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Die Stimme · 1932-08-18 · Heft 241 (18.8.1932) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 241 (18.8.1932)
Date
1932-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 241 — 18. August 1932 DIE STIMME Seite * m verzeichnen. Die Bemühungen, ein Zentralinstitut für langfristige Agrarkredite zu schaffen, versprechen einen Erfolg in absehbarer Zeit. Auch bezüglich der Koordination anderer Wirtschaftsfraktionen seien Verhandlungen hn Gange. Forderung der Privatinitiative amerikanischer Juden — Das American Economic Committee Die beiden bedeutendsten Reservoire von Menschenmaterial füir Palästina, fuhr Emanuel Neuman fort, sind Polen und Amerika. Im Gegensatz zu Polen gab es in Amerika bis vor kurzem so gut wie keine Bewegung für Chaluz- und Mitteistandsauswanderung nach Palästina. Erst im letzten Jahre wurde das American Economic Committee for Palestine geschaffen, mit der Aufgabe, eine ständige Propaganda zu führen und denjenigen, die an dem Aufbau des Nationalheims persönlich teilnehmen wollen, die notwendigen Informationen zu geben. Dieses Komitee wurde zwar mit Hilfe der zionistischen Organisation Amerikas geschaffen, ist aber eine autonome Körperschaft. Ihm gehören Techniker, Industrielle und Kaufieute an. Es unterhält Büros in New York und Palästina, die von Tag zu Tag mehr in Anspruch genommen werden. In New York werden gegenwärtig täglich 15 bis 20 Interessenten beraten. Der Zustrom amerikanischer Juden nach Palästina verstärkt sich immer mehr. Viele Hunderte sind im letzten Jahre nach Palästina gegangen, ein großer Teil von ihnen zu dauerndem Jüdische Ettern! Kauft Schulbücher für Eure Kinder in der indischen Buchhandlunn HERMANN TUCHNER Wien, 2. Bttilrk, Ecke Taborstrafte SS Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen, auch antiquarisch, zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Telephon R 41-4-20 IRVRailHtteiSRaRttHRKttaRBHHttnaHRttBHRRflHHEHS Aufenthalt. Obwohl keine genauen Statistiken hierüber zur Verfügung stehen, kann doch nicht daran gezweifelt werden, daß hinter diesen Tausende stehen, die nicht bloß daran denken, nach Palästina zu übersiedeln, sondern bereits ganz feste Pläne hierfür ausgearbeitet haben. Die Mehrzahl dieser Leute besitzt nach unseren bisherigen Erfahrungen ein Kapital von mehr als 1000 Pfund. Es ist keine übertriebene Schätzung, wenn wir annehmen, daß das so in Bewegung gesetzte Kapital Millionen von Dollar beträgt. Es ist beabsichtigt, den Apparat des American Economic Committee, vor allem das Büro in Palästina, auch Personen aus anderen Ländern, die sich in Palästina niederlassen wollen, zur Verfügung zu stellen. Wir bemühen uns nun, die Bildung ähnlicher Komitees in anderen Ländern zu ermutigen. In Polen wurde nach dieser Richtung hin bereits eine intensive Tätigkeit seitens der dortigen Abteilung der Jewish Agency und der polnisch-palästinensischen Handelskammer entfaltet. Zum Schluß gab Emanuel Neuman der Erwartung Ausdruck, daß eine auf Grund dieses Programms entwickelte ernsthafte und eifrige Tätigkeit nicht nur den Aufbau Palästinas beschleunigen und Möglichkeiten fiir eine bedeutend vermehrte Ern Wanderung bieten, sondern daneben auch das zionistische Leben in der Diaspora bereichern und der Organisation neue Kraft g< l'cn werden Die Beschlüsse des Zionistischen Aktionskomitees und des Administrative Committee der Jewish Agency London. In einem offiziellen Kommunique werden die vom Zionistischen Aktionskomitee und vom Administrative Committee der Jewish Agency auf deren Londoner Tagungen gefaßten Beschlüsse veröffentlicht. Was die politischen Resolutionen anbelangt, wird mitgeteilt, daß die Anträge der politischen Kommission in bezug auf die Stellungnahme zum French-Bericht vom Aktionskomitee nach einer sehr ausführlichen Debatte einstimmig angenommen wurden und daß die Beschlüsse des Aktionskomitees