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Die Stimme · 1932-07-28 · Heft 238 (28.7.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 238 (28.7.1932)
Date
1932-07-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 238 — 28. Juli 1932 DIE STIMME Seite : Handei und Industrie in Palästina' 8H%ung der Jaffa-Handelskammer Jerusalem. Die Jaffaer Handelskammer, die sich in Zukunft Handelskammer Jaffa-Tel-Awiw nennen wird, ha. .’or kurzem ihre Jahresversammlung abgehalten, in der ihr Vorsitzender, der Direktor der Anglo Palestine bank, neefien, die wirtschaftlichen Ereignisse des Berichtsjahres besprach. Bei allem Opitimismus hat er sich einer großen Zurückhaltung befleißigt und insbesondere darauf hingewiesen, daß, wenn England die palästinensischen Orangen wirklich mit einem Einfuhrzoll belegt, dies der Entwicklung der Cytrusindustrie Abbruch tun würde. Diese Angelegenheit werde auf der britischen Reichskonferenz in Ottawa zur Behandlung kommen. In den vergangenen sechs Monaten hat sich die wirtschaftliche Lage Palästinas weiter gebessert. Auch die lokalen Industrien haben trotz der Weltkrise sowohl für den heimischen Bedarf wie für den Export ihre Produkte in erhöhtem Umfange abzusetzen vermocht und die Zahl ihrer Arbeitskräfte steigern können. Die im Zusammenhang mit der jüdischen Einwanderung in den letzten Jahren in Palästina entstandenen Industrien haben sich vielfach in der letzten Zeit so entwickelt, daß sie mit ihren Erzeugnissen an Stelle der bisherigen Einfuhr treten konnten. So hat die Einfuhr von Eisschränken aus dem Ausland aufgehört, da in Tel-Awiw sich vier Werkstätten mit der Herstellung von Eisschränken beschäftigen. Tel-Awiw hat auch durch die Cold Storage & Suppley Co. große und moderne Kühlräume erhalten. Auch die für die Kühlräume und Eisschränke erforderlichen Korkwände werden in einer neuen Korbfabrik in Tel-Awiw hergestellt. Die Einfuhr von Biskuits nach Palästina ist von Lst. 20.000 auf etwa 5000 Pfund zurückgegangen, da alle billigeren Sorten jetzt hier hergestellt und im letzten Jahre sogar für 3000 Pfund in die umliegenden Länder ausgeführt wurden. Eine Strumpf- und Strickwarenfabrik in Tel-Awiw beschäftigt heute 175 Arbeiter und Neu renoviert II., Untere Augartenstraße Nr. 13 (Eingang, II., Förstergasse Nr. 7) Vegetarische und diätetische Speisen, volkstümliche Preise, bis 12 Uhr nachts offen Samstag geschlossen stellt monatlich etwa 10.000 Dutzend Strümpfe her, von denen etwa zwei Fünftel im Inland und der Rest in den Nachbarländern, insbesondere in Syrien, verkauft werden. Der Erfolg der Levantemesse hat zum Beschluß ihrer Wiederholung im Jahre 1934 geführt. Aus den Kreisen der diesjährigen Aussteller liegen bereits Zusagen für Beteiligung in erweitertem Umfang vor. Die Einnahmen der Regierung an Zöllen und Verbrauchssteuern haben sich von 1,234.000 Pfund im Jahre 1930 auf 1,170.000 Pfund im Jahre 1931 vermindert. Dieser Rückgang ist durch das Sinken des Einfuhrwertes infolge des allgemeinen Preissturzes verursacht, während die Warenmenge einigermaßen stabil geblieben ist. Der Wert der Gesamteinfuhr Palästinas hat sich für 1931 auf 5,940.000 Pfund gegen 6,985.000 Pfund für 1930 gestellt. Hiervon gingen 3,056.000 Pfund durch den Jaffaer und 2,085.000 Pfund durch den Haifaer Hafen gegen 3,585.000, bezw. 2,401.000 Pfund im Vorjahre. Dem Tonnengehalt nach entfielen hiervon auf Jaffa 1,044.000 und auf Haifa 764.000. Bukarest. Das endgültige Ergebnis der am 17. Juli vorgenommenen Wahlen in die rumänische Kammer stellt sich nach den soeben veröffentlichten endgültigen Berechnungen des Innenministeriums folgendermaßen dar: Es wurden insgesamt 2,981.453 Stimmen abgegeben, von denen 1,203.458 oder 44.371 Prozent den Nationalzaranisten (Regierungspartei), 401.931 oder 14.819 Prozent den Liberalen, 195.129 oder 6.545 Prozent den «Georgisten» (Liberalen unter Georg Bratianu) zufielen. An fünfter Stelle stehen die Cuzisten mit 159.080 Stimmen (5.86 Prozent) und 11 Abgeordneten. Die Eiserne Garde Corneliu Celea Codreanus erhielt 70.889 Stimmen (2.613 Prozent) und 5 Deputierte. Die Jüdische Partei (Jüdische Reichsliste) erhielt insgesamt 66.308 Stimmen (2.44 Prozent). Bei der Berechnung des prozentuellen Anteils der Jüdischen Partei an den in einzelnen Wahlkreisen abgegebenen Stimmen haben sich gegenüber den ersten inoffiziellen Kalkulationen kleine Verschiebungen