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Die Stimme · 1932-09-22 · Heft 246 (22.9.1932) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 246 (22.9.1932)
Date
1932-09-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sette 8 J1Ä. <WE STIMME Nr. 246 22. September 1932 Pie .Stimme4 ilhci alles Das Neujahrsfest steht vor der Türe heuer zu einem späteren Termin nach der christlichen Zeitrechnung. Der früheste Termin, auf welchen Roschhaschanah fallen kann, ist der 24. August. Das kann sich aber nur einmal in 371 Jahren ereignen und dann immer nur in einem Schaltjahr, da andernfalls das nächstfolgende Jahr noch früher beginnen würde. In der New Yorker Presse hat das bevorstehende Fest nun eigenartige Diskussionen hervorgerufen. Einmal deswegen, weil Sturm gegen die «Mushroom Synagogues» gelaufen wird. Wir in Oesterreich würden das übersetzen «Schwammerl Tempel», das sind ad hoc für die hohen Feiertage gegründete Bethausvereine, die wie Pilze aus dem Boden schießen und Proteste der ständigen Synagogen hervorrufen. Eine andere Diskussion rund um das Neujahrsfest betrifft die jüdischen — Negergemeinden. Es gibt natürlich in New York jüdische Neger. Es dürfte sich um die Nachkommen von Negersklaven handeln, die einmal Juden gehörten und das Judentum annahmen. Viehe von ihnen behaupten, sie seien die echten Juden, andere wieder sie seien die verlorenen zehn Stämme. Es gibt in New York nur zwei rivalisierende Negergemeinden. Der «Oberrabbiner» der einen Negergemeinde, Elihu ben Leib Richely, der sich als «Oberrabbiner aller jüdischen Neger Amerikas» bezeichnet, erließ ein Zirkularschreiben. Er führt darin bewegliche Klage, daß es Neger gibt, die etwas Jiddisch lernen, sich als Negerjuden ausgeben, um bei den Juden anläßlich der hohen Feiertage zu schnorren. Eiiahu ben Leib Richely warnt die Juden vor diesen Betrügern, jammert über die schlechten Zeiten und über die Kosten, welche die Erhaltung seiner Synagoge verschlingt und fordert die Juden auf, Spenden anläßlich der hohen Feiertage nur seiner Gemeinde zu senden. Und er warnt vor jüdischen Negergemeinden, die rasch vor Roschhaschanah gebildet werden —- um Betsitze zu verkaufen. Auf Grund dieses Zirkulares stellte «The Jewish Morning Journal» Erhebungen an und stellte fest, daß es sogar einen «Verband der Negerrabbiner» gibt, der behauptet, aus Falaschas (Angehörigen der jüdischen Sekte Abbessiniens) zu bestehen. Daran ist natürlich kein wahres Wort. Es dürfte sich um einen organisierten Raubzug auf jüdische Taschen handeln. Jüdische Neger Mit dem Vorstehenden soll nicht gesagt sein, daß s keine jüdischen Neger gibt, die es mit der Beobach- War allein schon die Tatsache bedauerlich, daß der Vorsitzende beim Grünbaum-Vortrag, über den wir noch ausführlich berichten werden, in seiner Eröffnungsansprache die Versammlung vor jeder störenden Kundgebung warnen mußte, indem er auf die Vorsichtsmaßnahme aufmerksam machte, daß Polizei im Hause sei, so war das, was sich im Laufe des Abends ereignete, so tief beschämend, daß man bei der Registrierung dieser widerlichen Szenen diese und ihre Urheber nicht genug für ihr unjüdisches und unzionistisches Handeln anprangern kann. Denn es scheint sich hier um ein gewisses Kampfsystem, um ein Hineintragen von Kampfmethoden zu handeln, die von allen Zionisten mit aller Energie und Schärfe zurückgewiesen werden müssen, weil sie imstande sind, die Zionisten und den Zionismus