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Die Stimme · 1932-07-28 · Heft 238 (28.7.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 238 (28.7.1932)
Date
1932-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Die: SilMMB Nr. 238 — 28. Juli 1932 an der Jüdischen Weltkonferenz tellnehmen. Da liegt der Kern des Uebels. Es gibt ein international verankertes Dokument in dieser Frage, die Balfour-Dekiaration, die in den Wortlaut des Mandats und der Friedensverträge aufgenommen wurde und ausdrücklich besagt, daß wegen der Schaffung der Heimstätte ln Palästina «nichtsgetanwerden.soll, was-die politische Stellung der Juden in Irgendeinem anderen Lande beeinträchtigen könnte». Wir Zionisten stehen auf dem Standpunkte, der ln diesem Satze der Balfour-Dekiaration verankert ist. Die Juden, die im Judentum nur eine religiöse Gemeinschaft sehen wollen, wehren sich gegen derartige Anschauungen. Sie werden aber durch die Macht der politischen Verhältnisse bekehrt werden. Traurig genug, daß die richtige Erkenntnis vom Wesen des Judentums ihnen derart vermittelt werden muß. Zionistische Wochenschau Großzügiger Ausbau dev chemischen Werke am Toten Meer London. Am 21. Juli wurde in London die 2. Generalversammlung der Palestine Potash Company abgehalten. Die Tagung wurde in Vertretung des Präsidenten Lord Lytton, der sich gegenwärtig in China aufhält, von Oberst David Lyell geleitet. Von den übrigen Mitgliedern des Direktoriums nahmen an der Tagung Ing. Novomesky, Tulloch, Harry Sacher und Lord Glenconer teil. Aus dem der Versammlung vorgelegten Bericht geht hervor, daß das Direktorium den Ausbau der Werke am Toten Meer zur Gewinnung von Pottasche und Brominen ins Auge gefaßt hat. Ing. Novomesky hielt ein Referat Über die Tätigkeit der Gesellschaft im letzten Jahre. Die gesamte bisherige Produktion an Pottasche und Brominen wurde in England abgesetzt. Obwohl die Arbeit im abgelaufenen Jahre bloß im kleinsten Maßstab durchgeführt wurde, habe es sich doch gezeigt, daß die Produkte der Gesellschaft, sowohl was Preis als auch was Qualität betrifft, den Wettbewerb mit den Produkten anderer Gesellschaften aufnehmen können. Den Plänen des Direktoriums entsprechen, soll nunmehr die Tätigkeit der Gesellschaft auf breitere Grundlage gestellt werden. Das von den gegenwärtigen Aktionären im Laufe des letzten Jahres für den Ausbau der Werke neu gezeichnete Kapital beträgt 30.000 Pfund. In den Werken sind gegenwärtig fast 400 jüdische und arabische Arbeiter beschäftigt Arabibische und jüdische Arbeiter leben miteinander im besten Einvernehmen, auch die gesundheitlichen Verhältnisse sind zufriedenstellend. In den letzten zwei Jahren :st kein Fall einer Erkrankung an Malaria vorgekommen. Einreiseerlaubnis für 37 Rabbiner nach Palästina Jerusalem. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die bisher bestandenen Einschränkungen der Einreise für Rabbiner gewisser Altersstufen aufgehoben, so daß von jetzt ab Rabbiner aller Altersstufen aus allen Ländern nach Palästina kommen können. Voraussetzung ist, daß das Oberrabbinat die Garantie übernimmt, daß die Einreisenden der Oeffentlichkeit nicht zur Last fallen werden. Auf Grund der Aufhebung der erwähnten Beschränkung erhielten 37 Rabbiner, denen früher die Einreise nicht gestattet war, nunmehr Einreisevisa. Wie die J. T. A. erfährt, bereitet der High Commissioner ein Gesetz vor, welches die Heirat von Jugendlichen unter 16 Jahren verbietet. Der High Commissioner hat sich bereits in dieser Angelegenheit mit den Führern der religiösen Gemeinschaften in Palästina in Verbindung gesetzt. Die palästinensische Schulfrage Jerusalem. Eine Abordnung der Jewish Agency und des Waad Leumi ersuchte den High Commissioner, die die Autonomie des hebräischen Schulwesens einschränkende Bestimmung in dem geplanten Erziehungsgesetz abzuändern und ferner die Staatssubvention für das hebräische Schulwesen zu erhöhen. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope versprach, seine Entscheidung bald zu treffen. Jüdischer Boden im Emek für Legung der Petroleumröhren aus dem Irak enteignet Jerusalem. Die Palästinaregierung hat auf Grund des Bodenexpropriationsgesetzes die Enteignung eines gewissen Teiles des Bodens von zehn jüdischen Siedlungen im Osten und im Zentrum des Emek Jezreel zugunsten der Irak Petroleum Company ausgesprochen. Der Boden wird zur Führung der Pipe line (Petroleumröhren) aus dem Irak nach Haifa benötigt. Für den enteigneten Boden wird volle Entschädigung sowohl an die Kolonisten als auch an den Keren Kajemeth gezahlt. Unter den von der Enteignung betroffenen Kolonien befinden sich die Siedlungen Kfar Chassidim, Mizrah, Jedda und Sheik Abrek. Wie die J. T. A. erfährt, wurden Verhandlungen mit dem Keren Kajemeth hinsichtlich dieser Transaktion vor längerer Zeit eingeleitet. Es handelt sich keineswegs um die Wegnahme irgendwelcher beträchtlicher Bodengebiete. Zur Ermöglichung der Transaktion mußte aber dennoch das Enteignungsgesetz angewandt werden, da der Keren Kajemeth, der ja den von ihm verwalteten Boden als Eigentum des jüdischen Volkes erworben hat, nicht das Recht hat, Boden im Wege einer normalen Transaktion zu verkaufen. Entwffssepungsaniage führt durch jüdischen Friedhof Jerusalem. Der Beschluß der Regierung, eine Entwässerungsanlage durch den alten sephardischen Friedhof in der Nähe des Grabmals von Simon Hazaddik zu führen, hat große Aufregung unter den orthodoxen Juden Jerusalems hervorgerufen. Nach dem ursprünglichen Plan sollte die Drainage durch den Moslemfriedhof geführt werden; infolge Protestes der Araber hat der High Commissioner den Plan geändert. Delegiertentag der tschechoslowakischen Zionisten ln der Zeit vom 5. bis-6. Juli fand in-Mähr.-Ostrau der X, tschechoslowakische Zionistentag statt. Es nähmen;120.' Delegierte äh den "Beratungen' teil, davon 94 mit Stimmrecht. Nach Parteien verteilt, ergibt sich folgende Zusammensetzung: Allgemeine Zionisten 45, sozialistische Zionisten -31, Radikale 18. Die Revisionisten hatten sich, obgleich sie noch dem Landesverbände angehören, nicht an den Wahlen zum Delegiertentag beteiligt, waren aber Blut-, Haut- und Nervenkranke erreichen durch den Gebrauch des natürlichen «Franz - Josef»- Bitterwassers geordnete Verdauungsverhältnisse. — In allen Apotheken und Drogerien erhältlich. durch ihre Sprecher dortselbst vertreten, die quasi als Gäste zu alten sie interessierenden Punkten der Tagesordnung Stellung nahmen. