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Die Stimme · 1932-07-28 · Heft 238 (28.7.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 238 (28.7.1932)
Date
1932-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. Preis 35 g BEZUGS. BEDINGUNGEN Osstsrreich monat« lieb 3 1*50, viertel« jlhrl. S 4*20, ganz« jghri. ... 3 16*— Deutechld. viertel« j&hrl. . . RM 3- Tschechoslowakei viertelj. . Ke 24*— Jugoslawien viertel« jlhrl. . Din. 40- Polen Vierteljahr Ucb . . Zloty 6 50 Ungarn Vierteljahr« Ucb . . Pengö 4‘20 Rumänien viertel« jahrl. Lei 120— Uebrigee Ausland vlerteljBhrL Schw Franken 4*50 Jüdisdte Zeitung 5. Jahrgang Wien, Donnerstag, 28. Jnü 1932 (24. Tammus 5692) Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, L, KSrntner- 8trafie 28 TeL R-27-4-86 Postsparkassen konti: Oesterr. D 113.54 Polen . 191.19 Tschechoslowakei . 500.2' Jugoslawien 40.8* gs M o CO & Nummer 238 Rund um die jüdische Weltkonferenz Vor der jüdischen Welikonferenz (Aus einem Gespräch mit Dr. Nahum Goldman n.) Montag weilte Dr. Nahum Goldmann in Wien, der bekanntlich vom Amerikanisch-jüdischen Kongreß mit den Vorbereitungsarbeiten der Weltkonferenz beauftragt wurde. Ein Mitarbeiter unseres Blattes hatte Gelegenheit, mit Herrn Dr. Goldmann über aktuelle Fragen, die mit den Vorarbeiten zur Weltkonferenz im Zusammenhänge stehen, zu »rechen. Dr. Goldmann äußerte sich dahin, daß es zurzeit noch unbestimmt sei, ob die Konferenz in Genf oder Zürich stattfinden werde. Lieber diese Frage wird erst das Vorbereitungskomitee b> den allernächsten Tagen beraten und eine endgültige Entscheidung treffen. Was die Teilnahme artbetrifft, so werden außer den 25 amerikanischen Delegierten Uber 60 Vertreter europäischjüdischer Körperschaften teilnehmen. Aus Polen erscheinen außer dem Jüdischen parlamentarischen Klub, Vertreter großer Judengenreinden (so z. B. Warschau, Lemberg, Krakau, Wilno), jüdischer wirtschaftlicher Organisationen (Kaufleute, Handwerker). Die jüdische Voikspartei (Folkisten) werden durch ihren Führer Dr. Noah Prylucki vertreten sein. Nicht minder stark vertreten sind auch die baltischen Länder (Lettland, Finnland und Estland), ln Litauen dagegen werden die Delegierten auf einer algemein jüdischen Landeskonferenz gewählt. Aus Deutschland sollte nebst den judisdwiationalen Organisationen auch der Central-Veredn seine Vertreter delegieren, Nach Bekanntgabe des ablehnenden Beschlusses des Board of Deputies, zog der C. V. seine Zustimmung zurück. Nun hat in den allerletzten Tagen der Board of Deputies «eine ablehnende Haltung revidiert und beschlossen, an der Weltkonferenz teilzunehmen. Es ist nun zu hoffen, daß auf Grund dieser neuen Tatsache, auch andere Körperschaften, die sich bisnun ablehnend verhielten, ihre Stellungnahme ähnlich wie der Board einer Revision unterziehen und sich vielleicht doch entschließen werden, die Weltkonferenz zu beschicken. Man darf doch nicht vergessen, daß angesichts der jetzigen Situation, in der wir Juden uns in allen Staaten befinden, ein Zusammenschluß aller jüdischen Organisationen und Gruppierungen auf der Grundlage eines jüdischen Weltkongresses geradezu ein Gebot der Stunde ist und alle diesbezüglichen Befürchtungen gewisser jüdischer Gruppen —die Antisemiten würden darin ein Werk der «Weisen von Zion» erblicken — sind wirklich lächerlich und unbegründet. Erwähnen möchte ich noch die überaus zahlreiche Beschickung der Konferenz seitens der Juden in Frankreich, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Schweiz und Rahen, welch’ letzterer Delegation auch Prof. Tedeschi angehört, der Anreger der Schaffung einer internationalen Konvention zur Bekämpfung des Antisemitismus. Im allgemeinen ist zu erwarten, daß die Weltkonferenz eine ersprießliche Arbeit auf dem Wege zum Zusammenschluß der Weltjudenheit auf dem Forum eines in der allernächsten Zukunft einzuberufenden jüdischen Weltkongresses leistet. Sie fragen mich nach dem Zweck meines Hierseins. Vor allem will ich mit dem Präsidium der hiesigen jüdischen Gemeinde wegen ihrer Teilnahme an der Weltkonterenz verhandeln. Ich glaube, daß eine so bedeutende Judengemeinde, wie die Wiener, sich keinesfalls von einer Teilnahme ausschließen darf. Von Wien fahre ich noch heute nach Berlin, von wo ich mich zur A. C.