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Die Stimme · 1932-08-11 · Heft 240 (11.8.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 240 (11.8.1932)
Date
1932-08-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 240 — 11. August 1932 DIE STIMME Bette 5 Palästina-Brief Jerusalem, den 19. Juli 1932. Finanzfragen Das zum ersten Male in vollständiger Form veröffentlichte Palästina-Budget für die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben der Regierung im kommenden Jahre gestattet einen bemerkenswerten Einblick in den Finanzapparat des Landes. Wenn es auch nur möglich ist, verschiedene Ausgabeposten oberflächlich zu prüfen, so kann man doch ein ausreichendes Bild von den Zuständen in einem Lande gewinnen, das etwas über zwei Millionen Einwohner hat, die jährlich 2V2 Pfund pro Kopf für die öffentlichen Ausgaben aufbrirgen. Einige Worte über das Jahf 1931: Die tatsächlichen Einnahmen in diesem Jahre beliefen sich auf LP. 2,533.895, das waren LP. 199.205 weniger, als man im Voranschlag (mit LP. 2,533.100) angenommen hatte. Der größte Rückgang war bei den Lizenzgebühren und Steuern zu konstatieren, vor allem infolge der schlechten Ernte beim Oacher (Zehnten) und anderen landwirtschaftlichen Abgaben. Die Ausgaben im gleichen Jahre bezifferten sich (gegenüber einem Voranschlag in Höhe von LP. 2,531.518) auf LP. 2,374.899 oder LP. 156.652 weniger als vorgesehen. Am 31. Dezember 1932 hofft die Regierung auf einen Ueberschuß vonLP. 573.075 in ihrer Bilanz (LP. 53.000 weniger seit 1930), per 31. März 1933 denkt sie auf LP. 611.923 zu kommen. Für 1932/33 rechnet die Regierung mit einem Einnahmectat von LP. 2,442.085, d. h. LP. 124.000 mehr als im laufenden Jahre. Der Ausgabenvoranschlag beträgt LP. 2,403.235, rund LP. 40.000 mehr als das revidierte Ausgabenbudget für 1931. Einige hohe britische Beamte erhalten ziemlich hohe Gehälter. Bei einem eiligen Ueberschlag zeigt sich, daß das Gehalt für die höheren Beamten durchschnittlich LP. 80 bis 100 im Monat ausmacht oder LP. 20 bis 25 wöchentlich. Es besteht eine auffallende Diskrepanz zwischen den Gehältern der britischen Beamten und den diesen unmittelbar untergeordneten palästinensischen Beamten. Obgleich der Regierungsbeitrag zu den Schulen der Jewish Agency mit LP. 19.000 der gleiche geblieben ist, hat sich das Budget des Erziehungsdepartements um netto LP. 3660 erhöht, und zwar durch etwa zwanzig weitere Elementar- und Realschullehrer in Regierungsschulen, die ausschließlich von arabischen Schülern besucht werden. Das frühere Departement für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei ist in drei neue Abteilungeen aufgeteilt worden (Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gesundheitsdepartement fiir Tiere) und wird LP. 6000 mehr kosten als bisher. — Die Aufforstungsarbeiten der Regierung bleiben in ihrem Umfange weit hinter dem Jahresprogramm der Pflanzungsarbeiten des Jüdischen Nationalfonds zurück. Den Löwenanteil am Budget nimmt die öffentliche Sicherheit in Anspruch. Außer LP. 457.000 für Polizei- und Gefängniswesen (davon gehen 22 Prozent auf die Aufrechterhaltung der britischen Polizei) und LP. 180.000 für den transjordanischen Grenzschutz (dessen Kosten Palästina trägt, obwohl der Grenzschutz auch auf den Territorium des Emir Abdullah ausgeübt wird und keine Hoffnung für Eintreibung der Ausgaben besteht), zahlt die Regierung auch den Reichsbehörden in London über 100.000 Pf. St. für die größeren Kosten, die durch das Halten