Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 243 (1.9.1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3053997--3102-3058589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE STIMME iNr. 243 — 1. September 1932 Vftd Zeium.üslu'Kuiskjt'iHvs Coty an dss südafrikanische Organ «Zionist Record > :ntpressant, in der die antisemitische Gesinnung Ctvys energisch bestritten und darauf hingewiesen wird, daß in den Unterneinmingen Cotys viele Juden beschäftigt seien. So 7 R. sei der Generaldirektor Cotys in Paris, Raymond (ireilsamer. Jude. Kr gehöre dem Pariser jüdischen Konsortium an. Audi in den anderen Ländern seien viele Angestellte und Inhaber von Niederlagen Bekenner des jüdischen Glaubens. Dazu ist zu bemerken, daß der antisemitische Charakter der Zeitungskampagne Cotys, die bei den Juden der ganzen Welt Entrüstung geweckt und in Palästina zu einem Boykott seine? Parfüms geführt hat, unmöghch geleugnet werden kann. Wenn aber die Behauptungen von Cotys südafrikanischem Vertreter, der übrigens seihst Emile Levy heißt, auf Wahrheit beruhen, dann beschämt der Antisemit Coty nicht nur seine deutschen und polnischen Gesinnungsfreunde, sondern auch viele Jude n, die in Haus und Geschäft keinem Glaubensgenossen Verdienst geben und ihr Geld mit Vorliebe zum Antisemiten tragen . . . JXurxe JlacfkricMen Ussischkin auf dem zionistischen Delegiertentag Die Z. V. f. D. teilt mit: «■Die Tagesordnung des zionistischen Delegiertentages hat eine Aenderung erfahren. Ussischkin hat sich zu unserer großen Freude bereit erklärt, in der Eröffnungssitzung des Delegiertentages eine Ansprache zu halten. Die Eröffnungssitzung am 11. September beginnt aus diesem Grunde bereits um 9 Uhr. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden und den Begrüßungen fotet dann die Ansprache des Herrn Ussischkin, sodann schließen sich die in der bereits veröffentlichten Tagesordnung vorgesehenen Referate an.-* Araber wegen Arbeitsstörung verurteilt Acht Araber aus dem Dorfe Umkhaki wurden zu G efängnisstrafen von ein bis zwei Monaten verurteilt, weH sie Juden, die auf ihren Feldern in der Nähe des Dorfes arbeiteten, bei der Arbeit gestört haben. Kronfeld nach Indien berufen Die englische Regierung hat sich entschlossen, in Indien Flugschuien und Stationen für den Segelflug zu errichten. Als Organisator ist der Segelflieger Robert Kronfeld — bekanntlich ein österreichischer Jude —, der Gewinner des Daily Mail-Preises für die erste Ueberquerung des Aermeikanals mit einem Segelflugzeug, berufen worden. Unfall In einer Kolonie Bei der Explosion eines Petroleumofens in der Zentralküche der Kolonie Tiberia fanden drei junge Mädchen, Phalia Michelson, Michla Weiner und Rachel Katz, die ihre Ausbildung als Chaluzoth an der Ort-Schule und an der jüdischen landwirtschaftlichen Schule Lettlands genossen hatten, den Tod. Auszeichnung von Rabbiner Dr. Grunwald Rabbiner D r. Grunwald, der bekannte jüdische Historiker, wurde anläßlich seines Uebertrittes in den Ruhestand vom Bundespräsidenten Miklas mit dem Ehrenzeichen der Republik ausgezeichnet. Ein Weltkongreß jüdischer Aerzte r7u Eine Gruppe jüdischer Aerzte, die an der jüdischen Welt- 'könferertz in Genf teilgenommen haben, beabsichtigt, einen -Weltkongreß jüdischer Aerzte einzuberufen, auf dem die Sa’hitären und hygienischen Verhältnisse der Juden in den verschiedenen Ländern erörtert werden sollen Zur Vorbereitung des Kongresses wurde ein dreigliedriges Komitee, bestehend aus Dr. Tennen-baum (New York), Dr. Kleinmann (Genf) und Dr. Rudmann (Paris), eingesetzt Werbung für Biro-Bidschan in Palästina Die Polizei in Tel-Awiw hat Dokumente beschlagnahmt, aus denen hervorgeht, daß ein geheimes Komitee in Palästina eine systematische Werbung