Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 245 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 245 — 15. September 1931 Um den indischen Weltkongreß Die Genfer Wettkonferenz ein großer Erfolg - Erklärung Doktor Stefan Wise New York. Dr. Stefan W i s e, Begründer und Ehrenpräsident des American jewisli Congreß. der Initiator der neuen Bewegung zur Schaffung eines jüdischen Weltkongresses, übergab bei seiner Ankunft in New York der Presse folgendes Statement: Wir empfinden die Konferenz in Genf als einen Erfolg. Der hohe geistige Standard der Delegierten, besonders der aus Mittel- und Osteuropa, war uns ein Quell der Freude. Wir weilten in der Gesellschaft der besten jüdischen Köpfe in Europa. Es mag sein, daß diese Konferenz nicht mehr war als ein menschlicher Resonanzboden für ernste und unvergeßliche Anklagen gegen das Unrecht gewisser Länder. Wir sind auch mit diesem bescheidenen Teil zufrieden. Alle unsere Kosten, Zeit und Mühe schienen uns überreich gerechtfertigt, als wir die deutschen Delegierten hörten, die in stolzer Verurteilung der antisemitischen Reaktion ihre Herzen ausströmen ließen. Die Konferenz vermittelte diesen Delegierten in ihren dunklen Stunden die Solidarität ihrer Glaubensbrüder und die Sympathie der Judenheiten anderer Länder, wie sie sie in einem solchen Maße vorher nicht gekannt hatten. Dies wird sie stärken in den schweren Tagen, die noch vor ihnen liegen mögen. Jeder Aspekt des jüdischen Lebens, jedes jüdische Problem wird in das Programm des für das Jahr 1934 einzuberufenden jüdischen Weltkongresses eingeschlossen sein. Wir sehen in dem kommenden Kongreß ein Forum, auf dem eine einheitliche Behandlung aller externen und internen Probleme des jüdischen Lebens in öffentlicher und ehrlicher Diskussion stattfinden wird. Kein jüdisches Problem wird von dem Kongreßtribunal ausgeschlossen werden. Ebenso wird kein Teil der Judenheit ausgeschlossen bleiben, es sei denn, daß er sich selber ausschließt. Konkret zusammengefaßt, erklären wir: Aus der Genfer Konferenz erwuchs uns die Erkenntnis, daß jede jüdische Körperschaft, wenn sie sich erfolgreich mit jüdischen Fragen soll befassen können, direkt vom Volke gewählt werden muß. Ferner erwuchs uns die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Errichtung eines permanenten Tribunals, das die Weltjudenheit voll vertreten soll. Es muß Schluß gemacht werden mit einem System, unter dem jüdische Führer in dem einen oder dem anderen Lande sich berufen fühlten, über die Probleme der Juden in anderen Ländern nach Gutdünken zu entscheiden. Die Konferenz machte einen mutigen Anfang darin, das Gewissen der christlichen Völker zu wecken und diese an ihre feierliche Pflicht gegenüber dem jüdischen Volke zu erinnern. Es ist jetzt Sache der Judenheiten in allen Ländern, angesichts der Bedrohung des Wohls, des Lebens und der Rechte des jüdischen Volkes sich unter Hintansetzung von Parteiung, Zwietracht und Hader zusammenzuschließen. In den zwei Jahren, die vor uns liegen, werden wir den jüdischen Weltkongreß vorbereiten. Von den Judenheiten in der Welt erwarten wir — und wir werden sie hierin, soweit notwendig, unterstützen — daß sie sich zur Teilnahme an dem Kongreß organisieren. Jizchab Griinbaum über «Wettkongreß und Wettzionismus« mm m m mm 5695 wollen Sie zeit, mono u. sein sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu Rosde Hasdeanah durch die Stimme die in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen am 29. September erscheinen wird. Der Preis für das Einheitsinserat beträgt S 6*—, in doppelter Größe S KV— Wir werden an je 5 Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden, je ein Exemplar kostenfrei zusenden. «DIE STIMME» Administration propagierten, den Standpunkt, daß Palästina ein Weltproblem bedeute, das mit dem jüdischen Volk in aller Welt verknüpft ist. Aufgabe einer zionistischen Politik müsse es daher Bein, das Problem der jüdischen Heimstätte vor das Forum der Welt zu bringen, den Schwerpunkt von der Mandatarmacht auf die internationalen Staaten zu verlegen. Nach wie vor aber bleibt als Pfeiler der jüdischen Arbeit ln Palästina das Ansammeln von wirtschaftlichen und kulturellen Positionen im Lande, bei gleichzeitiger Forderung nach Beseitigung jener politischen Hindernisse, die die Erlösung der gegenwärtigen Judennot im Wege stehen. (r.) Im bis aufs letzte Plätzchen gefüllten Saale des Hotel «Continental» fand Samstag abends eine vom Verband radikaler Zionisten veranstaltete jüdische Massenversammlung statt, in der der bekannte Abgeordnete des polnischen Sejm, der zionistische Politiker J. Grünbaum über «W eltzionismus und W e 1 t k o n g r e ß?nrr.v'\ Der Saal mußte wegen Uebcriüllung — über 1000 Personen waren erschienen — polizeilich gesperrt werden und viele Hunderte konnten keinen Einlaß mehr finden. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die gegenwärtige schwierige Situation der Juden in aller Welt und die aus dieser Situation sich ergebende Notwendigkeit der Organisierung des Judentums auf Basis des nationalen Zusammenschlusses. Die Behauptung sei falsch, daß erst die Zionisten die Notwendigkeit der organisatorischen Zusammenfassung des Judentums erkannt hätten. Das Weltjudentum war eigentlich auch früher organisiert. Die Schaffung der «Alliance Israelite Universelle» in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts bestätigt diese Feststellung. Nur genügen die Kampfformen der Alliance heute längst nicht mehr den Anforderungen des Tages. J. Grünbaum gibt im folgenden eine Analyse der sozial-ökonomischen und politisch-nationalen Entwicklung der Juden in der Zeit vor dem Weltkrieg sowie in der Zeit der Nachkriegsjahre. Bis vor dem Krieg war das, was landläufig als Judenfrage bezeichnet wurde, ausschließlich auf Osteuropa beschränkt. In West- und Mitteleuropa gab es für große Teile der Juden kein national-politisches Problem, weil der Prozeß der nationalen Assimilation rapid vorwärtsschritt. Wirtschaftlich war ihre Situation günstig; als Teile des Mittelstandes und der Inteiligenzschicht ließ man die Juden, solange es eine freie Konkurrenz der Kräfte gab, ihre Fähigkeiten entfalten. Politisch-national assimiliert, lebten sie als eine vom Staat anerkannte Religionsgemeinschaft, deren Bürger alle Rechte und Pflichten mit den anderen des Staates teilten, eigentlich recht zufrieden. Nur im Osten brodelte es stets. Der Auffassung des aufkommenden Zionismus von der Judennot im Osten als einer nicht an geographische Punkte geknüpften Frage, sondern als einer Kernfrage des jüdischen Volkes gab die Entwicklung der späteren Jahre in brutaler Weise recht. Aber niemand ahnte oder wollte es glauben, daß die Situation sich so ändern, daß Boykott, erst eine Tageswaffe im Osten, auch in Ländern wie Deutschland und Oesterreich so scharfe Formen annehmen könnte, ja, der Gedanke schien unmöglich und absurd, daß Terror, den man lange nur für den Balkan und andere osteuropäische Gebiete für möglich hielt, auch im Lande der Dichter und Denker Eingang finde und daß Zivilisation und Kultur nicht genügend Schutzdamm bieten würden. Aus dieser geänderten Situation müssen daher auch die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Schon vor dem Kriege war ein Großteil der zionistischen Arbeit auf Galutharbeit konzentriert. Allein, heute steht der Zionismus vor einer gewaltigen Doppelaufgabe. Unter der besonderen Berücksichtigung der orientalischen Verhältnisse, der politischen Konstellationen in der mohammedanischen und arabischen Welt muß der Zionismus all seine Energien auf die palästinensische Front konzentrieren. Daraus ergibt sich ein organisatorischer — kein ideologischer — Dualismus. Auch bei den Friedensverhandlungen in Paris waren es gerade die Zionisten, die gemeinsam mit den nichtzionistischen Führern des amerikanischen Judentums in den «Delegations Juives» für die Verankerung der Minderheitsrechte der Juden in Osteuropa eintraten. Auch jetzt bedarf es einer ergänzenden Tribüne, der Schaffung einer zweiten Körperschaft, die für die Rechte der Juden in aller Weit eintreten soll: der jüdische Weltkongreß. Die Behauptung, daß die Zionisten deshalb im Vordergrund dieser Arbeit stehen, um etwa die Institution des Weltkongresses für «zionistische Parteizwecke» zu «mißbrauchen», ist absurd. Der zionistischen Arbeit genügen nach wie vor die zionistischen Institutionen, der Zionistenkongreß. Allein die Zionisten wollen gegen den jüdischen Feudalismus ankämpfen und dafür sorgen, daß der Weltkongreß auf demokratischen Prinzipien aufgebaut werde. Presseempfani bei GrOnbaum Im Rahmen eines Pres-;., empfange» in der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt sprach Montag Jizchak ü r ü nbaum über aktuelle Probleme der englischen und zionistischen Palästina-Politik. Nach Begrüßung des Gastes durch Dr. Plaschkes gab Grünbaum ein anschauliches Bild über den Fortschritt der jüdischen Arbeit in Palästina. Die