Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 246 (22.9.1932)
- Date
- 1932-09-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 DIE STIMME Nr. 246 — 22. September 1Ö32 England wird sich die zionistische j Poiiilk zu eigen machen Ein bedeutsames Siaiemeni Nahum Sokotows London, 16. September. Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, veröffentlicht heute eine Erklärung an die jüdische Oeffentlichkeit, in der er die Position des Zionismus ltn Zusammenhang mit der Krisis im jüdischen Leben der Gegenwart umreißt und die Judenheit auffordert, sich der zionistischen Bewegung anzuschließen, in der Erklärung heißt es: Zionismus bedeutet heute Rettung für Zehntausende, in Zukunft wird er Rettung für Hunderttausende bedeuten. Ziohlsmus will wirtschaftliche und moralische Erlösung Israels als die einzige würdige Antwort auf Verfolgungstendenzen draußen und Auflösungstendenzen drinnen. Mit einer Politik der Verzweiflung oder der Ungeduld kommt man nicht weiter. Nur harte Arbeit verbürgt Erfolg. Wirklicher Heroismus zeigt sich io der Bereitschaft auch zu materiellen Opfern. Zu Verzweiflung Ist wahrlich kein Grund vorhanden. Sich weigern, an der Verwirklichung eines jüdischen Palästina zu arbeiten, weil die Verwirklichung nur allmählich kommen kann, ist eine sehr billige Entschuldigung für Indolenz. Verglichen mit Jahrtausenden der Hoffnung und des Martyriums sind ein oder zwei Jahrzehnte nicht von allzugroßer Bedeutung. Die Zukunft gehört jenen, die zu arbeiten und zu warten verstehen: die Zukunft gehOrt uns. Wenn wir im Verhältnis zu den großen Erwartungen in einem gewissen Maße mit unserer Arbeit zurückgeblieben sind, so besagt das nicht viel. Der Erfolg wird dennoch unser sein; denn die Geschichte weist nach dieser Richtung, ein göttliches Versprechen ist der Wegweiser. Allein im Zionismus sind alle Kinder Israel- Brüder. Wir sind auf dem Wege nach Zion und Großbritannien muß uns auf diesem Wege Helfer sein. Großbritannien kann nur durch Tatsachen, durch systematische Arbeit, durch Hartnäckigkeit und Hingabe beeindruckt werden. Alle anderen Methoden der Argumentation sind zu Mißerfolg verurteilt. Früher oder später wird Großbritannien sich die zionistische Politik in Ihrer Gänze zu eigen machen. Bevor aber diese Frage zur Entscheidung gestellt werden soll, ist das zu lösende Problem die Annahme der zionistischen Politik durch die gesamte Judenheit. Ueber die Lage der Juden in der Diaspora führt Sokolow aus: In einigen Ländern Mittel- und Osteuropas ist unser Mittelstand an den Bettelstab gebracht worden. Jüdische Arbeiter, die schon in normalen Zeiten von der Hand in den Mund lebten, sind nun, in der heutigen industriellen Krise, in tiefste Not geraten. Die jüdische Wohltätigkeit, kaum überböten von der in anderen Völkern, ist unter den heutigen Verhältnissen nicht in der Lage, mit der fortschreitenden Verarmung fertig zu werden. Dabei darf die neue Welle der Judenverfolgungen nicht außeracht gelassen werden. Nicht überall sind die Juden Massakern unterworfen; aber in vielen Gegenden würden sie einen schnellen Tod durch Gewalt dem langsamen Verlöschen in Not und Hunger, zu dem sie ein heuchlerischer Antisemitismus durch das Mittel wirtschaftlicher Bedrückung verurteilt, vorziehen. Sokolow weist auf den Fortschritt ln Palästina im Gegensatz zu der Stagnation oder der Auflösung in den Ländern der Diaspora hin und fährt fort: Es wäre falsche Bescheidenheit, nicht den Erfolg des jüdischen Nationalhelms sogar in seinem jetzt noch unvollkommenen Stadium festzustellen. Wir sind betrübt, daß Zehntausende junger und fähiger Pioniere in Ungewißheit und in moralischer wie materieller Not warten müssen, bis sie an der Reihe sind, um in die für sie einzige Zufluchtsstätte, in den einzigen Hafen ihrer liolinungen zugelassen zu werden. Die Lage von Angehörigen des jüdischen Mittelstandes in einigen Ländern, wo sie zum Untergang