Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 241 (18.8.1932)
- Date
- 1932-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 241 — 18. August 1932 Tagung des Administrative Committee dev Jewish Agency Die Rede Weizmanns London. In der am Dienstag, den 9. August, nachmittags, abgehaltenen Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency ergriff der ehemalige Präsident der Zionistischen Weltorganisation und Vorsitzende der English Zionist Federation Dr.'Chaim Weizmann das Wort, um in einem ausführlichen Expose die gegenwärtige Lage in Palästina darzustellen. Weizmann wurde bei seinem Erscheinen auf der Tribüne mit lebhaften Ovationen empfangen. In seinen Ausführungen behandelte er vor allem drei Punkte: Die Chaluziuth, das Problem Transjocdanien und die Frage der Jewish Agency Er wies mit besonderem Nachdruck auf die nationale Bedeutung der Chaluz-Bewegung hin, die er als das Rückgrat des Zionismus bezeichnete. Jeder nach Palästina einwandernde Chaluz schaffe neue Möglichkeiten weiterer Immigration. Dr. Weizmann zog einen Vergleich zwischen der Kolonisation m Rhodesien und der in Palästina, wobei er nachwies, daß die in den letzten 50 Jahren nach Rhodesien eingewar.derten 50.000 Europäer dadurch, daß sie nicht selbst den Boden bearbeiteten, die Tore für weitere Einwanderung geschlossen haben. Jeder neue Einwanderer wurde von ihnen als Konkurrent mit scheelen Augen angesehen. Neben der Chaluz-EinWanderung sei aber auch die Investitionsfähigkeit in Palästina von hoher Bedeutung. Weizmann wandte sich sodann einer Besprechung der der jüdischen Jugend infolge der kommunistischen Agitation drohenden Gefahren zu und zog hierbei einen Vergleich zwischen der Aufbauarbeit in Palästina und der sozialen Neuordnung in Sowjet-Rußland. Er verglich das Palästina-Werk mit dem Bau des Tempels, während er von der Entwicklung in Sowjet-Rußland als vom' Bau eines Babylonischen Tuirms sprach. Der von Dr. Ruppin dem Aktionskomitee vorgelegte Plan einer Ansiedlung von 5000 Familien, wobei für die Kolonisierung jeder Familie 250 Pfund aufgewendet werden sollen, wurde von Dr. Weizmann gutgeheißen. Der Redner befaßte sich hierauf in längeren Ausführungen mit der transiordanischen Frage und betonte, daß es in der augenblicklichen politischen Situation notwendig sei, die Frage der Erschließung Transjordanier.s für die jüdische Einwanderung wieder aufzurollen. Schließlich bezeichnete er es als Aufgabe der Zionistischen Organisation, die Nicht-Zionisten der Palästina-Arbeit näher zu bringen. Die Inaktivität der Nicht- Zionisten sei seiner Meinung nach darauf zurückzuführen, daß sie nicht genügend von dem Geist der Kooperation, der von der zionistischen Hälfte der Jewish Agency hätte ausgehen müssen, erfaßt worden seien. Oscar Wassermann über die Lage der deutschen Juden In der Eröffnungssitzung des Administrative Committee erklärte Direktor Oscar Wassermann, er habe das Amt eines Ehrenvorsitzenden des Administrative Committee der Jewish Agency angenommen. Er brachte sein Bedauern darüber zum Ausdruck, daß es ihm die Verhältnisse nicht erlaubt haben, während des abgelaufenen Jahres seine Mitarbeit der Jewish Agency in dem Maße zur Verfügung zu stellen, wie er es gewollt habe. Wassermann bat auch um Entschuldigung, daß es ihm nicht möglich gewesen sei, einen detaillierten Bericht vorzubereiten, und daß er den Verhandlungen nur einen Tag lang werde beiwohnen können. Die Jewish Agency, führte Wassermann weiter aus, sei heute notwendiger als jemals. Die Juden machen eine schwere Zeit durch. Die Schwierigkeit der Lage der deutschen Juden dürfe nicht unterschätzt werden. Er glaube zwar nicht, daß die deutsche Judenheit an Leib und Leben ernsthaft bedroht sei, aber ihre moralische Kraft, ihre Fähigkeit, der Gesamtjudenheit beizustehen, habe gelitten. Die Judenheit hätte vereinigt sein müssen. Es sei zu bedauern, daß eine solche Einigkeit nicht bestehe; sogar