aufs schwerste zu diskreditieren. Was sich am Donnerstag im Hotel Continental abgespielt, hat sich ähnlich kurz vorher im Volksbildungshaus in Frankfurt a. M. anläßlich des Delegiertentages der deutschen Zionisten ereignet. Hier und dort war es Brith Trumpeldor-Jugend, deren Aktionen entweder als «unbesonnene Handlungen der temperamentvollen Jugend» hingestellt oder offiziös mit einer Gloriole der Verteidigung der nationalen Ehre, wie z. B. der «geschändeten» Tikwah vor der «klassenkämpferischen» Techesaknah umgeben werden. Unerquicklich und für den Geist der Intransigenz, die bei dieser zionistischen Gruppe vorherrscht; symptomatisch waren die Vorfälle im Hotel Continental. Man bedenke: Dreimal mußte in einer zionistischen Massenversammlung Wache intervenieren, um die Ruhe wieder herzustellen, unter polizeilcher Assistenz muß der Führer des polnischen Judentums, der Führer der radikalen Zionisten, der revisionistischen Bundesgenossen von gestern, seinen Vortrag beenden. Polizei muß einen palästinensischen Dichter, eine der stärksten Begabungen der jungen Dichtergeneration Palästinas — aber eine politisch gänzlich verirrte und verwirrte Seele — vom Podium hinunterdrängen und abführen, um ihn erst über Intervention des radikalen zionistischen Vorsitzenden freizuiassen. Wache in einer zionistischen Versammlung! Als Schutzmaßnahme gegen wen? Gegen Hakenkreuzler oder andere Antisemiten etwa? Nein, gegen die Opposition im eigenen Lager, gegen die Revisionisten, tung des jüdischen Ritus ehrlich meinen. So berichtet «The Jewish Weekly» von einer interessanten Hochzeit, die kürzlich in Newark (New Jersey) stattfand. Das Hochzeitspaar war katholisch erzogen worden und hatte auch nach katholischem Ritus geheiratet. Der Mann hieß Fred Lassiter, die Frau Rachel Lassiter. Jetzt traten sie zum Judentum über und ließen sich nach jüdischem Ritus trauen. Der Mann nennt sich jetzt Efraim, die Frau Rifke. Die Traung fand in der «Schwarz und Weiß»-Synagoge statt. Unter der Chuppah standen auch die vier Kinder des Hochzeitspaares. Die Zeremonie wurde von einem schwarzen Rabbiner namens Newman und einem weißen Rabbiner namens Nathan Dolinsky zelebriert. Einige Wochen später ließ der Ehemann sich und seinen 1 Jahre alten Sohn beschneiden. Rooseveit ist nicht Rosenfeld In Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ist eben alles möglich. Da gibt es viele Juden, die sich mit Begeisterung für den Präsidentschaftskandidaten Rooseveit einsetzen, weil sie irrtümlich glauben, es handelt sich um einen Juden, der früher Rosenfeld geheißen habe. Bei uns könnte es so etwas i nicht geben. Ein jüdisch klingender Name und die Karriere wäre beendet ehe sie begonnen hätte, nicht einmal «Aufnordung» würde da «etwas» nützen. Juden in Indien Unter einer Bevölkerung von 352,837.000 Menschen gibt es nur 24.141 Juden, oder nach Geschlechtern 12.450 männlichen und 11.691 weiblichen Geschlechtes. Die meisten Juden wohnen im Distrikt Bombay und zwar 17.739 Seelen. Dabei sind die Juden von Aden 4151 mitgezählt, da Aden zum Distrikt Bombay gehört. Es gibt in Indien und Provinzen ohne Minjan: Pundjab (5 Männer und 7 Frauen) und Delhi (8 Männer und 3 Frauen). Dann gibt es eine Provinz, Coorg, wo überhaupt kein Jude lebt. Die Judennot treibt die Juden in die exostischesten Länder. Die Unruhen in Schanghai haben viele Juden veranlaßt, auszuwandern. So kommt es, daß sich eine neue jüdische Gemeinde