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Die Stimme · 1932-09-22 · Heft 246 (22.9.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 246 (22.9.1932)
Date
1932-09-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 246 — 22. September 1932 DIE STIMME Seite 9 Revisionistische Berichterstattung Daß gewissen Revisionisten jedes Mittel gut genug Ist, wenn es gilt, andere Zionisten, besonders aber die jüdische Arbeiterschaft als «vaterlandslose Gesellen» und jedes nationalen Gefühls bar hinzustellen, ist hinlänglich bekannt. Wir müßten in jeder Nummer unseres Blattes sehr viel Raum dafür verschwenden, um nur einen bescheidenen Teil dessen anzunageln, was sich die revisionistische Publizistik an Beschimpfungen und Entstellungen leistet. Hiebei verraten manche dieser «Hundertprozentigen», welche andere Zionisten als «Neo-Assimilanten» und «unsere schwarzen Hundertschaften» bezeichnen, allzu häufig eine solch himmelschreiende Ignoranz und Am-Haarazuth, daß man es als eine Schande empfinden muß, wenn solche Analphabeten in jüdischen Dingen sich dem Judentum als «Führer» aufzuwerfen erdreisten. Nur ein Beispiel für viele: «Die Neue Welt» berichtet unter dem Titel: «Delegiertentag der deutschen Zionisten aufgeflogen 1» über die beispiellosen «Heldentaten» der Revisionisten in Frankfurt und schreibt unter anderem: «...Als dann die T i k w a h gesungen wurde, herrschte vollkommene Ruhe. Aber während anschließend daran das Klassenkampflied «Techsakna» angestimmt wurde, beantworteten die Revisionisten diese Beleidigung der Nationalhymne mit ostentativemSitzenbleiben und neuerlicher Verteilung von Flugblättern.» Nun bringen wir für unsere Leser eine vollständige Uebersetzung dieses «Klassenkampfliedes» von Emst Müller, die lautet: Eine „neue Internationale" in Bent Genf. Unter der Ueberschrift «Neue Internationale in Genf» kommentiert das «Journal de Geneve» die Tatsache, daß das Weltbüro der Union der Zionisten-Revisionisten nach Genf verlegt wird und daß der Präsident der Union Wladimir Jabotinsky und die beiden Vizepräsidenten Meer Grossman and Dr. Soskin ihren ständigen Wohnsitz in Genf nehmen, mit folgenden Worten: «Dem Beschluß der Wiener Revisionistenkonferenz liegt eine politische Idee zugrunde. Von je haben die Revisionisten der zionistischen Exekutive vorgeworfen, sie sehe den Zionismus als eine „lediglich jüdische Angelegenheit an" und verstehe es nicht, die übrige Welt hinreichend für den Zionismus zu interessieren. Die Revisionisten glauben, daß sie von Genf aus einen größeren Wirkungsradius über die Welt haben werden und daß dadurch der zionistischen Bewegung ihr britischer Charakter genommen wird. Sollten in Zukunft die Revisionisten auf einem zionistischen Kongreß die Mehrheit erlangen, so werde die zion. Exekutive automatisch in Genf ihren Sitz haben; demgemäß handle es sich bei dem Wiener Beschluß um eine Entscheidung von Wichtigkeit.» (J.T.A.) Segen de» Volkes Seid starken Armes, ihr Brüder! der Heimat Boden za hegen, ward euer Teil! Nicht sink’ euer Mut! Nein, heiter und jubelnd Kommt, Schulter an Schulter dem Volke zum Heil! Wir zählen, siehe! der Wanderung Zeiten, Das Herz nach den Tränen, dem Schweiße gewandt, Die taugleich Israels Seele erlaben, Die matt ist und hilflos niedergebannt. Und ewig heilig sei jede der Tränen, Dem Volke gegeben mehrend die Flut, Und jeder Schweißestropfen, der Wege Des Herren bahnet, wie Opfer und Blut. Den Giebel noch nicht, wenn den Grund ihr nur grübet, War 's dennoch, ihr Brüder, kein zielloses Müh'n, Ihr Kommenden bauet mit Mörtel und Mauer, Uns galt es genug, erst die Spuren zu ziehen. Ein Volk der Spuren! Hebt Urzeitruinen, Von Spur zu Spur ins Ew'ge zu bau'n! Einst zieht man von Meere zu Meere, um staunend Des wandernden Völkleins Werk zu erschau'n. Warum doch, ihr Säumer, so zagende Schritte? Ist Israel noch nicht vom Knechtsinn erwacht? Auf, bindet und eint euch, zerstobene Kräfte, Dient, Schulter an Schulter, mit sieghafter Machtl Sprecht nicht: «Wir sind schwach!