Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 241 (18.8.1932)
- Date
- 1932-08-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Hr. 241 — 18. August 1932 DIE STIMME Seite S Erfolg der jüdischen Konfektionsarbeiter New York. Der Streik der jüdischen Konfektionsairbeiter in New York, an dem sich 20 000 Arbeiter beteiligt hatten, wurde nach Annahme der Forderungen der Arbeitnehmer durch den größten Teil der Betriebsinhaber beendet. 55 Fabrikanten haben die neuen Kontrakte unterzeichnet, die den von der Gewerkschaft aufgestellten Bedingungen, 44-Stunden-Woche, keine Lohnkürzungen, kein sweat shop- System, Rechnung tragen. Weitere 305 Fabrikanten haben die Bedingungen ebenfalls angenommen. Tischa Be’aw in Palästina Jerusalem. An der üblichen Wallfahrt zur Klagemauer an dem Tage der Zerstörung des Tempels beteiligten sich in diesem Jahre etwa 15.000 Juden. Der Aufmarsch der Massen vor der Klagemauer vollzog sich in vollkommenster Ordnung. Es ist weder an der Mauer selbst noch in anderen Teilen Jerusalems zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen. Die Arbeit des Keren Kaie* meth Briefpapier mit Ansichten aus Palästina. Da der Vorrat der letzten drei Bestellungen vollständig ausverkauft wurde, hat das Keren Kajemeth-Bilro eine neue Sendung aus Jerusalem bestellt, die bereits eingelangt ist. Preis einer Serie (zwölf verschiedene Ansichten) S 1.80. Liederkarten. Zwölf palästinensische Lieder, enthaltend den Originaltext samt Noten, sind zum Preise von 15 Groschen pro Karte erhältlich. Geschenke mit Palästina-Ansichten. Im Keren Kajemeth sind erhältlich Federstiele, Crayons und Zigarettenspitzen in sehr schöner Ausführung mit Palästina-Ansichten zum Preise von S 1.— per Stück. Polnische Stellungspflichtige! Das Konsulat der Republik Polen in Wien gibt folgende* bekannt: Gemäß Art. 24 des Gesetzes über die allgemeine Wehrpflicht und §§ 77 bis 81 der Durchführungsverordnung zum Gesetze über die allgemeine Wehrpflicht, werden alle in der Republik Oesterreich wohnhaften, im Jahre 1914 geborenen polnischen Staatsangehörigen männlichen Geschlechtes aufgefordert, sich in der Zeit vom 1. bis 30. September 1932 im Konsulate, HL, Rennweg 1, 1. Stock, persönlich oder schriftlich zwecks Eintragung in die Register der militärpflichtigen Personen, zu melden. Personaldokumente und Meldenachweisc sind mitzubringen, bezw. einzusenden. Die Nichterfüllung dieser Meldepflicht wird gemäß Art. 97 des bezogenen Gesetzes geahndet. erfreuliches und Unerfreuliches aus der Tschechoslowakei Zunahme der Ehen Aus den letzten Veröffentlichungen des Statistischen Staatsamtes über die demographische Entwicklung in den Jahren 1925/27 geht hervor, daß die Nuptialität bei den Juden in der ganzen Tschechoslowakei einen kleinen A u fstieg zu verzeichnen hat. 1925 wurden von Personen israelitischer Konfession 2921 Ehen geschlossen, 1926 1951 Ehen, 1927 bereits 3024. Auch in den historischen Ländern (d. h. Böhmen, Mähren und der tschechische Teil von Schlesien) ist die Zahl jüdischer Ehen annähernd stabil. Auffällig ist der große Prozentsatz von Mischehen, die für die ganze Tschechoslowakei 1925 von 2921 Ehen 558, d. h. 19 Prozent, ausmachen. 1926 und 1927 wurden 549 Mischehen eingegangen. In den historischen Ländern bilden die Mischehen in diesen drei Jahren annähernd 33 Prozent aller jüdischen Ehen. Zwei Drittel der jüdischen Gemeinden Mährens ohne Rabbiner Wie einer soeben veröffentlichten Statistik zu entnehmen ist, haben derzeit zwei Drittel der jüdischen Gemeinden Mährens, eines Landes, das bekanntlich viele alte jüdische Gemeinden besitzt, keinen eigenen Rabbiner. Von 50 Gemeinden sind nur noch 16 in der Lage, einen Rabbiner zu besolden. In sehr viefen Kleingemeinden ist es nicht einmal möglich, untergeordnete religiöse Funktionäre zu bestellen. Im Hinblick darauf, daß nach tschechoslowakischem Gesetz Gemeinden ohne eigenen