unter d«n palästinensischen Juden für Auswanderung nach Biro-Bidschan führt. Das Komitee hat eine Liste von 300 angeblich Auswanderungswilligen nach Moskau geschickt und für 140 bereits die Einwanderungserlaubnis erhalten. Ein Denkmal tür Ephraim Chisik In Hulda Am 22. August, dem dritten Jahrestag des Ausbruches der antijüdischen Unruhen in Palästina vom August 1929, wurde in der jüdischen Kolonie Hulda ein Denkmal für den Chaluz Ephraim Chisik, der die Verteidigungskräfte der Kolonie Hulda gegen die Uebermacht der arabischen Angreifer anführte und bei diesen Kämpfen den Tod erlitt, enthüllt. Das Denkmal ist vier Meter hoch. Ephraim Chisik wurde an der Stelle, wo er gefallen war, bestattet; sein Körper war von Kugeln durchlöchert. Eine Schwester von ihm, Sarah Chisik, verteidigte unter Trumpekiors Führung im Jahre 1920 die von Arabern angegriffene Kolonie Tel Chaj mit und fiel bei diesen Kämpfen. Der Führer der zionistischen Jugend Ungarns tödlich ver* unglückt Im Badeort G öd an der Donau ist Ing. Emanuel Werner, Mitglied der Exekutive des Ungarischen Z io niste nverbandes und Präsident der Hitachduth Hanoar B’Hungairia tödlich verunglücKt. One Dreyfuß-Ehrung Die Liga für Menschenrechte wird demnächst in Port H a 1 i g u e n bei Quiberon an der Stelle, wo Oberst Alfred Dreyfus nach der Rückkehr von der Teufelsinsel landete, eine Gedenktafel anbringen lassen. Dreyfus kam in Port Haliguen aii Bord des Dampfers «Sfax* am 30. Juni 1899 an. Am 7. August wurde vor dem Kriegsgericht in Rennes die Verhandlung in dem Wiederaufnahmeverfahren eröffnet. Das Gericht sprach Dreyfus mit fünf gegen zwei Stimmen abermals schuldig, empfahl ihn aber unter Anrechnung mildernder Umstände der Qnade des Kriegsministers. Am 19. September 1899 wurde dem damaligen Hauptmann Dreyfus durch einen Erlaß des Präsidenten der Republik die restliche Strafe nachgesehen, aber erst am 12. Juli 190ö hob der Oberste Gerichtshof das Urteil gegen Dreyfus auf und ordnete seine sofortige Wiedereinreihung in die Armee an. Dreyfus wurde zum Major befördert und zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Gleichzeitig wurden gerichtliche Schritte gegen die an seinem Unglück Schuldigen eingeleitet. Die Bedeutung des Wortes im Judentum Von Dr. Fi iedi;, li A s c h k e n a s y, Lemberg. Goethe hat das Blut einen ganz sonderbaren Saft genannt. Ich möchte das Wort einen ganz sonderbaren Lufthauch nennen. Das Blut ist der Ursprung und die Domäne aller Naturtriebe, das Wort diejenige des Geistes und der Ethik. Das Wort ist alles oder nichts, es birgt in sich Tod und Leben, es enthüllt und ver* schieiert zugleich sowohl das innere Wesen als auch das äußere Geschehen der Dinge und wir vermögen es deshalb dem Propheten nachzttempfinden, wenn er die Worte spricht: «Gesegnet sei die Frucht der Lippen», und wollen trotzdem dessen eingedenk bleiben, daß an diese sich auch jeglicher Fluch heften mag. Jedes Wort ist ein Zeichen bloß, ein Symbol, das den Inhalt andeuten soll. Zu verschiedenen Zelten und im Mund verschiedener Leute wandelt sich der Sinn desselben Wortes. Selten nur sind Worte im Zusammenhang der Rede eindeutig. Ein römisches Sprichwort besagt: «Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe», — wenn zwei dasselbe sagen, so Sind es stets zwei durchaus verschiedene Dinge, ja, wenn derselbe Mensch dasselbe Wort zweimal gebraucht, müßte man ihm genau auf die Lippen sehen und aus der Wiederholung derselben Worte ein Wesen machen, wollte er doch anscheinend durch die Wiederholung ein Mehr ausdrticken, als in dem bloßen Wortlaut enthalten war. Ein tiefes Geheimnis schwebt um die Worte, uni jegliche Menschensprache, als die Grenzscheide zwischen Innen und Außen, zwischen Wesen und Form, zwischen