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Die Stimme · 1932-08-04 · Heft 239 (4.8.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 239 (4.8.1932)
Date
1932-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seife 0 DIE STIMME Nr. 239 — 4. August 1932 Die großen deutschem Parteien %u den antisemitischen Forderungen der Nationalsozialisten und zur Judenfrage in Deutschtand Berlin, 31. Juli. (J. T. A.) Der New Yorker Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur hat sich an die Leitungen der großen politischen Parteien Deutschland mit dem Ersuchen gewandt, ihre Stellungnahme zu den antisemitischen Forderungen der Nationalsozialisten zur Judenfrage in Deutschland durch Beantwortung einiger konkreter Fragen zu präzisieren. Die den Parteien vorgelegten Fragen lauteten: 1. Wie stellt sich Ihre Partei zu der von der NSDAP, betriebenen antisemitischen Propaganda und der Forderung nach a) Stellung der deutschen Juden unter Fremdenrecht, b) Beschlagnahme des Vermögens der ln Deutschland eingewanderten Auslandsjuden? — 2. Was wird die Stellung Ihrer Partei sein, wenn eine nationalsozialistische Regierung im Reich oder in den Ländern daran gehen sollte, die oben bezeichneten Programmpunkte in die Wirklichkeit umzusetzen? — 3. Wie ist im allgemeinen die Stellung Ihrer Partei zu jüdischen Fragen in Deutschland? Auf diese Fragen antwortete die Sozialdemokratische Partei Deutschlands: «Die Stellung der Sozialdemokratischen Partei zur Rassenfrage und besonders zu der Gleichberechtigung der Juden als Staatsbürger dürfte in aller Welt und in aller Oeffentlichkeit bekannt sein. Es ist selbstverständlich, daß wir nicht im geringsten auch nur die Ansichten der Nationalsozialistischen Partei in dieser Frage teilen. Ihre Frage, was die Partei zu tun gedenkt, wenn eine nationalsozialistische Regierung im Reiche daran gehen sollte, ihre Programmpunkte gegen die Juden in Wirklichkeit umzusetzen, ist wohl nicht zu beantworten: was wir in einem solchen Falle tun werden, läßt sich im Voraus nicht bestimmen.» fr? CcKstm’s pamiliefl'petisiofl leitanratiu, täglich 5-Uhr-Tee SEMMERING TELEPHON 1! Hochstraße 43 neben Hotel Panhant Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pensior. S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warrr und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U*27*6*24 Die Antwort des Zentrums lautete: «Seit seinem Bestehen, also seit über 60 Jahren, hat das Zentrum stets die Gleichberechtigung der Staatsangehörigen jüdischen Glaubens anerkannt und ist für deren Gleichstellung mit den übrigen Staatsangehörigen eingetreten. An dieser Auffassung hat sich nichts geändert und wird sich nichts ändern. Wenn man in Deutschland innerhalb gewisser politischer Lager den hemmungslosen Haß gegen das Judentum predigt, Gewalttaten und Schmähungen duldet und mit weiteren Gewalttaten für die Zukunft droht, so widerspricht eine solche Einstellung und Haltung aufs schärfste unserer Weltanschauung. Das Gebot der Nächstenliebe erfaßt alle in gleicher Weise und kennt keine Ausnahmen. Das Gefühl des Hasses gegen Angehörige einer anderen Rasse oder einer anderen Religion hat im Christentum keinen Platz. Auf Grund dieser aus unserer christlichen Weltanschauung erwachsenen Gesinnung treten wir den Beschimpfungen der deutschen Juden, der Verleumdung ihrer Religion und den Angriffen auf ihre staatsbürgerliche Gleichberechtigung entgegen. Wir erkennen an, daß Angehörige des deutschen Judentums, insbesondere