hinsichtlich des Aufbaues des Jüdischen Nationalheims gebe es zu viele Meinungsverschiedenheiten. Die Jewish Agency sei einer zum Teil gerechtfertigten, zum Teil ungerechtfertigten Kritik ausgesetzt gewesen. Tatsache sei, daß sie entweder zu spät oder zu früh gebildet worden sei. Hätte man sie einige Jahre früher geschahen, als die allgemeinen Verhältnisse günstiger waren und die Juden sich in einer erfreulicheren Lage befanden, so hätte man Fortschritte erzielt. Man habe Unglück gehabt. Der Tod habe unglücklicherweise eine Reihe der bedeutendsten Männer, die einen größeren Erfolg der Agency hätten herbeiführen können, der Arbeit für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims entrissen. Aber nur bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen die Leistungen der Jewish Agency klein. I In Wirklichkeit habe sie doch einen großen Erfolg gehabt. Geringfügig sei bloß der in Pfunden und Schillingen sich ausdrückende Erfolg, und das sei auf äußere Umstände zurückzuführen. Die Palästina-Bewegung aber habe einen großen Fortschritt gemacht. Der Fortschritt des Palästina-Gedankens sei das Resultat der Erweiterung der Jewish Agency. Zum Schlüsse richtete Direktor Wassermann einen Appell zur Einigkeit an alle am Au'bau des Jüdischen Nationalheims Beteiligten. Möglicherweise seien Aenderungen der Verfassung der Jewish Agency, einer für die Koordination der Gesamtarbeit für Palästina unentbehrlichen Körperschaft, notwendig. Man müsse in Frieden und Eintracht an der Erreichung des großen Zieles arbeiten. Rede Nahum Sokolows Nachdem Leo Motzkin den Vorsitz übernommen hatte, ergriff der Präsident der Jewish Agency Nahum Sokolow das Wort. Eir erklärte, dieses Jahr sei ein Meilenstein in der Jüdischen Geschichte. Vor 50 Jahren habe eine kleine Gruppe »egeisterter junger Leute mit dem Werk des Wiederaufbaues Palästinas begonnen. Dieses Jahr sei also ein Jubiläumsjahr. Heute beseele der Gedanke jener kleinen Gruppe die Tagung der Jewish Agency. Jene hatten einen Appell an das ganze Jüdische Volk gerichtet, keinen Partei-Appell, sondern einen Appell an alle Juden. Ihr Motto: «Bilu» sei historisch geworden. Viele Idealisten seien ihnen auf ihrem Wege gefolgt und hätten mit der Arbeit in Palästina begonnen. Es sei Pflicht der Jewish Agency, das Andenken derjenigen zu ehren, die den Grundstein zu dem Gebäude gelegt haben, dem die Agency nunmehr ihre Kräfte widmet. M. M. Ussischkin, der in ihrem Kreise weile, sei nicht ein Veteran, sondern ein Pionier. Sokolow gab sodann einen Ueberbliok über die Ereignisse des letzten Jahres und besprach die Aenderungen inner¬ und außerhalb Palästinas. Das wichtigste Ereignis außerhalb Palästinas sei die Amtseinsetzung des neuen Koloniennrinister Sir Philip Cunliffe-Lister, von dem man hoffe, er werde eine neue Aera der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina einleiten. Der Fortschritt des Palästina-Gedankens in der Diaspora sei sehr beträchtlich. Er selbst habe Gelegenheit gehabt, in der ersten Hälfte des abgelaufenen Jahres diesen Fortschritt jenseits des Ozeans zu beobachten. Auf seiner Reise durch die Vereinigten Staaten sei er mit allen Schichten der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung in Fühlung gekommen. Dieselbe Erfahrung habe Dr. Weizmann auf seiner Reise in Südafrika gemacht. Die Millionen in Amerika und die Tausende der kleinen, aber wertvollen Gruppe südafrikanischer Juden seien einig in ihrer Hingabe für Palästina. Er sei schon oft in den Vereinigten Staaten gewesen, niemals zuvor aber habe er ein so starkes Interesse für die Palästina- Bewegung feststellen können. Zu dem bereits bestehenden ideellen Interesse sei wachsendes Verständnis für die Realitäten des Aufbaues Palästinas hinzugetreten. Palästina sei nicht mehr bloß ein Idyll, ein Gebet, ein Gedicht, wie es dies durch Jahrtausende gewesen sei. Die Palästina-Bewegung sei, um sich der vulgären