von Truppen, Panzerwagen, Fliegerschwadronen außerhalb der Heimat entstehen. Mit anderen Worten, die Anschuldigung in der englischen Presse, daß der britische. Steuerzahler die Kosten des Militärs in Palästina trägt, ist damit widerlegt. Palästina zahlt England die Kosten für die hier stationierte Garnison. Die Palästina-Eisenbahn zeigt ein erhebliches Defizit von LP. 45.000 oder mehr, einschließlich des Verlustes bei der Hediazpilger-Bahn. Auch hier bestreitet Palästina aus eigener Tasche die Mehrausgaben bei der dem Staate unterstehenden Eisenbahn. 165.632 Das ist die Zahl der Juden, die sich bei der letzten palästinensischen Volkszählung als Hebräisch sprechend eintrugen. 165.632 von einer Gesamtzahl von 175.006 Juden in Palästina erklärten das Hebräische als ihre Hauptsprache, das ist ein bemerkenswerter Triumph für eine der klassisch «toten» Sprachen — Hebräisch, noch vor zwanzig Jahren eine Neuheit, ist heute eine lebende Wirklichkeit. Diese Zahl stammt aus einer höchst autoritativen Quelle: Es ist die richtige Zählung der Juden Palästinas — aller Nationalitäten und Bürger aller Länder der Welt — welche die Sprache ihrer Väter zu der ihrigen gemacht haben, ein Zeichen nationaler Disziplin. Auch die Zahl über die Kosten dieser Volkszählung — die erste wurde von Kosnig David in grauen Vorzeiten ab- ■ J.-1MI.. -.MB M .. M l iNMaiMMBggggi •zweiten Tempels eine große Sammlung von Klageliedern vortag. Die Propheten haben sich auch der Klagelieder bedient mit dem Unterschiede, daß ihre Kinot das Unglück, den «Tod» eines ganzen Volkes schildern. So finden wir Arnos 5, 1, den Klageliedvers und der Prophet bezeichnet seine Rede ausdrücklich als Kina: «Höret das Wort, das ich über euch als Klagelied erhebe, Haus Israel!» Der Prophet bedient sich der lyrischen Formen zu gesteigerter Wirkung. Die Anwendung des hinkenden Verses und rhetorische Fragen bezeugen, daß es Arnos nicht an Kunstmitteln gemangelt habe, so daß das Urteil Hieronymus’, Arnos sei unkundig der Rede, «imperitus sermone», zurückgewiesen werden kann. Jeremia 7, 29, wird von einer Kina über Juda gesprochen: «Scheere ab deine Haarkrone und wirf sie hin und erhebe auf kahlen Bergspitzen Klagelieder.» Ein interessantes Stück bildet Jerem. cap. 48, in dem die Verheißungen und das Gericht über Moab dargelegt werden. Man hat gezeigt (vgl. Bernfeld a. a. O. II 369), daß viele Momente dieser Dichtung der Kina über Moab in Jesaja 15—16 und Num. 21 entlehnt sind. Die Kina in Jerem. geht also auf andere ursprüngliche Quellen zurück. Das Klagelied, das Num. 21, 28 f vorliegt: «Weh’ di* Moab . . .!» Ist eines der ältesten Kinot, die überhaupt erhalten sind. Im Buche Jecheskie! werden uns Kinot über Tyrus (Zor) vorgeführt (26, 17; 27, 2; 28, 12). Steuernagel nennt dies in seinem Lehrbuch d. Einl.. S. 587, «ein ironisch gemeintes Klagelied über den Untergang von Tyrus». Das. 19, 1 f findet sich eine Kina über Juda und 32, 2 f ein Klagelied über Pharao, i Budde (a. a. 0. 