auch vom Administrative Committee der jewish Agency einstimmig akzeptiert worden sind. Es wird überdies festgestellt, daß in der politischen Debatte die Grundlinien der Politik der Exekutive beinahe einmütig vom Aktionskomitee und dem Administrative Committee gebilligt wurden und daß keinerlei Vorschläge auf eine wesentliche Aenderung der politischen Linie geäußert wurden. In den Resolutionen, betreffend Organisation und Propaganda, wird auf die Notwendigkeit der Festigung der Organisation und Verstärkung der Propagandatätigkeit, wobei der Gewinnung und Erziehung der jüdischen Jugend besonderes Augenmerk zugewandt werden soll, hingewiesen und die Exekutive beauftragt, die ständige Kommission für Organisation und Propaganda während des kommenden Herbstes einzuberufen. Die Bedeutung des Makkabi-Weltverbandes für die zionistische Bewegung wird anerkannt, die Landes- und Sonderverbände werden aufgefordert, die Maikkabi-Bewegung mit aller Kraft zu fördern. Ferner wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die zionistischen Verbände die Zeit bis zum Abschluß der Schekel-Sammlung für das Jahr 5692 am 31. Oktober 1932 zu einer intensiven Werbung von Schekel-Zahlern ausnutzen werden. Es wimd zur Kenntnis genommen, daß die Exekutive in Zusammenarbeit mit der ständigen Kommission für Organisation und Propaganda einen Vorschlag über Reform des Schekels ausarbeiten und auf dem nächsten Kongreß zur Diskussion stellen wird. Eine besondere Resolution befaßt sich mit dem Schutz der zionistischen Fonds. Es wird mit Bedauern festgesellt, daß in der letzten Zelt Fälle vorgekommen sind, in denen zionistische Gruppen aus irgendwelchen Gründen einen Boykott gegen den K. K. L. und gegen den K. H. proklamiert haben. Das Aktionskomitee erldärt, daß die Arbeit für die nationalen Fonds eine heilige Pflicht eines jeden Zionisten und einer jeden zionistischen Gruppe darstellt und daß jeder Versuch, die Fonds zu boykottieren oder sie zu schädigen, als ein Bruch der Disziplin und als ein schweres Vergehen gegen den Zionismus und Palästina betrachtet werden muß. Kein zionistischer Verband oder sonstige zionistische Stelle ist berechtigt, aus irgendwelchen Gründen Gelder der zionistischen Ponds »urücksuerhftHen. Soziale Fflrsorgearbeit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Wie atiß einem soeben veröffentlichten Bericht der Zentralkommission für soziale Fürsorge bei der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zu ersehen ist, wurden für die von November 1931 bis April 1932 durchgeführte «Notstandsaktion 1931/32 der Kultusgemeinde und der jüdischen Organisationen in Wien» etwa 150.000 Schilling aufgebracht, i)ie Notstandsaktion umfaßte erstens eine Kohlenaktion, durch die 2652 Familien mit je 100 kg beteilt wurden; zweitens eine Verteilung von Lebensmittel- Paketen, bei der in 64 Ausgabestellen 6792 Anweisungen ausgegeben wurden; drittens eine Ausspeisung, die täglich durchschnittlich 1000 Personen betraf. Im Rahmen der Bekleidungs-Aktion wurden an 1224 Personen ver* schiedene Bekleidungsstücke ausgegeben. Diese Aktionen wurden durch die Tätigkeit der Halbtagesheimstätte für Schulkinder im 20. Bezirk, die von der Poale Zion-Hitachduth durchgeführte Aktion «Jüdische Jugend in Not», durch den Betrieb einer Tagesheimstätte für erwerbslose jüdische Mädchen und Frauen durch den zionistischen Mädchenverein «Miriam» und durch die auf Initiative der jüdischen Religionslehrer mit Hilfe besonderer Eltern-Komitees geschaffene Schülerfürsorge ergänzt. Im Wege der Erholungsfürsorge-Aktion für Kinder und Jugendliche wurden 300 Kinder in Heilstätten und Heimen untengebracht. Außerdem wurden durch den Verein «Ferienheim» etwa 120 Kinder, im Heim des Humanitätsverein für die westlichen Bezirke rund 220 Kinder, in der Tagesheimstätte der Jüdischen Kinderfreunde in Lainz etwa 200 Kinder und in verschiedenen Lagern der Jugendgruppen