V« »Igar Oktober 1882 liegen aieee Anweiauug erhalt«)» ‘ i» ipi nawnxm«# mahaaiar bdf eia erma-Ulgtas DaarF, Wasa »- oder aeäwiaaS 4 «Vor vjrlf&uf aueh: Flehteuque-, Bepwefel , 8,ob eypäyre-, m«) DarmbarL Wasserkur, W*»raDMhlamm*P*ekun*, bl» z,Tenlaator und all •bermio, Hochfrequenz, Jean deren I ciTbohänfirüiigi-ii ..OIE FRAU OHNE NERVEN beginn b Uhr 30 - Karten .m der Theaterkasse Unsere geschätzten Leser werden aut die jüdisch# Buchhiincilting Hermann Tuehncr (siehe Inserat) beson» der« aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßig* Ion Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet, 10 Groschen Ulglich, Keine Nebengehiihron, Für An» fragen Telephon 1’ 4M-20, Dio Redaktion der „Stimme“ teilt mit: Rerjaktlonsschluß ausnahmslos D i e n ß» tag um 12 Uhr mittags. 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