Ausdrucksweise des täglichen Lebens zu bedienen, eine Business-Bewegung geworden. Palästina ist ein praktisches Ziel. Die Juden in Amerika erfassen die hohe Bedeutung Palästinas für sie selbst, für ihr individuelles Leben, für ihre Familien und die Erziehung ihrer Kinder, Was Palästina selbst betireffe, so könne auch der pessimistischeste Beobachter den dort erzielten erfreulichen Fortschritt nicht übersehen. In dem neuen High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der ebenso sehr Staatsmann wie Soldat sei, hoffe man einen Freund des Palästina-Aufbaues zu finden, da er ein Freund der Humanität sei. Man könne mit gutem Grund annehmen, daß er die Bedeutung der Arbeit in Palästina verstehen werde. Man müsse nur verlangen, daß an das Problem mit Einsicht und Vorstellungsfähigkeit herangetreten werde. Die Sache des Palästina-Aufbaues sei eine so gerechte, daß sie nicht erst die Gewinnung besonderer Sympathien erfordere. Zum Schlüsse erklärte Sokolow, die Jewish Agency sei dankbar für die Vergangenheit und hoffnungsvoll für die Zukunft. Sie werde ihre Tätigkeit für Palästina verdoppeln. Die Führer der Agency seien nicht hergekommen, um einen Appell an die Oeffentlichkeit zu richten. Das Zionistische Aktionskomitee habe tagelang eine Reihe von Fragen — hauptsächlich wirtschaftlicher Art, weil diese in der Palästina- Arbeit voranstehen — behandelt. Es seien Beschlüsse gefaßt worden, die vom Administrative Committee, das von demselben Gedanken, der im Palästina-Gedanken verkörperten Idee die Einheit Israels, beherrscht sei, geprüft werden sollen. Mit vereinten Kräften werde die Jewish Agency die Ziele verwirklichen, für die sie arbeite. Es genüge nicht, über die erzielten Fortschritte zu berichten Denn diese Fortschritte standen nicht im Verhältnis zu den Bedürfnissen des jüdischen Volkes. Es besteht die Möglichkeit, nach Palästina neue junge jüdische Elemente zu bringen, denen Palästina den einzigen Trost in ihrem gegenwärtigen schweren Leben biete. Diese jungen Leute verfolgen gespannt die Ergebnisse der Beratungen der Jewish Agency; sie warten auf die Mittel für ihre Niederlassung in Palästina. Auf der Jewish Agency laste eine große Verantwortung. Er sei sicher, daß alle Teilnehmer an der Beratung von dem Gefühl der Verantwortung für ihre heilige Aufgabe erfüllt seien. Sie haben ihn schon! Triumph! Sie haben ihn erwischt, er ist gefangen genommen und unschädlich gemacht. Erleichtert kann das deutsche Volk aufatmen: Ein Schädiger seiner nationalen Kultur, ein Versündiger an seinen religiösen Gefühlen sitzt hinter Schloß und Riegel. Was sich seit Wochen in Deutschland abspielt, ist ein Rückfall in die ärgste Barberei. Methoden des politischen Kampfes, die an die Schreckenstaten längst vergangener dunkler Zeiten erinnern und heute nur noch bei den Wilden in exotischen Erdteilen möglich scheinen, haben das gesittetste und disziplinierteste Volk der Welt aufs schwerste besudelt, und feine Sintflut von Blut und eklem Spülicht aus der Gosse antisemitischer Verhetzung drohte den ganzen Staat unheilvoll zu vermuren. Da hat die Regierung dem deutschen Volke in letzter Minute einen neuen Weg zu Reinheit und Sittlichkeit gewiesen und ist mit denen, die von diesem Wege abweichen, rücksichtslos zu Gericht gegangen. Mit wem? Mit den Führern der Hakenkreuzler, die die greuliche Entartung des politischen Kampfes auf dem Gewissen haben? Aber gar keine Spur! Eingesperrt worden ist ein Jüngling, der sich vermessen hat, in diesen Hundstagen nackt im Freien zu baden. Der sitzt jetzt auf 14 Tage im Kittchen, während nationalsozialistische Bombenwerfer und Revolverhelden, sofern die Polizei sie überhaupt in der Ausübung ihrer «politischen» Tätigkeit stört, mit lächerlichen Geldstrafen davonkommen. Denn dies ist der Regierungsweisheit letzter Schluß: Von allen Greueln, die sich jetzt in Deutschland austoben, ist das am dringendsten auszurottende die