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Die Stimme · 1932-09-01 · Heft 243 (1.9.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 243 (1.9.1932)
Date
1932-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 243 I. September 193/c DIE STIMME Seife 5 jener unter uns, die die Hoffnung noch nicht auf gegeben haben, daß England, unter dem Drucke der objektiven Entwicklung, seine Politik radikal ändern wird, bis zu den Auffassungen derjenigen, die fest daran glauben, daß unser Bündnis mit England definitiv zu Ende ist. Lieber eines aber herrscht bei uns volle Einigkeit: wir stellten fest, daß, solange die heutigen Zustände herrschen, das englische Mandat keine ethische Grundlage hat, rechtswidrig ist und eine Gefahr für das Judentum, für Europa und für die gesamte Zivilisation bildet. Diese Tatsache muß jetzt der gesamten Welt klargemacht werden. lieber die Methoden dieses Kampfes wird nicht so sehr diese Konferenz als das Leben selbst entscheiden. Es ist aber klar, daß der Kampf sich jetzt sowohl in der Diaspora als auch in Palästina selbst entwickeln wird. In der Diaspora kann er nicht mehr darauf begrenzt sein, daß wir an das Gewissen des englischen Volkes gegen die Handlung der britischen Regierung appellieren: jetzt geht die Anklage gegen England an außenstehende Faktoren, an Weltfaktoren, und zwar inr Namen von Weltinteressen, die Englands Palästina- Politik eben so sehr wie unsere Interessen bedroht. In Palästina selbst kann der jüdische Protest nicht mehr den akademischen Charakter theoretischer Proteste und tatsächlichen Nachgebens tragen. Eine der wichtigsten Kampfformen wird «Petition» heißen. Eine Petition ist mehr als ein Text mit vielen Unterschriften: nach unserer Auffassung ist Petition eine Massenbewegung, dem englischen Chartismus des 19. Jahrhunderts ähnlich, aber mit der Welt — statt eines einzigen Landes — als Bühne; ein ausgedehnter Prozeß von sich häufenden Kundgebungen, welche das ethische Empfinden der Welt wecken und erregen sollen, und von welchen die formelle Uebergabe der Petition bloß der letzte Akt sein wird. Die Kon'erenz wird über die Modalitäten dieser nationalen Leistung entscheiden: über Text, Reihenfolge der Kund- Wißt ihr schon? Kürzlich berichteten wir über das Judentum in der Tschechoslowakei. Heute wollen wir einige Daten über die Juden in Italien bringen. Wie «The Jew!.sh Chronicle» berichtet, gibt es in Italien nur 41.000 Juden, die in den größeren Städten leben, so in Rom 12.500, in Mailand 7500, in Triest 4700 usw. Trotz Einwanderung geht die Zahl der Juden zurück. Die jüdische’ Bevölkerung Italiens hat in den letzten 90 Jahren nur um 150 Prozent zugenommen, die übrige Bevölkerung Italiens um 190 Prozent. Die jährliche Abnahme der jüdischen Bevölkerung Italiens wird mit 0.4 Prozent angegeben. Fast alle Juden Italiens gehören zur Bourgeoisie. Nach einer Statistik des Keren Hajessod entfallen in Italien auf 1000 Juden nur 32 Arbeiter, 27 Künstler und 1 Landwirt. Wißt Ihr schon, daß es in Paris schon unter König Chilperic Juden gab? Darüber lesen wir bei Gregor, dem Bischof von Tours: «Als ich in Laon zu.m König kam, um mich zu verabschieden, da traf ich bei ihm einen Juden namens Priscus, der ihn mit Luxuswaren versorgte. Der König packte wohlgelaunt den Juden beim Schopf und sagte zu mir: „Komm’, Priester Gottes, taufe ihn!” Aber der Jude sträubte sich. „Dickkopf”, rief der König, „ungläubige Generation, die