rund 1000 Kinder aufgenommen. Für 576 Kinder hat die Kultusgemeinde Beiträge geleistet. Die Wanderfürsorge umfaßte 2127 Fälle, von denen 274 nicht im gewünschten Sinne erledigt wurden. Am Schluß des Berichtes wind auf die katastrophalen Fortschritte in der Verarmung der Wiener Juden hingewiesen und festgestellt, daß auch in Hinkunft besondere über den normalen Rahmen hinausgehende Maßnahmen zur Bekämpfung des Elends unter der Wiener jüdischen Bevölkerung notwendig sein werden. Jüdischer Weltkongreß Dm Zionistische Aktionskomitee begrüßt die jüdische Welt, konferenz. London, 9. August. (J. T. A.) In der Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees vom 8. August wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der die für den 14. August nach Genf einberufene jüdische Weltkonferenz auf das herzlichste begrüßt wird und der Präsident der Zionistischen Organisation, Herr Naihum Sokoiow, gebeten wird, die Orüße der Zionistischen Organisation persönlich zu überbringen. Das Aktionskomitee sprach die Erwartung aus, daß die zionistischen Kreise sich möglichst stark an der Konferenz beteiligen werden. Eröffnung der jüdischen Weltkonferenz Genf. Am Sonntag, den 14. August, 3 Uhr nachmittags, wurde in der Maison de Faubourg zu Genf die vom American Jewish Congress einberufene jüdische Weltkonferenz feierlich eröffnet. An der Eröffnungssitzung nahmen von den angemeldeten 130 Delegierten aus über 20 Ländern etwa 100 Delegierte sowie 300 Gäste teil. Die Informationsabteilung des Völkerbundes war durch eines ihrer Mitglieder vertreten. Den Vorsitz der Konferenz führt der Ehrenpräsident des American Jewish Congress Dr. Stephen S. W i s e. Zahlreiche jüdische und nichtjüdische Persönlichkeiten haben an die Konferenz Begrüßungsschreiben gerichtet, ln einer Bot- Bestrenommierte Küche im neueröffneten Gassenlokal II., Hammer Purosiaiigasse 9, Tel. A 48-8-82 schaft des Vorsitzenden der Kommission für auswärtige Angelegenheiten im amerikanischen Senat William E. Borah heißt es: «Kein Volk kann Achtung für ein anderes Volk besitzen, das die Beobachtung von Grundsätzen ablehnt, die es für steh selbst in Anspruch nimmt.» Das internationale Hakenkreuz Die Tschechoslowakei wehrt sich Vor dem Kreisgericht in Brünn wird der Prozeß gegen die sogenannte «Volkssport»-Organisation, eine Art SA- Truppe, die von der deutschen nationalsozialistischen Partei in der Tschechoslowakei organisiert wurde, durchgefühirt. Die Anklage wurde auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik erhoben. Von seinem Ausgang hängt wohl der Fortbestand der radikal-antisemitischen deutschen nationalsozialistischen Partei in der Tschechoslowakei ab. Duldung in Deutschland und Polen Dagegen erfreuen sich die Pogromhelden in Deutschland und Polen einer befremdenden Duldsamkeit seitens der Gerichtshöfe, und zwar besonders der höchsten Instanzen der Rechtspflege. Aus Leipzig wird gemeldet, daß der deutsche Reichsanwalt das Ermittlungsverfahren gegen den Verfasser einer in Altona von der Polizei Bei stockendem Stuhlgang und überschüssiger Magensäure leitet das sehr milde, natürliche «Franz-j08ef»-Bitterwasser die im Magen und Darm angesammelten Rückstände der Verdauung ab und verhütet in allen Fällen die Entstehung von Blinddarmentzündungen. In allen Apotheken u. Drog. erhältlich. beschlagnahmten antijüdischen Proskriptionsliste e i ngestellt hat. — Das Warschauer Appellationsgericht hat den antisemitischen Studentenführer Janusz Milaszewski, einen der Hauptanstifter der antisemitischen Hochschulunruhen in Warschau im November 1931, freigesprochen. Das Erstgericht hatte Milaszewski wegen A u freizungzum Klassenhaß zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Bei der Berufungsverhandlung machte der Verteidiger Milaszewsfcis geltend, der betreffende Paragraph des Strafgesetzes könne im vorliegenden Falle nicht zur Anwendung gelangen, da in ihm nur von