Nacktkultur! Und so erlangte eine Verordnung Gesetzeskraft, die mangelhafte Bekleidung in Gottes freier Natur, aber auch auf den Bühnen mit schweren Strafen ahndet. Lehrerinnen und Schülerinnen moderner Gymnastik sollen fortan wegen Gefährdung der deutschen Frauenwürde zur Verantwortung gezogen werden, — der nationalsozialistische Abgeordnete, der kürzlich im Schutze seiner Immunität die Frauenehre des jüdischen Polizeivizepräsidenten von Berlin in den Kot zog, hat von dem Gesetz nichts zu fürchten . . . Zum Glück gefährdet es auch kaum die Jude n. Denn einerseits hat eine der letzten Wiener Mordaffären, die sich in homosexuellen Kreisen abspielte, die Tatsache bekannt gemacht, daß die Nacktklubs meistens auf streng arischer Grundlage aufgebaute Zellen «völkischer Erneuerung» darstellen, andererseits wecken die Formen, die die national-deutsche Renaissance im Zeichen des Hakenkreuzes jetzt angenommen hat, in den Juden trotz der sommerlichen Hitze weniger die Versuchung, sich im Freien zu entkleiden, als vielmehr den entgegengesetzten Drang, sich mit hieb- und stichfesten Panzern zu umgürten und in dieser, sicherlich selbst den strengsten Keuschheitsgesetzen entsprechenden Kleidung nicht nur tagsüber den Geschäften nachzugehen, sondern auch nachts der Ruhe zu pflegen. Wenn also die Freiheit, öffentlich nackt zu baden und zu turnen, die einzige Freiheit ist, die in diesen kritischen Tagen auf dem Spiele steht, werden sich die Juden mit diesem Gesetze, obwohl es ausdrücklich eine Wiedergeburt des christlichen Fühlens zum Zwecke hat, ganz gern abfinden, selbst dann, wenn die Witzbolde Recht behalten, die den Kampf gegen die Nacktkultur als erstes Koalitions- Symptom zwischen Zentrum und Nationalsozialismus ver- ♦irtf-n. nritrjii.-h insofern, als das Zentrum freien die Nacktheit und der Nationalsozialismus gegen die Kultur ist ie—e. Hindenburg gegen antisemitische Aus« schreitungen Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat ein Schreiben des Staatssekretärs Meißner erhalten, in dem es u. a. heißt: «Der Herr Reichspräsident, der jeden Versuch einer Einschränkung der verfassungsmäßigen politischen und religiösen Rechte deutscher Staatsbürger und die mitgeteilten Ausschreitungen jüdischen Reichsangehörigen gegenüber lebhaft mißbilligt und bedauert, hat das Schreiben und die Anlagen dem Reichsminister des Innern zur Nachprüfung zugeleitet.» ttuwxe JtachvicMen Auch ein Weltkongreß! Die antisemitische Zeitung von Montreal «Le Miroir» teilt mit, daß demnächst in einer Stadt Mitteleuropas der erste Weltkongreß der antisemitischen Organisationen stattfinden wird. Der Kongreß soll über eine gegen das Weltjudentum gerichtete einheitliche Aktion beraten Eine Reichsorganisation der deutschen Juden In 0 b e r h o f (Thüringen) traten die Finanzreferenten der größeren jüdischen Landesverbände von Deutschland zu einer gemeinsamen Aussprache zusammen, um einen Ueberblick über die Lasten, die eine Reichsorga nisation der deutschen Juden zu tragen haben würde, zu gewinnen. Es kann als ein erfreuliches Zeichen für die nahe Verwirklichung der Reichsverbandsidee angesehen werden, daß man sich schon mit der Beratung von Spezialfragen befaßt Halbtägiger Streik der hebräischen Lehrer Palästinas Jerusalem. Die hebräischen Lehrer Palästinas haben beschlossen, im Hinblick darauf, daß die Jewish Agency nunmehr bereits mit sieben Monaten in der Auszahlung ihrer Gehälter im Rückstände ist, am Sonntag, den 14. August, einen halbtägigen Proteststreik durchzuführen. OZET-Kundgebung: «Für Biro-Bidschan — gegen Palästina Moskau. Die Gesellschaft für jüdische Landansiediung 0 Z E T bereitet eine große Kundgebung anläßlich des Eintreffens der eisten aus Palästina nach Biro-B lisch an reisenden jüdischen Arbeiter-Gruppe vor. Bei dem Empfang der aus 60 Personen bestehenden Arbeiter-Gruppe sollen Demonstrationen gegen Palästina und für die jüdische Siedlung in Biro-Bidschan