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage der Schaffung eines Territorialverbandes — dem Landesverbände gehören weder Poale Zion noch Misrachl an — die infolge einer ziemlich engen Verkettung von zionistischer Organisation und jiidschnationaler Land-espolitik hierzulande eine besondere Note erhält. Nach gründlicher Durchberatung in den Kommissionen konnte eine alle Gruppen befriedigende Lösung gefunden werden, die, den guten Willen der übrigen in Betracht kommenden Gruppen vorausgesetzt, zur baldigen Schaffung eines Territorialverbandes führen kann. Einen breiten Raum in den Verhandlungen des Plenums und der Palästinakommission nahm die Frage der Förderung der Privatinitiative für Palästina ein. Zu diesem Punkte hielt Julius Berger ein Referat, in dem er die privatwirtschaftltehen Möglichkeiten Palästinas darlegte, und der Delegierte der Histadruth, Ben Aharon, ein Korreferat, in welchem er sich insbesondere mit der Wechselbeziehung der Tätigkeit privaten und nationalen Kapitals in Palästina auseinandersetzte. Unter anderen Resolutionen über diese Frage empfahl der Delegiertentag den Zionisten nur eine solche Beteiligung an privatwirtschaftlichen Unternehmungen, die eine Verwendung jüdscher Arbeit verbürgt. Der Exekutive der zionistischen Weltorganisation wurde für ihre Tätigkeit die Anerkennung ausgesprochen. Für diesen Antrag stimmten alle Parteien, auch die Radikalen. Eingehend beschäftigte ach der Zionistentag mit dem lawinenartigen Anwachsen der antisemitischen Bewegung, die von Deutschland ausgehend, heute bereits Gebiete erreicht, die bisher davon so ziemlich freigeblieben sind. Der Vorsitzende der tschechoslowakischen zionistischen Organisation, Dr. Rufeisen, führte unter stürmischer Zustimmung der gesamten Tagung darüber in seiner Eröffnungsansprache u. a. folgendes aus: «Es wird auch heute nicht gelingen, durch noch so große Unmenschlichkeiten das Faktum der jüdischen schöpferischen Mitarbeit auf allen Gebieten der Kultur und Wirtschaft zu widerlegen. Daran können auch nicht vandalische Verwüstungen jüdischer Friedhöfe in Deutschland, die Ueberfälie und Grausamkeiten gegen wehrlose jüdische Bürger und überhaupt die angekündigte Absicht, die Juden außerhalb des Gesetzes zu stellen, ändern. Vor Beginn der Generaldebatte erstattete Julius Berger ein Referat über «Privatwirtschaftliche Möglichkeiten in Palästina». Als Korreferent unterstrich der Delegierte der palästinensischen Histadruth, Ben Aharon, die Notwendigkeit der Anerkennung prinzipieller jüdischer Arbeit auch in den privatwirtschaftlichen Positionen. Der Zionistentag sprach nach scharfen Protesten gegen die Politik der Mandatarmacht in bezug auf Einwanderung, Anteil an öffentlichen Arbeiten und Sicherheit der Exekutive und dem Präsidenten der Weltorganisat'on Nahtim Sokolow das Vertrauen aus. In die neue Leitung, die ein Budget von 700.000 Kc flif die verschiedenen Gebiete zionistischer Arbeit aufzubringen haben wird, wurden wiedergewählt: Dr. Josef Rufeisen, Dr. Franz Kahn, Dr. Emil Müller, Friedrich Frankel, Jacques Krieger, Mila Musil, Friedrich Thieberger, Dr. Zander. 3Kurze Jlacfivicfkten Selbstmord eines palästinensischen Industrieführers Tel-Awiw. Der palästinensische Direktor der Siemens Orient-Company, Johann Eckstein, hat inr Alter von 58 Jahiren aus unbekannten Gründen Selbstmord begangen. Palästinensische Krimlnalstatistlk Jerusalem. Einer soeben veröffentlichten polizeilichen Statistik zufolge, wurden im Jahre 1931 in Palästina 124 Morde begangen, von denen 110 Gegenstand gerichtlicher Verhandlungen waren. Bezalel-Scliule in Jerusalem wird im September wieder eröffnet Das Kuratorium der «Pro-Bezalel-Gesellschaft» hat beschlossen, zu Beginn des kommenden Lehrjahres, im September d. J., die vor einigen Jahren wegen Mangels an Mitteln geschlossene Bezalel-Kunstschule wieder zu eröffnen. Dieser Beschluß