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Die Stimme · 1932-09-15 · Heft 245 (15.9.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 245 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 245 — 15. September 1932 DIE STlMi.lL. Seit« 7 Wißt Uw schon? Der Schirm des öerer Rebbe Ein Rabbiner, dessen Gemeinde aus Chassklim besteht, hat viele Sorgen. Er ist immer der Brennpunkt des Interesses und muß sich hüten, nur ja keine Empfindlichkeiten zu wecken. Wißt Ihr schon, was kürzlich dem Zaddik von Ger in Polen passierte? «The Jewish Chronicle» erzählt darüber: Eine christliche Journalistin hatte in Ger zu tun. Es regnete in Strömen und sie hatte keinen Regenschirm. Ihr Kutscher versuchte vergeblich, ihr einen Schirm zu besorgen und bekam schließlich im Hause des Zaddik leihweise einen Schirm. Mit Entsetzen erkannten einige Chassidim an dem silbernen Griff den Schirm ihres Zaddik. Es kam zu einem förmlichen Aufruhr, weil der Schirm «entweiht» worden war. Der Zaddik ließ offiziell die Geschichte dementieren. Das Bad goß aber der arme Schammes aus, der den Schirm weggeliehen hatte. Aber auch das Ansehen des Zaddik soll bei seinen Getreuen einen Stoß erlitten haben. Eine andere Geschichte, aber mit tragischem Hintergrund, erzählt uns von den Versuchen der Bolschewiken, hebräische Werke in Europa und Amerika zu verkaufen. Jüdische religiöse Führer und Bibliophilen in Deutschland und wahrscheinlich auch Im Auslande haben von der «Meschdunarodnaja kniga» in Moskau, dem offiziellen sowjetrussischen Buchvertrieb, briefliche Verkaufsangebote über hebräische religiöse und weltliche Literatur erhalten. Es wird angenommen, daß es sich um jene religiösen Werke handelt, die seinerzeit in den jüdischen Bet- und Lehrhäusern und bei Privatpersonen beschlagnahmt worden sind. Ein damals unternommener Versuch, diese Bücher im Auslande abzusetzen, war durch den seitens der polnischen und litauischen Rabbiner gegen den Ankauf dieser Bücher ausgesprochenen «Che rem» (Bann) gestört worden. Es scheint sich nun um eine Erneuerung dieses Versuchs zu handeln. In einem Gespräch mit dem JTA.-Vertreter machte Herr Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, dem ebenfalls ein solches Verkaufsangebot zugegangen ist, darauf aufmerksam, daß der von den Rabbinern ausgesprochene Bann noch heute gilt. Ueber Spanien wird seit der Ausrufung der Republik viel Uber die Rückkehr der Juden auf Grund einer diesbezüglichen Einladung der spanischen Regierung gesprochen, ebenso von der Rückgabe einer Synagoge in Cordova an die Juden. Wißt Ihr schon, daß alle diese Nachrichten unrichtig sind? Die spanische Regierung hat sich nie mit der Rückkehr der Juden nach Spanien befaßt. Und wie steht es mit der Rückgabe der Synagoge in Cordova? Das spanische Parlament hatte, wie schon mitgeteilt, auf Antrag des Deputierten Antonio Jean, Direktors des Cordova-Lyzeums, beschlossen, die vor kurzem in Cordova ausgegrabene Brünn, im September 1932. Die jüdische Wirtschaft der Slowakei zerbröckelt. Paupefisierung und Hunger sind nicht mehr Monopol Karpathorußlands. So behandelt aus Anlaß des Anschlusses der Wagtalei Agrar- und Gewerbebank in Zilina (Slow.) an die tschechoslowakische Bank der Legionen die «jüdische Volkszeitung» in Preßburg in einem längeren Artikel die Politik der tschechoslowakischen Großbanken, die zu einer völligen Ausschaltung des jüdischen Element« aus dem Bankwesen der Slowakei führt. Die Großbanken, heißt es, affilieren in der letzten Zeit systematisch in