Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 245 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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fff. 245 — 15, September 1932 DIE STIMME Sette« De v Neo-PeMions-Zionismus- Revisionismus / Bemerkungen %ur Wiener RevMonMenkonferenx von oho ntete* Die Wiener revisionistische Tagung, welche bezweckte, eine zionistische Oppositionspartei in eine neue selbständige zionistische Weltbewegung mit der sogenannten reinen Judenstaatstendenz umzuschmieden, d. h. die Ablösung des offiziösen, untauglichen, schmutzbefleckten, verräterischen Zionistenkongresses durch den allweltlichen Zionisten-Revisionisten-Kongreß vorzubereiten, hat bemerkenswerte Beschlüsse gefaßt. Am interessantesten ist wohl die Resolution, betreffend die Einleitung einer «großangelegten jüdischen Petitionsbewegung». Hier der Wortlaut der fünf Hauptforderungen dieser zukünftigen Massenpetition: 1. Freie jüdische Einwanderung. 2. Die Durchführung einer Bodenreform in Palästina zur Erleichterung der Errichtung des Jüdischen Nationalheinrs in Palästina. 3. Wirksame Maßnahmen zum Schutze der jüdischen Kolonisation und der jüdischen Einwohnerschaft des Landes. 4. Die Einbeziehung Ostpalästinas, Transjordaniens, in das Gebiet der jüdischen Kolonisation. 5. Die Schaffung eines auf die jüdische Kolonisation eingestellten Regimes in Palästina. ja, wo bleibt denn der «Judenstaat»? iWo bleibt die Forderung nach der jüdischen Bevölkerungsmehrheit zu beiden Seiten des Jordans? Stricker, .welcher auch der neuen revisionistischen Exekutive angehört, sich also hinter diese Resolution stellt, hatte doch noch in der Generaldebatte ausdrücklich erklärt: «Die Petition muß i m W o r 11 a u t der Judenstaat sein, das ist unser Recht, daß wir den Judenstaat verlangen.» Nun, die Neo-Petitions-Zionisten-Revisionisten machen von diesem primärsten Recht des echten, reinen Herzl-Ziomsmus, welchem Rechte — wir hören es immer —- heilige Pflichten entspringen, vor allem die Pflicht zur Wahrhaftigkeit, in dieser Proklamation zur Aufrüttelung des Weltgewissens nicht den geringsten Geschreibt der ostjüdische Journalist, hat der Adjutant vom Tage «die Hand nicht vom Hütel» gegeben . . . Eine Aeußerlichkeit. Ein wehrsportliches Detail. Aber, wo derartige Details zu bemerken sind, ergibt sich für das Parteioberhaupt die schmachvolle Notwendigkeit, in der Debatte tatsächlich erst feststellen zu müssen, daß er für Hitler nichts übrig hat. Bei einer zionistischen Tagung anno 1932! Aber Jabotinsky hat in seiner Wahrheitsliebe auch inbrünstig gesagt, daß es keine militärischen Spielereien sind, daß es ihm blutiger Ernst ist: «D i e H a u p t a u fgabedes Revisionismusist nach wie vor d i e L e g i o n.» — Ist es nicht Hitlergeist, so ist es doch Stahlhelmromantik. Gefährliche, verderbliche, unjüdische, reaktionäre. Da wird es hart auf hart gehen müssen. In seiner großen politischen Programmrede beschäftigte sich Jabotinsky damit, was Achmed in den Bazaren von Kairo und Bagdad denkt. Es ist notwendig, zu fragen, was Berl und Chaim, der beste Typus der Berls und Chaims, zu der revisionistischen schimmernden Wehr, zu diesem «Adjutanten vom Tage», zu der militärischen Parade vor Jabotinsky und Stricker nach dem Herzl- Grabgesang sagen. Ich fürchte sehr: Hier heiligt der Zweck die Mittel. Nicht weil die Sache gut ist, gewinnt sie die Jugend, sondern: weil man mit Uniform, Paraden, Wehrsport leider einen großen Teil der Jugend gewinnt, deshalb ist der Legionsgeist gut. Man keilt Füchse. Die Mnii-Klassenkämpfer Der Revisionismus ist die große, allumfassende Bewegung, welche sich um die Gewinnung vieler wichtiger Strömungen und Parteien im Judentum bemühen wird. Warum nicht auch u. a. um die «entartete zionl« stische Organisation» und um ihren Kongreß? — Das, ungefähr, sagt Jabotinsky zur Rechtfertigung jener Re* visionisten, welche weiterhin den Schekel kaufen und sich zum Kongreß wählen lassen wollen. Er, für seine Person, lehne es wohl ab, an dieser mit drei Schandflecken beschmutzten Gesellschaft teilzunehmen. Aber diejenigen, deren minderempfindliches Ehrgefühl es zuläßt, mit Ben Gurion und Locker, mit Brodetsky und Weizmann, mit Lipsky und Grünbaum im nämlichen Beratungssaal zu sitzen, mögen es immerhin versuchen, den Augiasstall soweit zu reinigen, daß Jabotinsky» Fuß den