Rabbiner aufgelöst werden müssen und ihr Vermögen sequestriert wird, hat der Landesverband der jüdischen Gemeinden Mährens beschlossen, die Gemeinden ohne eigenen Rabbiner den benachbarten größeren Gemeinden anzuschHeßen und sie als Exposituren dieser Gemeinden regelmäßig von den Rabbinern besuchen zu. lassen. Auf diese Weise soll dem Untergang der Kleingemeinden. und dem Verlust - ihres Vermögens vorgebeugt werden. Auswanderung Im Jahre 1931 sind von insgesamt 9567 Auswanderern 153 israelitischer Konfession (95 Angehörige der jüdischen Nationalität) aus der Tschechoslowakei ausgewandert. Der etwa 6 pro Mille betragende jüdische Anteil an der Auswanderung liegt tief unter dem Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung. In derselben Periode des Vorjahres betrug die jüdische Auswanderung annähernd 580 Personen. Sie ist aiso außerordentlich stärkt zurückgegangen, was teils auf die Verschärfung der Einwanderungsbedingungen, teils auf die Schwierigkeiten bei der Liquidation infolge des starken Preissturzes insbesondere landwirtschaftlicher Produkte zurückzuführen sein dürfte. Von den 153 Auswanderern gingen 135 nach Uebersee, und zwar 89 nach U. S. A., 22 nach Argentinien, 7 nach Kanada, 5 nach Uruguay, 8 nach anderen amerikanischen Staaten. Die Statistik muß als unvollständig angesehen werden, da sie keine Angaben über die Auswanderung nach Palästina enthält, obwohl es feststeht, daß im letzten Jahre etwa 100 Personen aus der C. S. R. nach Palästina auswanderten. Während in früheren Jahren Karpathorußland die meisten jüdischen Auswanderer stellte, sind im letzten Jahre die meisten Juden, nämlich 80, aus der Slowakei ausgewandert. Es folgen Karpathorußland mit 64, Böhmen mit 8 und Mähren-Schlesien mit einem jüdischen Auswanderer. Vor einem Katastrophen-Winter in Karpathorußland Wie der J. T. A. mitgeteilt wird, sehen die leitenden Stellen der jüdischen Sozialarbeit in Karpathorußland dem kommenden Herbt und Winter mit größter Besorgnis entgegen. Der großen Not unter der jüdischen Bevölkerung dieses Gebietes konnte durch die im Frühjahr insbesondere seitens der jüdischen Frauen der Tschechoslowakei durchgeführten Hilfsaktionen nur teilweise und vorübergehend gesteuert werden. In den letztene Monaten hat eine Invasion karpathorussischer. und ostslowaki&cher Juden m. die historischen Länder eingesetzt. Schärenjüdisefier Bettler leben jetzt in den größeren Städten, insbesondere in Prag, Bratislava und Brünn und geben so ein Bild von dem furchtbaren Elend, das in Karpathorußland im Winter noch größere Dimensionen annehmen wird. Wißt Ihr schon? Die Jüdische Weltkonferenz weckt die Erinnerung an ein jüdisches Parlament, das im Mittelalter zusammentrat. Wißt Ihr wann das war? Im Jahre 1241 konstatierte König Heinrich III von England, daß er in bedeutenden Geldkalamitäten stecke und da hatte er eine Idee: Er berief ein «Jüdisches Parlament» nach Woroester ein, «um mit dem König Angelegenheiten zu behandeln, die sowohl das Wohl des Königs als der Juden betreffen». Da der König aber offenbar fürchtete, daß die Juden Lunte riechen und zu Hause bleiben könnten, trug er den Sheriffs auf, dafür zu sorgen, daß ja alle Juden kämen, und um seinem Befehl mehr Nachdruck zu verleihen, drohte der gute König den Sheriffs für den Fall, daß die Juden nicht pünktlich in Worcester gestellt sein sollten, so schwere Strafen an, «daß sie Zeit ihres Lebens daran denken würden». So war es kein Wunder, daß das «Jüdische Parlament» pünktlich in Worcester zusammentrat. Seine Majestät König Heinrich 111 eröffnete die Tagung höchstpersönlich und erklärte seinen lieben Juden, daß sie 20.000 Mark, das waren zirka 13.000 Pfund an die königliche Kasse bezahlen müßten. Damit endete das erste «Jüdische Parlament» in der Diaspora. Die antisemitische Welle in Kanada wächst. Das dortige Judentum wird durch einen Prozeß in Atem gehalten, der