Schwierigkeiten geratene kleinere Institute, die ein vornehmlich aius Juden zusammenesetzes Klientel, Einlegerpublikum und auch jüdische e'tung haben, und säubern dann solche Banken radikal vom jüdischen Einfluß. Während es solchen sogenannten jüdischen Banken nicht gelinge, bei Schwierigkeiten Staatshilfe zu erlangen, stehe dieselbe sofort zur Verfügung, sobald erst die Inkorporierung in die nichtjüdische Großbank erfolgt sei. Nach der Fusion der Kreditbank-A. G., ebenfalls einer Bank des jüdischen Mittelstandes, mit der Legionärbank sind, nachdem man schon vorher zahlreiche, ausschließlich jüdische Beamte gekündigt und die durch Juden besetzten Posten im Verwaltungs- und Aufsichtsrat der fusionierten Bank stark eingeschränkt hatte, neuerlich fünf jüdische Filialleiter gekündigt und auf die Straße gesetzt worden. Während man diese Aktion mit Sparmaßnahmen begründet habe, sei der Gehalt des an Stelle des leitenden Direktors neu eingesetzten Vertrauensmannes der Großbank um 1500 Kc monatlich erhöht worden. Derselbe Direktor habe dann öffentlich erklärt, «Juden und Magyaren hätten in der Kreditbank keinen Platz». * Drei jüdische Bürger aus Karpathorußland sind vor dem Kreisgericht in Presov zu einer höheren Geldstrafe oder Gefängnis verurteilt worden, weil sie gelegentlich der Enthüllung eines Masaryk-Denkmals in Presov nicht ihren Kopf entblößt hatten, als man die Staatshymne spielte. In ihrer Rechtfertigung wiesen sie darauf hin, daß sie sich an die religiösen Vorschriften gebunden fühlten, die es verbieten, den Kopf zu entblößen. Der Senat erkannte auf Verurteilung, wobei der Staatsanwalt in beachtenswerter Weise begründete, daß man religiöse Gebräuche nur an Stätten der religiösen Uebung erfüllen könne. * Der Dresdner Bildhauer Prof. G u h r hatte von der Stadtgemeinde Teplitz-Schönau ein Richard-Wagner-Denkmal in Auftrag erhalten, das er nach seiner Fertigstellung mit aus dem 14. Jahrhundert stammende schöne Synagoge den Juden zurückzugeben. Nunmehr hat die Altertumskommission des Unterrichtsministeriums einen Schiedsrichterspruch erwirkt, wonach der Parlamentsbeschluß als wirkungslos erklärt wird. Die Synagoge wird nicht der jüdischen Gemeinde zurückgegeben, sondern wird der Altertumskommission unterstellt. Nun einiges aus Palästina. Wißt Ihr schon, daß es In Palästina eine jüdische Fümproduktion gibt? Die Filmgesellschaft «FEI» (Film Erez Israeli), die bereits einen Film in Lande gedreht hat, ist an die Aufnahme eines neuen Films nach einer Erzählung von C. Liebermann gegangen, der 2000 Meter lang werden soll. In dem Film wirken u. a. mit Herr Gnessin und Frau Aschmann. Die Hauptaufnahmen werden im Emek gemacht. Die Gesellschaft hat zur Bearbeitung der Aufnahmen ein besonderes Laboratorium im Viertel Geulah in Tel-Awiw eingerichtet. Unsere Brüder in Palästina erfreuen sich eines gesegneten Appetits. Wißt Ihr schon, was die Bevölkerung Tel-Awiws in einem Jahre an Lebensmitteln konsumiert? Auf Initiative des palästinensischen Trustes des amerikanischen «Palestine Endowment Fund» wurde vor einiger Zeit eine Untersuchung über den Nahrungsmittelverbrauch der Bevölkerung von Tel-Awiw angestellt, die durch die Gesellschaft «Mis’char WTaassiah» durchgeführt wurde. Es wurde u. a. folgender jährlicher Lebensmittelverbrauch in Tel-Awiw festgestellt: Fleisch 1,627.200 kg, Fische 345.600 kg, Brot 7,200.000 kg, Mehl 750.000 kg, Milch 2,400.000 kg, Butter 354.000 kg, Käse 150.000 kg, Oel 403.200 kg, Eier 15.600 Stück, Reis 190.200 kg, Kartoffeln 