89 f) erblickt auch in den Visionen | gehalten — mag von Interesse sein. Sie wird von dem Departement mit LP. 3000 angegeben, so daß pro Kopf der Bevölkerung \y2 Cents herauskommt — die niedrigste bekannte Ziffer. Landwirtschaft Wie in aller Welt, ist auch in Palästina die Lage der Getreide Wirtschaft eine sehr schwere: schlechte Erträge, schlechte Preise, schlechte Märkte haben auch von den Getreidebauern Palästinas — arabischen und jüdischen — ihren Zoll gefordert. Die palästinensische Regierung hat mit Zustimmung des britischen Kolonialamtes den Zehnten von 10 Prozent auf 7% Prozent für alle Produkte außer Citrusfrüchten (die lohnende Erträgnisse haben) herabgesetzt, und überdies sind die Distriktsbehörden berechtigt, bis zu einem Viertel des ermäßigten Zehnten weitere Reduktionen zu gewähren in Fällen, wo sich infolge besonders geringer Ernten Härten ergeben. Das wird die bedrängte Lage der palästinensischen Landwirte erleichtern; die jüdischen Kolonisten in den Emek-Siedlungen haben schwer unter Dürre und Mäuseplagen gelitten. Wasser für Jerusalem Die behördliche Konzession für die Wasserversorgung von Jerusalem, die in Händen einer englischen Gruppe war, ist laut Mitteilung des High Commissioners in diesem Monat erloschen. Das bedeutet, daß die Regierung jetzt mit der Jerusalemer Stadtverwaltung zusammen selbständig Schritte ergreifen kann, um Jerusalem mit Wasser zu versorgen. Aber die Bauarbeiten werden frühestens in zwei Jahren beendet sein, auch wenn man sie noch in diesem Jahre in Angriff nimmt. Es handelt sich nämlich darum, das Wasser aus den! Jarkon am Meeresstrand über F^hene und Berge hinaufzupumpen. ' Inzwischen gehen an anderen Stellen des Landes Bohrungen vor sich. Aus Karkur, dem Dorf der ersten Londoner Achusa, kam die aufsehenerregende Nachricht, daß man dort einen artesischen Brunnen entdeckt habe, der 300 Kubikmeter stündlich hergibt, — eine in Palästina bisher unbekannte Menge. Dieser außerordentlich glückliche Fund wird ein bisher unfruchtbares Gebiet in einen blühemlen Garten verwandeln. Arabische und jüdische Kolonisten nahmen an der feierlichen Einweihung dieser neuen Wasserquelle teil. Auch in Afule haben Bohrungen zu guten Resultaten geführt; man verspricht sich für die Kolonisten auf dem Boden der American Zion Commonwealth eine reichliche Wasserversorgung. Desgleichen führt die Regierung in Beerscheba Bohrungen in enormer Tiefe durch. Aber in Jerusalem hält die Wassernot an, die, besonders für die ärmere Bevölkerung, beinahe unerträglich ist. Ein bemerkenswertes Ereignis in diesem Monat — wenn wir gerade von den natürlichen Quellen des Landes sprechen — war die offizielle Einweihung des elektrischen Kraftwerkes am Jordan, bei der der High Commissioner und auch der Emir Abdullah zugegen waren; Herr Pinchas Rutenberg, der Pionier für die Ausnutzung der Wasserkraft für die Elektrifizierung des Landes, sprach rm Namen seiner Gesellschaft. Sein leitender Gedanke bei diesem Werke ist gewesen: «Billige Kraft für Palästina, ohne Unterschied von Rasse und Glauben». Julian L. Meitzer. Wißt Ihr schon? Es ist wenig bekannt, daß zu Beginn des 17. Jahrhunderts Hilfskassen für Erez Israel konstituiert wurden. Die erste Hilfslcasse wurde in Venedig am 3. März 1601 konstituiert. Nach ihren Satzungen mußte jeder Jude in Venedig, der mindestens 3 Dukaten jährlich an Abgaben leistete, einen halben Schekel, das heißt % Dukaten in der Woche des Abschnitts an die Palästinakassa bezahlen. Derartige Kassen gab es dann auch in anderen Ländern, z. B. beim Großpolnischen Waad, die «Urne für Konstantinopel und das heilige Land». In Wien wurde eine Getdsammelz’entrale errichtet, an die u. a. auch die Juden aus Mähren ihre Beiträge schickten. Die oberste interne Instanz der mährischen Juden «Waad medinath Mähren» übernahm die Verpflichtung, jährlich 50 mährische Thaler nach Jerusalem zu schicken. Zu diesem Zwecke befanden sich in den einzelnen mährischen Gemeinden Palästina-Kassen. Die damaligen Palästina-Kassen sammelten für die