Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1932-08-11 · Heft 240 (11.8.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 240 (11.8.1932)
Date
1932-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3053963-3053994--3076-3058546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 240 — 11. August 1932 DIE STIMME Seite 3 •eher Aktivität in großem Maßstab fot eine gewaltige Aus» dehnung der jüdischen Wirtschaftstätigkeit in Palästina erfolgt. Andererseits hat sich der Umfang der von uns mit Hüte unserer Fonds direkt durchgeführten Arbeiten im Verhältnis zur Gesamtheit der jüdischen Bemühungen ständig verringert. Selbst wenn wir die qualitative Bedeutung der nationalen Arbeit, ihren vitalen und einzigartigen Wert entsprechend berücksichtigen, bleibt doch das Mißverhältnis zwischen ihrer gegenwärtigen Ausdehnung und dem übrigen Feld wirtschaftlicher Betätigung, eine Tatsache, deren Bedeutung bei einer Erwägung unserer künftigen Politik nicht übersehen werden kann. Man vergißt manchmal, daß der Rückgang der Einnahmen des Keren Hajessod in den letzten Jahren schon vor dem Beginn der wirtschaftlichen Depression begann. Diese Depression hat natürlich den Ernst der jüdische Elfern! Kauf! Schulbücher für Eure Kinder ln der indischen Biichhandlima HERMANNTUCHNER Wien, 2. Bezirk, Ecke TaborstraBe 52 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen, auch antiquarisch, zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! Für Auskünfte: Telephon R 41-4-20 ipaBBBBewwaeBaeeaeeeewewenewneeweweewNs Lage noch verschärft. Wir müssen aber damit rechnen, daß die Tendenz eines Rückgangs der Eingänge offenbar unabhängig von der Weltkrise und ungeachtet der eifrigsten Anstrengungen seitens der Leiter unserer Fonds als besonderer Faktor sich auswirkt. Für längere Zeit wird ferner infolge unseres Schuldendienstes eine weitere Einschränkung unserer gegenwärtigen Arbeit in Palästina notwendig sein. Daraus folgt, daß, falls wir weiterhin unsere Aufgabe bei der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas so auffassen, daß sie in erster Reihe im Rahmen unseres eigenen Budgets durchgeführt werden, daß die Auswirkung unserer Arbeit auf jene Kolonisation beschränkt sein soll, die wir durch unsere eigenen Fonds finanzieren können, unsere Organisation Gefahr läuft, das fünfte Rad am Wagen zu werden. Ihr Prestige und Einfluß würde ständig sinken, bis zum vollständigen Verlust jhrer Rolle als aktive und führende Macht auf ökonomischem Gebiet. Ein Schluß, den wir offenbar zu ziehen haben, ist der, daß die unabweisbare Notwendigkeit bestehe, unsere Anstrengung zu verdoppeln und die Einkünfte unserer Fonds auf einem möglichst hohen Niveau zu halten und sie zu steigern. Das wird aber nicht genügen. Wenn wir überzeugt sind, daß die direkte Verwendung aller Fonds, die uns Innerhalb der nächsten Jahre wahrscheinlich zur Verfügung stehen werden, uns nicht erlauben wird, eine Tätigkeit in einem Maßstab zu entfalten, der den in diesem Augenblick unserer Geschichte gebotenen großen Möglichkeiten entspricht, dann müssen wir uns an diese Tatsache anpassen. Wir müssen in Hinkunft die Kraft unseerr Fonds als Hebel benutzen, mit dessen Hilfe wir Kräfte in Bewegung setzen können, die heute nicht zu unserem organisierten System gehören. Auf diese Weise werden neue und große Kapitalien, die auf dem Sammelwege nicht aufgebracht werden können, mobilisiert und zur Beschleunigung des Aufbaus des Nationalheims verwendet werden können. Durch Inangriffnahme dieser Arbeit werden wir uns der Situation gewachsen zeigen und die Führerstellung unserer Organisation in der auf Palästina gerichteten Bewegung des jüdischen Volkes sichern. (Wegen Raummangel werden wir die zweite Hälfte