Kongreßsaal wieder betreten kann. Nur eines dürfe man ihm niemals zumuten: Mit Trägern des Klassenkampfes will er nichts zu tun naben. Das beleidigt seinen Begriff von Menschengleichheit... Großmann, der zweite Parteiführer, gab kund, er werde es nicht zulassen, daß man den Revisionismus zu einer antimarxistischen Front formiere. Der Generalissimus hält sich nicht daran, ja, er tut noch ein übriges. Man muß kein Marxist sein, um über die dilettantische Art, in der Jabotinsky Klassen- und Gesellschaftsfragen behandelt und über seinen Begriff von Menschengleichheit den Kopf zu schütteln. Die Herren verwechseln sehr gerne den Klassenkampf als Idee im marxistischen Sinne mit den unvermeidlichen Auseinandersetzungen zwischen den nun einmal bestehenden Klassen, zwischen Arbeitern und Unternehmern. Vollkommene Ausschaltung des Klassenkampfes bedeutet doch einseitige Förderung der Besitzenden! Muß man es wirklich noch betonen, daß just diejenigen die schärfsten Klassenkämpfer sind, welche den Klassenkampf in Palästina verbieten möchten? Will Jabotinsky mit Klassenkämpfern nichts gemein haben, so muß er zunächst aus der revisionistischen Partei austreten. «Ich komme aus anderen Zeiten und möchte in andere gehen», zitiert unser ritterlicher, hochgemuter Jabotinsky. Er kommt aus den Feudalzeiten und die palästinensischen Arbeiter haben allen Grund, vof den Zeiten auf der Hut zu sein, in die er uns führen möchte. brauch. Auch in der Präambel ist, soweit das Auge reicht, nicht die leiseste Andeutung des Endziels zu entdecken, für das die Revisionisten beim letzten Baseler Kongreß so heiß gekämpft haben. Wir wollen nicht fragen, wie sich die revisionistische Opposition auf dem Zionistenkongreß verhalten hätte, wenn dort etwa die Einleitung einer Petitionsbewegung angeregt und ein Beschluß dieses Wortlautes gefaßt worden wäre. Man hätte wieder die Entfernung des Herzl-Bildes aus dem Saale gefordert, der Führer hätte seine Delegiertenkarte zerrissen. Es wäre auch sinnlos, aus diesem Anlaß zu fragen, ob die verkalkten, verlotterten, mit Beamtenposten gekauften, verräterischen Kongreß-Zionisten aller nichtrevisionistischen Schattierungen keine «freie Einwanderung», keine «Bodenreform zur Erleichterung der Errichtung des Jüdischen Nationalheims», keine «wirksamen Maßnahmen zum Schutze der Kolonisation und der jüdischen Einwohnerschaft», kein «auf die jüdische Kolonisation eingestelltes Regime» und — wie die jüngste A. C.-Sitzung zeigte — auch keine Einbeziehung Transjordaniens anstreben. Es ist diesmal vernünftiger, bloß festzustellen, daß man wohl Judenstaatsdemonstrationen hemmungslos losläßt, wenn man dem offiziösen Zionismus unangenehm werden, ihm ein Füßel stellen will, daß man sie aber peinlicfist vermeidet, wenn man sich verantw o r 11 i c h zu fühlen beginnt, wenn man sich anschickt, tunlichst bald das Kommando über das Ganze zu übernehmen. Jetzt, da es um das Prestige geht, da der Zionismus-Revisionismus, welcher eine Petitionsbewegung ins Leben ruft, darauf reflektieren muß, massenhafte Unterschriften zu kriegen, — nicht auf den Text: auf die Zahl der Juden kommt es an, die ihn unterfertigen! — jetzt haben die Herren jede Silbe auf die Waagschale gelegt, jetzt haben sie sich keinen «integralen, hundertprozentigen, echten, reinen Herzischen Judenstaatszionismus» geleistet und verzichteten sogar auf das eminente Erfordernis der einstimmigen Annahme. Eine nicht unbedeutende Gruppe («die du riefst, die Geister . . .») erklärte sich nämlich in der Schlußsitzung gegen diese Petitionsresolution, weil sie dem Worte «Judenstaat» ausweicht. Außerdem gab diese Gruppe ihr Desinteressement an dem ganzen lendenlahmen Petitionsplunder kund, kurz, sie nahm eine Haltung ein, deren sich vermutlich die gesamte revisionistische Gruppe gegebenenfalls auf dem Zionistenkongreß beflissen hätte. «Wie sich’s kongresselt, so konferenzelt sich’s», schrieb der humorvolle Berichterstatter des «Hajnt». Der MdIuiani vom Tage Der erwähnte ostjüdische Journalist war ein wenig betreten, als man bei der feierlichen Eröffnung im Zirkus Renz den Führer Jabotinsky stramm salutierend vom Saaleingang bis zur Tribüne geleitete. Man habe heutzutage, meint er, für das Ideal, daß einer vor dem andern Habtacht steht und salutiert, insbesondere in Wien nicht viel übrig und nun begegne er just hier, bei der jüdischen Renaissancebewegung der Zionisten-Revisionisten dieser peinlichen Aeußerung des «Untertänigkeits-Komplexes». Von der Tür bis zum Podium, Dieses Siegel bürgt... daß Kunerol streng rituell erzeugt wird und daher auch.fjür Strenggläubige ohne Bedenken für die Zubereitung von Speisen verwendet werden kann. Kunerol ist ein völlig reines Pflanzenfett, nahrhaft, leicht verdaulich und fast unbegrenzt haltbar. Kunerol wird unter ständiger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt. KUNEROI! 