bildet und zwar in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Aus Kuba findet wegen der wirtschaftlichen Depression eine starke Abwanderung von Juden statt. Kürzlich wanderten wieder 60 Juden nach Europa zurück. Wenn das so weiter geht, wird das jüdische Leben in Kuba bald erloschen sein. die. von der jüngsten Jugendgruppe angefangen bis zu den auch bei der Donnerstag-Versammlung sich vordrängenden Mittelmäßigkeiten, denen man den Glauben an die Gottesähnüchkeit ihrer Führer zur Not noch, nicht aber ihre eigene blamable gemeingefährlich sich gebärdende Beschränktheit verzeihen kann, es nicht ertragen können, daß man es wagt, ihre Politik beim richtigen Namen zu nennen, und sie als das bezeichnet, was sie ist, nämlich eine Katastrophenpolitik. Die es ferner nicht verschmerzen können, daß man einmal — spät genug — vor der breiten Oeffentlichkeit schonungslos ihr ewiges Prätendententum bloßlegt. Auch können sie es nicht verschmerzen, daß eine Versammlung, veranstaltet von einer ein überaus bescheidenes Dasein führenden zionistischen Gruppe, wie es die Radikalen sind, in der «nur» ein Jizchak Grünbaum spricht, über tausend Zuhörer heranlockt, ein Vielfaches dessen also, was die V. revisionistische Weltkonferenz bei ihrer letzten Tagung in Wien auftrieb. Vor allem aber paßt es ihnen nicht, daß es bürgerliche zionistische Gruppen gibt, die die wichtige Rolle der jüdischen Arbeiterschaft und die jüdischen Arbeiter als Avantgarde am Aufbau Palästinas anerkennen, ja noch mehr, daß man sie verteidigt und die revisionistische These von der Notwendigkeit einer «nationalen» Konzentration gegen die Arbeiter ad absurdum führt. Der Haß der Revisionisten gilt den Arbeiterpionieren, die seit fünfundzwanzig Jahren an der Front stehen, aber ihr Haß entlud sich diesmal auf den, der — gestern noch ihr Bundesgenosse gewesen — nun den zionistisch-sozialistischen Arbeiterflügel als den Stolz der zionistischen Bewegung bezeichnet. Sieben Tage lang währte vor kurzem im selben Saal die revisionistische WeUkonferenz. Bei allen Sitzungen setzte sich das Auditorium zum größten Teile aus Nichtrevisionisten zusammen. Täglich wurden von den revisionistischen Führern Angriffe erfiiK dU Ho&ex. f&UhJtaQ*, sind im Türkischen Tempel noch einige Sitzplätze zu vergeben. Anfragen während der Kanzleistunden von 2 bis 4 Uhr nachm., II.. Zirkusgasse 22. hoben. Kritiken in maßloser Uebertreibung an der heutigen Exekutive und überhaupt an allem, was nicht revisionistiscli ist. wurden laut. Nie aber nahmen dies die nichtrevisionistischen Zuhörer zum Anlaß, in den Verlauf der Tagung irgendwie störend einzugreifen. Nur ein Uebermaß an Intoleranz, in den Köpfen der revisionistischen Jugend hochgezüchtet, nur die ideologisch kaschierte Lockerung zionistischer Disziplin sind der geistige Hintergrund der Szenen, wie sie sich im Hotel Continental abspielten. Sind solche Methoden des politischen Kampfes im eigenen Lande, auf eigenem Boden, ein Greuel, und gewiß nicht geeignet, die zionistische Bewegung in ihrem Ansehen zu heben, so sind sie erst recht in der Galuth, inmitten einer feindlichen Umwelt geradezu katastrophal, und dazu angetan, den zahlreichen ideologischen und sonstigen Gegnern des Zionismus, des Judentums überhaupt, billige Handhabe zu sein. Wir warnen vor solchen Explosionen, die den Ernst unserer Bewegung, den Ernst unserer Lage vor der Außenwelt zu verzerren drohen. Jüdische Chronik der