Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 244 (8.9.1932)
- Date
- 1932-09-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 244 — 8. September 1932 DIE STIMME Seite 7 Worten sind. Ein Antrag der Maximalsten auf Nichtzusammenarbeit (non-coopcration) mit der Palästina-Regiertmg wurde abgefeimt. Die Schlußworte hielten Großmann und Jabotinsky. Jabotinaky wies in seinem Schlußwort auf die politische Bedeutung der Verlegung der Exekutive nach Genf hin und sagte, dieser Beschluß sei als Protest und als Kampfansage gegen Englands Mandatsbruch zu werten. Er schloß mit den Worten: Ich werde kämpfen für die Eroberung der von Theodor Herzl geschaffenen Organisation. Diesen Beschlüssen gingen lebhafte Meinungskämpfe ln den Kommissionen voraus. Die organisatorischen Auswirkungen der Beschlüsse von Calais, insbesondere die Frage des Primats der Disziplin für die den Schekel entrichtenden Revisionisten und deren Mandatare in den verschiedenen Instanzen dtr zionistischen Weltorganisation waren Gegenstand heftiger und langwieriger Auseinandersetzungen zwischen beiden Teilen der Union. Die Kämpfe spielten sich hauptsächlich in den Kommissionen für Organisation und Politik und innerhalb der Exekutive selber ab. Das Primat der Disziplin aller Teile der revisionistischen Bewegung gegenüber der Weltunion der Revisionisten und ihren verfassungsmäßigen Instanzen war eigentlich von keiner Seite umstritten, man kämp'te vielmehr um Form und Ausdruck des Beschlusses, labotinsky bemühte sich, mit Richard Lichtheim, der in Berlin wellt, zu einem Einverständnis zu gelangen, um die Wiederwahl Lichtheims in die Exekutive, trotz des Widerstandes der Palästina-Gruppe, zu ermöglichen. Ein solches Einverständnis Ist nicht erzielt worden, so daß die Wiederwahl Lichtheims unterblieb. in einem Oespräch mit dem Journalisten J. KHnoff teilte Lichtheim mit, er würde ln der Union nur unter den folgenden Bedingungen weiter arbeiten: 1. wenn die Beschlüsse von Calais abgeschafft werden; 2. leere politische Demonstrationen vermieden werden; 3. die Anarchie innerhalb der revisionistischen Gruppe Palästinas beseitigt wird. Das neue Budget in Höhe von rund 6000 Pfund wurde sichergestellt. Die neue Exekutive dürfte Anfang 1033 nach Genf übersiedeln. Moskau wiifitt in Palästina In letzter Zeit mehren sich die Nachrichten, die auf eine verstärkte kommunistische Agitation in Palästina hindeuten. Kürzlich wurde gemeldet, daß die Polizei in Tel-Awfw Dokumente beschlagnahmte, aus denen hervorgeht, daß ein geheimes Komitee in Palästina eine systematische Werbung unter den palästinensischen Juden für Auswanderung nach Biro-Bidschan führt. Das Komitee hat eine Liste von 300 angeblich Auswanderungswilligen nach Moskau geschickt und für MO bereits die Einwanderungserlaubnis erhalten. Tatsache ist auch, daß jüdische Kommunisten in Palästina die Beduinen und Fellachen in einer Flugschrift unter dem Titel «Alles Land den Fellachen» gegen die zionistischen Siedlungen hetzten. In dieser Flugschrift heißt es u. a.: «Was ist die Ursache Eures Ruins? England, das Euer Land okkupierte und die Zionisten, die Euch den Boden raubten. . . . Auf den Ruinen Eurer Wirtschaft haben sie ihre blühenden Kolonien gegründet. Und die dritte Ursache Eurer Lage sind die Effendis. Die Zionisten arbeiten Hand in Hand mit den Effendis gegen Euch. . . . Nur aus Angst vor einer Revolte hat die Regierung den Beduinen von Wadi Chawaret 3000 Dunam des geraubten Bodens überlassen. Was müßt Ihr daraus lernen? Verteidigt Euer Land mit Gewalt! Löset es zurück durch Drohungen und Gewalttätigkeiten und Uw werdet wieder herrschen. . . . Kehrt