100% REINES KOKOSNUSSFETT m, Die unab' Jngip Revisionisten Polens filp Lichtheim Warschau. (J. T. A.) Das Zentralbüro der unabhängigen Zionisten-Revisionisten Polens teilt mit: Im Hinblick auf die schädlichen Tendenzen, die zuletzt die revisionistische Organisation beherrscht haben, beginnend von dem Beschluß in Calais bis zum Boykott der nationalen Fonds, hat das Zentralbüro des Verbandes der unabhängigen Zionisten-Revisionisten es für unmöglich gehalten, sich an der V. revisionistischen Weltkonferenz in Wien zu beteiligen. Das Zentralbüro der unabhängigen Zionisten-Revisionisten erklärt vor der gesamten revisionistischen und zionistischen Oeffentlichkeit, daß die einzige nüchterne Stimme, die unseren Postulaten entspricht, die Stimme von Richard Lichtheim gewesen war, mit dem wir uns in Verbindung gesetzt haben. Jüdische Chronik der Woche 15. September 1736: Geb. in Paris Jan Sylvain B a i 11 y, Astronom und französischer Staatsmann, Präsident der Nationalversammlung im Jahre 1789 und im selben Jahre Bürgermeister von Paris. Er erwirkte die Annahme des Gesetzes vom 27. September 1791, das den Juden Bürgerrechte und volle Gleichheit gab und alle Sondersteuern und harte Verordnungen aufhob. Er endete auf der Guillotine. — 1348: Beginn der Judenmassakers zur Zeit des Schwarzen Todes. — 1746: Gest, in Hannover Salomon H a n a u. Als Bahnbrecher in hebräischer Grammatik verfaßte er eine Anzahl Werke, die scharf kritisiert, aber auch vielfach mit Beifall aufgenommen wurde. — 16. September 1856: Geb. in Bukarest Moses G a s t e r, Großrabbiner in London, der eine reichhaltige wissenschaftliche und literarische Tätigkeit entfaltete. — 1892: Gest, in Petersburg Leon Gordon, einer der bedeutendsten hebräischen lyrischen Dichter aller Zeiten. Seine Gedichte, dramatischen Werke, Fabeln, Novelle» und Schilderungen aus dem jüdischen Volksleben in Rußland haben ihn überall, wo Juden wohnen, berühmt gemacht. *— 1666: Sabbatai Z e w i tritt zum mohammedanischen Glauben über. — 1847: Gest, in Frankfurt a. M. Grace Aguilar, englische Novellistin und Geschichtsschreiberin. Sie ist u. a. Verfasserin einer Geschichte der Juden in England. — 17. September 1907: Gest, in Wien Ignatz Brüll, Klavierspieler und Komponist. — 1485: Der Inquisitor Pedro Arbne« wird in einer Kirche in Saragossa von Marranen ermordet. — 18. September 1825: Geb. zu Mosbach in Baden Dr. Isak Seligmann B a e r, einer der besten Kenner der Masora. Von seinen zahlreichen Schriften sind die von ihm in den Jahren 1869 bis 1895 gemeinsam mit Franz Delitzsch veranstalteten Textausgaben alttestamentlicher Bücher die verbreitetsten und bekanntesten. — 1824: Geb. in Hamburg Jakob Bef* nays, Professor der Philologie, einer der bedeutendsten und fruchtbarsten philologischen und philosophischen Schrift* steiler seiner Zeit. — 1722: Eröffnung der «Großen Syna* goge» in London. — 19. September 1821: Geb. im Haag David B l e s s, holländischer Genremaler. Berühmt sind seine Porträts der königlichen Familie. — 1724: Gest, in Metz die jüdisch-deutsche Chronistin G1 ii c k e l von Hameln. — 1859: Geb. in Breslau Dr. Hugo Goldschmidt, ein Musikprofessor, der durch seine Geschichte der Musikästhetik berühmt wurde. — 1743: Gest. Mayer Amschel Rothschild, — 20. September 1907: Gest, in Paris Ernst Blum, ein französischer Journalist und Dramatiker von großem Format, — 1764: Gest, in Altona Jonathan Eibenschütz, def hervorragende rabbinische Gelehrte. — 1916: Gest, in Budapest der ungarische humoristische Schriftsteller Dr. Adolf Aga y.— 1540: Erstes Autodafe in Portugal. — 21. September 1349: Judenmassaker in Zürich; die ganze Judengemeinde lebend verbrannt. — 22. September 1558: Def Renegat Josef Moro dringt am Jomkippurtag in die Synagogt von Recenati <Ital cn) ein und pflanzt ein Kreuz auf dejg Almemor auf. Es kommt zu schweren Unnuhep -