Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 241 (18.8.1932)
- Date
- 1932-08-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME us. August 1932 Dev Kongreß des International Siudeni Service geschlossen Gegen Numerus ctausus und HochioliiillXMfif ln der Schlußsitzung des XI. Kongresses des Weltstudentenwerkes wurde ein Antrag angenommen, demzufolge demnächst eine Sachverständigenkonferenz elnbertifen werden soll, um die Fragen der Uehert'iilUing der Hochschulen zu studieren. Auf Antrag des jüdischen Delegierten Alexander Teich wurde festgestellt, daß für die Behandlung von jüdischen Fragen, die mit dem Uebcrfiillungsproblem Zusammenhängen, die sich gegen den Numerus clausus aus religiösen, politischen und weltanschaulichen Gründen richtenden Beschlüsse früherer Konferenzen des I. S. S. maßgebend sein sollen. In den Bericht über die Schlußsitzung der Konferenz wurde folgende Erklärung über die Regelung der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden an den Hochschulen angenommen: «Die von der XI. Konferenz des International Student Service eingesetzte Kommission für kulturelle Arbeit und internationale Beziehungen betont den Wert der vom Weltstudentenwerk auf dem Gebiet wissen- Die Beratungen der Leitung des liberalen Weltverbandes Haag. Am Montag, den 8. August, fand eine Sitzung der Leitung des Weltverbandes für das liberale Judentum statt, an der außer dem Vorsitzenden Dr. 1.1. Mattuck-London die Mitglieder der Leitung Lily H. Montagu, Miß Phillips (Melbourne), Dr. C. G. Montefiore, Rev. M. L. Perlzweig, R.-A. Heinrich Stern, L. Levisson (Haag) und E. Turk (London) teilnahmen. Die abwesenden Leitungsmitglieder Dr. Seligmann, Lehmann und Vogelstein, Deutschland, Dr. Morgenstern, L. Vogelstein und Leo Weil, Amerika, und L. Jacob und E. Joseph, England, hatten der Konferenz schriftliche Meinungsäußerungen eingesandt. Miß Phillips berichtete über die Tätigkeit der liberalen Gemeinde in Melbourne. Sie teilte mit, daß das Interesse für das liberale Judentum in Australien ln stetem Zunehmen begriffen sei. Es folgte ein Bericht über die in Südafrika unter Leitung des Komitees in Johannisburg durchgeführte, erfolgreiche Propaganda. Frau Prof. Dr. M. Goldstein berichtete über die religiösen Verhältnisse in der Tschechoslowakei und Oesterreich auf Grund der Beobachtungen anläßlich einer im Aufträge des Weltverbandes unternommenen Reise. Lieber die Lage in Schweden wurde auf Grund eines vom Präsidenten der Stockholmer Jüdischen Gemeinde, Staatsrat Henrik Wolf, erstatteten Berichtes beraten. Selbst aus Bagdad war ein Bericht eingelaufen, in dem auf den zunehmenden Abfall der jüdischen Jugend vom angestammten Glauben hingewiesen wurde. Es wurden Beschlüsse über die Förderung der Jugendbewegung und über die künftige Organisation der Arbeit für soziale Entwicklung und internationalen Frieden gefaßt. In einer Resolution wurde die Befriedigung über den fortschreitenden Ausbau der Zentralbibliothek liturgischer Literatur zum Ausdruck gebracht. Am 7. August abends sprachen Dr. Claude G. Montefiore, Frau Prof. Dr. Goldstein und Rabbi Dr. Gerson Levy-Chicago in einer massenhaft besuchten Volksversammlung, die unter dem Vorsitz des Präsidenten der Vereinigung für das liberale Judentum in Holland, L. Levisson, in Amsterdam stattfand, Uber Probleme des liberalen Judentums. 