hat in weiten Kreisen Palästinas große Zufriedenheit ausgelöst. Die allgemeinen Zionisten Palästinas und die French- Bericht Jerusalem. Die Konferenz allgemeiner Zionisten Palästinas beschloß, das Aiktions-Comitee der Zionistischen Organisation dringend aufzu-fordern, die im Bericht des Landen twickhmgsdirektors Lewis French gemachten Vorschläge a priori zurückzuweisen und sich auf Versprechungen möglicher Verbesserungen nicht einzulassen. Eine Schenkung der litauischen Regierung an dlt _ _ Slobodkaer Jeschlwa Kowno. Der litauische'Volksbildtmgsminister Schakfeni« hat im Einverständnis mit dem Landwirtschaftsminister Alex» dem litauischen Rabbinerverband ein größeres Baugelände zur Errichtung eines Neubaues der weltberühmten Slobodkaer Jeschlwa geschenkt. Der Oberrabbiner von England wird als Schiedsrichter in dem Streit zwischen Großbritannien und Irland angerufen London. George Landsbury, Führer der englischen Arbeiterpartei, richtete an den Oberrabbiner des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, das Ersuchen, gemeinsam mit dem Papst und dem Erzbischof von Canterbury ein Schiedsrichteramt in dem «sinnlosen Disput zwischen Großbritannien und Irland» anzunehmen. Wie die JTA erfährt, wird Chief RabW Hertz Landsburys Einladung nicht annehmen, da er eine politische Vermittlerrolle als außerhalb des Bereiches seiner Wirksamkeit liegend erachtet. Ein Jude Präsident des Appellationsgeiichtes in Turin Rom, Die Mitglieder des Appellationsgerichtes in Bari veranstalteten einen feierlichen Abschiedsabend zu Ehren des bisherigen Vorsitzenden dieses Gerichtes, des hervorragenden jüdischen Juristen Leopoldo Maggis, der zum Vorsitzenden des Appellationsgerichtes in Turin ernannt worden ist. Der Justizministor Rocco beglückwünschte Muggia zu seiner Ernennung in einem Schreiben, in welchem er ihn den Ruhm des italienischen Richtertums nennt. Plo Tagliacozzo Präsident der Jüdischen Gemeinde Rom Rom. Auf Grund des neuen Gesetzes über die jüdischen Gemeinden in Italien fanden soeben in Rom die Wahlen zur Jüdischen Gemeinde statt. Zum Vorsitzenden der Gemeinde Rom wurde der bisherige Regierungskommissär der Gemeinde, Advokat Pio Tagliacozzo, gewählt. Pio Tagliacozzo, einer der angesehendsten Rechtsanwälte Roms, ist auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge führend tätig. Er ist der Gründer des italienisch-jüdischen Waisenhauses, in welchem mehr ftls 50 jüdische Waisenkinder untergebracht sind. Zwei jüdische Tote bei einem Autounglück auf der Straße Hebron—Jerusalem Jerusalem. Auf der Straße zwischen Hebron und Jerusalem geriet ein Touristenauto ins Schleudern und überschlug sich Zwei jüdische Touristen aus Bagdad, Reuben Züka und Ephraim Maßrawi, wurden getötet, drei andere aus Bagdad stammende Juden wurden verletzt. Ose-Stiftung des Bildhauers N. Aronsohn Riga. Ende Juni ist in Kreslawka (Lettland) die Kinderkolonie der Ose, die den Namen «L. u, K. Aronsohn-Kolonie» trägt, eröffnet worden. Diese Anstalt ist eine Stiftung des berühmten jüdischen Bildhauers N. Aronsohn, die er im Rahmen des Hilfswerkes der Ose zum Andenken an seine Eltern errichtete. Die Kolonie befindet sich in einem speziell für diesen Zweck eingerichteten Hause im Walde in der Nähe der Stadt und kann 80 bis 100 Kinder beherbergen. Zionisten! Gedenket auch während der Ferien des Keren Kajemeth Das jüdische Volk hat Hunger nach Boden!

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