mit Gewalt auf Euren Boden zurück! Plündert die Aecker, die man Euch geraubt hat, pflügt sie, wie es die Fellachen von Kuskus-Tabun und die Beduinen von Wadi Chawaret taten! Plündert und okkupiert die Regierungsböden und bebaut sie! Plündert die Felder der zionistischen Räuber und arabischen Effendis während der Erntet . . . Bildet revolutionäre Komitees zur Verteidigung Pegen die zionistische Invasion! Die kommunistische ärtei ruft Euch zum Kampf um Euer Land und um Eure Existenz. Alles Land den Fellachen!» Die «Internationale Rote Hilfe» wühlt ebenfalls ln Palästina. Der palästinensische Korrespondent des Moskauer «Emess», Hadad, veröffentlichte kürzlich eine Flugschrift, in der er drei der Massenmörder von Saffed und Hebron verherrlicht, die nach den August-Unruhen des Jahres 1929 gehängt wurden. Aus allen diesen Pamphleten ist weniger die Absicht herauszulesen, kommunistische Ideen zu verbreiten, als die FeMachen gegen England und gegen den Zionismus aufzuhetzen. Vorweg sei bemerkt, daß die Gefahr dieser kommunistischen Umtriebe nicht überschätzt werden darf. Ihre Unterschätzung oder BagateUisierung aber wäre bedenklich. Die kommunistischen Anschuldigungen gegen den Zionismus sind durch und durch verlogen. Wir Zionisten haben niemandem Boden geraubt. Wir haben seit Jahrhunderten brach liegende Ländereien um teures Geld gekauft. Kein Araber hat sich in die Sümpfe des Emek Jesreei gewagt. Jüdisches Leben wurde geopfert, um das Land bewohnbar ztl machen. Saßen arabische Pächter auf dem Boden, so haben wir sie reichlich abgefertigt, ohne hiezu verpflichtet zu sein. Regierungsländereien haben wir nicht erhalten, sondern die Araber. Nicht wir beuten die Fellachen aus, sondern die Effendis. Die Fellachen lernen von uns bessere landwirtschaftliche Methoden, der arabische Orangenexport profitiert an unserem Export. Von unseren unverjährbaren historischen Ansprüchen und der rechtlichen Basis unserer Aufbauarbeit wollen wir gar nicht sprechen. Nichts kann schlagkräftiger die solide Basis unserer Kolonisation beweisen als die Intensität der kommunistischen Hetse gegen uns. Sowjetgeld rollt in Palästina. Und als kürzlich Juden Palästina verließen, um nach Sowjetrußland auszuwandern, da verbreiteten sie ein Flugblatt, in welchem es ii. a. heißt: «Von seinen Anfängen an war der Zionismus eine Waffe in der Hand der jüdischen Bourgeoisie gegen den Jüdischen Arbeiter. Der Zioivsmus nützt das jüdische Elend Autobus- Gesell* diaffsveisen durch die indischen Zeniten I Unsere Leser werden auf folgende Autobus-Gesellsebaftereisen, di« — unter Führung eines bekannten FachhlsiorikersGelegenheit geben werden, vor den Augen der Reiseteilnehmer die Geschichte der Juden aufzurollen, aufmerksam gemacht: A) Ermäßigte Schülerfahrt: ahrt in die Wachau vom 14. bis 16. September,zweieinhalb Tage, S 25.— (Verpflegung S 12.—). B) Gesellschaftsreisen: Fahrt nach Steiermark und Kärnten (Wörthersee) vom 11. bis 13. September, 3 Tage, S 60.— (Verpflegung S 20.—): Fahrt ins mittlere Burgenland mit Matt er sburg am 18.September S 15,— (Verpflegung S 3.—); Fahrt ins Salzkammergut, nach Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Deutschland mit München (Sab b a t n- A u f e n t h a 1t) und Regensburg vom 19. bis 26. September, 8 Tage, S 150.— (Verpflegung S 65.