gläubige Juden, in Wissenschaft und Wirtschaft, wie auch sonst im öffentlichen Leben, Hervorragendes geleistet haben.» Die Leitung der Deutschen Staatspartei schrieb: «In Beantwortung Ihres Schreibens vom 19. Juli beantworten wir Ihre Fragen wie folgt: 1. Die Deutsche Staatspartei wendet sich gemäß ihres Programms aufs schärfste gegen die antisemitische Propaganda der NSDAP. Sie sieht in dieser Propaganda eine Schädigung Deutschlands als Kulturnation und eine schwere Gefährdung des inneren Friedens. Sie bekämpft a) die Forderung, die deutschen Juden unter Fremdenrecht zu stellen, als fundamentale Verletzung der verfassungsmäßig verbürgten staatsbürgerlichen Gleichberechtigung und sie sieht b) in dem Rufe nach Beschlagnahme des Vermögens der in Deutschland eingewanderten Auslandsjuden eine rein bolschewistische Forderung. 2. Die Deutsche Staatspartei wird demgemäß die oben bezeichneten Programmpunkte unter jeder Regierung aufs schärfste bekämpfen. 3. Die Deutsche Staatspartei steht programmatisch auf dem Standpunkt voller bürgerlicher Rechtsgleichheit. Eine Judenfrage existiert daher für sie nicht. Der deutsche Jude ist für uns ein Deutscher wie jeder andere mit den gleichen Rechten und Pflichten. Ebenso ist der ausländische Jude, der nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, nach unserer Auffassung rechtlich wie jeder andere Angehörige eines anderen Staates zu behandeln.» Die Deutsche Volkspartei antwortete: «Auf das Schreiben vom 19. Juli teilen wir Ihnen mit, daß die Deutsche Volkspartei keinerlei antisemitische Ziele verfolgt, infolgedessen auch die Stellung der deutschen Juden unter ein Ausnahmerecht ablehnt. Hypothetische Erklärungen für bestimmte Fälle abzugeben, verbietet sich im politischen Leben grundsätzlich. Aus der grundsätzlichen Einstellung der Deutschen Volkspartei kann aber über unser Verhalten ein Zweifel nicht bestehen.» Forderungen der bulgarischen Zionisten an das zionistische Aktions-Komitee Sofia. Das Zentralkomitee der Zionistischen Förderation in Bulgarien hat an das in London tagende Aktionskomitee der Zionistischen Weltorganisation ein Memorandum gesandt, in dem u. a. folgende Forderungen gestellt werden: Das Zentralkomitee spricht sein Bedauern darüber aus, daß nach dem jetzigen System kleinen Landsmannschaften, wie der Zionistischen Föderation in Bulgarien, keine Möglichkeit geboten ist, mit der Zionistischen Weltorganisation durch eigene Vertreter im A. C. in Kontakt zu stehen, und protestiert gegen die Verletzung des Kongreßbeschiusses über Abhaltung der A. C- Sitzungen in Erez Israel. Im Hinblick darauf, daß die Mandatarmacht gegenüber dem Jüdischen Nationalheim eine durch die geringfügige Anzahl der bewilligten Einwanderungszertifikate, durch absurde Verordnungen, die den Raub jüdischen Bodens durch Araber fördern, und durch Nichterfüllung des Versprechens, Juden bei öffentlichen Arbeiten in entsprechendem Ausmaß zu beschäftigen, gekennzeichnete Erstickungspolitik führt, sowie im Hinblick darauf, daß verschärfter Antisemitismus und schwere Wirtschaftsnot die Existenz des jüdischen Volkes in der Galuth bedrohen, verlangt das Zentralkomitee von der Exekutive, sie möge das tragische Problem des jüdischen Volkes vor den maßgebenden Faktoren des Völkerbundes und der Mandatarmacht in seiner Herzlichen Formulierung aufrollen. Es solle aufgehört werden, vor der Welt in der Sprache des Achad Haamismus zu sprechen. Vielmehr soll der Welt die tragische Seite des Judenproblems