den Sohn Gottes nicht anerkennen will, den die Propheten angekündigt haben”. Der Jude aber sagte darauf: „Gott hat es nicht notwendig, zu heiraten oder sich mit Kindern zu bereichern und läßt niemandem an seiner Herrschaft teilhaben.”» Dann berichtet uns der fromme'Bischof weiter, daß es ihm nicht gelang, Priscus zu bekehren und daß es auch dem König nicht gelang. Und wir lesen weiter bei Gregor, daß Priscus in Paris von dem Täufling Phatir ermordet wurde, dem es gelang, in die nahe Kirche «St. Julien-le Pauvre» zu flüchten. «Einige Tage später aber», so berichtet uns Bischof Gregor, «wurde Phatir von Verwandten des Priscus ermordet». Wißt Ihr schon, daß es in Paris einen alten sephardischen Friedhof gibt? Einer der ältesten Steine berichtet uns von Salomon Perpignan, der «einer der Gründer der königlichen freien Schule war, die unter der glorreichen Regierung Louis XV. gegründet wurde». Ein späterer Grabstein aber erzählt uns: «Gott rief mich zu sich in meinem 23. Jahr. Ich ziehe mein gegenwärtiges Los der Sklaverei vor. O, unsterbliche Seele, trachte, frei zu leben, oder folge mir als guter Republikaner! Hier ist der Ruheplatz des seligen Samuel Fernandes Patto aus Bayonne, der da starb am 28. Tage des Monats Prairial, im 2. Jahre der französischen Republik, der einzigen und unteilbaren.» Wißt Ihr schon, wer der gefährlichste Jude in der ganzen Welt ist? Professor Chaim Weizmann, wenn man dem kanadischen Hetzblatt «Le Miroir» glauben kann. «Er ist der Autor der Protokolle der Weisen von Zion», schreibt «Le Miroir», «der direkte Nachfolger von Achad Haam, bekannt als ungekrönter König der Juden, überhaupt der gefährlichste Jude der Gegenwart! Er ist ein polnischer Jude und stammt aus Motele in Polen. Wir erhalten von der Postdirektion in London die Information, daß Dr. Chaim Weizmann seine Identität unter dem englischen Namen Charles verbirgt, obwohl er den hebräischen Namen Chaim trägt, was offenbar mit Kain identisch ist.» — Da muß man schon sagen: «Höher geht’s nimmer.» Die Antisemiten Kanadas scheinen aber Geldquellen zu haben, die sonst von den Antisemiten den Juden angedichtet werden. Es erscheint nämlich jetzt auch außer den vom Orden «Le Goglp» herausgegebenen französischen Zeitungen eine antisemitische Zeitung in englischer Sprache, offenbar von «Le Goglu» souteniert. Die neue Zeitung heißt «The Commonwealth», gebungen, Zeitpunkt des Beginns und des Abschlusses. Nach Jabotinskv sprach Meer (i roßmann, der Vizepräsident der Union der Zionisfen-Revisionisten und Leiter des politischen Bureaus der Union. Er führte aus: In den letzten zwei fahren seit der Konferenz in Prag ist die Aenderung unserer Politik und Taktik besonders scharf in Erscheinung getreten. Wir hatten in Prag drei Dinge beschlossen: Intensivierung des Kampfes gegen den Versuch einer Vernichtung des Mandates; Sturz "des Weizmann-Regimes durch Eroberung des Kongresses; Ausbau der selbständigen Arbeit auf allen Gebieten des zionistischen Lebens. Die bislang nur oppositionelle Gruppe bekam den natürlichen Drang zu positiver Leistung, zu vollem Sich-Ausleben. Von Prag gingen wir mit dem Plane eigener Arbeit weg, und mit dieser Arbeit haben wir uns zwei Jahre befaßt. Nicht die Liebe zu England diktierte uns die Idee des Siebenten Dominions und nicht Feindschaft gegen England führte uns auf den neuen Weg des Widerstandes gegen ein feindliches Regime. Unsere politische Aufgabe in den letzten zwei