1,200.000 kg, Gemüse um 132.000 Pfund Sterling, Früchte um 174.000 Pfund Sterling, Tee 25.800 kg, Kaffee 30.000 kg, Zucker 1,071.000 kg. In «Bustnai», der landwirtschaftlichen Fachzeitung Palästinas, lesen wir ein hübsches Beispiel dafür, wie sich trotz aller Verhetzung durch die Effendis gute Beziehungen zwischen Arabern und Juden herauskristallisieren: Die Kolonie amerikanischer Juden Gan Javueh besitzt einen Grund, auf dem arabische Pächter sitzen, die als Pacht ein Drittel der Ernte zu zahlen haben. Heuer haben die arabischen Pächter eine Mißernte. Daraufhin verzichteten die Juden auf den heurigen Pachtzins. Die Nachricht hievon verbreitete sich in den arabischen Dörfern und es kamen arabische Delegationen nach Gan javueh und sagten den dortigen Juden: «Unsere arabischen Grundherren saugen uns aus. Die Juden lassen uns leben. Verschafft uns jüdische Herren! Verschafft uns Juden!» (Von unserem Berichterstatter.) einem Hakenkreuz versah. Die Stadtgemeinde lehnte die Uebemahme dieses Denkmal« ab, und im Zuge der Verhandlungen intervenierte der tschechoslowakische nationalsozialistische Abgeordnete Krebs bei Guhr wegen der Entfernung des Hakenkreuzes. Da diese Intervention ohne Erfolg blieb, wird Teplitz-Schönau das Denkmal nicht aufstellen, das, wie verlautet, der Stadt Bonn zum Geschenk gemacht wurde. * In der Munkaczer Talmud Thora kam es zu Schlägereien, als von seiten des Zeire Misrachi der Versuch unternommen wurde, eine Talmud-Sektion unter dem Namen «Darke Teschuwa» zu gründen, dem gleichen Namen, den die Talmudschule des Wunderrabbi Spira trägt. Von seiten der Spira- Chassidim wunden Versuche unternommen, die Talmud- Die von uns propagierte Herbst- Palästinareise 1932 (Abfahrt von Wien am 25. I Oktober 1932) ist komplett Vormerkungen können nur noch für die 11. Klasse entgegengenommen werden, sowie schon jetzt für die Frtthlahrsreise anlanps Mürz 1933 deren Durchführung wieder die „PAG** r. G. m. b. H. übernimmt Auskünfte in der Verw. unseres Blattes kurse hn Betli Hamidrasch zu stören, wobei es zu Schläge« reien kam. Die Kurse konnten schließlich nur unter dein Schutze des Brith Trumpeldor fortgeführt werden imd mußten schließlich in ein anderes Lokal verlegt werden, da der Munkaczer Rabbi das Lokal dem Talmudstudium der Zionisten und «nkhtreUgiösen» Juden verschloß. Der Fall des jüdischen Kaufmannes Samuel Weißberger, der vor mehr als einem Jahr in Michafovce in der Slowakei unter dem Verdacht verhaftet wurde, nach dem Umsturz im Jahre 1918 in Zbinec in der Slowakei willkürlich zwei slowakische Bauern erschossen zu haben, steht noch in Erinnerung der jüdischen Oeffentlichkeit. Ein Teil der tschechischen Presse hatte damals einen hartnäckigen antijüdischen Hetzfeldzug eröffnet und in seinem Verlauf mehrere solcher «Fälle» konstruiert, in denen Juden sich während derMHitärunruhen in der Slowakei schwer an der christlichen Bevölkerung vergangen haben sollten. Es wurde damals festgestellt, daß die Anschuldigungen gegen Weißberger keine Grundlage haben, und schließlich erließ die staatliche Prokuratur in Bratislava eine Erklärung, in der zu den durch den Horak- Prozeß ins Rollen gebrachten Fälle von Gewalttätigkeiten in den Nachumsturztagen Steilung genommen und erklärt wurde, daß diese Fälle durch das Amnestiegesetz bereits Beantwortung gefunden lu ben. Nunmehr ve rlautet in informierteu Kreisen, daß der Fall Weißberger in der am 12. September in Kaschau beginnenden Schwurgerichtsperiode doch zur Behandlung gelangen soll. Der Anklagesenft