Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1932-09-29 · Heft 247 (29.9.1932) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 247 (29.9.1932)
Date
1932-09-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3053963-3054001--3143-3058634
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Rosdt-Haschanah-Festnummer V. h. b, BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1’50, Vierteljahr! S 4’20, ganzjährl . . S I6‘— Deurschld vierte) jährl. RM V— Tschechoslowakei viertel] Kc 24 — fugoslawien vierteljährl Din 40' — Poler. Vierteljahr lieb Zloty 6 SO Ungarn Vierteljahr lieh Pengö 4 20 Rumänien vierte) jährl Lei 120- Uehrigee Ausland vierteljährl Schw Frankei 4‘50 Die heutige Nummer ist 14 Seiten stark Jüdisdte Zeitung Preis 35 g Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien. 1., Kärntner* straße 28 Tel R-27 4-86 Postsparkassenkomi: Oesterr. D 113-546 Polen . 191-199 Tschechoslowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 5. Jahrgang Wien, Donnerstag, 29. September 1932 (28. Elul 5692) Nummer 247 mmammmmmm Zionisten! Der Zionistische Landesverband für Oesterreich tritt in ein neues Arbeitsjahr. Im abgelaufenen jüdischen Arbeitsjahr ist es uns dank der Arbeitsfreude und dank den Opfern vieler Gesinnungsgenossen gelungen, unsere Reihen zu stärken und zu vergrößern. Viel bleibt noch zu tun übrig. Es gilt, den Jugendverband, die Wiener Bezirkssektionen und die Ortsgruppen zu stärken und «Die Sti m me» auszubauen. Es gilt, im kommenden Wahlkampf mit aller Macht an der Eroberung der Kultus gemeinde zu arbeiten. Der Delegiertentag wird nach den Wahlen zur Kultusgemeinde zusammentreten und wichtige Beschlüsse zu fassen haben. Zionistenl ln weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung, die uns bisher ferne standen, dämmert die Erkenntnis, daß nur der Zionismus in der Lage ist, die Judennot zu beheben. Es ist Euere Pflicht, unermüdlich und unverdrossen von Mann zu Mann für unsere zionistische Sache zu werben. Die Begeisterung der ersten Jünger Herzls muß Euch erfüllen und der Erfolg wird nicht ausbleiben. Gehet unbeirrt Eueren Weg weiter, kämpft für die uneingeschränkte Erhaltung der Weltorganisation, fördert die Fonds und fördert Erez Israeli Zionisten! Am Eingang des neuen Jahres wollen Wiens neuer Erzbischof Universitätsprofessor Dr. Theodor I n n i t z e r gilt als der am judenfreundlichsten gestimmte katholische Politiker Oesterreichs. Als Universitätsrektor hat er energisch jeden Versuch zu antisemitischen Ausschreitungen unterdrückt und die Gleichberechtigung der jüdischen Studentenschaft gewahrt. Ebenso wahrte er die jüdische Gleichberechtigung als Unterrichtsminister, wenngleich manche seiner Versprechungen nach dieser Richtung infolge des Widerstandes seiner Kollegen im Ministerium Schober nicht erfüllt wurden. Prof. Innitzers Sympathien gelten besonders dem religiös-konservativen und dem zionistischen Judentum. Er war auch Mitglied des Pro- Palästina-Komitees und unternahm als Palästina- Altertumsforscher wiederholt Reisen in das Heilige Land. In seinen Vorträgen vor dem katholischen Volke Oesterreichs gedachte er auch lobend des jüdischen Aufbauwerks in Palästina. Es wird allgemein angenommen, daß der neue Erzbischof einen entschiedenen Kampf gegen das Nazitum in Wien, und zwar von seiner Position als deutschnational gesinnter Katholik aus, führen wird. Wegen seines ausgeprägten sozialen Sinnes und seiner umfassenden sozialen Hilfstätigkeit Moi tag, am 3. Oktob r um vt9 Uhr abends spricht im Saale des Hotels Post Wien, I.. Fleischraarkt Dr. Nahum Goldmann (Berlin) Uber das Thema: Was bedeutet der Jüdische WeltkongreB? wir in Ehrfurcht unserer Brüder und Schwestern gedenken, die für unsere heilige Sache in Erez Israel ihr junges Leben gelassen haben. Wir reichen die Bruderhand allen Juden, die auf der heiligen Vätererde in zäher, mühseliger Arbeit die uralte jüdische Sehnsucht nach Freiheit der Erfüllung näherbringen. Sie alle seien uns ein leuchtendes Beispiel dafür, was zionistische Arbeit heißt. Weg von den pilpulistischen Diskussionen! Hinein in die praktische Arbeit! Zionisten Oesterreichs! Wir rufen Euch auf zur zionistischen Arbeit! Kommt alle in unsere Reihen! Das Schicksal hat Euch in diese harte Zeit gestellt. Es geht um Euere Existenz, um die Existenz Euerer Kinder, um die Existenz und um die Ehre des jüdischen Volkes. Auf Euch lastet die ungeheure Verantwortung für die Zukunft des jüdischen Volkes. Schart Euch um die blau-weiße Fahne mit dem Zionstern, tiefe Befriedigung wird Euch erfüllen und Euere Kinder werden Euch dafür segnen! Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Dr. Oskar Qrünbaum 4 Sabine Passiveg Dr. Michael Steinberg genießt Erzbischof Innitzer große Liebe und Verehrung bei den breiten Massen der Wiener Bevölkerung. Beachten Sie in unserer heutigen Rosch-Haschanah- Fesinummer u. a. folgende Aufsätze und Berichte: Dr. Friedrich Aschkenasy (Lemberg): «Der jüdische Monismus» E. C.: «Interview mit Piccard» Dr. David Feuchtwang: «Revision» Jizchak Grünbaum: «Ueber den Revisionismus» Ch. Haller: «Palästina im Jahre 5692 — Ein Rückblick» Prof. Dr. K. Kupfer: «5693 — Eine Neujahrsrede an die jüdische Jugend» J. L. P e r e z : «Geschichten für Kinder» o. z.: «Der Fall Lalou Ankri» Dr. Karl Rosenfeld: «Erez erwacht» Dr. Jakob Rosenthal: «Zehn Jahre englisches Palästinamandat» Dr. Jakob Schwarzbarth (Krakau): «Wo bleibt die Ichud-Bewegung des Allgem. Zionismus?» Dr. Michael Steinberg: «Zum Kulturproblem der Juden» Saul T8Chernichovsky: «Ruinen» Weizmann-Tage ln der Schweiz ferner: «Die Stimme über alles», Jüdische Gemeinde, Palästina- und Länderberichte, Sport ÖSPtllftV *eit' TEL- B 24 Revision Betrachtung zur Jahreswende Von Dr. David Feuchtwang Es geziemt sich und ist sittlich-religiöse Forderung^ daß jeder jüdische Mensch in diesen ernsten Tagen der Vorbereitung für Rosch-Haschanah und Jom-Kippur seine Handlungen überprüfe und zu fragen, ob sie im Einklang stehen mit den hohen Pflichten, die er als Jude und Mensch zu erfüllen hat. Selbstkritik ist eine schwere, fast unerfüllbare Aufgabe. Alte Lehrer sind der Ansicht, daß kein Mensch seine eigenen Fehlr sehen oder beurteilen könne. Demütige Bescheidenheit, unbestechliche Gerechtigkeit, weise Selbsterkenntnis wären die grundsätzliche Forderung für solche seelische, sittliche Einkehr. Wer vermag von sich zu behaupten, diesen Grad der Vollendung erreicht zu haben? Dieser Einsicht und Erkenntnis entspringt offenbar die Einsetzung der heiligen, Ehrfurcht gebietenden hohen Feste, die uns allem Profanen entrüoken und in die Sphäre des Heiligen heben wollen, des Religiösen an sich, das mit der Erdschwere des Alltags in keiner Verbindung steht. Das ist das Wesentliche dieser Tage. Dieselbe Pflicht obliegt der jüdischen Gemeinschaft, der kleinsten und der größten. Gründlichste Revision müßte gehalten werden. In jedem ordentlichen Haushalte wird von Zeit zu Zeit Inventur gemacht. Schäden werden ausgebessert. Nachschaffungen veranlaßt oder, wenn es erforderlich erscheint, völlige Umstellung vorgenommen. Selbstverständlich ist das für größere Betriebe und Unternehmungen, deren Bestand durch Unterlassung solcher Revisionen technisch und materiell gefährdet würde. Natürlich müssen auch Leistungen, Wert und Tüchtigkeit aller Beschäftigten gewissenhaft überwacht und von Sachverständigen sorgsam beurteilt werden. Untaugliches, Schädliches ist unerbittlich zu entfernen. Rein praktisch gesehen, gibt es keine erfolgreiche und zuverlässige Art der Erhaltung einer materiellen Zielen dienenden Gemeinschaft. Keine kann ohne diese konkreten Notwendigkeiten leben, keine aber gewisse abstrakte Forderungen entbehren. Aeußerlich erscheinende Ordnung trägt in sich einen idealen Kern, ohne den das Baugerüst zusammenstürzt. Nicht nur sichtbare Angriffe, fühlbare Stöße und materielle Verluste allein veranlassen den Ruin irgend einer Gemeinschaft und Unternehmung; bei tiefer Ueberprüfung werden sich in der Regel Verletzungen von Ideen, Grundsätzen, Nt HAI5ER5TR. 123 a Alserstr. 6 S 16- S l8’~ s 20 Der nex Wiener Erzbischof und die Juden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.