-Tagung in London begebe. Der Verband der jüdischen Gemeinden Griechenlands nimmt teil Saloniki, Als Repräsentant der griechischen Judenheit wird Herr Leon Recanatty, Präsident der Bnei Brith-Loge und des Verbandes der jüdischen Gemeinden Griechenlands, Vertreter der griechischen Juden im Council der Jewish Agency für Palästina, an der jüdischen Weltkonferenz, die am 1. August in Zürich Zusammentritt, teilnehmen. Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände Deutschlands und die einzelnen Landesverbände lehnen eine Teilnahme ab Berlin. American Jewish Congress hat sowohl an die Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände jüdischer Gemeinden Deutschlands, als auch an die einzelnen Landesverbände jüdischer Gemeinden Einladungen ergehen lassen, Delegierte zu der am 14. August in Zürich beginnenden jüdischen Weltkonferenz zu entsenden. An die jüdische Gemeinde Berlin, wie überhaupt an Einzelgemelnden, sind Einladungen nicht ergangen. Sowohl die Reichsarbeitsgemeinschaft als auch der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden und die übrigen jüdischen Landesverbände In Deutschland haben beschlossen, Delegierte zu der jüdischen Weitkonferenz nicht zu entsenden. Die Einladung des Ehrenpräsidenten des American Jewish Congress, Doktor Stephan S. Wise, wurde ablehnend beantwortet. Die rumänischen Bnei Brith zum Plan eines jüdischen Weltkongresses Bukarest Der rumänische Distrikt des Ordens Bnei Brith wurde eingeladen, zu der vom American Jewish Congress für den 14. August nach Zürich einberufenen Konferenz, die sich mit der Frage der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses beschäftigen soll, Vertreter zu entsenden. Die rumänische Großloge des U. 0. B. B. hat in einer speziell zu diesem Zweck Unberufenen Sitzung zu dieser Einladung Stellung genommen. Während ein Teil der Mitglieder der Großloge mit dem Präsidenten der Arader Loge «Or», Tibor von Adler, an der Spitze, die Idee eines jüdischen Weltkongresses begeistert begrüßte und verlangte, daß der Orden bei der Vorbereitung des Kongresses seine führende Rolle übernehmen solle, warnte ein anderer Teil der Mitglieder vor den Gefahren eines solchen Kongresses in diesem Augenblick. Der Präsident der Großloge, .Landesrabbiner Dr. I. Niemirower, nahm einen vermittelnden Standpunkt ein. Seinen Vorschlägen entsprechend wurde beschlossen, dem Konferenzkomitee mitzuteilen, daß der Orden Bnei Brith in Rumänien im Hinblick darauf, daß 1. die rumänischen Bnei Brith als Gieder einer Weltorganisation einer Stellungnahme der obersten Ordensleitung, die die jüdische Gesamtlage besser beurteilen könne als ein Landesverband, nicht vorgreifen wollen, daß 2. die bevorstehende Konferenz der europäischen Arbeitsgemeinschaften der Bnei Brith die Frage eines jüdischen Weltkongresses behandeln werde, daß 3. auch eine Landeskonferenz der rumänischen Bnei Brith diese Frage im Herbst beraten werde und daß 4. die schwierige finanzielle Lage des rumänischen Ordensdistrikts die Entsendung von Vertretern nach Zürich im gegenwärtigen Augenblick ungemein erschwere, von einer Beteiligung an der bevorstehenden Konferenz absehen müsse. Damit wolle der Orden jedoch keineswegs eine grundsätzlich ablehnende Haltung zur Frage eines jüdischen Weltkongresses einnehmen. Er sei vielmehr bereit, die Beschlüsse der Züricher Konferenz einer eingehenden wohlwollenden Prüfung zu unterziehen, um dann endgültig zu den auf der Konferenz behandelten Problemen Stellung zu nehmen. Der Großpräsident des Ordens Bnei Brith in Rumänien, Dr. I. Niemirower, hat bereits in seiner im Jahre 1909 erschienenen Broschüre «Eine Jabneh- Akademie» den Plan eines jüdischen Weltkongresses, allerdings mehr von kulturellen Gesichtspunkten gesehen, entworfen. Er trat in dieser Schrift für die Schaffung eines jüdischen Weltparlaments, einer «synagoga mahna», ein. Auch im Jahre 1919 nahm er an den Beratungen des Comite des Delegation Juives in Paris teil. Er gehörte zu jenem Flügel der Konferenz, der zu größter Vorsicht bei internationaler Behandlung jüdischer Probleme rief. Weltverband Poale Zion lehnt Teilnahme an Jüdischer Weltkonferenz ab Prag, 