des Referates in der nächsten Nummer bringen. Anm. d. Red.) Das Referat H. Farbsteins über Mittelstands- Siedlung und Förderung von Handel und Industrie Eine Ergänzung zu den Ausführungen Emanuel Neumans über die Bedeutung der Privatinitiative in der Zionistischen Kolonisation bildete das Referat des Misrachi-Führers H. Farbstein über Mittelstandssiedlung und die Förderung von Handel und Industrie. Farbstein führte u. a. aus: Ich habe mich darin nicht getäuscht, daß diejenige Arbeit, für welche ich am meisten Interesse hätte, nämlich, die Mittelstandssiedlung und das Handels- und Industrieproblem, keine leichte Aufgabe sein wird. Gleich nach meiner Ankunft in Palästina erhielt ich aus Polen und anderen Ländern Mitteilungen, daß mehrere Delegationen im Zusammenhang mit der Ausstellung nach Palästina reisen, um für die verschiedensten Industriezweige Informationen zu sammeln. Ich sah mich vor allem genötigt, diejenigen Fehler, die sich bei der 4. Alijah gezeigt haben, diesmal nach Möglichkeit zu vermeiden und legte großen Wert darauf, die entsprechenden Stellen für genügende und sachgemäße Information der Interessenten zu schaffen. Auf unsere Anregung hin haben die Organisation der Ikarim, der Verein der Industriellen und der Verein der Handwerker Informationsbureaus errichtet, wo jeder Tourist die nötigen Auskünfte erhalten konnte. Außerdem hat unsere Kolonisationsabteilung unter der Leitung der besten Agronomen und Sachkenner Auskunftsstellen in Tel-Awiw und in Jerusalem errichtet. Hunderte von Leuten haben diese Bureaus in Anspruch genommen. Was die Mittelstandssiedlung anbetrifft, so hat die hierfür eingesetzte Kommission ein zweckentsprechendes Terrain Im Wadi el Hawareth für diese Siedlung bestimmt, ein Rundschreiben an sämtliche Organisationen unter Angabe Bestrenommierte Küche im neueröffneten Gassenlokal ll.. Hammer Purgstaiioasse 3. Tel. A 48-6-62 aller Bedingungen versandt und einen zweimonatigen Termin für die Anmeldung der Kandidaten angegeben. Für die Ansiedlung eines jeden Kandidaten wurden 20 Dunam festgesetzt und bestimmt, daß bei der Verteilung des Bodens 75 Prozent auswärtige Kandidaten und 25 Prozent palästinensische berücksichtgt werden sollen. Beim Kolonisieren des Mittelstandes haben wir vor allem mit Orangen-Plantationen gerechnet, erstens, weil die Kandidaten gerade nur diese Kolonisation gefordert haben, und zweitens, weil Orangen tatsächlich gegenwärtig ÜM rentabelste Produkt sind. Im Hinblick auf die Steigerung der Orangen-Produktion haben wir uns mit der Möglichkeit einer Krise beschäftigt und auch die sich meldenden Anwärter auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Die mit Orangen bebaute Fläche fst von 32.000 Dunam im Jahre 1922 (davon 10.000 in jüdischem Besitz) auf 100.000 Dunam (60.000 in jüdischem Besitz) im Jahre 1930 gestiegen. Der Export betrug 1922 1,238.899, im Jahre 1930 2,857.041 Kisten. Nach vier oder fünf Jahren dürfte die Produktion elf bis zwölf Millionen Kisten betragen. Der Konsum ist in kulturell entwickelten Ländern hoch, in anderen Ländern dagegen sehr klein. Es ist aber damit zu rechnen, daß durch Propaganda und entsprechende Preisermäßigung der Konsum sich bedeutend vergrößern und die Palästina-Orange genügend Absatz finden wird. Neben Orangen soll in der Mittelstandssiedlung Grape Fruit gepflanzt werden, deren Absatz von 1951 Kisten im Jahre 1928 auf 29.313 Kisten im Jahre 1930 gestiegen ist. (Die weiteren Ausführungen Farbsteins bringen wir in der nächsten Nummer. — Anm. d. Red.) Große Erregung im Aktionskomitee wegen der neuen Einwanderungsverordnung für Palästina In der am Dienstag, den 2. August, morgens, abgehaltenen Sitzung des Aktionskomitees kam-es zu erregten Szenen wegen