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Die Stimme · 1932-09-15 · Heft 245 (15.9.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 245 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 DIB STIMME Nr. 245 — 15. September 1932 Beatrixbad Michaelerbad Win, 3. Betlrlt, Linke Bahngasss Nr. 9, nächst Staritpark Wien, 19. Beslrk, M chaeterslraBe 13, nächst Volksopnr Größter Komfort Anssehneldea! Vollständig neu eingerichtet ERMAESSIGUNGS-ANWEISUNG Billige Preise Anssehaniden! Oegen diese Anweisung zahlen Sie im Beatrixbnd nur S r— statt iso Mr ein Rnssisches tninschwit bad inkl. Wäsche. Besen- Massage. OrflBter nnd modernster Ofen in Wien. Neu crbautl Sehenswürdigkeit! Obiger Einfühningspreis gilt nur bis Ende Oktober 1932 Gegen diese Anweisung erhalten Me im Beatrix* oder Hichaeterbad ein ermäßigte'' Dampf-, Wann n- oder Sebwlmmb d. Im Vorverkauf auch: Fichtennade -, Schwefel , Koh ensäiire-, Radium-nnd Darmbad. Wasserkur. Pistyanschlamm-Packung, Höhensonne, Diathermie, Hochfrequenz, Tonisator und alle anderen Heilbehandlungen J storbenen auf die gesamte jüdische Bevölkerung des Distriktes einen niederschmetternden Eindruck gemacht hat. in einem aus Zmerinka datierten Brief wird erzählt, daß die Menschen in den Häusern und das Vieh auf den Feldern Hungers sterben, und daß die Züge voll sind von Flüchtlingen, die ihre Dörfer verlassen und ziellos umherreisen. Ein Pfund Mehl kostet 2«/2 Rubel, ein Pud (40 Pfund) Kartoffeln 30 Rubel, in Odessa sogar 00 Rubel. An den Hunger haben sich die Menschen nachgerade schon gewöhnt, schlimmer sind die zahllosen plötzlichen Verhaftungen unschuldiger Menschen. Die Verhafteten werden in dunkle Keller geworfen. Aktion gegen die Beobachtung der bohen jüdischen Feiertage unter Patronanz der Sowjetbehürden Moskau. (J. T. A.) Drei der größten Departements der Regierung der Sowjetunion, die Abteilungen für Kooperativwesen, Handwerkergilden, Ackerbau- und Volksernährungswesen, haben die Ueberwachung der Aktion gegen die Beobachtung der hohen jüdischen Feiertage. Rosch haschonoh und Jom Kippur, mit übernommen. Sie sandten offizielle Instruktionen an die ihnen unterstellten lokalen Aemter, in denen diese aufgefordert werden, ein Auge auf alle jene Juden zu haben, die an den hohen jüdischen Feiertagen der Arbeit fern bleiben. Die Mitglieder der jüdischen Kollektiven und die jüdischen Mitglieder allgemeiner Kollektiven werden aufgefordert, an den Feiertagen ihre Produkte auf die Märkte und in die Stadt zu bringen. Auf diese Weise sollen die Mitglieder der Kollektiven daran gehindert werden, die Synagogen zu besuchen. Der Distriktsverband der Arbeitergewerkschaften in Kiew hat an die einzelnen Gewerkschaften Zirkulare mit der Aufforderung gerichtet, Aktionen gegen die Beobachtung der jüdischen Religion in Verbindung mit den kommenden Feiertagen auf breiter Grundlage zu organisieren. Ungeachtet dieses von verschiedenen Seiten ausgeübten Drucks treffen die religiösen Juden in Sowjetrußland Vorbereitungen zur traditionellen Beobachtung der hohen jüdischen Feiertage. Die in Moskau noch bestehenden vier Synagogen haben einen inneren Umbau zwecks Beschaffung von Sitzen für möglichst viele Andächtige vorgenommen. Synagogen in vielen Provinzstädten lassen sich aus Moskau Chasonim zum Vorbeten an den hohen Feiertagen kommen. ♦ ♦ ♦ und in Deutschland Gefahr für Leben und wirtschaftliche Existenz der luden Ostpreußens Anti jüdische Terrorakte werden nicht aufgektär Berlin, 9. September. Dr. jur. Wolfgang Matzdonf teilt der «C. V.