Jahren bestand darin, die wirkliche Lage in Palästina festzustellen, den wahren Sinn des englischen Regimes zu enthüllen und die internationale und jüdische Oeffentlichkeit auf Konsequenzen vorzubereiten, die unvermeidlich folgen müssen. Der Ausdruck «das letzte Experiment geht zu Ende» bedeutet, daß unsere Hoffnung auf Aenderungen als Ergebnis unserer Appelle nicht mehr besteht. Aufgabe des Zionismus ist nun: Benützung neuer Faktoren in unserem Kampfe, wie z. B. die Kraft des Jischuw, Serie politischer Aktionen i.m Unterhaus, in Genf, Realisierung der Erklärung der Union vom 8. März u. a. m. Unsere Politik mag sich ändern, unsere Taktik mag zeitweise ihre Form wechseln, allein die Ideen des Revisionismus, die Idee des modernen, aktiven, offenen Kampfes für den Judenstaat, der Stil des Revisionismus, der Stil des jugendlichen Glaubens an die Zukunft und an die Kraft des jüdischen Volkes; diese bleiben unverändert. erscheint in Toronto und behauptet, sie sei nicht antisemitisch. Dabei erzählt sie von den «Weisen von Zion», die sie mit der «Jewish Agency» identifiziert. Wie sagte doch Schiller? «Gegen die Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.» Für 14,000.000 Deutsche ist Hitler ein Gott. Uebrigens anscheinend auch für manche Juden. So äußerte sich am 3. Mai 1932 laut Bericht des Doar Hajom der palästinensische Rechtsanwalt M. Cohen, Mitglied des Zentralkomitees der Revisionistischen Union, vor dem Gericht in Jerusalem: «Wenn die Hakenkreuzler aus ihrem Programm die Judenfeindschaft eliminiert hätten, wären wir mit ihnen einverstanden. Wären nicht die Hitlerianer da, Deutschland wäre verloren. Jawohl, Hitler hat Deutschland gerettet.» Kommentar überflüssig. Beh. konz. Realbüro INS. N. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Warschau. Die seit Jahren fortschreitende Verdrängung der Juden aus dem Wirtschaftsleben in Polen, ihre Ausschaltung aus dem öffentlichen Leben und den Staatsbetrieben, die Vernichtung des jüdischen Handels durch die Genossenschaftsbewegung und die Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Intellektuellen haben zu einer Verelendung der jüdischen Massen in Polen geführt, deren Rückwirkungen auf Volksgesundheit und Volkswirtschaft heute bereits eine ernste Gefahr für den Staat selbst bedeuten. Besonders kraß ist das Elend unter den jüdischen Intellektuellen. Abgesehen davon, daß versucht wird, durch den Numerus clausus den Juden die Ergreifung akademischer Berufe zu erschweren, werden auch jüdische Akademiker, die im Inland oder an ausländischen Hochschulen ihre Studien vollendet haben, bei der Vergebung von Stellen grundsätzlich nicht berücksichtigt. Bezeichnend für diese Verhältnisse ist der Fall der jungen, sehr begabten Aerztin Frau Dr. Furthowna, die vor einiger Zeit im Städtchen Wloclawek Selbstmord begangen hat, weil sie überall, wo sie sich um eine Anstellung bewarb, als Jüdin abgewiesen worden war. Unter anderem war sie bereits in Bialystok nach einer strengen sachlichen Prüfung als Assistenzärztin akzepiert worden, als sich aber bei Vorlage der Dokumente herausstellte, daß sie Jüdin war, wurde der Anstcllungsvcrtrag nicht abgeschlossen. Zuletzt war sie bei der Krankenkasse in Wloclawek aus demselben Grunde abgewiesen worden. Zu den äußeren Zeichen der fortschreitenden jüdischen Pauperisierung in Polen ist in letzter Zeit ein neues hinzugetreten: Massenexmittierungen in den Städten und vor allem in Warschau. Ein