stattfinden Jüdische Arbeiter Palästinas auf der britischen Reichskonferenz Ottawa. Im Aufträge der Histadruth Haowdim (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverband Palästinas) nehmen an der britischen Reichskonferenz in Ottawa die Herren Doktor Jehuda Kaufmann und Dr. Josef H e s t r i n teil. Sie werden für die Abschaffung des Einfuhrzolls auf Palästina-Produkte in den Ländern des britischen Imperiums eintreten. Ausländerwahlrecht in den palästinensischen Stadtgemeinden Jerusalem. Wie die JTA erfährt, sieht der neue Entwurf des Gesetzes über die Organisation der Stadtverwaltungen das Wahlrecht in die Gemeindevertretungen auch: für Personen, die nicht die palästinensische Landesbürgerschaft besitzen, vor. Dadurch wird in Jerusalem eine j ü d ische Mehrheit in der Stadtverwaltung gesichert. Auch die Araber lehnen den French-Berlcht ab Jerusalem. Das Präsidium der arabischen Exekutive hat beschlossen, den French-Bericht abzulehnen, weil er auf dem von den Arabern nicht anerkannten Brief des Ministerpräsidenten Macdonald an Dr. Weizmann beruht. Für Anfang September wurde eine Plenarsitzung der aTabisohen Exekutive einberufen, um den endgültigen Text der dem High Commissioner vorzulegenden Antwort zu redigieren. Araber bedrohen einen jüdischen Polizeioffizier Jerusalem. Der jüdische Polizeioffizier Goldman wurde am 7. August in der Altstadt von Jerusalem, als er einen Araber aus Hebron, der zwei andere Araber angeschossen hatte, verhaftete, von einer großen Menge bedroht. Die Araber riefen, Goldman selbst habe geschossen. Britische Polizei zerstreute die Menge, der wahre Sachverhalt wurde durch ein Polizeikommunique dargestellt. Wiedereröffnung der Seidenfabrik Delfiner in Tel-Awiw Wien. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, wird demnächst der dem Wiener Seidenfabrikanten Max Delfiner gehörende große Fabriksbetrieb für Seidenerzeugung und -Färberei in Tel-Awiw wieder eröffnet werden. Der Betrieb wurde vor einigen Jahren geschlossen, weil seiner Fortführung seitens der damaligen Verwaltung in Palästina gewisse Schwierigkeiten bereitet wurden. Ein Teil des leitenden Personals ist bereits aus Wien nach Palästina abgereist, nachdem die erforderlichen Einreisebewilligungen von der Palästina-Regierung durch die Jewish Agency zur Verfügung gestellt worden waren. Im September wird sich Herr Delfiner selbst nach Palästina begeben, um an Ort und Stelle weitere Anordnungen zu treffen. Eine belgisch-palästinensische Handelskammer Antwerpen. Die zionistische Föderation Belgiens hat die Initiative zur Schaffung einer belgisch-palästinensischen Handelskammer in Antwerpen ergriffen. Die Handelskammer soll die Aufgabe haben, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu fördern und den Warenverkehr von und nach Palästina zu erleichtern. Friedenspakt zwischen jüdischen Kolonisten und einem Beduinenstamm Jerusalem. Zwischen der misrachistischen Kwuzah Kfar Baruch und dem Beduinenstamm Iljadin, von dem ein Mitglied anfangs Juli bei einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Kolonisten und Beduinen getötet worden war, ist ein Friedenspakt abgeschlossen worden. Abgeordnete einiger jüdischer Kolonien erschienen bei den Zelten des Stammes und überbrachten der Familie des Getöteten das übliche Sühnegeld. Der leitende Beamte des Distrikts bekräftigte den Pakt namens der Regierung. Ungeachtet des Abschlusses des Friedenspaktes wird die Untersuchung gegen den Koloniewächter Nissim Hobeisch, der unter der Beschuldigung, den Beduinen getötet zu haben, verhaftet wurde, in Haifa fortgesetzt. 15 jüdische Abgeordnete und Senatoren in Rumänien Bukarest. Die rumänische Kammer hat die Ueberprüfung der Mandate abgeschlossen. Es steht nunmehr fest, daß def Kammer 11 jüdische Deputierte, mehr als jemals eine Kammer seit der Erteilung politischer Rechte an die Juden Rumäniens besaß, dem Senat 4 jüdische Senatoren angehören. •tu.