-Zeitung» über die Zustände m Ostpreußen u. a. mit: Ostpreußen, die Provinz mit den größten zahlenmäßigen Erfolgen der Nationalsozialisten, geht auf dem Gebiete des Terrors und der Exzesse gegen Republikaner und Juden voran. Von den zahlreichen Terrorakten, die vor und nach dem Wahltag des 31. Juli d. J. verübt worden sind, ist bisher nahezu kein Fall der restlosen Aufklärung zugeführt worden. Die örtlichen Polizeiverwaltungen, deren Leiter und Beamte sich jetzt in vielen Fällen offen zum Nationalsozialismus bekennen und deshalb nicht mit besonderem Eifer an die Aufklärung der Vorfälle herantreten, haben sich mit Rücksicht auf die zahlreichen Terrorakte die Hilfsorgane der Regierung zu Hilfe nehmen müssen. In der ganzen Provinz Ostpreußen spukt das Gerücht, die Kommunisten seien von den Juden gekauft worden und hätten auf deren Veranlassung eine große Mordhetze zur Beseitigung nationalsozialistischer Führer in die Wege geleitet. Wenn man in die kleinen Orte des Grenzgebietes, insbesondere in den südlichen Teil, nach Masuren, kommt, kann man dieses Gerücht nicht nur aus dem Munde einzelner Bürger hören, die ihre jüdischen Nachbarn schon seit langem kennen, sondern auch bei beamteten Persönlichkeiten der Stadt- und der Staatsverwaltung. Diese Massenpsychose, in die man die Menschen hineingehetzt hat, hat für unsere jüdischen Freunde in den ostpreußischen Kleingemeinden eine Situation erzeugt, die man nach genauer Kenntnis der Dinge als die gefährdetste im ganzen Reichsgebiet bezeichnen kann. Der wirtschaftliche Boykott spielt in diesem Zusammenhang nicht die Rolle, die man bei derartigen außergewöhnlichen politischen Zuständen annehmen könnte. Viel stärker ist die unmittelbare körperliche Gefahr, der die alteingesessenen jüdischen Bürger in den Kleingemeinden ausgesetzt sind. Die zahlreichen Terrorakte, wie das Legen von Brandbomben, das Einwerfen von Fensterscheiben und körperliche Angriffe, haben eine Situation geschaffen, die das Leben für den einzelnen nahezu unerträglich macht. Es ist vorgekonrmen, daß ein mit Messern und Schulterriemen verletzter Jude bei der Einlieferung in ein Krankenhaus nur nach Widerstreben von dem behandelnden nationalsozialistischen Arzt eine für die weitere Verfolgung notwendige ärztliche Bescheinigung erhalten konnte. Mancher Jude wagt es im Interesse seiner körperlichen Sicherheit, auch mit Rücksicht auf zahlreiche Drohungen, nach Eintritt der Dunkelheit nicht, die Straße zu betreten. Wenn z. B. den Kindern in der Schule gelehrt wird, Hitler sei von Gott gesandt, dann kann es nicht Wunder nehmen, wenn Schulkinder und Unmündige ehrenwerte jüdische Bürger unentwegt mit Schimpfworten bedecken, deren Häuser mit aufreizenden Zeichen und Inschriften beschmieren und ihnen durch Handbewegungen außerdem oftmals zu verstehen geben, daß sie demnächst aufgehängt werden würden. Die .. selzen ihren Feldzug gegen Jüdische Beamte fort Berlin. (J. T. A.) In ihrer Aktion für Hinausdrängung aäer jüdischem Beamten und Angestellten aus öffentlichen Behörden fordern jetzt die Nationalsozialisten in einer Anfrage im Landtag, daß die Privat&ekretärin des früheren preußischen Innenministers Heine und Severittg, sowie die im Polizeipräsidium beschäftigte Polizeirätin und Literaturreferentin, die beide Jüdinnen sind, ihres Amtes enthoben werden, da es ein unhaltbarer Zustand sei, daß Angehörige einer nicht dem deutschen Volk gehörigen Rasse wichtige Entscheidungen über literarische Fragen für das deutsche Volk zu treffen haber. Jüdische Firmeninhober hünnen antisemitische Angestellte fristlos entlassen Eine wichtige Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes Das «Berliner Tageblatt» meldet: Das Arbeitsgericht Berlin hatte vor kurzem entschieden, daß die jüdischen