großer Teil der Mieter in den jüdischen Vierteln ist nicht mehr in der Lage, die Wohnungsmiete aufzubringen. Die Exmittierungen haben in letzter Zeit einen erschreckenden Umfang angenommen, so daß daran gedacht wird, durch eine organisierte soziale Aktion Abhilfe gegen diese Zustände zu schaffen. Seit lagen spielen sich im Warschauer Judenviertel wahre Schreckensszenen ab. Familien werden mit ihrem ärmlichen Hausrat auf die Straße gesetzt, Frauen und Kinder schutzlos den Einwirkungen von Regen Zionismus durch die Sowjetbrille Von ( ). M I o w s k y Wir erinnern uns noch daran, wie die Sowjetpresse auf die Unruhen des Jahres 1920 in Palästina reagierte. Sie befand sich in einer schwierigen Situation. Bisher hatte sie den Zionismus als einen Teil der imperialistischen Politik bezeichnet, wonach die Zionisten im Bunde mit dem Kapitalismus darauf aus waren, das Proletariat mit Sentiments zu betäuben, damit die Proletarier an ihren Feind, den Kapitalismus, vergessen sollten. Als aber die Araber im Jahre 1929 wehrlose Juden abschlachteten, stimmte die von den Kommunisten konstruierte Ansicht über das Wesen des Zionismus nicht. Man konnte den Massen nicht weiter einreden, England und die Juden seien Verbündete. Wäre es denn sonst möglich gewesen, dal! unter englischer Herrschaft Pogrome stattfanden? Es mußte daher eine neue Theorie zur Begründung dev arabischen Schlächtereien gefunden werden. Auf einmal waren es nicht die Araber, welche die Juden angegriffen hatten, sondern die Juden hatten die Araber angegriffen. Auf einmal lasen die Zeitungsleser in Rußland, wie bis zu den Zähnen bewaffnete Zionisten über die wehrlosen Araber hergefallen waren, um ihnen ihre Felder zu rauben. Schreckensbilder wurden verbreitet, auf denen man sah, wie englische Bomben und zionistische Gewehre ein Blutbad unter den Arabern anrichteten. Manchmal wurde den Berichten eine andere Färbung gegeben. Die Augustunruhen waren ein revolutionärer Kampf der arabischen Bauern gegen die zionistischen Kapitalisten und der Mufti und die Effendis waren proletarische Bauernführer und in verschiedenen Städten Rußlands wurden Protestversammlungen gegen das Gemetzel unter den Arabern veranstaltet. Zu dieser Art der Verleumdung des Zionismus gehört auch ein kürzlich im «Emess», dem Organ der jüdischen Kommunisten Rußlands, erschienener Artikel: «Der Zionismus, eine Sektion der Kriegshetzer und Faschisten», dessen Autor unglaubliche Dinge frei erfindet, z. B. nicht existierende zionistische Führer, denen er unglaubliche Aussprüche in den Mund legt. Er behauptet, der Zionismus arbeite mit daran, das Proletariat in einem Meere von Blut zu ertränken und fährt fort: «Der Zionismus ist dem britischen Imperialismus untertan und wird zur Unterdrückung der arabischen revolutionären Bewegung verwendet. Er raubt die Araber aus und unterdrückt sie. Er verwendet dabei die brutalsten Methoden, um Land für Ansiedlungen zu bekommen. Die blutigen Zwischenfälle zwischen Arabern und Juden in den neuen Kolonien sind der beste Beweis dafür.» Plötzlich aber vergißt der Artikelschreiber die armen Araber und die bösen Zionisten und beginnt mit einer neuen Geschichte — der sogenannten zionistischen Opposition in Sowjetrußland. Er erwähnt nicht die vielen hundert Zionisten, die in den Sowjetkerkern verfaulen, er weiß nichts von der brutalen Unterdrückung jeder Spur zionistischer Betätigung, tut aber so, als ob die zionistische