25. Juli. (J. T. A.) Der Weltverband Poale Zion wird an der bevorstehenden Konferenz zur Vorbereitung eines jüdischen Weltkongresses nicht teilnehmen. Hiezu wird aus Kreisen, die der Poale zionistischen Weltverbandsleitung nahestehen, mitgeteilt, der Verband habe zwar den Gedanken eines jüdischen Weltkongresses stets bejaht, sei aber bei .seiner Stellungnahme von der Voraussetzung ausgegangen, daß dieser Kongreß nach vollkommen demokratischen Prinzipien organisiert sein und sein Programm vorher festgeiegt haben müsse. Zer UMn HlHnnz Am 14. August wird in Zürich die Jüdische Weltkonferenz ihre Tagung beginnen. Die Präludien zu dieser Konferenz sind ein Dokument der jüdischen Schande unserer Zeit, lehrreich und abschreckend. Was ist eigentlich geschehen? Die trostlose Lage des Judentums in fast allen Ländern der Welt veranlaßte den unter Führung von Dr. Stephen Wise stehenden «American Jewish Congreß» vor mehr als einem Jahre, die Idee eines Jüdischen Weltkongresses zur Diskussion zu stellen. Während des letzten Zionistischen Kongresses fanden über Initiative der amerikanischen Zionisten in Basel Besprechungen statt und es wurde beschlossen, die Idee des Weltkongresses zu verwirklichen. Die Vorstufe hiezu bildet die nunmehr einberufene Jüdische Weltkonferenz. Das Echo der Einberufung war sensationell. Der «American Jewish Congreß» hat in Amerika eine Konkurrenz, das unter Führung von Dr. Cyrus Adler stehende «American Jewish-Committee». Dr. Cyrus Adler, eröffnete nun eine wütende Zeitungskampagne und nannte die Weltkonferenz «a sensationel blunder». Der Meinungsstreit griff auf die ganze Welt über. Die Agudas Jisroel war natürlich sofort gegen die Konferenz; ging doch die Idee von zionistischer Seite aus, war daher von vornherein «possel». Von anderer Seite wieder wurden Gegenargumente sachlicher Art geltend gemacht. In England beschloß der «B o a r d o f Deputies» mit 36 gegen 32 Stimmen, die Teilnahme an der Konferenz abzulehnen, wohingegen die Bnej Brith Logen in England die Teilnahme beschlossen. Das veranlaßte wieder die führende jüdische Zeitung Englands, «The Jewish Chronicle», zu einem Protest: die Bnej Brith Logen seien nicht legitimiert, das englische Judentum zu repräsentieren. Die Weltkonferenz wird aber stattfinden und sie wird auch aus zahlreichen Ländern der Welt «Delegierte» haben. Es werden an ihr sicher auch wertvolle und verdienstvolle jüdische Persönlichkeiten teilnehmen. Das Geschrei, das allenthalben erhoben wird, der «Kille»streit zwischen Wise und Adler, mögen nun die Argumente gegen die Konferenz sachlich begründet sein oder nicht, verletzter Eitelkeit entspringen oder das Produkt einer Justamentpolitik sein — wer erinnert sich nicht an die Protestrabbiner unseligen Angedenkens? — dürfen uns den Horizont nicht verdunkeln. Die Idee der Weltkonferenz entspringt reinen Motiven. Man wird Dr. Wise einmal dankbar sein, auch wenn die Konferenz einstweilen kein greifbares Resultat haben, selbst wenn sie wegen ihrer überstürzten Einberufung Schiffbruch erleiden sollte. Der Antisemitismus arbeitet rascher, als wir Juden uns bezüglich einer Konferenz einigen können. Das ist eine Schuld des Judentums und nicht der Einberufer der Konferenz. Niemand wird leugnen können, daß uns Juden eine Welt von Haß umbrandet, stärker als jemals in unserer leidensvollen Geschichte. Niemand wird leugnen, daß wirtschaftliche Not und politische Zerrissenheit uns zu erschreckender Bedeutungslosigkeit verurteilt haben. Jeder Jude muß das Gefühl haben, daß wir uns nicht in den Abgrund treiben lassen dürfen, daß wir uns wehren müssen. Jeder Jude muß klar erkennen, daß uns niemand zur Hilfe kommt und daß wir, ob wir nun wollen oder nicht, unser Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Ein großer Teil des Judentums steckt noch in den liberalen Anschauungen des 19. Jahrhunderts. Diese Juden wollen es nicht wahr haben, daß der Liberalismus gestorben ist. Sie glauben noch immer, daß es einen Zweck hat, Interventionspolitik zu treiben. Uebrigens, wer soll intervenieren und bei wem soll interveniert werden? Die liberalen Juden fürchten auch, man könnte ihren Patriotismus verdächtigen, wenn si«

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