verurteilt sind, während sie für die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims nützlich sein, in Palästina ein schöpferischer industrieller Faktor werden könnten, wobei gleichzeitig die gefährliche Stauung ln ihren Ursprungsländern gemildert werden würde, muß uns aufrütteln. Neben der *Alijah» der Pioniere verdient das Problem der Ansiedlung von Angehörigen des Mittelstandes unsere ganze Aufmerksamkeit. Beide Frobleme sind nicht von einander zu trennen. Wir benötigen weit mehr Boden, als er uns heute schon zur Verfügung steht. Ohne daß irgend Jemand depossediert werden müßte, sondern im Qegenteil: zum Nutzen aller könnte man viele neue Siedlungen, neue Städte in Palästina erbauen und Industrien errichten. Palästina wird durch Arbeit neu geschaffen werden. Arbeit und Leistung sind das beste Mittel gegen Vom •■•(eile. Im Schweiße unseres Angesichts müssen wir uns Palästina erarbeiten durch Mut, Ausdauer, Imagination und Organisierung unserer Kräfte. Auf7 die Parteiurigen im Zionismus verweisend, erklärt Sokolow: Wirtschaftliche, geographische, erzieherische und psychologische Differenzen innerhalb der jüdischen Diaspora haben eine tiefgreifende Verschiedenheit der zionistischen Konzeption zur Folge gehabt. Die.se Zersplitterung bedeutet eine beklagenswerte Einbuße an Aktionskraft und Solidarität der Organisation, die ständig in politischer Bemühung und taktischer Leistung engagiert iet. Auf der anderen Seite aber ist dies ja das Schicksal jeder großen Wahrheit in der Geschichte der Menschheit gewesen. Der vollkommene Idealist kommt erst dann, wenn viele einander widersprechende Interpretationen der ersten Idee gegeben worden sind. Nur ein synthetisch Denkender vermag zu unterscheiden, welch besonderen Teil der allgemeinen Idee vom Zionismus jede der Parteien verkörpert und wie sehr Jede dieser Parteien irgendeinen besonderen Aspekt der allgemeinen Idee betont. Reiner Herzlicher Zionismus besteht fast nicht mehr, obwohl doch Herzls Geist und Methode noch heute der Sauerteig des jüdischen Gedankens sind. In der Idee bedeutet Herzlscher Zionismus absolute, letzte, vollkommene Freiheit. In der Verwirklichung Madrid. (J. T. A.) Dr. Chaim Weizmann und seine Gattin Frau Wera Weizmann sind in Madrid eingetroffen und werden hier über die jüdischen Feiertage bleiben. Dr. Weizmann besuchte den Unterrichtsminister der spanischen Republik Don Fernando deilos Rios und hatte mit ihm ein längeres Gespräch über Fragen Palästinas. Zionistische BezirUsseUUon XX. Es ist der Beairksorganisatlon gelungen, die Gesinnungsgenossen ID« Getto rd und J« Feuer als Vorbeter für ihr Minjan am *yisd dw nwn wm 2u gewinnen. Die genannten Gg. zeichnen sich durch ihren wunderbaren Gesang besonders aus. Samstag, den 24. September, •/* 12 Uhr nachts wird Qg. Feuer die nirvVa vorbeten. Karten sind zu haben fm Helme, XX., Jägerotraße 30, täglich von 7 bis 10 Uhr abends aber trägt er die Schlacken des Entwicklung!- Prozesses, hat Wie Jede historische Entwicklung Hemmungen <ti überwinden. Gestorben ist er, dtt Sam4h für urtlere Ernte. Sokolow beklagt das - Fernbleiben beträchtlicher Teile des jüdischen Volkes vom Palästina-Werk. Trott Iller Beschränkungen, denen wir unterworfen sind, Sägt Sokolow, könnten wir. wenn tirts hinreichende Mittel zur Verfügung stehen Würden, große Fortschritte machen. Wie können wir andere wegen ihref antizionistischen Tendenzen oder Unentschlossenheit kritisieren, wenn unser eigenes Volk der Sache fernsteht? Unsere Aufgabe ist eine viel zu große, als daß unsere eigenen Mittel an sie heflnreichen. Es ist ein Absurdtim, wenn Nicht2lonisten — Antizionisten gibt es nur noch wenig —* beiseite stehen und untätig iu- Bei fahler, graugelber Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemiltsstimmung, schweren Träumen ist es ratsam, einige Tage hindurch früh nüchtern ein Gta« natürliches «Fram-JOMf»* Bitterwasser zu trinken. In