Licht und Finsternis. Um dies große Geheimnis wußten alle tiefen Geister der Vergangenheit, alle Lehrer und Bildner der Menschheit, insbesondere die heiligen Schriften aller Völker, in erster Reihe unsere Bibel. Sie warnt mit beredten Worten vor den Tücken und Gefahren des Wortes, selbst des Gotteswortes. Mit Gottesworten wird Abraham versucht, das Unmenschlichste zu begehen: seinen eigenen, einzigen Sohn Gott hinzuopfern. Er empfängt reichen Gottessegen, weil er ihnen keine Folge leistet, vielmehr auf die Stimme Gottes horcht, die ihn von der Schreckenstat zurück- Bei Menschen mit unregelmäßiger Herztätigkeit schafft ein Glas natürliches «Franz-Josef»-Bitterwasser, täglich früh nüchtern genommen, mühelosen, leichten Stuhlgang. Erhältlich in Apoth. u. Drogerien. stehen läßt. Im Ps. CI1I, 20, lesen wir: «Segnet den Ewigen, ihr, Seine Boten, mächtig an Kraft, die vollbringen Sein Wort, um zu hören auf die Stimme Seines Wortes.» Wir glauben bereits, die späteren Worte des Apostels Paulus herauszuhören von jenem Buchstaben des Gesetzes, der tötet, von dessen Geist, der belebt. Die Stimme, der Klang des Wortes, dies Aeußerlichste, ist zugleich das Tiefste, es ist der Geist, die Seele des Wortes, die in ihm erklingen und auf die allein es ankommt. Darum auch darf der Psalmist ausrufen: «Einmal hat der Herr gesprochen, ich höre es doppelt», deswegen schließt der Prophet Hosea seine Weissagung mit den vielsagenden Worten: «Gerade sind die Wege des Ewigen, die Gerechten werden in ihnen wandeln und die Bösen werden in ihnen straucheln», indes uns Daniel versichern darf, er werde von den einen richtig erfaßt, von den anderen mißverstanden werden. Das Wesen der Dinge, das unendliche und unvorstellbare, kann von keinerlei Worten umfaßt und umschrieben werden, unaussprechlich bleibt deswegen dem Juden der eigentliche, wesentliche Gottesname, das Tetragramm. Das Wesen und die Wirkung des Gotteshimmels schildert uns Ps. XIX derart: «Spruchlos, wortlos, nicht ward vernommen ihr Laut — und in aller Erde tritt hervor ihr Strahl und in den Enden des Erdenrunds ihre beredten Wortei» Im Ps. LVIII wird die Gerechtigkeit als stumm bezeichnet und werden die Menschen als einfältig belächelt, weiche wähnen, die stumme Gerechtigkeit mit Worten ausdrücken, in Worte fassen zu können, wogegen Ps. XCIV ankündigt, es werde einst das (geschriebene) Gesetz zur Gerechtigkeit wieder heimfinden und Ihr würden alle, die geraden Sinnes sind, folgen und lehnt der Psalmist mit Entrüstung jede Genossenschaft Gottes mit jenem fluchwürdigen Thron ab, welcher Ungemach erzeugt, sich stutzend auf Recht (vergl. den römischen Spruch: «Summum jus summa injuria»). Jesajah beklagt mit tiefem Weh das Unheil der vielen Gesetze (CXI, 1), verspottet mit scharfem Sarkasmus die mechanische Aneinanderreihung einzelner Worte und Gesetzesbestimmungen (C. XXVIII, 9—13), die angelernte Lippenfrömmigkeit (C. XXIX, 13), Jeremiah weissagt für das Ende Zeiten, einen neuen Bund Gottes mit Seinem Volke, das in keinem Buche, bloß im Herzen des Volkes eingeschrieben sein werde. Der Priestersohn und Prophet Ezechiel spricht im Namen Gottes die bedeutsamen Worte: «Deshalb gab Ich euch nicht gute Urteilssprüche und (einschränkende) Gesetze, in denen ihr nicht werdet leben können.» Der Prophet Zacharjah geißelt «den elenden Hirten», den vorausgesagten schlechten Pricsterstand, den Haarmantel der falschen Propheten, der dazu dient, das Volk zu betrügen, und der Prophet Maleachi, der letzte von der Reihe der klassischen Propheten, wendet sich im Namen Gottes an die Priester mit Ausdrücken, die durchaus nicht mehr als salonfähig gelten dürfen. Trotzdem oder gerade deswegen gilt allen Propheten Israels das Wort Gottes als das