Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 244 (8.9.1932)
- Date
- 1932-09-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 244 — 8. September 1932 Literatur/Kunst/Theater Das hebräische Buch Alle Schriften S. Tschernichowskys in 10 Bänden. Das Tschernichowsky-Jubilniimskomitee in Palästina, an dessen Spitze Bialik, Ussischkin, Klausner u. a. stehen, überreichte unlängst dem Jubilar in einer feierlichen Versammlung in Jerusalem als Geschenk die vollständige Ausgabe der Schriften des Dichters in 10 Bänden, die soeben im «Dwir- Verlag» erschienen sind. Gründung einer Abteilung für jüdische Wissenschaft an der Universität Tartu Reval. Das Estnische Unterrichtsministerium hat den Beschluß des Professorenkollegiums Tartu (Dorpat), eine Abteilung für jüdische Wissenschaften an dieser Universität zu errichten, bestätigt. Die Abteilung ist der philosophischen Fakultät angegliedert und den Übrigen Abteilungen dieser Fakultät gleichgestellt. Es werden an ihr folgende Fächer gelehrt werden: Hebräisch (Beherrschung der Sprache in Wort und Schrift), andere semitische Sprachen wie Syrisch, Arabisch usw.. jüdische und hebräische Literatur und Religionsphilosophie. Hinsichtlich der Erlangung akademischer Grade werden die Studierenden der neuen Abteilung den übrigen philosophischen Hörern gleichgestellt sein. Die Kosten für die Erhaltung der Abteilung, die bereits im Herbst dieses Jahres eröffnet werden soll, werden von der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Wissenschaft an der Universität Tartu getragen. Dr. Erik Warburg Professor an der Universität Kopenhagen Kopenhagen. Dr. med. Erik Warburg ist zum Professor für interne Medizin an dar Universität Kopenhagen als Nachfolger von Professor Knud Faber ernannt worden und übernahm die Professur am 2. September. Professor Erik .Warburg ist ein Urenkel von Rabbiner Dr. A. A. Wolff, der vor etwa 100 Jahren die jüdische Gemeinde Kopenhagens organisiert und mehr als 00 Jahre in ihr gewirkt hott. 70. Geburtstag des Denkers Constantin Brunner Der in Potsdam lebende Philosoph Constantin Brunner vollendete am 28. August 1932 sein 70. Lebensjahr. Die große Presse Deutschlands feiert ihn als eine der eigenartigsten und stärksten denkerischen Persönlichkeiten unserer Tage und als einen schöpferischen deutschen Stilisten. Brunners eigentlicher Name ist Leopold Wertheimer, er wurde 1862 in Altona als Enkel des Oberrabbiners Akvba Werthtimer geboren. Seine Lehre ist im gedanklichen Kern und philosophischen Endergebnis mit Spinozas System verwandt, zu Kant und seiner Schule wie zu aller Erkenntnistheorie steht er gegensätzlich. Er unterscheidet drei Fakultäten (Möglichkeiten des Denkens): 1. den allen Menschen gemeinsamen praktischen Verstand, 2. den den Wenigen . eigentümlichen Geist, 3. den den Vielen eigentümlichen Aberglauben. Auf seine Bestimmungen von Ding und Bewegung gründet Brunner seine Bewegungslehre, auf diese seine Psychologie. Ausgehend von seiner Lehre vom Egoismus kommt Brunner zu neuen Enkenrtfmissen über den Aufbau von Gesellschaft, Staat und Nation. Er bekämpft entschieden den Zionismus und steht ideologisch dem Centrai-Verein nahe, wenn auch Führer des C. V. manche seiner Formulierungen ablehnen. Von seinen Hauptwerken sind zu nennen: «Die Lehre von dem Geistigen und dem Volk», «Spinoza gegen Kant», «Der Judenhaß und die Juden», «Unser Christus oder das Wesen des Genies», «Vom Einsiedler Constantin Brunner», «Aus meinem Tagebuch». 1924 wurde die Constantin-Brunner-Gesellschaft begründet, um dem Werk des Philosophen Geltung zu verschaffen. Der Archäologe Prof. Dr. Emanuel Loewy 75 Jahre Der berühmte Archäologe Dr. Emanuel Loewy, emerit. Professor an der Wiener Universität und wirkliches Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften, vollendete am I, September das 75. Lebensjahr. Professor Loewy studierte bei A. Conzs, O. Benndorf, O. Hirschfefd und H. Brunn. 