Aufreizung zu Haß zwischen zwei Klassen der Bevölkerung die Rede sei, also von einem' Kampf zwischen zwei Klassen ein und derselben Bevölkerung. Beim Kampf gegen die Juden handle es sich aber um eine Auseinandersetzung zwischen zwei verschiedenen Völkern, da die Juden ein besonderes Volk seien. Das Gericht schloß sich der Argumentation des Verteidigers an. Fortdauer des nationalsozialistischen Terrors in Deutschland Die Ausschreitungen gegen jüdische Einzelpersonen, jüdische Geschäftsunternehimungen und jüdische Gotteshäuser dauern an. Während die Kieler Polizei auf der Beh. konz. Realbüro ING. N. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Suche nach den Verübern des von uns bereits gemeldeten Attentats auf die dortige Synagoge einen Mann verhaftet hat, in dessen Wohnung sie belastendes Material fand, wurde in der Raonstraßen-Synagoge zu Köln eine Bombe in Mörserform von 7,5 cm Durchmesser gefunden und drei Besucher der Kölner Adaß-Jeschurun-Synagoge von Hakenkreuzlern tätlich angegriffen und zum Teil erheblich verletzt. In Danzig Im Juli hatten die Nationalsozialisten in Danzig einen Demonstrationszug veranstaltet, in dem Transparente mit der Aufschrift «Tod den Juden!» nritgeführt wurden. Der Danziger Senat hat nunmehr auf Grund jüdischer Protesteingaben eine gerichtliche Untersuchung gegen die für die Zulassung dieser Demonstration Verantwortlichen angeordnet. ln Oesterreich Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde hat in einer amtlichen Eingabe die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft auf die sich in letzter Zeit häufenden aufreizenden antisemitischen Veröffentlichungen in der österreichischen nationalsozialistischen Presse gelenkt und die Staatsbehörden vor den gefährlichen Folgen übermäßiger Toleranz gegenüber der antisemitischen Presse gewarnt. ln letzter Zeit haben die Wiener nationalsozialistischen Blätter serienweise sogenannte statistische Artikel über die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Wiener Geineindebezirken und über die Verdrängung der arischen Erwerbsaussichten durch die Juden gebracht. In einem Artikel, der zeigen sollte, daß auch der medizinische Beruf von Juden beherrscht sei, wurden Namen jüdischer Aerzte, darunter auch der des Begründers der Psychoanalyse, Professor Dr. Sigmund Freud, unter Angabe der vollen Adresse genannt. Erstaunlicherweise sind die Wiener nationalsozialistischen Zeitungen in den Besitz von Abschriften der von der Kultusgemeinde an die Staatsanwaltschaft gerichteten Eingabe gelangt und haben diese im vollen Wortlaut veröffentlicht. Der abgeblitzte Blitzer V/ie aus der Tagespresse bereits bekannt ist, hat Hitlers Streben nach der Macht im Staate an seiner Unbescheidenheit Schiffbruch gelitten. Nachdem der Blitz- und Donnerschleuderer des Nationalsozialismus von Ibsen schon das Schlagwort vom «Dritten Reich» entlehnt hatte, machte er sich in seiner Audienz beim Reichspräsidenten auch noch die Parole Brands zu eigen: «Alles oder nichts!» Natürlich nicht aus jüdischer Herrschsucht, sondern aus christlicher Demut und völkischem Patriotismus, Tugenden, von denen die Juden, die brav Steuer zahlen, ohne dafür auch nur die Sicherheit vom Leben, Eigentum und Ehre zu erkaufen, selbstredend nichts verstehen . . . 5. Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten Sonntag, 28. August, pUnktlichst halb 8 Uhr abends im Zirkus Renz (2. Zirkusgasse Nr. 44) VORTRAG: Vladimir JabOtinsky: Die Lage des Zionismus u. die Aufgaben des Revisionismus Heir Großmann: Die Politik und Taktik der Revisionisten seit der letzten Weltkonferenz Karten zu Schilling 4.—, 3.—, 2.—, 1.— bei Prof. Rath, Bücherstube, 2., Taborstr. 20, Papierwarenlabrik Josef Grubner, 9., Wasag. 7. Tel. A-ll-0-10, Abraham Schaechter, 7., Burgg. 44, Tel. B-30-6-89, Sekretariat, 2., Untere Augartenstraße 38, Tel. A-46-6-34

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