Woche 23. September 1675: Plünderung von Satanow. — 24. September 1758: Kardinal Ganganelli widerlegt das Blutmärchen. — 25. September 467: Gestorben Tabyomi, Vorsteher der Akademie in Sura (Mesopotamien). — 1851s Geboren in Wilna Rüben Ascher Braudes, hebräischer Schriftsteller und Publizist. Er trat als Verkünder der Auflebung des jüdisch-nationalen Gedankens hervor. Braudes gilt als Schöpfer der hebräischen Erzählung. —> 1825: Geboren zu Vaguihely in Ungarn Ignatz Einhorn, Professor der politischen Oekonomie. Sein berühmtestes Werk ist die Monographie «Ludwig Cossuth». — 26. September 1348: Papst Clemens VI. erläßt eine den Juden günstige Bulle. — 1776: Gestorben im Alter von 35 Jahren Abraham Hamalach, der einzige Sohn des Wolf Bär von Mesricz und der erste Zaddik der Chassidim Südrußlands. Sein Kommentar zur Thora «Chessed l'Abraham» wurde nach seinem Tode durch seinen Enkel Israel aus Ruzin herausgegeben. — 1844: Geboren zu Pinne bei Posen Dr. Ezechiel Caro, Oberrabbiner von Lemberg, Verfasser einer Geschichte der Juden in Lemberg bis zur Teilung Polens. — 1856: Geboren in Breslau Leo Graetz, Sohn Prof. Heinrich Graetz’, der als Professor der Physik und als Erfinder des «Gratzin» berühmt war. — 27. September 1791: Emanzipation der Juden in Frankreich. — 28. September 1509: Der Renegat Pfefferkorn besetzt di« Synagoge in Frankfurt und konfisziert die Gebetbücher. —•- 18.20: Gestorben in Breslau Markus Brann, der allbekannte Gelehrte und Historiker. Nach dem Tode Kaufmanns war er der alleinige Herausgeber der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. — 1903: Gestorben in Mailand Enrico Guastalla, italienischer Oberst, einer der glänzendsten Gestalten unter den italienischen Freiheitskämpfern. — 29. September 1014: En och ben Moses, jüdischer Gelehrter, findet in der Synagoge von Cordova durch Einsturz der Kanzel den Tod. — 1919: Gestorben in Breslau Jakob Gutmann, einer der bebedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der jüdische« Religionsphilosophie. Jiidisdfkev Tfotfisifläfer Inskription an den Wiener Hochschulen An der Universität läuft die Inskriptionsfrist für Inländer und Ausländer vom 1. bis zum 31. Oktober 1932. Nachträgliche Inskriptionsgesuche sind vom 3. bis 19. November 1932 bei den Dekanaten einzureichen. Nach dem 19. November werden Gesuche um Inskription nicht mehr angenommen. Die Vorlesungen an der Universität beginnen am 24. Oktober 1932. An der Technischen Hochschule läuft die Inskriptionsfrist für Inländer und Ausländer vom 23. September bis 8. Oktober 1932. Für nachträgliche Inskriptionsgesuche werden die Termine noch bekannt gegeben. Die Vorlesungen beginnen in der ersten Hälfte des Monates Oktober. An der Hochschule für Welthandel' läuft die Inskriptionsfrist vom 26. September bis 15. November. Die Vorlesungen beginnen am 15. Oktober. Ein prompt wirkendes, schmerzstillendes Mittel ist, wie weit über 6000 notariell beglaubigte Aerztegutachten beweisen, Togal. Gliederschmerzen, gichtische, rheumatische und nervöse Schmerzen, Kopfschmerzen werden nach vorliegenden Urteilen mit Togai-Tabletten mit glänzendem Erfolg bekämpft. Togal kann man in jeder Apotheke kaufen. Tram und woNdnt dar gemeinsame zionistische Erkennungszeichen idln blau-weiBe Stecknadel (durch den Keren Kaleaielb ■ ■ i Intoleranz Bemerkungen »u den Vorfällen bei dem Vortrag von JixchaU Grünbaum

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