Inhaber einer Firma nicht berechtigt sein sollten, einen Angestellten wegen beleidigender antisemitischer Aeußerungen fristlos zu entlassen. Das Landesarbeitsgericht hat jetzt das Urteil der ersten Instanz abgeändert und der Berufung der Firma stattgegeben. Der Kläger war Kriegsbeschädigter und arbeitete als Kontorist in einer Großhandlung neben vielen jüdischen Kollegen. Nach den Preußenwahlen führte er mit der Portierfrau ein erregtes politisches Gespräch auf dem Korridor und meinte, die Juden seien jetzt ganz still, weil sie Angst hätten. Als die Portierfrau seine Angriffe auf die Juden abwehren wollte und ihm entgegenhielt, daß die Juden immer noch anständige Menschen wären, meinte er, sie müsse sich was schämen, eine Deutsche zu sein. — Da die Entlassung eines Kriegsbeschädigten nur mit Zustimmung der Hauptfürsorgestelle ausgesprochen werden darf, falls er nicht einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung gegeben hat, entschlossen sich die Inhaber zur fristlosen Entlassung und zahlten freiwillig noch zwei Monatsgehälter. Nach Ansicht des Landesarbeitsgerichtes hatten die Aeußerungen des Klägers den Sinn, daß die Juden keine anständigen Menschen seien. Diese Worte wären auch gegen seine Arbeitgeber und seine jüdischen Arbeitskollegen gerichtet gewesen. Bei einer so erheblichen Ehrverletzung der Inhaber einer Firma sei ihnen die Weiterbeschäftigung des Angestellten nicht zuzumuten. Die Aufrechterhaltung eines ordnungsmäßigen Betriebes wäre gefährdet gewesen, wenn die Inhaber das Verhalten des Angestellten geduldet hätten. Bei Vergiftungserscheinungen, hervorgerufen durch verdorbene Nahrungsmittel, bildet die sofortige Anwendung des natürlichen «Pranz-Josef»-Bitterwassers ein wesentliches Hilfsmittel. In allen Apotheken erhältl. Antisemitismus Don Karin Michaelis An dem Buch, von dem ich hier reden will, darf kein denkender Mensch vorübergehen, wenn er erst von seiner Existenz erfahren hat. Als ich es las, wurde mein Herz weit, froh und (eicht. So, nun haben die Torheiten und Verbrechen, die unter dem Namen Antisemitismus ringsum in der Welt geschehen, wohl ein fiir allemal ein Ende gefunden, ein törichtes Mißverständnis ist aus der Welt geschafft In diesem Buche steht Wahnheiit und dieser kann auf die Dauer nichts widerstehen. Mit Stolz muß ich es sagen, daß wir in Dänemark schon seit mehreren Menschenaltern frei sind von jenem Bazillus, der sich Antisemitismus nennt. Nie fragt man bei uns, ob einer Jude ist. Bei uns wäre es unmöglich, was Tag für Tag im sanften Oestürrech geschieht, daß die Studenten ihre jüdischen Kollegen mit Stöcken und Gummiknütteln von der Universität fortjagen. Bei mir zu Hause weiß man nichts von den unmenschlichen Greueln in Rumänien, m Bulgarien, in der Ukraine. Und kein Mensch kann sich ein Pogrom vorstellen. Wir wissen nichts davon, aber ich muß, mein Loblied zu Ehren meiner Nation einschränkend sagen, wir wollen nichts davon wissen. Wenn wir in Dänemark so fortgeschritten sind, wie es jetzt unleugbar der Fall ist, so ist es möglich, daß wir da» der Qualität der Juden verdanken, die wir bei uns aufgenommen haben. Die Juden haben uns von ihrer Tüchtigkeit, Vitalität und Ausdauer abgegeben; ihre Freigiebigkeit ist nicht ohne Einfluß auf uns geblieben, wir haben sic dafür aus den* Enge ihrer Anschauungen befreit, ihnen von unserer heiteren Weltweite und leichtbeschwingten Lebensform mitgeteilt Dieser Graf Coudenhove, der das Buch geschrieben hat; war natürlich kein Jude. Er war ein österreichischer Aristokrat, Diplomat, Katholik und konservativ. Aber ein mächtiger Trieb, den menschlichen Dingen auf den Grund zu gehen, dürfte