300-Jahrfeier des Geburtstages Spinozas Amsterdam. Anläßlich der bevorstehenden 30O-jahrfeier des Geburtstages Baruch Spinozas wird in der Zeit vom 5. bis 9. September im Haag ein internationaler Philosophen-Kongreß stattfinden. Auf dem Kongreß werden u. a. die Prof'.-soren Dr. Leo Polak (Groningen), Dr. Carl Gebhardt (Frankfurt), Sir Frederic Pollack (London), A. S. Ochs (Cincinnati), Adolph Rava (Padua) Vorlesungen halten. Czernowitz. Die Stadtverwaltung von Czernowitz hat beschlossen, eine der größten Straßen des jüdischen Viertels anläßlich der 300-Jahrfeier des Geburtstages Spinozas in Baruch-Spinoza-Straße umzubenennen. Katholische Palästina-Konferenz Danzig. Das in Danzig erscheinende Organ der katholischen Zentrums-Partei veröffentlicht anläßlich des 10jährigen Bestehens des Palästina-Mandats einen Artikel, in dem gegen England und die zionistische Politik in Palästina, die auf eine — Entweihung des Landes der Bibel abziele, scharf Stellung genommen wird. In diesem Zusammenhang wird mitgeteilt, daß der katholische Missionsverband für das Heilige Land am 2. September eine Konferenz abhalten wird, die sich mit der Stellung der Katholiken gegenüber der gegenwärtigen englischen Politik in Palästina befassen soll. Die größte 1% AI | TagSi wDer Moment« (Warschau, Nalewki 38) ist bei allen Zeitungsständen zu haben. Besonders relchhaltigerinhait in den Freitagnummern. Ebenso die interessante u. reich illustrierte Wochenschrift »Der Hausfreund« «ssw, schädlicher Studien Über den Antisemitismus geleisteten Arbeit. Andererseits stellt die Kommission fest, daß trotz den Gewalttätigkeiten in den Beziehungen von Studenten untereinander verurteilenden Beschlüssen von Nyon weiterhin Ausschreitun- Sen gegen jüdische Studenten in verschiedenen Lünern vorkamen. Sie hofft, daß die studentischen Verbände, die diese Beschlüsse angenommen haben, die in ihnen enthaltenen Grundsätze ausnahmslos verwirklichen werden. Angesichts der Dringlichkeit dieses Problems empfiehlt die Kommission dem Weltstudentenwerk, seinen Sekretär in jene Iteiversitätszentren zu entsenden, an denen antisemitische Bewegungen Vorkommen. Obwohl die Kommission die Ausschreitungen scharf verurteilt, glaubt sie nicht, daß gegenwärtig Proteste des Weltstudentenwerkes zur Lösung der Konflikte beitragen könnten. Solche Proteste würden Im Gegenteil die Situation noch erschweren.» „Jüdischer Weltkongreß“ und Zionistenkongreß Die Frau und die Weltkonferenz Die gegenwärtige, seit Galuthgedenken nie so traurige ökonomische und politische Lage der Gesamtjudenheit gab dem American Jewish Congreß und dessen Führer Dr. Stephan Wise den Gedanken eines jüdischen Weltkongresses ein. Die Jüdische Weltkonferenz in Genf soll diesbezügliche Beschlüsse fassen. Wie unglaublich es auch klingen mag: es gibt Gruppen und Organisationen, welche «die Gesamtjudenheit repräsentieren», die sich gegen den Kongreß ausgesprochen haben. Die Frauen-, also diejenige Gruppe, die ganz bestimmt die Hälfte der Gesamtjudenheit repräsentiert, hat sich ausgeschwiegen. Warum? . . . Scheu vor einer Stellungnahme, welche Mitverantwortlichkeit bedeuten Wenn Ihnen unser Blatt gefällt, empfehlen Sie es, bitte, bei jeder Gelegenheit allen Ihren Freunden und Bekannten. Geben Sie uns Adressen an, an die wir Probenummem unserer Zeitung gratis u. unverbindlich absenden können kann? Vielleicht! Jedoch gibt es noch Mutige unter uns! . . . Der geplante, in Genf zur Diskussion gestellte Jüdische Weltkongreß dünkt mich — genau so wie der Zionistenkongreß — eine absolute