1882 nahm er an der österreichischen archäologischen Expedition nach Kleinasien teil, unternahm später Studienreisen m Kitinasien, Griechenland und Italien, habilitierte sich 1884 an der Wiener Universität, wirkte 1889 bis 1905 als Professor der Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Rom und von 1918 bis zu seiner 1928 erfolgten Emeritierung an der Universität Wien. Dem Archäologischen Institut des Deutschen Reiches gehört Loewy als ordentliches Mitglied an, ferner ist er u. a Ehrenmitglied der Romana Accad. Pontificia di Arch. in Rom, auswärtiges Mitglied der R. Accad. d. Lincei in Rom und der R. Accad. d Archeol., Lettere e Belle Arti in Neapel. Emanuel Loewy ist Spezialist aui dem Gebiete der griechischen Kunstgeschichte. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze veröffentlicht, von denen «Inschriften griechischer Bildhauer», «Die griechische Plastik» und «Polignot» sehr bekannt geworden sind. «Palästina», Zeitschrift für den Aufbau Palästinas, XV. Jahrgang, Heft 8/9, August—September, Wien, XIX., Weimarerstraße 90 (Rudolf Langer). Dieses soeben erschienene Doppelheft der ausgezeichneten Zeitschrift enthält wieder eine Fülle des interessantesten Materials. Ing Joseph Löwy, Haifa, schreibt über die Aufgaben der Privatinitiative m der Haifa-Bai;S. Nathanson, Direktor der Anglo Palestine Bank und Vorsitzender der Haifaer Handelskammer, über die wirtschaftliche Zukunft Haifas; Adolf Böhm, der hochverdiente, ehrenamtliche Herausgeber und Redakteur der Zeitschrift, veröffentlicht einen Artikel «Fellachen, Regierung und Juden», der solches Interesse erregte, daß ihn sogar die arabische Zeitung «Al Jamia ad Islamia» nachdruckte. Dr. Arthur Brünn, Tel-Awiw: «Gemeinsame medizinische Arbeit zwischen Juden und Arabern», Dr. M. Brachvahu, Jerusalem: «Die schulhygienische Arbeit in Palästina»,' Dr. M. Buchmann, Tiberias: «Ein Kurortekongreß in Palästina», l.eib Jaffe: «Die Arbeit des Keren Hajessod»; Dr. Arthur Ruppin warnt in dem Artikel «Fragen der landwirtschaftlichen Kolonisation» vor Uebertreibung der Qrangenpflanzungen, die als Monokultur manche Gefahren in sich bergen. Außerdem enthält das Heft (80 Seiten) zahlreiches interessantes Tatsachenmaterial, Nachrichten, Daten usw. Die Arbeit des Keren Ka]e* meth September-Büchsenleerung findet in der Zeit vom 11. bis inklusive 25. September statt. Die Ausgabe des Materials erfolgt ab 8. September. Alle bis Ende September eingehenden Gelder werden noch auf das alte Kontingent gutgeschrieben. Die Büchseninhaber werden dringend ersucht, von den Büchsenleerern die Vorweisung der Legitimation zu verlangen. Diese Legitimationen lauten bloßaufdielaufendeLeerung. Wand-Luchoth, in hebräischer Sprache, enthaltend alle mit der jüdischen Liturgie verbundenen religiösen Vorschriften, wurden vom Hauptbureau des Keren Kajemeth hergestellt; sie enthalten auch interessante Aufnahmen heiliger Stätten des Landes. Sie wurden vom Keren-Kajemeth-Bureau den verschiedenen Bethäusern und Tempeln zugeschickt. Annoncen für «Karnenu». Die vom Hauptbureau des KKL herausgegebene Zeitschrift «Karnenu» wird von nun an regelmäßig zweimonatlich erscheinen, und zwar in folgenden Sprachen: hebräisch, jüdisch, englisch, deutsch und französisch. Anzahl der Auflage 15.000. Sie wird in alle Länder versendet. Annoncen für diese Zeitschrift werden vom Keren-Kajemeth-Bureau entgegengenommen. Gebühr: Umfang einer Annonce 5.5 auf 4.5 Zentimeter, sechs Mal jährlich 5 Pfund. Briefpapier mit Ansichten aus Palästina. Die erste Serie, enthaltend zwölf verschiedene Ansichten, ist erschienen und im Keren-Kajemeth-Bureau erhältlich. Preis einer Serie (1 Dutzend) S 2.25. Das Briefpapier wird auch einzeln abgegeben. Preis eines Bogens samt Kuvert S —.19. Lieder-Karten. Zwölf palästinensische Lieder, enthaltend den Originaltext samt Noten, sind zum Preise von S —.15 pro Karte erhältlich. Geschenke mit Palästina-Ansichten. Im Keren Kajemeth sind erhältlich Federstiele, Crayons und Zigarettenspitzen in sehr schöner Ausführung mit Palästina- Ansichten zum Preise von S 1.