Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 238 (28.7.1932)
- Date
- 1932-07-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 238 — 28. Juli 13ÄI Zum Abi eben Lord Plumers Jerusalem. Das Oberrabbinat von Palästina sandte an die Angehörigen des verstorbenen früheren High Commissioner für Palästina. Fekimarschall Lord Plu jners ein Beileidstelegramm und beschloß, am Tage 'des Begräbnisses Lord Plumers in der Großen Synagoge einen Trauergottesdienst abzuhalten. Der jetzige High Commissioner, General Sir Arthur Wauchope, hat die Einladung zur Teilnahme an diesem Gottesdienst angenommen. Die Jewish Agency tor Palestine und der Waad Leumi sandten ebenfalls Beileidstelegramme an die Angehörigen Lord Plumers. Lord Plumers Palästina-Liebe London. Der verstorbene Feldmarschall Lord Plumer hat auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amte des High Commissioner gezeigt, daß sein Interesse für Palästina ein aufrichtiges und warmes war. Im Jahre 1928 leitete er in London die Jahrestagung der «British School of Archeology in Jerusalem». Nach den Palästina-Unruhen im Herbst 1929 hielt er im Oberhaus eine kurze Rede und forcierte eine Verstärkung der Luftstreitkräfte zur Sicherung der Ordnung. Dabei erklärte er, daß er, der frühere High Commissioner, es sich versagen müsse, zu den Unruhen selbst und ihren Ursachen Stellung zu nehmen. Im Jahre 1929 wurde von der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität ein den Namen Plumers tragendes Stipendium für Arabisch an der Universität «als Zeugnis der Achtung der Wirksamkeit Lord Plumers als High Commissioner» errichtet. Erster Stipendiat war Dr. Walter Fischei, der seit 1926 an der Universität an einem Werk über frühe arabische Dichtung arbeitet. Im Mai 1929 sprach Lord Plumer bei der Eröffnung der vom jüdischen Nationaifonds in London veranstalteten Paiästina-Messe und sagte: Diese Ausstellung erinnert mich und meine Frau an die drei glücklichen Jahre, die wir in Palästina verlebt haben». Eliiahu Lewin-Epstein in Nauheim gestorben In Bad Nauheim starb an Herzschlag der dort zur Kur weilende Eliahu Seew Halewi Lewin-Epstein im Alter von 69 Jahren. Der Verstorbene stielte eine angesehene Rolle in der zionistischen Bewegung und in der praktischen Aufbauarbeit in Palästina, sowie in der jüdischen Wanderbewegung. Er war eines der führenden Mitglieder der seinerzeit von Achad Haam begründeten Organisation «Bne Mosche» und Begründer des Zweiges des «Bne Mosche» in Warschau. 1891 war er Mitglied einer nach Palästina entsandten jüdischen Delegation zur praktischen Erforschung der Kolonisationsmöglichkeiten in diesem Lande. Mit Seew Gluskin und einigen anderen begründete er die jüdische Kolonie Rechowoth und förderte die palästinensische Weingesellschaft Carmel, in deren Interesse er vorübergehend in Amerika Aufenthalt nahm. Von Amerika kehrte er nach Europa als europäischer Direktor der amerikanischen Wanderer-Hilfs- und Schutzgesellschaft Hias zurück. Im Kriege entfaltete er eine große Tätigkeit in der Versorgung der notleidenden Juden in Palästina. Er hatte die Absicht, von Nauheim nach Palästina zu fahren, um sich dort ständig niederzustantinopei, an maßgebender Stelle diesbezügliche Aufklärungen zu erteilen, daß das Unternehmen Friedmann selbständig und von denen des Baron Hirsch völlig unabhängig sei. Es erübrige sich, zu betonen, daß die diesbezüglichen Aufklärungen nur in inoffizieller Weise zu geschehen hätten. Wohl sei es möglich, daß sich ihm Gelegenheit bieten werde, im Gespräch mit diesem oder jenem ottomanischen Funktionär aufmerksam zu machen, daß das Projekt Friedmann mit dem Unternehmen des Baron Hirsch