gegen Joseph Menard, den Herausgeber der antisemitischen Zeitungen «Le Goglu», «Le Miroir» und «Le Chahl'mfrlfUffl' 4. bis 10. September 1932 (Rotunde bis 11. September) Sonderveranstaltungen: «600 JAHRE WIENER LEDERWAREN» Möbelmesse / Reklamemesse / «Neuzeitliche Gasgeräte» «Elektrizität im Haushalt» / Wiener Strickmode Pelznrode-Snlon / Pelztiere und Fellverarbeitung INTERNAT. RADIO- UND SCHWACHSTROM-MESSE Wintersport-Ausstellung mit Sonderschau «Pflanzen und Tiere im Winter» / Bau- und Straßenbaumesse «Das wachsende Haus» / Eisen- und Patentmöbelmesse / «Technische Neuheiten und Erfindungen* AUSSTELLUNG DER U. d. S. S. R. Bulgarische Sonderausstellung Ausstellung für Nahrungs- und Ge miß mittel Land- und forstwirtschaftliche Musterschau VII. österr. (iarteiucliau / Aussiedlung: „Verwendet iisterr. Hartholz1’ / (iarfenbauausstellung mit Bltimenschaii / (leiniiscbiui- Au«8tetitiiig / Ausstellung der laudwirtse-liaftlielien Versueli.s- und Lehranstalten / Landwirtschaftliche Bedarfsartikel Kleintierschau Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPREISERMÄSSIGUNGEN: Messeausweis© 4 S bei der Wiener Messe- VktiengeselBeliaft, Wien, VII., Messeplatz l. — KimtrittskarUra (zum einmaligen Besueh der Rotunde oder des Messepa-lasles und der Neuen Burg1 h S S.fiO bei den Kassenschaltern der Messeliüu-er. meau», angestrengt wurde. Menard batte in seinen Zeitungen unter Berufung auf den Talmud behauptet, alle Juden seien Mörder. Auf Befragen des Richters mußte der Angeklagte zugeben, daß er den Talmud nie gelesen habe. Der Richter hielt dem Angeklagten vor, daß seine Blätter ein antisoziales Christentum predigen, antinational wirken und die öffentliche Ruhe und Ordnung stören. Das Urteil wurde bisher noch nicht gefällt. Wir Juden sind an allem schuld. Wißt Ihr schon, daß wir auch am Zollkrieg zwischen England und Irland schuld sind? Da führt in England St. John Ervine eine Zeitungskampagne gegen den «Juden» De Valera, den irischen Führer. «Jedermann weiß, daß De Valera ein portugiesischer Jude ist,» schreibt Ervine. Da weiß er auch mehr als andere wissen. De Valera wurde in New York geboren. Sein Vater war ein spanischer Katholik und seine Mutter eine irische Katholikin. Aber das geniert Ervine nioht. De Valera macht England Schwierigkeiten. Natürlich, er ist ein Jude! Wißt Ihr schon, daß es in Bombay eine zionistische Zeitung gibt? Sie heißt «The Jewish Advocate» und schrieb kürzlich: Wir im Fernen Osten haben keinen Pogrom erlebt. Wir wissen nicht, wie das weh tut, wenn man keinen Posten bekommt, weil man Jude ist. Würde man uns hier so behandeln, wie man unseren Brüdern in Osteuropa mitspielt, unser Zionismus sähe anders aus, wir würden ihn nicht nur moralisch, sondern auch materiell fördern, wir würden erkennen, daß nur der Zionismus das Judentum retten kann.» Im Fernen Osten gibt es eine andere Gemeinde, die aber schwer unter dem Antisemitismus zu leiden hat, das ist die jüdische Gemeinde von Charbin in der Mandschurei. Die dortigen Juden stammen aus Rußland. Russische Weißgardisten und mongolische Abenteurer plündern die Juden aus. Mehrere Juden wurden geraubt und nur gegen Lösegeld freigelassen. Das Schicksal einiger Verschleppter ist noch unbekannt. Kürzlich wurde ein Jude namens Alter, der früher in Rußland Sowjetkommissär war, später aus Rußland geflüchtet war und sich in Charbin zionistisch betätigte, von Weißgardisten erschossen. Die Verhältnisse in der Mandschurei sind verworren, von Sowjetrußland wollen die Charbiner Juden nichts wissen und es ist niemand da, der sie beschützt. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, Wien, II., Aspernbrückengasse 2 Jüdische Frontsoldaten, welche ihren Frontdienst, bezw. ihre Auszeichnungen oder Verwundungen dokumentarisch nachvveisen können, wollen sofort ihren Beitritt zum Bunde anmelden. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon R 41-4-20. Ballin und — Schager In dieser Woche wäre Albert Ballin, der jüdische Gründer der Hamburg-Amerika-Linie, 75 Jahre alt geworden, wenn er nicht an dem Tage der Thronentsagung Kaiser Wilhelms II. — aus Schmerz über dieses Ereignis — sich selbst entleibt hätte. Der antisemitische Führer der österreichischen Monarchisten, Dr. Schager, hat aus Schmerz über den Rücktritt Kaiser Karls bloß den «g e istigen Tod» erlitten (wie seine Frau jetzt mitteilt) und dieses partielle Sterben hat sich merkwürdigerweise darin kundgetan, daß Schager Fälschungen und Betrügereien beging, die ihm Geld ein trugen. So grundverschieden äußeirt sich ein und derselbe Schmerz bei Angehörigen verschiedener Rassen! Jedenfalls ein charakteristischer Beleg für den «Materialismus» der jüdischen und den «Idealismus* der arischen Rasse ... David A. Brown kommt nach Wien Der hervorragende jüdisch-amerikanische Publizist, Organisator und Philanthrop David A. Brown aus New York, hat sich, wie er uns mitteilt, auf eine Europareise begeben. Er wird sich auch in Wien aufhalten. Seine Reise unternimmt er mit der direkten Sanktion des amerikanischen Staatsdepartements und im Einverständnis mit Präsident Hoover, mit dem er vor seiner Abreise das Programm besprochen hat. Brown hat vor allem den Auftrag, die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern Europas zu studieren, und hierüber in Amerika Bericht zu erstatten. Er ist der Herausgeber der verbreiteten jüdischen Wochenschrift «American Hebrew and Jewish Tribüne», und der erfolgreichste Organisator aller, nicht nur der jüdischen, Aktionen und «Drives» in Amerika; so ist er zum Beispiel Prä-*- sidenf der allgemeinen amerikanischen Hilfsaktion zugunsten des hungernden China und Leiter der Aktiori Jfür die Opfer der letzten gewaltigen Ueberschwemmungen in China. Die Drives des «Joint» und der Vereinigten Palästina-Sammlung standen ebenfalls unter seiner Leitung. Vereinigungs-Weltkonferenz der Poale Zion und der Hitachduth Prag. Wie der J. T. A. vom Verbandsbureau der Poale Zion mitgeteilt wird, wird die zum Zweck der Vereinigung der sozialistisch-zionistischen Weltverbände Poale Zion und Hitachduth einberufene Konferenz endgültig am 20. August abgehalten werden. Am 18. August finden gesonderte Weltkonferenzen beider Verbände statt. Die amerikanischen Poale Zion-Zeire Zion haben ihre erste Landeskonferenz nach der Vereinigung für die Zeit vom 14. bis 18. September nach Baltimore einberufen. Wir veranstalten im Herbst 1932 2 Palästina reisen Wir veranstalten bei genügender Beteiligung folgende 2 Palästinareisen: 1. Palästina-Reise: Abreise von Wien am 25. Oktober, von Triest mit der «Adria», Führung durch Palästina bis 16. November, Rückfahrt mit der «Adria». Ankunft ln Wien am 22. November 1932. Dauer vier Wochen. Preis: Bahn und Schiff III. Klasse S 450.— und 64 Dollar, für Oesterreicher S 900.—; Bahn und Schiff II. Klasse S 725.— und 103 Dollar, für Oesterreicher S 1450.—. 2. Palästina—Aegypten-Reise: Abreise von Wien am 25. Oktober, Programm bis 16. November wie unter 1. angegeben, dann mit Bahn nach Kairo, Abfahrt am 19. November von Alexandrien mit der «Ausonia», Ankunft in Wien am 23. November 1932. Dauer vier Wochen. Preis: Bahn und Schiff III. Klasse S 525.— und 74 Dollar, für Oesterreicher S 1050.—; Bahn und Schiff II. Klasse S 825.— und 117 Dollar, für Oesterreichef S 1650.—. Die Preise beinhalten Fahrkarten, Unterkunft in guten Hotels, gute Verpflegung, Eintrittsgelder usw. von Wien bis Wien, exklusive Visagebühren und Versicherungsprämien. Visa werden eventuell besorgt. Sofortige Anmeldung bei der Verwaltung unseres Blattes erforderlich!!! P. S. Die «Pag» wird den über Wien fahrenden ausländischen Reiseteilnehmern kostenlos das jüdische Wien zeigen , bei genügender Beteiligung wird auch der Preis der Karten bis Wien und der Rückfahrkarten ab Wien ermäßigt werden können.