— pro Stück. Einheitliches zionistisches Abzeichen in der Form einer kleinen blau-weißen Nadel ist zum Preise von zehn Groschen Im Keren Kajemeth erhältlich. iTersonatnadkridkten Auszeichnung. Unserer Gesinnungsgenossin Frau Sophie W a 11 u c h, Gattin unseres Gg. Kultusrates J. H. Waltuch, wurde vom Bundespräsidenten in Würdigung ihrer Verdienste als Vorstandsmitglied des Israelitischen Frauenvereines «Greisinnenfürsorge» der Titel eines Bundesstaatlichen Fürsorgerates taxfrei verliehen. Frau Waltuch, Mitglied der Wizo, Fürsorgerätin der Kultusgemeinde, ist eine eifrige Zionistin und betätigt sich in hervorragender Weise auch auf dem Gebiete des Wohlfahrtswesens. Sie gehört insbesondere dem Arbeitskomitee des Vereines «Weibliche Fürsorge» seit dessen Bestand an. Achtzigster Geburtstag. Der Begründer und langjährige Kultusbeamte des Bethausvereines Marpe-Lanefesch, Wien, II., Herr Hermann Dukesz, der gegenwärtig die Agenden des Tempelverwalters im Versorgungshause der Israelitischen Kultusgemeinde versieht, feiert dieser Tage seinen 80. Geburtstag, bei welcher Gelegenheit Samstag, den 10. September, auf Veranlassung des Oberverwalters Herrn Popper im Tempel des Versorgungshauses, IX., Seegasse 6, eine schlichte Feier stattfinden wird. Verlobung. Fräulein Magistra der Pharmazie HenrietteHenisch, Wien, die Tochter unseres bewährten Gesinnungsgenossen Dir. Meir Henisch, verlobte sich mit Magister Albert Eschkenasy, Sofia. Dr. Mayer Ebner 60 Jahre Czernowltz. Am 18. September vollendet der bekannte jüdische Politiker und Publizist Dr. Mayer Ebner, früherer Senator und jetziger Deputierter der rumänischen Kammer, sein 60. Lebensjahr. Dr. Mayer Ebner ist seit Jahrzehnten Führer der Bukowinaer Zionisten und wurde in der Nachkriegszeit einer der Führer der Judenheit Groß-Rumäniens. Dr. Ebner, ein angesehener Czer- *”"«";** gemeinsame «las zionistische Erkennungszeichen aBooaaaHdis blau-weiße Stecknadel (dmch den Keien Halemelh) Beatrijcbad Linke Bahngasse 9 Russisches Steinschwitzbad mit Besenbehandlung, neu errichtet. Dampf-, Wannen-, Schwimm- und Heilbäder. Die Leser der «Stimme» erhalten an der Badekasse gegen Ueberreichung dieses Kupons (aussehneiden!) um nur einenSchillingein russisches Schwitzbad mit Wäsche. — Gültig bis Ende September 1932. nowitzer Advokat, ist Herausgeber der ln deutscher Sprache erscheinenden «Ostjüdischen Zeitung». Seit Jahren führt Ebner in diesem Organ sowie im rumänischen Parlament einen Kampf für die bürgerliche und nationale Gleichberechtigung der Juden Rumäniens. Der zionistischen Bewegung schloß sich Ebner seit dem Auftreten Herzls an und ist seither einer ihrer eifrigsten Propagandisten. Er nahm schon an dem ersten Zionistenkongreß in Basel sowie an fast allen späteren Zionistenkongressen als Delegierter teil und gehörte während verschiedener Perioden dem A. C. an. Dr. Samuel Goldflamm, einer der Führer der Jewish Agency in Polen, gestorben Im Alter von 80 Jahren verstarb heute in Warschau der hervorragende Arzt Dr. Samuel Goldflamm, einer der prominentesten Führer der Jewish Agency in Polen. Dr. Goldflamm, ein Neurologe von Weltruf, war viele Jahre lang dirigierender Arzt am Warschauer Jüdischen Krankenhaus und verfaßte eine große Reihe grundlegender ärztlicher Schriften, die über Polen hinaus bekannt geworden sind. Einst ein Anhänger der assimilatorischen Richtung im Judentum, näherte er sich vor mehreren Jahren der nationalen jüdischen Richtung und wurde in den ersten wie in den zweiten Council der Jewisch Agency