in gar keinem Zusammenhang stehe. In diesem Sinne könne und dürfe der Legationsrat unterhandeln, ohne irgendwie gegen die Interessen des österreichischen Staates zu verstoßen. Er könne Friedmann mit desto ruhigerem Gewissen empfehlen, weil ihm nichts Nachteiliges Uber ihn bekannt sei und er im Rufe eines ehrenhaften Mannes stehe. Für jeden Fall ist es interessant, zu bemerken, daß zur gleichen Zeit Prinz Ratibor im Aufträge der deutschen Regierung das österreichische Außenministerium verständigte, daß Friedmann seitens der deutschen Botschaft in Konstantiimpel und der diplomatischen Agenzie in Aegypten keineswegs unterstützt werde. Es sei jedoch den dortigen deutschen Vertretern nicht verboten, ihm persönlich nach Belieben sich gefällig zu erweisen. Friedmann hatte noch am 18. August 1891 dem deutschen Reichskanzleramt eine ausführliche Eingabe Übermittelt*), in der er seine Eindrücke Uber seine im Winter 1890 nach Arabien unternommene Reise schilderte. Er teilte auch dem deutschen Reich'skanzleramte mit, daß er ein kleines Dampfschiff ausgerüstet habe, welches ihn im Winter 1891 unter österreichischer Flagge wieder nach Midjan führen soll. Er beabsichtige lassen. Dieser sein letzter Wunsch ist unerfüllt geblieben *) Berliner Staatsarchiv Türkei (Projekt Friedmann). (2. Artikel folgt.) Oeffentliche Aufforderung an Ludwig Fulda Berlin. Das «Israel. Familienblatt» bringt die folgende «Oeffentliche Aufforderung an Dr. Ludwig Fulda»: «Die gesamte jüdische Presse hat den 70. Geburtstag Ludwig Fuldas zum Anlaß genommen, sein Wirken in der deutschen Literatur zu würdigen. Die jüdischen Zeitungen haben ihre Reverenz vor dem Talente des Dichters erwiesen, obwohl Ludwig Fulda vor einigen Jahren aus der Berliner Jüdischen Gemeinde, der er von Gesetzes wegen angehört hat, ausgeschieden ist. Wir haben uns vor die Persönlichkeit gestellt, die von den Judengegnern als typisch jüdisch angesehen wird, obwohl diese Persönlichkeit selbst sich weigert, die Pflichten, welche diese Zugehörigkeit zu uns mit sich bringt, auf sich zu nehmen. Ludwig Fulda sollte, 70 Jahre alt geworden, jenen Austritt wieder rückgängig machen. Die Berliner Jüdische Gemeinde wartet auf seine Wiedereintrittserklärung, sie ist bereit, ihn mit offenen Armen wieder aufzunehmen, wenn Ludwig Fulda einsieht, daß unter dem Druck der Verfolgung jeder, der sich ais Jude fühlt, auch einer jüdischen Gemeinde angehören muß.» Diese Aufforderung muß als ebenso geschmacklos bezeichnet werden, wie die allzu geräuschvolle Anbiederung der jüdischen Presse an einen berühmten Schriftsteller, der sein Judentum stets verleugnete. Statt das Renegatentum eines aus dem Judentum hervorgegangenen Schriftstellers anzuprangern, kann sich die jüdische Presse nicht genug tun, um Ludwig Fulda fürs Judentum, mit dem er nie etwas Gemeinsames hatte, zu reklamieren. Etwas mehr Würde wäre auch der jüdischen Presse, darunter auch der jüdischen Telegraphenagentur sehr zu wünschen. Jewish Board of Deputies geht nicht zur Jüdischen Weltkonferenz London. Die Frage der Teilnahme an der vom American Jewish Congress und dessen Ehrenpräsidenten Dr. Stephan S. Wise für den 14. August nach Genf ür ein großes jüdisches Erziehungsheim, das 14 bis 18 jährige Burschen erhält, wird ein Präfekt mit pädagogischen Kenntnissen gesucht. Offerten sind zu richten unter Chiffre «Präfekt» an die Adm. d. Blattes einberufenen Jüdischen Weltkonferenz bildete den Hauptpunkt der Beratung des Board of Deputies (Deputiertenrat der englischen Juden) in seiner am Sonntag in London abgehaltenen Sitzung. Die Sitzung, die viele Stunden dauerte, verlief sehr bewegt. Es lag ein Bericht des Joint