gezeigt und der Kampf um die zionistische Lösung der Judenfrage unter der Losung «Brot und Freiheit» geführt werden. Es soll verlangt werden, daß das Mandat in einer dieser Forderung entsprechenden Weise ausgeübt werde, widrigenfalls die jüdischen Bestrebungen andere internationale Faktoren zu ihrer Unterstützung heranziehen würden. Ferner möge die Exekutive in nächster Zeit zwei Broschüren herausgeben, von denen die eine die sittliche Berechtigung des Zionismus gegenüber dem Vorwurf, daß er das Selbstbestimmungsrecht der Araber negierte, darlegen und die zweite den ideologischen zionistischen Kampf gegen den kommunistischen Antizionismus behandeln soll. Schließlich lenkt das Memorandum die Aufmerksamkeit des Aktionskomitees darauf, daß Söhne wohlhabener Eltern in einzelnen Kibuzim des «Haschomer Hazair» in Palästina sich niedergelassen haben und es nunmehr ablehnen, ihren Eltern, die ebenfalls nach Palästina kommen wollen, hierbei behilflich zu sein, um so zu verhindern, daß «kapitalistische Unternehmungen im Lande entstehen». Durch dieses Verhalten werde das Einströmen jüdischen Kapitals nach Palästina unterbunden. Der Ausfall an neu zu investierendem Kapital in einigen solchen Fällen übersteige den in Bulgarien im Verlaufe von drei Jahren für den Keren Hajessod gesammelten Betrag. Deshalb verlangt das Zentralkomitee, daß in Hinkunft jenen Kibuzim, die in ihrer Mitte Söhne aus wohlhabendem Hause haben, die sich weigern, gemeinsam mit ihren Eltern Unternehmungen in Palästina zu gründen, jede Unterstützung durch die nationalen Fonds verweigert werde. ' der SabbathfpeundB Aufhebung der Ladensperre am Sonntag Erew Jom Kippur Der Verband der Sabbatfreunde hat Schritte eingelötet, um für Sonntag Erew Jom Kippur, die Bewilligung zum Offenhalten der koscheren Lebensmittel- und Fleischhauerläden usw. zu erwirken und hat sich zu diesem Zweck mit dem Präsidium der Israel. Kultusgemeinde in Verbindung gesetzt. 3f£urxe Jlactkwt€Men Zusammenstöße in Tunis Paris, 2. August. Wie mehrere Blätter berichten, Ist es in Sfax in Tunis vor einigen Tagen infolge eines Streites zwischen einem jüdischen Kaufmann und einem arabischen Diener zu schweren Zusammenstößen zwischen der arabischen Bevölkerung und der jüdischen Bevölkerung der Stadt gekommen. Gegen 1000 Araber sollen in das Judenviertel eingedrungen sein, wo sie zahlreiche Häuser beschädigt und mehrere jüdische Kaufletite sowie den Rabbiner der Gemeinde schwer verletzt haben sollen. Schließlich mußten Truppen einschreiten, um die Ruhe wiederherzustellen. Seither soll in der Stadt eine Art Belagerungszustand herrschen. Dr. Viktor Grünwald tschechoslowakischer Honorarkonsul in Palästina Der bisherige Vizekonsul in Tel-Awiw, Dr. Viktor Grünwald, ist, wie aus Palästina gemeldet wird, zum Honorarkonsul der Tschechoslowakei in Tel-Awiw ernannt worden. Dr. Grünwald hat sich große Verdienste um den Ausbau der tschechoslowakisch-palästinensischen Handelsbeziehungen erworben. Rabbiner S. Winckler gestorben New York. In New York verstarb plötzlich der Rabbiner der Machsike Hadaß.Gemeinde in Kopenhagen S. Winckler im Alter von 62 Jahren. Rabbiner Winckler, ein gebürtiger Palästinenser, erfreute sich wegen seiner Gelehrsamkeit eines hohen Rufes in orthodoxen jüdischen Kreisen. Erleichterung der Einwanderung für Ehepartner amerikanischer Staatsbürger Paris. Die Direktion der Hias-Ica-Emigdirect (H. J. C. E. M.) erhält von Hias, New York, folgende Mitteilung: Das Gesetz, welches bestimmt, daß