Notwendigkeit der gegenwärtigen Judenheit. Als wichtigstes Correlat des letzteren (Zionistenkongreß) sollte er eine ständige Einrichtung werden — was wir Frauen mit Begeisterung begrüßen würden. Die Begründung seiner Unentbehrlichkeit erübrigt sich. Der Jüdische Weltkongreß als bleibende Institution vertritt das jüdische Volk ebenso wie «die jüdische Religionsgemeinschaft» — in den Ländern ihres Aufenthaltes. Wir sagen nicht mehr «Galuth» — da uns mit der Balfour-Deklaration und der Resolution von San Remo völkerrechtlich die nationale Heimstätte bereits zuerkannt worden ist. Freilich: bis zur faktischen Besitznahme sind noch Hunderttausende von «Schritten» — aber das von der Völkerüga anerkannte Recht bleibt das graniterne Fundament, auf dem — schnell oder langsam — gebaut wird, mit Willen und Kraft des Bauenden und des Berechtigten. Wir sind endlich — nach 2 Jahrtausenden — nicht mehr heimatlos! Jedoch leben wir — zuin allergrößten Teile — noch nicht in der Heimat, d. h. in dem historischen Väterland, sondern in — längst durch alle BUrgertugenden gewonnenen — Adoptivheimatländern, ohne jemals auf die Urheimat verzichtet zu haben. Die Beispiele für so ein «Doppelleben» nationaler Gruppen (Minderheiten) häufen sich — einerseits: seit der Vervollkommnung und Ausdehnung der Verkehrsmittel, anderseits: mit der seit einem Jahrhundert unheimlich zunehmenden Uebervölkerung Europas. Ais «klassische» Beispiele nennen wir: 1. die Deutschen — mit ihren zehn Millionen Konnationaler in Amerika — und so und soviel Millionen verstreut in der ganzen Welt —, 2. die P o 1 e n — mit ihren 4,000.000 Brüdern und Schwestern in Amerika und mindestens zwei Millionen verstreut, schier buchstäblich in aller Herren Ländern beider Hemisphären, ebenso die Engländer, Franzosen, Italiener usw. Kein Staat — mag er territorial und wirtschaftlich noch so groß und reich sein — beherbergt alle seine Bürger. Der Ursachen gibt es viele. Es sind individuelle Gründe und Massenprobleme, die einen größeren oder kleineren Abfluß jedes Volkes aus seiner «nationalen Heimstätte» in irgendeine «Fremde» zur Folge haben. Diese Gruppen — auch wenn millionenstark — sind dann «Bürger zweier Welten». Ihre unbedingte Loyalität und — sofern natürlich das Adoptivvaterland es verdient — auch ihre Liebe, gehören ln gleicher Weise dem letzteren wie der historischen Heimat. Glänzende Beispiele hiefür zeitigte der Weltkrieg. Den «amerikanischen Polen» — mit Paderewski an der Spitze — verdankt der Staat Polen zu einem ganz gewaltigen Teile seine Auferstehung. Die Anstrengungen der Deutschen Amerikas sind zur Genüge bekannt. Die Engländer in Amerika haben während des Krieges wahrlich die Hände nicht in den Schoß getan. Sie alle hatten eben und haben zwei Heimatländer: das historische Vaterlahd, wo ihr Stamm auftrat, wuchs und gedieh, sowie die Adoptivheimat. Wir Juden waren bis zum Weltkrieg und bis ins Jahr 1917 unseres Rechtes auf das Ursprungsland beraubt. Unsere Wohnstätten und Erwerbi'geU:eti nauen wir in all den 2000 Jahren unserer Wanderung mit schwerer, davon 18 Jahrhunderte lang mit meist grauenhafter Steuer bezahlt. Sie alle sind nicht bloß mit Geld, mit höllisch vielem Geld, sondern auch noch mit einem Meer von Blut und Tränen bezahlt worden. Niemals wird das jüdische Volk für sich und seine Nachkommen auf diese «jüdischen Inseln» in der Welt verzichten. Genau so, wie dies kein Volk täte. Solange die Judenheit noch nicht