Foreign Committee (Ausschuß zur Behandlung auswärtiger jüdischer Angelegenheiten) vor, in welchem gegen die Teilnahme an der Weltkonferenz Stellung genommen wurde. Zur Besprechung der Motive für diese ablehnende Stellungnahme des oint Foreign Committee wurde die Beratung für vertraulich erklärt. Galeriebesucher und Pressevertreter mußten den Saal verlassen. Es verlautet, daß zu der Meinungsverschiedenheit hauptsächlich die Frage Anlaß gab, ob die Weltkonferenz den von Entrechtung bedrohten deutschen Juden helfen oder aber schaden könnte. Leonard Q. Montefiore, der zweite Präsident des Board of Deputies, vertrat die Ansicht, daß eine Einmischung auswärtiger jüdischer Führer den Interessen der deutschen Judenheit schaden könnte. Dieser Ansicht trat Dr. Samuel Daiches entgegen, der darauf hinwies, daß Teile der deutschen Juden selbst auf der Weltkonferenz vertreten sein werden. Schließlich nahm der Jewish Board of Deputies mit 36 gegen 32 Stimmen den Beschluß an, der Einladung des American Jewish Congress, Delegierte zu der am 14. August in Genf beginnenden jüdischen Weltkonferenz zu entsenden, nicht Folge zu leisten. In Litauen und Lettland werden ebenfalls Landes-» konferenzen die Wahl der Delegierten vornehmen. Aus Estland wird sich die autonome jüdische Kulturverwaltung an der Weltkonferenz beteiligen. Aus Rumänien werden Vertreter der Jüdischen Partei der vier Landesteile (Altrumänien, Transsylvanien, Bukowina und Bessarabien) an der Konferenz teilnehmen. Aus der Tschechoslowakei liegen Zusagen der Jüdischen Partei sowie des Gemeindeverbandes der Slowakei, «Jcschurun», vor. Aus Deutschland nehmen die Jüdische Volkspartei, der Reichsverband der ostjüdischen Organisationen sowie einige andere Organisationen an der Konferenz teil. Holland wird durch den Verband «Israel* vertreten sein. Aus England liegen Zusagen der Federation of Jewish relief Organisatlons sowie der Großloge des U. O. B. B. vor. Aus Frankreich wird das Comlte des D616gations juives durch eine größere Delegation vertreten sein, ferner entsenden Delegierte die Föderation des Socletö Juives de France sowie Emigdirect. Oesterreich wird durch die Jüdische Volkspartel sowie die Jüdische Völkerbundliga vertreten sein. Aus Finnland kommen Delegierte der Jüdischen Gemeinde Helsingfors. Palästina wird vertreten durch eine Delegation de# Waad Leumi, sowie der palästinensischen Großloge Bnei Brith. Ferner werden Deleationen aus Jugaslawien, Bulgarien, Spanien, Griechenland, Aegypten, Belgien und der Schweiz teilnehmen. Insgesamt werden 80 bis 100 Delegierte erwartet. Anmeldungen zur Jüdischen Weltkonferenz in Zürich Für die Jüdische Weltkonferenz, die am 14. August in Zürich beginnt, liegen, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, bisher die folgenden Zusagen vor: Aus Amerika werden etwa 30 Delegierte erwartet, unter ihnen 8 als Vertreter der zionistischen Organisation, die übrigen als Vertreter des American Jewish Congress und der ihm angeschlossenen Organisationen. Aus Polen kommen Vertreter der Gemeinden Warschau und Wilna. In Ost- und Westgalizien werden Konferenzen stattfinden, die von den Großgemeinden einberufen werden, um Delegierte zu bestimmen. Ferner sind aus Polen angemeldet Vertreter des Klubs der jüdischen Sejmdeputierten, des jüdischen Nationalrates, der Verbände der Kaufleute, der Kleinhändler und der Handwerker. Der Infiat-Streit zugunsten der Juden entschieden Jerusalem. Das Gericht in Haifa hat die erneuerten arabischen Ansprüche auf die in jüdischen Händen befindlichen Böden des Infiat für unbegründet erklärt und die arabische Klage zurückgewiesen. Das Gericht sprach den Arabern auch das Recnt