ausländische Ehepartner amerikanischer Staatsangehöriger, sofern deren Ehe vor dem 1. Juli 1932 geschlossen wurde, nicht unter die Quote fallen, ist in den Vereinigten Staaten bereits in Kraft getreten. Demzufolge werden ausländische Ehepartner, falls sie am 1. Juli 1932 oder nach diesem Datum geheiratet haben, in die Vorzugsquote eingereiht werden. Jüdische Bodenkäufer in Transjordanien mißhandelt Jerusalem. Auf Einladung des arabischen Großgrundbesitzers Rafifan Pascha haben sich vier Juden nach Kerak in Transjordanien begeben, um Grundstücke aus dem Besitze Rafifans zu kaufen, ln der Stadt wurden die jüdischen Bodenkäufer von Arabern überfallen, mißhandelt und gezwungen, Kerak fluchtartig zu verlassen. Verurteilung eines arabischen Brandstifters Jerusalem. Das Gericht in Jerusalem hat einen Araber, der im Juni dieses Jahres eine Scheune bei Sichron Jakob in Brand gesteckt hatte, zu einjährigem Gefängnis verurteilt. Am 9. und 10. August ist die der XXVII. Lotterie. Lose zu haben bei der Geschäftsstelle derösterr. Klassenlotterie J. M. Neufeld, Wien, II. Krummbaumgasse 16, Telephon A 45-9-65 Von der geplanten arabischen Universität in Jerusalem Jerusalem. Das vom panislamitischen Kongreß eingesetzte Komitee für die Organisierung einer muselmanischen Universität in Jerusalem hat beschlossen, folgende drei Fakultäten an der geplanten Universität zu errichten: eine theologische Fakultät für 600 Hörer, eine technische Abteilung für 200 Hörer und eine medizinische Fakultät für 300 Hörer. Ein britischer Jude aus Palästina deportiert Jerusalem. Schalom David Danoch, ein Jude britischer Staatsangehörigkeit, der vor sechs Jahren nach Palästina gekommen und vor drei Monaten wegen Störung der öffentlichen Ordnung vom Jaffaer Gericht zu Gefängnis und nachträglicher Landesverweisung verurteilt worden war, ist dieser Tage, ungeachtet der zu seinen Gunsten von der Jewish Agency unternommenen Interventionen, aus Palästina deportiert worden. Schemaya Demayo, ein Führer der jugoslawischen Juden, gestorben Belgrad, 29. Juli. (J. T. A.) Im Alter von 55 Jahren verstarb in Belgrad der Präsident der sephardischen Gemeinde, Rechtsanwalt Schemaya M. Demayo, einer der hervorragendsten Führer der jugoslawischen Judenheit. Der Verstorbene war langjähriges Mitglied des Munizipalausschusses von Belgrad und Vertreter der Hauptstadt im Parlament. Er war Inhaber des Weißen Adler-Ordens, des St. Sava-Ordens und des Ordens der jugoslawischen Krone sowie Besitzer der goldenen und silbernen Tapferkeitsmedaille. Im Hinblick auf seine Verdienste um die Oeffentlichkeit hatte der Munizipalausschuß einstimmig beschlossen, das Begräbnis Memayos, das unter militärischen Ehren und riesiger Teilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung stattfand, auf Kosten der Stadt vornehmen zu lassen. An der Bahre hielt Justizminister Boza Maksimovie einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er die hohen sittlichen Qualitäten und den Patriotismus Demayos verherrlichte. Die Zeitungen bezeichnen Demayo als eine der markantesten Persönlichkeiten von Belgrad, als die populärste Figur unter der Judenschaft der jugoslawischen Residenz und einen der eifrigsten Förderer der serbisch-jüdischen Verbrüderung. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo fiir alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet 10 Groschen täglich. Keine Nebengebtihren. Für Anfragen Telephon R 41-4-20. D^A 5941

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