gewählt. Im polnischen Judentum erfreute er sich von je des größten Ansehens. In der jüdischen sozialen Fürsorge ist er, besonders auf dem Gebiete des Gesundheitsschutzes der Juden, seit Jahrzehnten führend tätig. Die von ihm geschaffene Klinik für Nervenkranke war von größter Wichtigkeit für die Ausbildung jüdischer Aerzte. Er war Vorsitzender der polnischen Gesellschaft für jüdischen Gesundheitsschutz Toz, einer Schwestergesellschaft von Ose. Die Presse in Polen widmet Dr. Goldflamm längere Nachrufe. Jüdische Chronik der Woche 9. September 1845: geh. der ungarische Historiker Ignatz Aksady. Seine bedeutendsten Werke sind: Geschichte des ungarischen Reiches und Geschichte des ung. Bauernaufstandes. — 1837: in Prag geb. Samuel S i e gfried Ritter von Basch, Prof, der Medizin und Hofarzt des 1867 erschossenen Kaisers Maximilian. Basch ist Entdecker der klinischen Blutdruckmessung. Er praktizierte in jedem Sommer in Marienbad, wo ihm als Anlaß des 25. Todestages ein Denkmal gesetzt wurde. — 10. September 1866: gest. in Fontainebleu Hermann Goldschmidt, Maler und Astronom, der von Kaiser Napoleon für seine Bilder den Orden der Ehrenlegion erhielt. — 11. September 1916: gest. in Berlin Friedrich Gernshei in, Prof, der Tonkunst, der durch mehrere Symphonien, Orchesterwerke usw. bekannt geworden ist. — 1906: gest. in Breslau Geheimer Medizinalrat Hermann LiulwigCohn, einer der berühmtesten Augenspezialisten, der in mehr als 300 Schriften seine wissenschaftlichen Arbeiten nicderlcgte, die dann auch in verschiedenen anderen Sprachen übersetzt wurden. Sein Hauptwerk ist das «Lehrbuch der Hygiene des Auges». Seine Arbeiten über die Kurzsichtigkeit und über die Mittel, sie zu verhüten, sind bahnbrechend geworden. — 1760: gest in Jerusalem J e h u d a A y y a s, einer der größten talmudischen Koryphäen seiner Zeit Sein Werk «Beth Jehuda», Responsen zu den vier Tutim, gewährt einen Einblick in das soziale und ökonomische Leben der Juden Nordafrikas. — 12. September 1685: gest. in London im 55 Lebensjahr der Oberrabbiner Jacob Abendana, der die ganze Mischna mW den Kommentaren Maimunis und Obadia di Bertinoros ins Spanische übersetzte, die jedoch bis heute imediert blieb. Weiters übersetzte er den Cuzari Jehuda Halevis ins Spanische. Br war der erste Gelehrte, der Gutachten über seine hebräischen Werke von christlichen Gelehrten erhielt. — 13. September 1863: geb. Cyrus Adler, der Begründer der amerikanisch-jüdisch-histnrischen Gesellschaft, Archäologe, Orientalist und jüdischer Politiker. S-ine zahlreichen Schriften sind für das amerikanisch-jüdische Leben von großer Bedeutung. — 1885: gest. in Genf Henric Charles Baron, franz Genremaler. Seine Bilder behandeln den heiteren Lebensgenuß der höheren Stände Italiens. Durch seine späteren Arbeiten repräsentierte er das hvtor'?"he Genre in Frankreich. — 1910: gest. in Dresden der Chemiker Heinrich Caro. Er nrhm an der Entwicklung der Teer- 'arbenchemie bahnbrechenden Anteil und lieferte wissenschaftliche Untersuchungen’ über verschiedene Zusammensetzungen In seinem Laboratorium gelang es ihm, verschiedene Säuren und Farbstoffe zu entdecken. — 1813: geb. in Ofen Josef Baron von Eötvös, ein vielseitiger un-? arischer Schriftsteller und Staatsmann, der Hervorragendes tir die Verbesserung der Zivil- und Kriminalgesetzgebung, für 01e:disteHung der Nationa^täten und Konfessionen geleistet hat. — 14. September 1762: gest. in London Jacob Henriquez de Castro-Snrnicnto, ein berühmter Mediziner, dem die Welt die Entdeckung der Ch natinde als Heilmittel gegen das Fieber zu verdanken hat Von seti’en Werken ist das bedeutendste die in London erschienene «Materia Medica phvsico-historca niechanica». Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R-41-4-20. «Franz-Josef»-Bitterwasser überaus milde wirkendes Abführmittel. , « Mp