der soeben veröffentlichten neuen Einwanderungsverordnung für Palästina. Mehrere Mitglieder des Aktionskomitees richteten in diesem Zusammenhang Anfragen an die Exekutive. Der politische Leiter der Palästina-Exekutive, Doktor Chajim Arlosoroff, gab die Erklärung ab, daß ihm die bevorstehende Erlassung der neuen Verordnung schon bei seiner Abreise aus Palästina bekannt gewesen sei. Diese Mitteilung gab zu erneuter Kritik an der Exekutive Anlaß. Insbesondere wurden von Dr. Georg Halpern Vorwürfe gegen die politische Abteilung der Exekutive erhoben. Dr. Arlosoroff erwiderte, die neue Verordnung kodifiziere bloß die bestehende Praxis der Einwandererkontrolle, andererseits müsse die Schaffung der neuen Einwandererkategorie kleiner Kapitalisten von jedermann begrüßt werden. Was die freie Einwanderung aus Transjordanien betreffe, erklärte Arlosoroff, so sei es unvereinbar, einerseits zu verlangen, daß Palästina und Transjordanien i ein einziges Land bilden sollen, andererseits aber da- | gegen Protest zu erheben, daß keine Einwanderungsschranke zwischen den beiden Gebieten errichtet wirdL Zweitägige Verhandlungspause — Wiederaufnahme der Plenarsitzungen nach der Tagung des Administrative Com** mittees — Voraussichtliche Ablehnung des French-Berichtes Am 5. August wurde keine Plenarsitzung des Aktionskomitees abgehalten, um den Kommissionen Gelegenheit zu geben, die dem Plenum vorzulegenden Beh. konz. Realbüro ING. N. MUHIBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 * Resolutionen auszuarbeiten. Das allgemeine Interesse konzentrierte sich um das Spezialsubkomitee, das einen Vorschlag bezüglich der auf den French-Bericht zu erteilenden Antwort ausarbeiten soll. Vorherrschend ist augenblicklich die Meinung, daß die Kommission die vollständige Zurückweisung des Berichtes mit der Begründung, daß er dem Palästina-Mandat widerspreche, vorschlagen wird. Das Präsidium des Aktionskomitees hat beschlossen, die Tagung Dienstag, den 9., oder Mittwoch, den 10. August, zu schließen. Während in früheren Jahren das Administrative Committee der Jewish Agency immer nach dem Schluß der Aktionskomiteetagung eröffnet wurde, so daß Ihm bei den .Entscheidungen der Agency das letzte Wort zufiel, wird diesmal zum ersten Male das Aktionskomitee, das während der beiden Tage, an denen die Beratungen des Adiministrative Committee stattfinden, eine Verhandlungspause eintreten läßt, um dann seine Tagung fortzusetzen, zu den Beschlüssen des Administrative Committee noch Stellung nehmen können. Um die Genfer Jüdische Wett- Uonfevenz Die Jüdische Gemeinde Budapest fordert Vertagung Die Budapester Jüdische Gemeinde hat eine Resolution gefaßt, in der sie ihre Beteiligung ah einem jüdischen Weltkongreß ableihnt und eine Vertagung der nach Genf einberufenen Konferenz bis zu dem Zeitpunkt fordert, in dem die jüdischen Organisationen der ganzen Welt zu einer Einigung Sonntag, den 28. August, pünktlich halb 8 Uhr abds., Zirkus-Renz-Gebäude, Wien, II., Zirkusgasse Nr, 44 VORTRAG: Vladimir Jabotinsky u. Meer Großmann a) Die Lage des Zionismus und die Aufgaben der Union b) Die Politik und Taktik der Union nach Prag Karten von 1 bis 4 Schilling werden im Sekretariat, Wien, II., Untere Augartenstraße Nr. 38, Telephon Nr. A 45-6-34 vorgemerkt über die zum Schutz der jüdischen Bevölkerung zu ergreifenden Maßnahmen gelangt sein werden. Weiters wird in der Resolution erklärt, daß die ungarische Judenheit ihre Probleme intern, ohne Einmengung von außen, lösen wolle. — Die Resolution der Jüdischen Gemeinde wurde durch den offiziellen ungarischen Nachrichtendienst verbreitet. Beteiligung des Ostjudenverbandes Oesterreichs Der etwa 10.000 in Landsmannschaften zusammengeschlossene Mitglieder zählende