ergeben. Demzufolge wird die Jüdische Partei neben den sicheren Mandaten in Marmorosch, Czernowitz und Chotin nicht, wie ursprünglich berechnet, in Beiz und Storojenetz, sondern in Soroca und Radautz Mandate erhalten. Gewählt erscheinen neben Dr. Fischer, Doktor Mayer Ebner und Michael Landau, in Soroco Adv. k Riwkah Gwily, geb. Griffel Arjeh Gwily Wim Kinenth Vermahlte WiM, im Tamus 5692 Ein Palästinapavillon auf der italienischen Levantemesse Rom. Die italienische Regierung und die Handelskreise veranstalten in Bari eine Levantemesse, deren Zweck es sein soll, die Handelsbeziehungen zwischen Italien und den Ländern des Nahen Ostens und des Mittelmeers zu stärken. Der Präsident der Messe, Antonio Larocca, erklärte in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter, daß die Leitung der Messe auf eigene Kosten einen Palästinapavillon errichtet und die palästinensischen Produzenten und Kaufleute eingeladen hat, die Messe zu beschicken. Italien erhoffe sich davon eine Stärkung seiner Handelsbeziehungen zu Palästina. Ein Vertreter der Levanteinesse in Bari studiert gegenwärtig in Palästina die Möglichkeiten der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Italien und Palästina. In Italien, schloß Antonio Larocca, hat man den Erfolg der Levantemesse in Tel-Awiw als Symptom jüdischen Unternehmungsgeistes sehr bewundert. Misu Weißmann und in Radautz der bisherige Deputierte Dr. Manfred Reifer. Auf den Listen anderer Parteien wurden folgende Juden gewählt: Nandor Hegedus, Mitglied der Jewish Agency, auf der Liste der magyarischen Partei Solomon Rosenberg-Kischineff (Nationalzaranist), Aureliu Weiß, Präsident der Loge «Noua Fraternitate» in Bukarest (Nationzaranist) und Lotar Radaceanu-Czernowitz (Sozialdemokrat). In den Senat werden auf Grund des Ergebnisses der am 20. Juli durchgeführten Wahlen neben dem dem Senat als Virilist angehörenden Vertreter des jüdischen Kultus Dr. I. Niemirower, Oberrabbiner von Altrumänien folgende jüdische Vertreter einziehen: Moise Zipstein-Tighina (Nationalzaranist) und Emil D. Fagure, Redakteur der Bukarester Abendzeitung «Lupra» und Mitglied der Jewish Agency, ebenfalls als Angehöriger der nationalzaranistischen Regierungsmehrheit, Als Vertreter der Moldauer Handelskammern wird entweder Generaldirektor W. Dinermann oder Großindustrieller Many Fildermann-Bacau fungieren. Früher bereits wurde, wie schon gemeldet, der bisherige Senator Großindustrieller Max Auschnitt, der in der zweiten Galatzer Industriesektion ohne Gegner kandidierte, zum Senator proklamiert. Das endgültige Resultat dev Kammevwahlen in Rumänien Eine mißglückte Judenstaatsgründung im Midjangebiet*) Ein Kolonisationsversuch Paul Friedmanns in den Jahren 1891/1893 (Nach unveröffentlichten Archivmaterialien) Von Dr. N. M. üelber Kapitell. Die zahlreichen Ausweisungen von Juden in Rußland in den Jahren 1890—1891 hatten die russische Judenfrage in den Vordergrund der Erörterung des gesamten jüdischen Problems gerückt. Eine Flut von Projekten zur teilweisen Linderung der Not der russischen Juden tauchte speziell im Westen Europas auf. Die in Berlin studierenden jüdischen Studenten aus Rußland übermittelten dem Berliner Zentralkomitee zur Unterstützung russischer Juden in Berlin eine spezielle Petition, in der sie auf Grund einer Resolution ihrer Versammlung vom 8. Juni 1891 die Kolonisierung von russischen Juden in Palästina als einziges Lösungsmittel der Judenfrage vorschlugen. Unter dem Drucke dieser Ausweisungen hatte damals auch Baron Hirsch größere Kapitalien zur Verfügung gestellt un*. auf diese Weise das Zustandekommen der ICA ermöglicht. Ein anderer jüdischer Bankier, Leo Lait, ein Jude russischer Abstammung in New York, plante sogar, in Kanada größere Ländereien anzukaufen, um dort eine jüdische Kolonisation im großen Stil zu entfalten. Er gründete auch zu diesem Zwecke eine Gesellschaft mit einem Kapital von 250.000 Dollar, diese Gründung ist jedoch dann gänzlich ins Wasser gefallen. Mit Ausnahme der ICA, die mit der Schenkungsurkunde des Baron Hirsch vom 22. Jänner 1891 zustande kam, ist von allen diesen Versuchen kein einziger in das Stadium einer Verwirklichung getreten. Gerade um diese Zeit hatte das Projekt eines Berliner Christen innerhalb der jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaft starken Widerhall gefunden. Es war dies ein Berliner Philantrop