Höchste, als die Offenbarung des wahren göttlichen Wesens. Im Symbol, in welchem der Inhalt und die Form zusammenfallen, in der Geheimsprache der Eingeweihten, welche dem ganzen Osten gemein war, wurden jene höchsten Offenbarungen der Gottheit verwahrt und den spätesten Geschlechtern überliefert, sorgsam vermummt und gesichert vor jedem unberufenen Zugriff, ln künstlichen Sicherheitsbehältern der göttlichen Weisheit, an denen sich Dummköpfe ihren Tod holen, aus denen Weise ewiges Leben trinken. «Verkündet die Zeichen nach rückwärts und wir werden wissen, daß ihr Götter seid», läßt Gott bei Jesajah seine Widersacher an, um an anderer Stelle fortzufahren: «Sie haben mich um die Zeichen befragt, ihr wollet Mir über meine Söhne und über das Werk Meiner Hände befehlen!» Da, wo Christus in Johannes 16 den Parakleten ankündigt, meint er von ihm, er werde «die Zeichen» verkünden. Bezeichnenderweise bedeutet im Hebräischen das Wort nicht bloß den stellvertretenden Wortlaut, vielmehr auch die Sache selbst, die durch das Wort bezeichnet werden soll, den Pragmatismus des Wortes. Von da bis zum griechischen Logos, bis zum Johannäischen Wort, welches am Anfang war und welches Gott war, ist bloß ein Schritt: das Wort umfaßt hier das innerste Wesen des Weltalls, welches in allem Weltgeschehen lebendig wird und sich kundtut — auch im Worte. Statistik der hebräischen Schulen der Jewish Agency Im Jahre 5692 erreichte die Schülerzahl an den hebräischen Schulen der Jewish Agency eine Höhe von 23 145 gegenüber 22.533 im Vorjahre. Die vermehrte Schülerzahl rührte in der Hauptsache aus den Zentren des neuen Jischuw her. Demgegenüber, verschlecbterte sich der Zustand an den Plätzen des alten Jischuw, an denen entweder keine oder nicht genügend starke jüdische Gemeindeorganisationen bestehen. Die Zahl der jüdischen Schüler in sämtlichen Schulen des Landes betrug im Jahre 5690: 31.418 und im Jahre 5691: 34.154, sie vergrößerte sich also um 2736. Davon entfallen 1502 Schüler auf die Schulen der Jewish Agency und 1234 auf andere Schulen. Das Erzieh ungs - Budget betrug im Jahre 5692 palästinensische Pf. St. 109.443 (gegenüber 132.847 Im Jahre 5691). Die Haupteinnahmequellen für dieses Budget waren: Jewish Agency 40,000 (gegenüber 77.785 im Jahre 5692), Palästina-Regierung 19.175, Pica 5500, Tel-Awiw 18.200, Moschawoth 4785, Schulgeld 12.350, Verzicht der Lehrer auf ein Monatsgehalt 6500, Haifa 800, Waad Leumi (für die Gemeinde Jerusalem) 600 palästinensische Pfund. Der Erziehungsabteilung der Jewish Agency unterstehen: 140 Kindergärten mit 180 Lehrern, 179 Klassen und 5163 Schülern; HO Volksschulen mit 551 Lehrern, 516 Klassen und 15.587 Schülern; 5 Mittelschulen mit 96 Lehrern, 49 Klassen und 1529 Schülern; 4 Lehrerseminare mit 44 Lehrern, 18 Klassen und 403 Schülern; 3 Fachschulen mit 35 Lehrern» 23 Klassen und 359 Schülern; 3 verschiedene Werkschulen mit 11 Lehrern, 7 Klassen und 104 Schülern; insgesamt also 265 Institute mit 917 Lehrern, 792 Klassen und 23.145 Schülern. Juden im Berliner Rundfunk Seit der Neuregelung der deutschen Rundfunkorganisation verbreiteten sich Gerüchte, denen gemäß die Mitwirkung von Künstlern jüdischer Abstammung an den Rundfunkprogrammen unmöglich geworden wäre. Einem Mitarbeiter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegenüber trat der neuernannte Rundfunk-Intendant Dr. D u 8 k e entschieden dem Gerücht entgegen. Er will den Berliner Rundfunk nach dem Prinzip der Leistung leiten; nach Religion und Weltanschauung werde er nicht fragen. Dr. Duske sei in dieser Beziehung mit dem Rundfunkkommissär des Reichsinnenministeriums Dr. Scholz einig, der — obwohl er sich vor einiger Zeit den Nationalsozialisten angeschlossen hat — dieselbe Anschauung vertritt.