Antipathie gegen Sowjetrußland grundlos wäre und fährt fort: «Die zionistische Freundschaft mit Pilsudski ist wohlbekannt. Die jüdische Bourgeoisie hat alles mögliche getan, um ihn reinzuwaschen, der für die Pogrome in Polen verantwortlich ist. Die schrecklichste Unterdrückung und Beraubung der jüdischen Massen war den Zionisten nicht arg genug, als daß sie einen Streit mit Pilsudskis Banden gewagt hätten.» « Grotesk sind die Ausführungen des Artikels über das . » Verhalten der Zionisten zu Hitler. Tatsachen gelten bei ihm « nicht. Erst erfindet er eine Theorie und dann konstruiert er * dazu «Tatsachen». Und er phantasiert: «Von besonderem Interesse ist das Verhalten der Zionisten zur Hitler-Bewegung in Deutschland, die ein offenkundig antisemitisches Programm hat und Pogrome favorisiert. Trotzdem hat das Zentralorgan der Zionisten Deutschlands vor einigen Monaten erklärt, daß die Zionisten besser als andere in der Lage seien die Hitler- Bewegung als eine Bewegung der nationalen Renaissance zu würdigen und daß sie als Instrument gegen die jüdische Assimilation willkommen sei.» Und er phantasiert weiter, daß die Zionisten mit an und Nachtfrösten preisgegeben. Dieser Tage wurden in einem einzigen Hause in Warschau sechs jüdische Familien gleichzeitig gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen. Hierbei spielten sich herzzerreißende Szenen ab. ln vielen Fällen versuchen auch die Nachbarn der Betroffenen, diesen im letzten Augenblick beizustehen, und leisten den Exekutionsorganen Widerstand. Die Folge hiervon sind erregte Auftritte, welche die allgemeine Unruhe in den jüdischen Vierteln noch steigern. Die jüdische Gemeinde Warschau plant jetzt die Einsetzung von Schiedsgerichten zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Hauswirten und Mietern. Daneben soll eine Unterstützungsaktion für bedürftige Mieter eingeleitet werden. Die Folgen des unter der jüdischen Bevölkerung herrschenden Wohnungselends zeigen sich in der rapiden Ausbreitung der Tuberkulose. Wie der Leiter der Gesundheitsorganisation TOZ Dr. L. Wullmann mitteilt, macht die Zahl der akuten Tuberkulosefälle bei den Juden derzeit über 90 Prozent aus, das ist der höchste Prozentsatz, der überhaupt jemals zu verzeichnen war. Es handelt sich allerdings nicht um tödlich ausgehende Fälle, sondern um eine immer weiter um sich greifende Degeneration der gesamten Bevölkerung. Obwohl die Lebensmittel in Polen billig sind, sind weite Schichten der jüdischen Bevölkerung unterernährt. Wie vom 9. August aus Lodz gemeldet wird, wurde dort auf der Straße eine vor Hunger ohnmächtige jüdische Frau gefunden, an deren Brust ein verhungerter Säugling lag. Die verzweifelte Lage der polnischen Judenheit kommt in der Zunahme der Selbstmordfälle zum Ausdruck. In Lemberg ist die Zahl der Selbstmorde von Juden in den drei letzten Jahren um 280 Prozent gestiegen. Die Lemberger Statistiken zeigen, daß 98 Prozent der versuchten Selbstmorde tödlich endigen, daß also ein absoluter Vernichtungswille besteht. In Lodz ist der Prozentsatz der tödlich ausgegangenen Selbstmorde von Juden von 12 Prozent im Jahre 1926 auf 16 Prozent im Jahre 1929 und auf 24.2 Prozent im Jahre 1931 gestiegen. Verelendung der jüdischen Massen in Polen Auswirkung von Wirtschaftsboykott und Numerus ctausus - Wohnungsetend und Tuberkulose - Selbsimordepidemie - Eine Beratungsstelle für Lebensmüde

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