wirtschaftliche Situation ist als überaus günstig zu bezeichnen. Die heute in Palästina lebende jüdische Gemeinschaft ist dort bereits fest verwurzelt. Die kolonisatorische Arbeit schreitet vorwärts. Im Lande herrscht keine Arbeitslosigkeit, vielmehr kann man von einem Mangel an Arbeitshänden sprechen; ja, es besteht die Möglichkeit der Ansiedlung von zehntausenden Juden in Palästina, ohne dadurch den Arbeitsmarkt zu belasten, wenn nur die politischen Voraussetzungen dazu wären, d. h. die Lockerung der Einwanderungsbestimmungen durch die englische Mandatsverwaltung. Und hierin liegt das große Problem, das vor das Forum der Welt gebracht werden muß. Dem überaus optimistischen Bilde von Palästina stellt Grünbaurri das der heute herrschenden Nöte der Juden in aller Welt, aber insbesondere Osteuropas, entgegen. Grünbaum unterzieht im folgenden die Einwanderungspolitik der englischen Palästina-Verwaltung, die den Zusammenhang zwischen Judennot und dem Streben nach Palästina zur Gänze ignoriert, einer kritischen Analyse, zerstört die Legende vom landlosen arabischen Proletariat, die für die englische Verwaltung als Basis ihrer Arbeit dient. Es kann von jüdischer Seite nicht nachdrücklich genug hervorgehoben werden, daß z. B. die arabische Auswanderung aus Palästina, die vor dem Kriege eine ganz gewaltige war, heute wohl aus Libanon und Syrien noch anhält, dank der jüdischen Einwanderung jedoch in Palästina selbst zu einem Stillstand gebracht wurde. Die Politik der englischen Mandatarmacht müsse einer Korrektur unterzogen werden. Die radikalen Zionisten vertreten im Gegensatz zu den Revisionisten, die noch bis vor kurzem in naivem Verkennen der wirklichen jüdischen Not und der politischen Zusammenhänge ein «Seventh dominion» Schaffet flrbeitsmöglichheiten für jüdische Jugendliche im Handwerk und in der Landwirtschaft Aufruf an die jüdische Oeffentllchhelt 1 Im Namen von beinahe 200Ü jüdischen jugendlichen wenden wir uns an die jüdische Oeffentlichkeit mit dem Ersuchen, uns in unserer Not zu helfen! Aussichtslos ist hier die wirtschaftliche Lage unserer Mitglieder, welchen Beruf sie auch erlernt haben. Doppelt bedrückt sie Arbeitslosigkeit und Antisemitismus. Ein Großteil der zionistischen Jugend bereitet sich ernstlich auf die Auswanderung nach Palästina vor. Beinahe 400 unserer Mitglieder sind bereits in den Chaluzorganisationen organisiert, weitere Hunderte von Chawerim stehen vor ihrem Eintritt Eine immer wachsende Anzahl von jüdischen Jugendlichen kommt gerade von der Straße zu unseren Chaluzorganisationen, will sich für die Auswanderung nach Palästina vorbereiten. Die wirtschaftlichen Vorbedingungen für die Schaffung einer Chaluz-Massenbewegung ln Oesterreich sind gegeben. Wir haben nicht genügend Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, wir erhalten fast keine Arbeitsmöglichkeiten als Handwerker und Schwarzarbeiter. Wir können daher unsere Aufgabe, die jüdischen Jugendlichen zu produktiven Berufen umzuschichten, nur in geringem Maße erfüllen, können der Forderung unserer Chawerim auf Arbeit nur zum Teil gerecht werden. Wenn keine Hilfe geschaffen wird, droht uns ein Teil der Jugend, die erwartungsvoll zu uns kommt, in ihrer Enttäuschung wieder verloren zu gehen und dunkeln Mächten zugetrieben zu werden. Dies darf nicht geschehen! Wir erbitten die Hilfe der jüdischen Oeffentlichkeit. Jüdische Handwerker, gebet uns Lehrlingsstellenl Jüdische Grundbesitzer, nehmet unsere Landarbeitergruppen auf! Beeinflußt eure Bekannten, nützet eure Beziehungen zur Schaffung von Arbeite- und Vorbereitungsplätzen für di« chaluzische Jugend! Schaffet Arbeitsplätze für unsere gesetzestreuen Mitglieder, die besonders unter ihrem Judesein zu leiden haben. Unterstützt die Chaluz-Organisationen durch Beschaffung von Arbeitsplätzen und Geldmitteln. . Unterstützt den Keren Ah’ah und ermöglicht auf dies« Weise die Finanzierung der Aliah. Helfet der Jugend aus ihrer Not, unterstützt sie in ihrem Bestreben, sie für die Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Palästina-Amt (Dr. Horowitz) (M. Gottesmann) Kartell Zion. Soz. Jugend (Dr. W. Schor) (Mermelsteinj Zionistischer Jugendverband (Mendel Teig) Mitteilungen wegen Arbeitsmöglichkeiten sind erbeten an Palästina-Amt, 1., Kärntnerstraße 28 (R 27-4-86) oder direkt an die Org. Hechaluz, XX., Ktuckygasse 7 (A 45-4-17), Traal und dm gemeinsame zionistische Erkennungszeichen die blan-weiBe Stecknadel (durch den Keren KaiemcfM 01000031012831