— ). Mindestteilnehmerzahl: 20 Personen. Einkehir ist, wo nur möglich, in jüdischen (koscheren) Restaurants vorgesehen. Detaillierte Programme liegen in der Verwaltung unseres Blattes auf! in Osteuropa aus, um aus der jüdischen Armut Profit zu ziehen. Wir reisen nach Bwo Bidjan, well wir daran glauben, daß wir mit Hüte von 160,000.000 unserer Brüder in Rußland die sozialistische Heimstätte begründen werden.» Es ist gleichgültig, ob diese Rückwanderung in die Irre gegangenen Idealistischen oder egoistischen materiellen Motiven entspringt. Sowietrußland hat Geld für Potem* kinsche Dörfer, die man gratis reisenden Journalisten zeigt. Es ist gleichgültig, ob einige hundert Menschen mehr oder weniger aus einem Kolonisationsgebiet rückwandern. Unser Jischuw ist so stark in Palästina verwurzelt, daß der Abfall dieser Menschen nicht in die Waagschale fällt. Es ist gleichgültig, ob unsere Feinde im Judentum hämisch die Tatsache der Auswanderung von Palästina nach Blro Bidjan registrieren. Wir wünschen nicht einmal diesen «israelitischen» Journalisten, daß sie selbst in Sowietrußland leben müssen. Aber wir wollen der Sache auf den Grund gehen. Wir wollen zeigen, daß diejenigen Juden, die ins kommunistische Rußland desertieren, die glauben, die fortschrittlichsten zu sein, zu tiefst im geistigen Ghetto stecken geblieben sind. Jahrhundertelang geknechtet und getreten, war das jüdische Volk, als ihm di« magna Charta der Menschenrechte sperrangelweit die Wege zur Emanzipation ebnete. Wie ein Verdurstender stürzte sich das jüdische Volk so die fremdnationalen Kuiturquellen. Sie löschten ihm nicht den brennenden Durst, rastlos trieben viele seiner Intellektuellen vorwärts in die Poitik, hinein in den Liberalismus, hinein in die Sozialdemokratie, hinein in den Kommunismus. Schwer drückt diese Menschen ihr Ghettokomplex. Sie merken nichts von den ewigen Werten des Judentums, sie suchen das Heil außerhalb unseres Volkes. Sie glauben zu führen und doch treibt sie die Geißel der Assimilation Immer weiter, läßt sie rasen und wüten gegen das eigene Volk, Das sind die traurigen Gestalten der Jewsekzia, das sind die Trotzkie, für die wir verantwortlich gemacht werden! Schwer tragen wir an dieser passiven Solidarität mit Juden, die keine Juden sein wollen. Das sind die Menschen, die «enttäuscht» Palästina verlassen und ihr Heil in einer neuen Assimilation, der judenmörderischen Assimilation Sowjetrußlands suchen. Es gibt nur einen einzigen Teil im Judentum, der auf die Errungenschaften der Emanzipation nicht verzichtet, dem nichts Menschliches fremd bleibt, der es trotzdem oder gerade deshalb versteht, eine glückliche Synthese zu bilden zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sie beide harmonisch vereint auf der Scholle unserer Väter; das sind jene Zionisten, die ihren Lebensinhalt in Palästina finden. Dort können sie sich ausleben, niemandem Ist es verwehrt, die nach seiner Ansicht sozialen Lebensformen zu genießen, nach seiner Fasson selig zu werden, in der Kwuzaft oder io der privatwirtschaftlichen Siedlung. Aber sie tun es als Juden, sie schaffen neue jüdische Lebensformen, ln Rußland werden kommunistische Siedlungen gegründet, das Judentum geht dabei zugrunde. Es ist das alte Spiel der Assimilation. Die Geschichte wiederholt sich. Es wird die Zeit kommen, in der die Juden in den kommunistischen Siedlungen Rußlands beginnen werden, mit ihrem Assimilationskomplex zu ringen, und das Ergebnis wird sein: Rückkehr zum Judentum und Rückkehr ins Judenland. Neue Pfefferkorne sind an der Arbeit. Der jüdische SeJbsthaß treibt widerliche Giftblüten. Wir müssen wachsam sein. Erez Israel darf nur solchen Juden Raum bieten, die als Juden das Judentum schaffen wollen. Wir sind dankbar denen, die freiwillig nach Biro Bidjan gingen und wir müssen aus dem Lande weisen, die heimlich ihre Giftsaat ausstreuen. Wir Zionisten wollen dias jüdische Volk beglücken, das seit Zerstörung des zweiten Tempels keinen freudigen Tag