namens Paul *) Ein Kapitel aus unserem demnächst erscheinenden I. Bande der «Vorgeschichte des Zionismus». F r i e d m a n n, der den Plan zur Gründung einer jüdischen Heimstätte in Midjan propagierte. Friedmann hatte für seinen Plan auch die damaligen maßgebenden politischen Faktoren in Deutschland, Oesterreich und in der Türkei zu gewinnen versucht. Zum Zwecke der Gewinnung der russisch-jüdischen Flüchtlinge selbst begab er sich nach Krakau und Mislowitz, wo er die dorthin geflüchteten russischen Juden zu sammeln beabsichtigte, um sie geschlossen in das von ihm bestimmte Kolonisationsgebiet zu bringen. Friedmann hatte auch tatsächlich ungefähr 50 Familien für seinen Kolonisationsplan gewonnen. Er begab sich mit diesen Flüchtlingen Ende November 1891 nach Wien, wo er seine Leute ausrüstete. Hier hatte er auch einen Arzt geworben, ebenso jüdische rituelle Schächter, um somit sämtlichen Wünschen der noch orthodoxen Flüchtlinge entgegenzukommen. Für seine Expedition, die er rein militärisch organisieren wollte, hatte er auch einen preußischen Leutnant namens von Seebach angeworben, ln Wien hatte er auch, dank seiner Beziehungen zum österreichischen Kriegsministerium, Waffen angekauft. Noch kurz vor seiner Abreise sandte er einen hochstehenden ägyptischen Beamten zum damaligen bekannten Orientalisten der Wiener Universität, Dr. David Heinrich Müller, mit dem Ersuchen, die in Nordarabien auf Inschriften vorkommenden Alphabete aufzuschreiben, da er die Absicht habe, in Midjan und sonst in Arabien befindliche Inschriften zu kopieren und der orientalischen Wissenschaft zugänglich zu machen. Müller erfüllte auch seinen Wunsch. In Triest hatte Friedmann seine Leute auf der ihm gehörigen Jacht, die er stolz «Israel» benannte, eingeschifft. Die Waffen wurden selbstverständlich sorgsam aufbewahrt, um eventuellen Revisionen der türkischen Seepolizei zu entgehen. In Kairo angelangt, bemühte sich Friedmann, durch Vermittlung des deutschen Generalkonsuls und des bei der damaligen ägyptischen Regierung maßgebenden Staatsmannes Riaz Pascha, bei der ägyptischen Regierung um die Unterstützung seiner Aktion. Friedmanns Absicht war, an der westlichen Küste des Roten Meeres im Golf von Akkaba die Ansiedlung von Juden aus Rußland und Galizien ins Werk zu setzen, um seinen Lieblingsgedanken, die provisorische Schaffung eines Judenstaates zu verwirklichen. Der deutsche Generalkonsul in Kairo, an den er sich um Interventionen wandte, lehnte es im vorhinein ab, irgendwie in diesem Sinne bei der ägyptischen Regierung zu intervenieren.*) Auch Riaz Pascha zeigte sich keineswegs entgegenkommend. Letzterem erwiderte Friedmann sogar, daß er dann die Sache auch gegen den Willen der ägyptischen Regierung ausführen werde, da ja ihre Autorität bezüglich des oberwähnten Territoriums ohnehin eine rein nominelle sei und die eigentlichen Herren dieser Landschaft, die Beduinenstämme sind, vor denen ja die ägyptische Regierung eine nicht geringe Scheu habe. Diese Stämme würden seiner Meinung nach der geplanten Ansiedlung, für die Gegend, die er an Ort und Stelle erforscht habe, genügend Ressourcen bieten, nicht hindern. Dagegen gelang es Friedmann durch persönliche Bekanntschaft mit dem damaligen Sektionschef des österreichischen Außenministeriums Grafen Welsheimer noch während seines Aufenthaltes in Wien im Oktober 1891 ein Privatschreiben an den österreichischen Legationsrat Freiherrn von Coli in Konstantinopel zu erlangen, in dem der Sektionschef Friedmann bestens empfahl. Friedmann teilte der Sektionschef in seinem Schreiben mit, «beschäftige sich mit dem Projekt, in der Landschaft Midjan im nordwestlichen Teile Arabiens eine Judenniederlassung zu begründen und begibt sich um die vorbereitenden Schritte in dieser Richtung zu tun, demnächst nach Konstantinopel. Er besorgt nur, daß die dortige Regierung sein Projekt mit den gleichwertigen Unternehmungen des Baron Hirsch im Zusammenhang bringen und ihm auf Grund dieser irrigen Voraussetzungen Hindernisse in den Weg legen könnte». Graf Welsheimer*) bittet daher den Legationsrat in Kon- *) Wiener Staatsarchiv: Türkei P. A. XII 238 (Juden- XVIII. Niederlassungen in Arabien [Projekt Friedmann]). *) Welsheimers Brief an Legationsrat Frh. v. Coli ln Konstantinopel v. 24. Oktober 1891 (W. St. A. Türkei, P. A. Uvui * XII., 238.

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