ihre vollkommen auf- und ausgebaute nationale Heimstätte hat, soll der Jüdische Weltkongreß — nach dem Vorbild aller Staaten und Regierungen mit bezug auf ihr Vorgehen im Interesse ihrer Bürger im Auslande — die Betreuung, den Schutz gegen moralisches oder materielles Unrecht seiner Gruppen «im Auslande», d. h. in der ganzen Welt, als seine Hauptaufgabe erfassen. Seine nächste Pflicht ist: am Aufbauwerke Erez Israels mit aller Kraft mitzuwirken. Der Zionistenkongreß, als Repräsentant der politisch gerichteten, nur an einer Stätte (Palästina) praktisch wirkenden Judenheit, hat als e r s t e s Gebiet seiner Pflicht und Arbeit: Erez Israel, und erst in Konsequenz dieser Aufgabe, nach Maßgabe der überschüssig vorhandenen Kräfte und Mittel, erscheint die tätige Anteilnahme an dem Wohl und Wehe der Judenheit ln allen Ländern der Welt. Der Ruf nach solcher Doppel-Institution zur Rettung und zum Heile ihres Volkes steigt auf aus den Herzen der jüdischen Frauen, aus den Seelen der jüdischen Mütter — von denen jede ein mater dolorosa ist. Zionistenkongreß und Jüdischer Weltkongreß, helfet uns, unsere Kinder — die Hoffnung und Zukunft Israels — einer besseren, glücklicheren Zukunft zuzuführen! Rosa Melzer. Sokolow gibt einen Empfang für den Bischof von Jerusalem London. Im Rahmen der sogenannten Goodwill- Bewegung, die eine Verständigung zwischen Christen und Juden anstrebt, gab der Präsident der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, einen Empfang für Mr. Graham Brown, der kürzlich zum Bischof von Jerusalem ernannt worden ist. Führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und jüdischer Organisationen nahmen an dem Empfang teil. Georg Bernhard gegen Goebbels Berlin. Der ehemalige Chefredakteur der «Vossischen Zeitung» Georg Bernhard, der in der nationalsozialistischen Zeitung «Der Angriff» mit einem Bom'benattentat behobt worden war, hat an die Redaktion des «Berliner «8-Uhr-Abendblatt» folgendes Schreiben gerichtet: Sehr verehrte Kollegen! Nach einem mit Arbeit reich gesegneten Jahr bin ich Ende der letzten Woche zum Kurgebrauch von Berlin abgefahren. Ich glaubte an den Burgfrieden. Gleich nach den erssten Bädern erhalte ich die Nachricht von der Mordhetze, die der «Angriff» gegen mich begonnen hat. Die Schimpfereien des Blattes sind mir gleichgültig. Aber gegen eines will ich mich wehren: Der «Angriff» deutet an, ich möchte mit dem Terror Schluß gemacht haben, weil ich mich fürchte, auch mir könnte einmal eine kleine Bombe auf den Tisch fliegen. Dem «Angriff» liegen derartige Gedanken begreiflicherweise nahe. Dr Goebbels, sein Chefredakteur, hat sogar Grzesinski um Schutz gegen Attentäter an gefleht. Ich habe weder Furcht noch Angst noch etwas, das man mit ähnlichen Namen benennen könnte. Mich schrecken weder kleine noch große Bomben. Wen sie treffen sollen, der entgeht ihnen doch nicht. Wem aber der Tod nicht vorschnell beschieden ist, an dem bewahrheitet sich der Segen flir Benjamin (5. Mose 33, 12): «Der Geliebte des Herrn wird sicher wohnen.» Daran wird sich auch künftig nichts ändern. ■■Jüdische MädchenII ■ ■ vor der Berufswahl ■ ■ Zweijährige Fachschule für Kleiderinachen und Wäschewarenerzeugung mit öffentlichkeitsrecht Staatsgliltlge Zeugnisse Einjährige Koch- und Hauslialtungsschiile mit erweitertem Lehrplan für allgemeine Bildung Dr. Krüger-Hc in, 2., Malzgasse 7, Tel. A-48-0-77 Internat. Samsiag Schulfrei Berufsberatung täglich von II bis 12 Uhr