armen Juden in Jerusalem. Der Keren Kajemeth L’Israel sammelt für die Erlösung des Bodens in Erez Israel. Wißt ihr schon, wie groß der Erfolg der Sammlungen in den ersten^ Monaten dieses jüdischen Jahres war? Nicht weniger als 114.598 Pfund wurden aufgebracht. Das ist weniger als in der gleichen Periode des Vorjahres. An Büchsenspenden wurden in den genannten 8 Monaten allein 32.182 Pfund aufgebracht. In der Zeit vom 1. April 1931 bis 31. Mai 1932 hat der Keren Kajemeth seinen Grundbesitz um 9086 metrische Dunam vergrößert und 105.177 Bäume neu gepflanzt. Insgesamt hat der Keren Kajemeth bisher 1,330.092 Bäume gepflanzt. Trotz allem hat der Keren Kajemeth schwer zu kämpfen. Trotz ungeheuer großer Verkaufsofferte von arabischer Seite ist er durch die verringerten Eingänge nicht in der Lage, größere .Bodenflächen zu kaufen. ■ . Das Aufbauwerk in Palästina arbeitet mit streng wissenschaftlichen Methoden. Professor Kligler von der Hebräischen Universität hat die Ernährungsbedingungen in vier Kwuzoth Ingenieur 29 Jahre, Wiener, ledig, 8 Jahre im Maschinenbau tätig, (Konstrukteur, Betrieb, Verkauf) kommerz. begabt, repräsentativ, sucht Halbtaqsbeschälfiqunq im Maschinenhandel. Zuschriften unter „Cottage“ an die Expedition Zephanias, c. 3 f, ein «Klagelied im Kina-Maß über die verderbte Stadt Jerusalem» und bestimmt das Metrum einiger Verse im Buche Nachum als das des Klageliedverses. In diesem Zusammenhang seien auch die Klagepsalmen erwähnt. «Sie seufzen über Unterdrückung und Verfolgung, über treulose Freunde und frevelhafte Feinde, über Verleumdung und Bosheit aller Art.» Klagen über Rechtsverletzungen und gewaltsame Unterdrückungen des armen Volkes durch die Machthaber und Reichen, über sittliche Entartung finden wir bei den Propheten Arnos, Hosea, Jesaja und Micha. Notrufe aus solchen Zeiten sind z. 13. Psalm 6, 7, 13, 31, 52, 63, 82, Psalm 120—134, die sogenannten «Stufenpsalmen», letztere ausgezeichnet durch ihre zierliche epigrammatische Kürze. Manchmal wurde auch bei einer schweren Krankheit ein Klagelied gedichtet; vgl. Psalm 38 und Jes. 38, 9f. Durch die geschichtlichen Ereignisse bedingt sind Psalm 60, 83, die über die Unterdrückung durch die Assyrer klagen. Der bekannte Psalm 94 ist ein «Klagepsalm aus dem Munde eines duldenden Sängers» zur Zeit Manasses, des Nachfolgers Chiskijas, und drückt die Stimmung jener Periode aus (vgl. Grätz, Geschichte 11/1, 253 f). Die Klagelieder «mit ihrer elegische* Breite und Zerflossenheit» sind ein wichtiger Bestandteil des althebräischen Schrifttums. «Sie sind Kinder des Schmerzes und der Not, Notrufe der Angst und des empörten Gefühles, sehnsuchtsvolles Wehgeschrei nach dem zertrümmerten Vaterlande.» ln ihrer Eigenart erhaben, bilden sie den vollkommensten Ausdruck eines tiefen Schmerz- und Trauerempfindens. untersucht und folgendes bemängelt: Es werden zuviel Konserven genossen, daß Essen ist für das Klima zu fettreich und das Verhältnis von Kalzium zu Phosphor — zur körperlichen Entwicklung des Kindes so notwendig — entspricht nicht den Erfordernissen. Es werden nun Versuche gemacht, um rationellere Ernährungsmethoden auszuarbeiten. Wißt ihr schon, wieviel Milch das jüdische Palästina produziert? Die «Teuwah», eine Verkaufsgesellsc'nnft. der die meisten Siedlungen angeschlossen sind, gbt bekannt, daß der Milchabsatz in den letzten 5 Jahren um jährlich 590.000 Liter gestiegen ist, d. h. von 1,328.000 Liter im Jahre 1926/27 auf 4,261.000 Liter im Jahre 1931, also um 220 Prozent. Wißt