ab, auf den Infiat-Böden ihr Vieh zu weiden urtd dort Holz zti fällen. Revisionistische Weltkonferenz am 28. August In Wien Die Exekutive der Union der Zionisten-Revisionisten hat beschlossen, die Weltkonferenz der Union, die für den 14. August einberufen war, erst am 28. August zu eröffnen. Ort der Konferenz wurd Wien sein. Der Mörder des Kolonisten Burstein verhaftet Jerusalem. Der Araber Mukbal Abu Kaleb wurde ufltef der Beschuldigung verhaftet, vor einigen Monaten in Bai» fouria den jüdischen Kolnriv.rn Rurstem ermordet zu haben. Reichsverweser Horthy zeichnet einen jüdischen Regimentsarzt aus Budapest. Roichsverwei-cr v. Horthy hat dem jüdischen Regimentsarzt aus Kiskunhalas, Dr An-dor Kun, eine hoh# Auszeichnung zuteil werden lassen. Dr. Kun hat sich im Kriege durch heldenmütiges Verhalten ausgezeichnet und ist in den Hofer-Berichten wiederholt hervorgehoben worden. Ef war überall zu sehen, wo die Gefahr am größten war. Mit seinem ambulanten Verbandsplatz drang er bis in die vorderste Linie vor, leistete, während ihm die feindlichen Kugeiit um die Ohren pfiffen, den Schwerverwundeten die erste Hilfe und sorgte für ihren Abtransport an weniger gefährdete Steilen. «Dr. Andor Kun», so heißt es in dem von Honvödminister Gömbös, dem ebernalien Antisemiten, Unterzeichneten Dokument, «ist der allerhöchsten Auszeichnung würdig». Dr. Kun erhielt schon im Kriege das Ritterkreuz des Franz Joseph-Orclcns. Gegenwärtig übt er eine Privatpraxis aus. Eine japanisch-palästinensische Gesellschaft Tokio. Auf Initiative des japanischen Politikers Shonun Sakoi wurde in Tokio eine Gesellschaft gegründet, deren Ziel laut Statut ist: «Unterstützung des Wiederaufbaues des auserwählten Judenvolkes auf theokratischer Grundlage in seiner alten Heimat Zion». Palästinareise des Austro-Palftstinensischen Wirtschafts-Dienstes Der Austro-Palästinensische Wirtschafts-Dienst veranstaltet im Frühjahr 1933 eine Palästinareise verbunden mit einem dreiwöchigem Aulenthalt in Palästina. Die Reise, deren Details noch näher bekanntgegeben werden, wird für die weitesten Kreise die Teilnahme ermöglichen, da die Preise nicht nur äußerst niedrig gehalten sind, sondern ein bequemes TeUzahlungssystem die Möglichkeit schafft, durch kleine Raten sich die Teilnahme zu sichern* Auskünfte werden im Sekretariat des Austro-PalästJnensischen Wirtschafts-Dienstes, IX., Berggasse 16 (Handelsnvuseum), Tel. A 17-5-40, jeden Montag und Donnerstag von Yiö bis 6 Uhr erteilt. Export nach Palästina Oesterreichischen Firmen, die Interesse am Export nach Palästina und den benachbarten Ländern haben, steht der Austro-Paiästinensischc-Wirtschafts-Dienst mit Auskünften zur Verfügung. Es liegen besonders eine Reihe von Vertreter-Angeboten vor, die bereit sind, österreichische Firmen zu vertreten. Fast keine jüdischen Lehrer ln Volks- und Bürgerschulen der Tschechoslowakei Die amtlichen Zahlen über das Volks- und BÜrgerschulwesen der Tschechoslowakei im Jahre 1931 liefern eine weitere Illustration dafür, daß das Unterrichtswesen in der Tschechoslowakei jüdischen Lehrpersonen verschlossen ist. An den Volks- und Bürgerschulen des Staates, insgesamt 17.600 Anstalten, unterrichteten im vergangenen Jahre 162 jüdische Lehrer; davon 15 an Bürgerschulen, 147 an Volksschulen. Von den 162 jüdischen Lehrern waren 15 an Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache angestellt. Dem gegenüber steht eine Zahl von 28.797 Kindern jüdischer Nationalität in diesen Schulkategorien (25.177 an den Volksschulen, 3620 an den Bürgerschulen). Der Konfession nach gab es sogar 41.740 jüdische Kinder an diesen Anstalten (35.766 an Volks- und 5977 an Bürgerschulen),