-» Die ihr noch nicht den Führer Der Schlachten, den Starken Jakobs erkannt? — . Seit Serubabel nicht schufen wir Gleiches, j So herrliches Werk mit eigener Hand! I l Wer schmähet es klein? Die Schmach nur den SpötternI So schreitet rettend dem Volke vor! Die Pflugschar bereitet — bis mächtig von Bergen Schmettert ein göttliches Rufen: Empor! Das ist die «Beleidigung der Nationalhymne», die die Revisionisten «mit ostentativem Sitzenbleiben» beantworten mußten. Daran, daß das herrliche Gedicht, das in Palästina von Arbeitern und Bürgerlichen bei jeder Gelegenheit gesungen wird, von dem «Klassenkämpfer» Chaim Nachman B i a 1 i k stammt, scheim der revisionistische Berichterstatter wohl nicht gedacht zu haben. Zumal man auch so ein Monopol auf Zionismus und Judentum haben kann! Beh. konz. Realbüro IN6. N. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Die Tatsachen lehren, daß der volle Aufbau von Erez Israel Die Tatsachen beweisen, daß in Erez Israel allein in der innerhalb kurzer Zeit nur durch das Privatkapital erfolgen ganzen Welt die wirtschaftliche Lage gut ist und die Zukann. kunftsaussichten noch besser. 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Diese falsche Version habe eine Telegraphenagentur verbreitet Und Herr Lichtheim in einem Interview bestätigt, «der, voreilig der Falschmeldung Glauben schenkte». (Also könnte der Vorwurf der Skrupellosigkeit wohl nur jene Nachrichtenagentur treffen?) In Wirklichkeit habe die Konferenz «gegenteilig gehandelt» und «die Aufstellung des Primats einer Disziplin ab gelehnt». Diese autoritative Erklärung eines Mitgliedes der revisionistischen Exekutive wäre in der Tat geeignet, einen Irrtum richtigzustellen, der sich in der allgemeinen Berichterstattung über die Revisionisten, tagung vorfindet. (Obgleich auch bei dieser Sach~ läge nicht viel gewonnen wäre. Denn, ohne sich auf den diesbezüglichen Paragraphenpilpul auf der Revisionistentagung einzulassen: es ist eben unmöglich, einer Organisation anzugehören, und ohne Rücksicht auf sie eigenmächtige Politik zu beschließen.) Aber um ja nicht skrupelloser Berichterstattung geziehen zu werden, wollen wir uns auf die beste Quelle, den Bericht in Herrn Strickers eigenem Blatt, stützen. Wir zitieren aus dem Schlußbericht über die Tagung (Seite 3): «Die Abstimmung über Calais wurde in zwei Teile geteilt. D er eine betraf den Primat der revisionistischen Disziplin, der einstimmig angenommen wurde. Der Pakt von Calais hingegen fand 82 Stimmen für, 26 gegen und einen Rest von Stimmenenthaltungen.» . Man sieht, wir haben uns Skrupel gemacht und' wollten unseren Lesern wahrheitsgetreu berichten. Aber unsere Skrupel sind gewachsen: Sollen wir uns nun an Herrn Strickers Artikel halten oder an seinen — Konferenzbericht? Cesteneidk Gmundener Antisemitismus Polizeivizepräsident Dr. Bernhard Weiß und Gattin mußten Gmunden wegen fortwährender antisemitischer Belästigung verlassen Der frühere Berliner Polizeivizepräsident Dr. Bernhard Weiß und Gattin, die vor einigen Tagen nach Gmunden in Oberösterreich gekommen waren, um hier Erholung zu suchen, mußten diesen Ort schon nach drei Tagen verlassen, da sie unablässig Schikanen, Belästigung und Bedrohung seitens des nationalsozialistischen Bevölkerungsteils ausgesetzt waren. Die Wiener und die Öberösterreichische Nazipresse bringt Berichte hierüber, die im Tone von «Siegesmeldungen» gehalten sind und in denen mit Behagen erzählt wird, daß die Gmundener Nationalsozialisten «Isi Weiß» und seiner Frau den ganzen Tag über an den Fersen blieben, sie überallhin begleiteten und stets so taten, als ob sie gegen Weiß und Frau Revolver aus den Taschen ziehen wollten. Das alles spielte sich «sehr still ab», da sich die Nazi zu Beginn der Saison gegenüber den Kurhausverwaltungen in den österreichischen Sommerfrischen verpflichten mußten, keinen Radauantisemitismus zu betreiben, damit das Sommergeschäft nicht durch Boykott seitens jüdischer Gäste leide. Die Nazi mußten sich diesem Gebot fügen, da ihnen angedroht wurde, daß andernfalls die Bauern mit Mistgabeln gegen sie vorgehen werden. Solen Die Boyliottalition gegen die jüdischen Buchhandlungen in Polen Warschau. (J. T. A.) Die von der nationaldemokratischen Boykottzentrale eingeleitete spezielle Boykottaktion gegen jüdische Buchhandlungen anläßlich des Beginnes des neuen Schuljahres zieht immer weitere Kreise. Fast alle jüdischen Buchhandlungen in Warschau sind von Boykottagitatoren blockiert, die nicht nur christliche Schüler vom Besuch der Buchhandlungen fernhalten, sondern auch jüdischen Schülern das Betreten derselben erschweren. Fortwährend ere;w :n sich

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