erlebt hat Unerbetene Menschheitsbeglückung ist nicht unsere Aufgabe. o. g. Geschichte der „omerilianischen Chaluzim" New York. Drei Zentren jüdischer landwirtschaftlicher Siedlung in Amerika, Alliance, Norma und Brotmanville, blicken jetzt auf ein 50jähriges Bestehen zurück, Aus diesem Anlaß fand in Rainbow Lake bei Norma eine Feier statt, auf der von verschiedenen Rednern die Geschichte der «amerikanischen Chaluzim», jener 43 aus Rußland stammenden jüdischen Familien, die sich im Jahre 1882 in Alliance, New lersey, angesiedelt hatten, erzählt wurde. Mehr als 600 Abkömmlinge dieser Pioniere aus allen TeHen der Vereinigten Staaten waren zu der Feier erschienen. Die Alliance Israelite Universelle hatte vor 50 Jahren in der Wildnis von South-Jersey ein großes Stück Land gekauft und es den erwähnten 43 Familien zur Bewirtschaftung übergeben. Unter großen Härten und Entbehrungen hatten die Siedler den Boden urbar gemacht. Sie kämpften einen harten Kampf mit dem sandigen und felsigen Boden, bis es ihnen gelang, aus ihm eine kümmerliche Existenz für sich herauszuwirtschaften. Sie verbesserten den Boden immer mehr, bis sie sich zu einem gewissen Wohlstand heraufarbeiteten. Dr. lacob Billikopf, der Schwiegersohn Louis Marshalle, der der Feier beiwohnte, führte aus, der Erfolg der jüdischen Kolonisation in South-Jersey hätte der großen Jüdischen Wanderung aiu Rußland und Polen nach den Vereinigten Staaten »inen starken Impuls gegeben. Der Jüdische Weltkongreß Von Pr. Nahutn Golctmann Dr. Nahum Ooidmann, der die jüdische Weltkonferen/. in Genf mit organisiert hat und der nun in Berlin das Bureau zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses leitet, äußerte sich über die Ergebnisse der Weltkonferenz und die. Art, wie der Weltkongreß organisiert werden soll, u. a. wie folgt: Die Genfer Konferenz, erklärte Dr. Goldmann, entsprach in ihrer Zusammensetzung wie in ihrem Verlauf vollauf den Erwartungen, die ihre Initiatoren in sie gesetzt hatten. Es war für die meisten von uns von vornherein ziemlich klar, daß die antinational eingestellten, westeuropäischen und amerikanischen jüdischen Organisationen sich an ihr nicht beteiligen würden. Und wenn man sich doch entschloß, sie einzuladen, so geschah es, weil keiner Gruppe die Möglichkeit gegeben werden sollte, hinterher zu sagen, sie sei gar nicht aufgefordert worden, sich zu beteiligen. So war ea nichts Unerwartetes, daß zu der Konferenz fast ausschließlich nationaljüdisch eingestellte Gruppen und Organisationen kamen. Diese jedoch waren sehr stark und repräsentativ vertreten. Die größten jüdischen Gemeinden Polens hatten Repräsentanten delegiert, wie überhaupt das polnische Judentum erfreulicherweise sehr viele Vertreter entsandt hatte. Die litauische, die lei'.-clic, de rumänische, die griechische, die tschechoslowakische, italienische, holländische und österreichische Judenheit war in maßgebender Welse repräsentiert. Die bulgarische und jugoslawische Judenheit konnten keine Vertreter entsenden, stellten sich aber durch ihre Begrüßungsschreiben ganz auf den Boden der von der Oenfer Konferenz vertretenen Tendenzen; von Deutschland waren die Volkspartei, die Zionistische Vereinigung sowie der Ostjudenverband vertreten; aus Frankreich repräsentierte eine starke Delegation die große Zahl der ostjüdischen Bevölkerung in Paris; und — last not least — war aus Amerika eine Delegation gekommen, die formell und moralisch das Recht hatte, im Namen von mehr als einer Million amerikanischer Juden zu sprechen. Die Sympathieerklärungen vieler anderer Jüdischer Gruppen (Südafrika, Südamerika usw.) erweiterten den Kreis der Teile