ihr wieviel Eier und wieviel Stück Geflügel unsere Siedlungen im Jahre 1931 verkauften? Nicht weniger als 1,650,963 Eier und 75.132 Stück Geflügel. Wißt ihr, wie groß der Export Palästinas im Jahre 1931 nach Syrien und Palästina ist? Nach Syrien wurden im Jahre 1930 Waren um 210.000 Pfund und im Jahre 1931 um 220.000 Pfund exportiert. Vor allem waren es Melonen, Seife, Zement, Socken und Leder. — Nach Aegypten wurden im Jahre 1930 Waren um 395.000 Pfund und im Jahre 1931 um 177.000 Pfund exportiert, und zwar Orangen, Wassermelonen, Bananen, Mandeln, Wein, Oele und Seife. Der Export nach diesen Ländern hat große Bedeutung, da diese nach Palästina für viel größere Summen importieren. So beterug der Import von Syrien nach Palästina im Jahre 1930 1016 Millionen Pfund (Schafe, Kamele, Weizen, Früchte, Textilien, Schuhe, Seide). Ein Teil des Importes bestand aus fremden Fabrikaten, welche als Halbfabrikate nach Syrien kamen. Ebenso ist es mit Aegypten, aus ehern Lande im Jahre 1931 Waren um 1025 Millionen Pfund importiert wurden. Auch hier waren es zum Teil Hsdb^i? fabrikate. Kampf gegen Fahnenflucht In der letzten Zeit mehren sich die Austritte aus dem Judentum. Wir haben in den vergangenen Jahren diese Tatsachen immer nur in den «Listen» verfolgt, aber eigentlich stillschweigend jeden Austritt zur Kenntnis genommen. Aus übertriebener Toleranz, meine ich. Ja, wir haben durch diese Gleichgültigkeit den Fahnenflüchtigen Vorschub geleistet. Man fragte sich oft, \.as wohl der Beweggrund war, und, wenn es sich um die Erleichterung zu einer Mischehe handelte, da haben wir es, als «Freidenker und Demokraten», eben zur Kenntnis genommen. Wenn es aber wegen der Bezahlung der Kultussteuer geschah, da hat man nur konstatiert, daß die Kultüssteuer gar nicht hoch war, sondern daß es sich nur um einen Vorwand handelte. Die Ausgetretenen — und das soll heute gebrandmarkt werden — gingen aber erhobenen Hauptes weiter in unserer Mitte herum. Man war liberal, tolerant, sah es als Privatsache an und die Fahnenflüchtigen spielten gesellschaftlich, politisch dieselbe Rolle, ja, manchmal eine hervorragende Rolle. Die Argumente, die zu dieser laxen Haltung gegenüber den Ungetreuen des Volkes angeführt wurden, lauteten, das sei das welke Laub am Stamme, das eben abfällt, es sei nicht schade um diese «Verluste». Nun meine ich aber, daß jetzt, in diesen schwersten Zeiten, die das jüdische Volk mitzumachen hat, diese feine Rücksichtnahme und Sorglosigkeit nicht mehr am Platze ist. Es ist publizistische Pflicht, darauf hinzuweisen, daß es keine Ausrede, kein Argument gibt, das akzeptiert werden kann, wenn heute, da das Judentum so bedroht ist, jüdische Menschen die jüdische Gemeinschaft verlassen. Die Verbundenheit besteht nun einmal in der Zugehörigkeit zur Kultusgemeinde. Das Opfer, die Steuer, muß v-ön jedem getragen werden. Das hat nichts mit Gottgläubigkeit oder religiöser Ueberzeugung zu tun. Der Austritt aus dem Judentum, aus der Kultusgemeinde ist gemeiner Verrat am Volke in schwerster Stunde der Gefahr. Die Höh« der Kuli-. Steuer kann niemals ein Anlaß zu dieser Fahnenflucht sein. Es ist unbedingte Pflicht jedes Juden, gegenüber diesen Feigen und Untreuen die letzten Konsequenzen zu ziehen. Boykott ist hier keine Ausübung eines Gewissenszwanges, wie die Liberalen oder Demokraten es gerne auslegen. Der jüdischen Gemeinde angehören, ist unbedingte Pflicht. Aber, wer sich die «Freiheit» nimmU

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