Gesarmtverband der Ostjuden Oesterreichs hat beschlossen, sich an der Genfer Vorkonferenz für einen Jüdischen Weltkongreß zu beteiligen. Deo- Verband wird auf der Konferenz durch die Herren Dr. Dagobert Rybaczewski, Prof. Moses Rath, Redakteur Siegmund Haber, Hecht und Direktor Gerson Wittlin vertreten sein. Eine Delegation der jüdischen Wirtschaftsverbände Polens — Einheitliches Vorgehen der jüdischen Wirtschaftsvertreter auf der Konferenz Warsahau. Das Zentralkomitee des Verbandes jüdischer Handwerker hat beschlossen, zur jüdischen Weltkonferenz in Genf eine Delegation, bestehend aus vier Mitgliedern der Zentrale und drei Vertretern der Provinzortsgruppen, zu entsenden. Die Delegation wird unter der Führung des Sejmdeputienten Rattner stehen. In einer gemeinsamen Sitzung der Delegierten der Vereinigung der Kaufleute, des Handwerkerverbandes und des Kleinhändlerverbandes wurde beschlossen, auf der Jüdischen Weltkonferenz in Genf eine einheitliche Fraktion der Vertreter der jüdischen Wirtschaftsorganisationen Polens zu bilden, die in allen Fragen wirtschaftlicher Art geschlossen vorgehen soll. Die Fraktion wird ein eigenes Sekretariat einrichten und der Konferenz eine Denkschrift über jüdischwirtschaftliche Probleme überreichen. Aus Warschau werden folgende Delegationen zur Weltkonferenz entsandt werden: eine Abordnung des Jüdischen Parlamentsklubs, eine Delegation des Jüdischen Nationalrates, ferner Vertretungen der kaufmännischen Vereinigung, des Handwerkerverbandes, des Kleinhändlerverbandes, des Revisionsverbandes der jüdischen Kooperativen, der Volkspartei und der Jüdischen Gemeinde. Ferner werden einige Delegationen aus der Provinz entsandt. Der zionistische Landesverband für Oesterreich wird auf der Jüdischen Weltkonferenz in Genf durch Herrn Direktor Gerson Wittlin, Mitglied des Zion. Landeskomitees vertreten sein. Tagesordnnng: Die Tagesordnug der Jüdischen Weltkonferenz umfaßt drei Punkte: 1. Berichte und Erörterung der Lage des jüdischen Volkes in den verschiedenen Ländern und Diskussion über zu ergreifenden Maßnahmen zur Sicherung der jüdischen Rechte und Positionen. Für die wichtigsten Länder: Nordamerika, Polen, Rumänien, Deutschland, Sowjetrußland und Palästina werden Spezialreferenten über die Lage berichten; für die übrigen Länder werden die jeweiligen Delegationen die Referenten bestimmen. 2. Referat und Diskussion über die von Professor Guido Tedeschi angeregte internationale Konvention zur Diffamierung des Antisemitismus. 3. Frage der eventuellen Einberufung und Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses. Das Referat wird Dr. Stephen Wise, der Ehrenpräsident des American Jewish Congress, halten. Das Anwachsen der jüdischen landwirtschaftlichen Bevölkerung Palästinas Jerusalem. Eine auf Grund der letzten Volkszählung soeben veröffentlichte offizielle Statistik zeigt das ständige Der große Jlldische Tonfilms „DAVID GOLDER“ mit Harry Baur, dem großen jüdischen Charakterdarsteller Neu- und Alleinaufführung Helios-Kino II., TaborstraBe 36, Tel. R 41-3-50 Anwachsen der jüdisch-landwirtschaftlichen Bevölkerung ln Palästina. Die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung macht jetzt 26 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung aus, während nach der Volkszählung des Jahres 1922 der damalige Anteil der landwirtschaftlich tätigen Juden an der jüdischen Gesamtbevölkerung bloß 18 Prozent betrug. Ein neues jüdisches Mitglied des ungarischen Magnatenhauses Budapest. Reichsverweser Nikolaus von Horthy hat den bekannten jüdischen Großindustriellen Leo von Buday-Gold« berger als Vertreter der ungarischen Industrie zum Mitglied des Magnatenhauses ernannt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.