des jüdischen Volkes, in deren Namen die Genfer Konferenz sprechen konnte, und wenn es sicherlich falsch wäre, zu behaupten, sie härte die gesamte Judenheit der Welt repräsentiert — was niemand je behauptet hat —, so hat sie andererseits durchaus das Recht gehabt, im Namen des national bewußten Teiles der Juden der weit zu sprechen, das heißt im Namen der sich als Teile des jüdischen Volkes bewußten Juden. Was den Verlauf der Konferenz betrifft, so liegt ebenfalls Jeder Grund vor, befriedigt zu sein. Die Angst übervomlchtiger jüdischer Notabein, die Konferenz werde unbedachte und in ihren Folgen schädliche Ausbrüche des Temperaments und der Verbitterung der Oeffentlichkeit demonstrieren, hat sich in jeder Hinsicht als unbegründet erwiesen. Eher könnte man eine zu große Zurückhaltung in den Aeußerungen der Vertreter mancher Länder tadeln. Daß der «Völkische Beobachter» von einer Hetze gegen Deutschland faselt, wird wohl niemand Wunder nehmen und ändert wohl nichts an der jüdischen Lage in Deutschland. (Daß die «Frankfurter Zeitung» diese völkische Lügenmeldung glaubt, ist wohl erstaunlicher, aber nicht verwunderlicher als manche Aeußerungen dieser Zeitung in jüdischen Dingen aus letzter Zeit.) Ich brauche nicht zu betonen, daß in Wirklichkeit keine antideutsche Aeußerung fiel, und meine diesbezüglichen Worte lediglich die antisemitisch nicht verseuchte Majorität des deutschen Volkes auf die Gefahr hinwiesen, die die antisemitische Infizierung Deutschlands für seinen Namen und seine Stellung in der Welt darstellt. Die Reden der Vertreter der verschiedenen Länder gaben ein erschütterndes Bild der jüdischen Lage und stellten einen würdigen und verantwortungsbewußten Protest gegen das Unrecht dar, das man uns antut, einen Appell an das Weltgewissen, der gewiß seine Wirkung nicht verfehlen wird bei jenen, die für diesen Notschrei eines verfolgten Volkes überhaupt noch empfänglich sind. Das wichtigste und historisch bedeutsame Ergebnis der Konferenz ist das einmütige Bekenntnis alter Teilnehmer zum Gedanken des jüdischen Weltkongresses. Ich habe den festen Glauben, daß der Weltkongreß 1934 zusammentreten wird und wirklich der Weltkongreß — nicht aller Juden, wohl aber des jüdischen Volkes wird. In Genf wurde der Weltkongreß des jüdischen Volkes proklamiert, und die nicht zum jüdischen Volk sich zählen, sind weder zum Weltkongreß geladen, noch wird er in ihrem Namen sprechen, und ihr Protest ist deswegen ein Kampf gegen Windmühlen. Düsterberg jüdischer Abstammung? Um den gegenwärtig in Berlin stattfindenden Stahlhefcntagzu kompromittieren, erzählt der «Angriff», daß der zweite Bundesführer des Stahlhelm und frühere Kandidat auf den Reichspräsidentenposten, Oberstleutnant Düsterberg, von Juden abstammt. Der Großvater Düsterbergs soll noch di« Vornamen Selig Abraham getragen haben und am 26. Juni 1918, als er als Arzt angestellt wurde, noch nicht getauft gewesen sein. Die Großmutter Düsterbergs, die Frau des erwähnten Abraham Selig Düsterberg, sou eine geborene Caspary und gleichfalls jüdischer Abstammung gewesen sein. Der Urgroßvater Düsterbergs, der am 14. Mai 1824 in Paderborn gestorben ist, war daselbst Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde. «Angriff» stellt fest, daß dieser Stammbaum Düsterbergs wiederholt in einem Teil der Presse veröffentlicht, aber bisher unwidersprochen geblieben war. Massen-Meeiing Samstag, den 10. September 1932, pünktlich i/,9 Uhr abends im Pestsaal des Hotel Continental, I!„ Taborstraße 6 Vovivag des Sejmdeputierten IxchaU Grün bäum aus Warschau Uber „Wetixionhmus und Weitkongveß" Juden und Jüdinnen 1 Erscheint in Massen!