hnt db' r- .. sich das Amnestiegesetz auf den Fall Weißberger bezieht, wie es heißt, verneint. Die Staatsanwaltschaft hat gegen diese Entscheidung protestiert. * Das slowakische Judentum hat sich entschlossen, den katholischen Pfarrer Kanonikus Martin Opitz, der, wie wir kürzlich berichteten, im Jahre 1919 für den zum Tode verurteilten jüdischen Bürger Adolf Deutsch in Michalovce eingetreten ist und sein eigenes Leben zum Ersatz für das des Deutsch anbot und der vor kurzem verstarb, in besonderer Weise zu ehren. Auf Vorschlag des Preßburger Oberrabbiners Dr. Funk sollen am Todestage des Pfarrers in allen Synaogen Gedenkgebete gesprochen werden. Außerdem sollen eiern am Grabe des Pfarrers stattfinden und alle jüdischen Schulen der Slowakei sind angewiesen, das Bild des Pfarrers auszuhängen und ihn den Schülern als ein Beispiel konfessioneller Versöhnlichkeit und menschlichen Friedenswillens hinzustellen. * im Zuge des Prozesses gegen den nationalsozialistischen «Volkssport», der seit mehreren Wochen in Brünn geführt wird, gelangten bei der heutigen Verhandlung mehrere Stellen aus einem «Kleinen Katechismus der sudetendeutschen Nationalsozialisten» vom Jahre 1928 zur Verlesung, die auf die Stc'i'Mii.: der tschechoslowakischen Hitler-Anhänger zur lud-»*-1'- '•» ’-n'g ’ieb-'n. Autor dts t -1: <s? der An jeden! In dem Kampf, der uns auf gezwungen wird, darf niemand abseits bleiben! Ein Meer von Haß brandet gegen das jüdische Haus. Die Vernichtung des Judentums ist das Ziel einer mit außerordentlicher Kraftanstrengung arbeitenden Strömung. Unser Recht als Menschen, als Bürger, als Arbeitende soll zerstört werden! Ganz offen und deutlich wird diese Parole verkündet. Täglich hallt uns allen die Morddrohung entgegen! Die jüdische Gemeinschaft und jeder einzelne Jude ist in Gefahr. Mann und Frau, Erwachsener und Kind wird bedroht. Können, dürfen wir untätig bleiben? Es muß jedem klar sein, daß wir uns alle Zusammenschlüßen müssen, daß wir alle unsere Kräfte vereinigen müssen, um gemeinsam den gegen unser Leben und unser Eigentum gerichteten Anschlag abzuwehren. Wir alle müssen in die Wehrsportvereinigung eintreten um sie stark zu machen. Jede Gefahr können wir überwinden, wenn wir einig sind. Jedes Attentat kann von allen gemeinsam abgewehrt werden! Zeigen wir, daß wir diese Notwendigkeit erkennen! Zeigen wir den Unsrigen, daß wir sie schützen wollen und können! Zeigen wir dem Feind, daß wir zum Kampf entschlossen sind! Jeder in die Haganah! Jeder noch heute in die Haganah! Jüd. Wehrsport- und Schützenverein Haganah Wien, IX., Nußdorferstraße 16. Amtsstunden und Anmeldungen Montag, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 10 Uhr abends. Wer die Möglichkeit hat, unterstütze uns finanziell. Ermöglicht und erleichtert uns durch Beistellen von Geld unsere Arbeit und sendet heute noch nachstehende Erklärung eint! mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Ausschneiden An den Jüd. Wehrsport- und Schützenverein Haganah, Wien, IX., Nußdorferstraße 16. Ich verpflichte mich hiemtt der Haganah für die Zeit vom.bis.einen monatlichen Betrag von S.zu zahlen und ersuche um Uebersendung von Erlagscheinen (resp. Inkasso durch ein Mitglied). Name; Adresse: Unterschrift Tschechoslowakischer Bericht IFirtschaftsantisemitismus und andere Uniisemiiismen - Der »Fall« Weißberger wird exhumiert - Ehrungen für einen christliehen Pfarrer - Die gemüßigten Hakenkreuzi er von Sudetendeuischland

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