ihn beherrscht haben. Um gerecht sein zu können, wurde er Gelehrter; fremde Sprachen, Kulturen, fremde Religionen machte er sich vertraut, und so kam er auf die Juden, in seinem tiefsten Innern Antisemit, beschloß er, die Grundzüge des Antisemitismus festzulegen, und mitten in der Arbeit kam ihm die Umkehr. Sie kam von innen heraus. Durch Wissen und Denken fand er unumstößliche Beweise, daß alles, was man dem jüdischen Volke vorwirft und womit man Haß und Verfolgung begründet, auf die Verfolge« selbst zurückfällt. Er beweist sogar, daß der Begriff Antisemitismus ein reiner Unsinn rst, da es keinen Semitismus gibt. Seltsam, das Buch des Grafen Coudenhove, das so wenig Leidenschaft zeigt wie etwa das Hauptbuch eines Kaufmannes, weckt bei den Lesern alle Leidenschaften. Langsam und gewissenhaft, sich selbst Schritt vor Schritt durcharbeitend, beweist er, daß Millionen Menschen jahrhundertlang eine ungeheuerliche Lüge geglaubt und sie auf Kind und Kindeskinder weiter vererbt haben. Bis man sie für lebendige Wahrheit hielt. Das Buch erklärt, wie die Judenfeindschaft ursprünglich im Religionsunterschied begründet ist. Wir sind erschüttert, daß die ersten Christen sich lieber vor wilde Tiere werfen ließen, als daß sie ihren Glauben abgeschworen hätten. Der jüdische Widerstand gegen einen aufgezwungenen Glauben ist aber eben noch größer. Der jüdische Mut scheint so ungeheuerlich,-, so ergreifend in allem seinen Fanatismus, daß man aus der Bewunderung nicht herauskommt. Sie werden inl Mittelalter gezwungen, abgesondert zu leben, gebrandmarkt und gezeichnet. Man entzieht ihnen die Erlaubnis, die Erde zu bebauen, ein Handwerk auszuüben. Nichts bleibt ihnen übrig als der Handel. Erwerben sie durch diesen ein Vermögen, so nimmt man ihnen das Geld weg und jagt sie in eine neue Verbannung. So jagt man sie durch alle Länder. Sie leisten passiven Widerstand. Sie lassen sich töten, lassen sich martern, statt ihren Glauben abzuschwören. Und doch beruht auch die jüdische Lehre auf den Grundsätzen der Nächstenliebe. Ich kenne viele Juden, die den Geboten der Bergpredigt eher nachleben als wir Christen. Graf Coudenhove hat als ein wahrer Adeliger und als ein wahrer Christ sich bemüht, einem mit Unrecht gequälten Volke zu seinem Rechte zu verhelfen. Er spricht nicht von jüdischen Genies nicht von jüdischen Talenten, nicht von jüdischen Mäzenen, nicht von jüdischen Propheten. Er spricht von armen Leuten, die dadurch schlecht werden, daß man sie schlecht behandelt, und die besser würden und gut würden und die zum Segen würden, wenn man ihnen Gerechtigkeit widerfahren ließe. Das Buch hat er geschrieben, sich und andere zu belehren, und jetzt hat es sein Sohn neu herausgegeben. Dieser Sohn, der sich so sehr bemüht, sein würdiger Sohn zu sein. Wer das Buch des Grafen Heinrich Coudenhove über den Antisemitismus liest, der versteht, wie Richard Coudenhove- Kalergi geworden ist. Denn an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Oelegiertentog der ungarischen Zionisten Dr. Oskar Grfinbaum (Wien) hält dat politische Referat Am Sonntag, den 18 .September, findet in ßudap e s t der diesjährige Delegiertentag der ungarischen Zionisten statt. Ueber Einladung der Leitung der ungarländischen zionistischen Organisation wird der Präsident des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, Herr Dr. Oskar Griinbaum, das politische Referat über die gegenwärtige Situation im Zionismus halten. Zionisten I Verlanget ln federn Kaffeehaus „Die Stimme“! Juden spendet reichlich für unseren Bodenfonds! vom 11. bis 25. September f I 3120175906

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