Apotheken und Drogerien. sehen, wie wir und anstrengen, um die Fracht von Jahrhunderten aus dem Morast zu zerren. Der Wagen wird nicht den Hügel hinauf bewegt werden können, wenn nicht das ganze Volk Israel seine Schulter gegen das Rad sterrimt. Es ist feige, müßig dabei zu stehen; dabei ist nichts rührender als das allmähliche Anwachsen unserer Fonds durch die Beiträge der Armen, während die Reichen uns im Stiche lassen. Es wird noch die Zeit kommen, da weitere Hunderttausende von Juden auf ihren Heimstätten in Palästina als friedliche und geachtete Bürger leben und eine wertvolle Quelle nationaler Gesundung und Stabilität, ein Element des Friedens und des Fortschritts — im Gegensatz zu ihren zu Heimatlosigkeit degradierten Brüdern in der Diaspora — sein werden. (J. T. A. ) Der schweizerische Bundesprasident Motta verurteilt die üudenhetze Bern. Der Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Dr. Giuseppe M o 11 a, hielt auf der 600-Jahrfeier der Stadt Luzern eine Rede über den schweizerischen Staats- und Volksgedanken, die durch die Schweizer Sender verbreitet wurde und im ganzen Lande einen starken Eindruck hervorrief. Bundespräsident Motta erklärte, die Schweiz bleibe eine Hauptträgerin des Freiheitsgedankens in der Welt. In ihrem feinsten Sinne bedeute Demokratie nicht nur Rechtsgleich* heit, sondern auch Brüderlichkeit. In schroffstem Gegensatz zum Geiste der Demokratie, fuhr Bundespräsident Motta fort, würden sich diejenigen setzen, die eigene Mitbürger ihrer Konfession, Sprache, Abstammung oder Standes wegen geringschätzen wollten. Die in jüngster Zelt hie und da zum Vorschein tretenden Versuche za einer Judenhetze sind daher unschweizerisch. Ebenso unschweizerisch sind die Leiden* schäften eines überspannten Nationalismus. Zionistische Resolution zur Lage der Juden in Deutschland Die Beschlüsse des Frankfurter Delegiertentages I. Der XXIV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland billigt die im Referat des Vorsitzenden der Z. V. f. D. dargelegten Anschauungen und erklärt: Die Juden in Deutschland stehen im, Kampf um Rechsstelluhg und Existenz. Beleidigungen und Herabwürdigung des Judentums, Dt&hungen und Gewalttätigkeiten gegen jüdisches Leben und jüdisches Eigentum sind die dauernden Begleiterscheinungen einer Bewegung, die sich im Namen der nationalen Idee an das deutsche Volk wendet. Dieser Gefährdung unserer Ehre und unserer Rechte gilt unser schärfster Kampf. Der Zionismus verwirft einen Nationalismus, zu dessen Grundlagen die Ueberzeugung von der Minder« Wertigkeit anderer nationaler Gruppen gehört. Diesem Nationalismus, der mit den Mitteln der Staatsgewalt Menschen anderer Art oder anderer Meinung Freiheit und Lebensmöglichkeit nehmen will, setzt der Zionismus als die nationale Emeuerungsbewegung des jüdischen V olkes das Bekenntnis zur wahren nationalen Idee entgegen: aufbauende Arbeit und Entfaltung der schöpferischen Kräfte der Nation, nicht Kampf verschiedener Menschengruppen gegeneinander. Von dieser Auffassung des nationalen Gedankens geleitet, kämpft die zionistische Bewegung für die Rechtsstellung der Juden in Deutschland. Wie sie die Bedeutung des Volkstums für das Leben anderer Nationen anerkennt, fordert sie Respektierung auch des jüdischen Volkstums. Ein Judentum, das sich frei und selbstbewußt zur jüdischen Art, zum jüdischen Schicksal, zu seinem geistigen Erbe und zu seiner nationalen Aufgabe — Palästina — bekennt, wird die Kraft zur Selbstbehauptung finden. Vom Staate, dem wir durch Recht und Schicksal eingegliedert sind, fordern wir Wahrung der vollen Gleichberechtigung und Freiheit der Entfaltung unserer eigenen Art. II. Die verantwortlichen Instanzen der Z. V. f. D. werden beauftragt, den Kampf für die in der Erklärung des Delegiertentages proklamierten Ziele mit allen Kräften zu führen. Dp. Weizmann in Madrid f bis 25. Septembei Juden spendet reichlich für unseren Bodenfonds!