Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 237 (21.7.1932)
- Date
- 1932-07-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 237 — 21. Juli 1932 Zionistisches Pavieivats-SUxung Der Tcrritorialverband beschlossen In den letzten Wochen fanden mehrere zusammenhängende Besprechungen der Parteiratsmftglieder statt, in denen alle aktuellen Fragen der Organisation eingehendst einer Erledigung zugeführt wurden. Im Organisations referat des Präsidenten der Landesorganisation, Herrn Dr. Oskar Grünbaum, wurden besondere Fortschritte in der Heranziehung der Jugend und Studenten für die allgemeine zionistische Arbeit feststellt. Damit soll den Absplitterungstendenzen, die sich auch unter der Jugend gezeigt hatten, Einhalt geboten werden. Es wurde beschlossen: Der Parteirat beauftragt das Landeskomitee, Vorbereitungen zu treffen zur Schaffung einer Bibliothek, eines Zentralheims und einer Lehrfarm für die Jugendbünde. Der Parteirat genehmigt für die eingeschriebenen Mitglieder der Studentenverbindungen, Jugendbünde und Vereine eine Parteisteuer von 50 g für das laufende Verwaltungsjahr. Im Anschluß an den allgemeinen Bericht über die Lage im Zionismus wurden folgende Beschlüsse, resp. Resolutionen angenommen: 1. Der Parteirat drückt der Exekutive seine A n e r k e n n u n g für die unter schwierigsten Verhältnissen geleistete Arbeit aus. 2. Der Parteirat erwartet von dem Ende Juli zusammentretenden A. C. eine Konsolidierung der Verhältnisse der Weltorganisation, insbesondere durch restlose Klärung des Verhältnisses zur Union der Zionisten-Revisionisten. 3. Der Parteirat macht es allen Mitgliedern zur Pflicht, sich mit der Schekel-Agitation intensiv zu beschäftigen. Auf Grund einer kurzen Debatte über die Angriffe der Redner in der großen Protestversammlung seitens eines Montagsblattes wurde beschlossen: 4. Der Parteirat weist die vollkommen ungerechtfertigten Anwürfe eines Montagsblattes gegen die Herren Dr. Des. Friedmann und Dr. Josef L Öw e n h e r z zurück und stellt ausdrücklich fest, daß die den beiden Genannten unterschobenen Aeußerungen in der Versammlung vom 4. Juni a. c. nicht gemacht wurden. Der Parteirat drückt beiden Mandataren sein vollstes Vertrauen aus. In Fragen der Kultusgemeinde berichtete ausführlich der Vizepräsident, Herr Dr. Löwenherz. Seine Mitteilungen wurden zur Kenntnis genommen. Es Ist mit großer Wahrscheinlichkeit mit Neuwahlen Im H e r b s t d. J. zu rechnen. Der Parteirat genehmigte auch die Verhandlungen und das Statut des neu zu gründenden überparteilichen Territorialverbandes, dem sich neben den bisher dem Landesverband angehörenden Gruppen sowohl die nunmehr vereinigte Unke — Hitachduth!Poale-Zion — als auch die «Misrachi» angeschlossen haben. Zum Schluß wurden noch Finanz-, Propagandafragen und interne Organisationsprobleme besprochen und entsprechende Anregungen und Resolutionen angenommen. Es kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß diese Tagung des Parteirates viel zur Klärung der Verhältnisse beigetragen und bewiesen hat, daß die Organisation einem neuen Aufschwung entgegengeht. nieth Jubiläums-Aktion des Keren Kajemeth. Bisheriger Gesamteingang S 14.100.73. In der letzten Wache gingen ein: Sektion VI/VII. S 12.—; Frauengruppe VI/VII. ß 12.—; Misrachi S 123.50. Gärten. Auf den «Hilde Morgenstern-Hain», Linz, einen weiters S 1030.— ein; insgesamt sind auf diesen Hain 5551.— eingegangen. Regelmäßige Zahlung des Vereines der «Buczaczer». Der Verein der «Buczaczer» hat sich bereit erklärt, an den Keren Kajemeth regelmäßige Zahlungen zu leisten. Der Verein hat für das erste Jahr den Betrag von S 25.— an den Keren Kajemeth abgeführt. Rahmen zu Diplomen des Silbernen Buches. Im Keren Kajemeth-Büro sind auch Rahmen (blau-silber, Silber) zu erhalten. Sie sind sehr wirkungsvoll. Liederkarten, enthaltend den hebräischen Text und die Noten von in Palästina gesungenen Liedern, sind entweder ln einer ganzen Serie (12 Stück S 1.80), oder einzeln ä 15 Groschen im Keren Kajemeth erhältlich. Kurorte-Aktion. Der Keren Kajemeth ersucht Gg., die in Tatzmannsdorf, resp. in Sauerbrunn zur Kur weilen, dem Keren Kajemeth bei Durchführung seiner dortigen Aktion behilflich zu sein. Sie mögen sich beim Keren Kajemeth melden. VereinsnactkritAten Vereinigung jüdischer Hörer an der Hochschule für Welthandel, ßibl'otheksstunden während der Ferien jeden Dienstag von 19 bis 20 Uhr. Dringende Auskünfte werden von Koii. Singer bis 12. August unter l elepiiomminmer R 42-9-36, von da an von Koll. Zimet unter A 29-6-87 erteilt. Ab 25. September täglich Inskriptionsauskünfte an der Hochschule. Lelien in Wien1 Zionistische Jugendgemeinschaft «Brith-Herzl», Wien, XX„ Jägerstraße 30. Wochenprogramm: Samstag, 23. Juli: 4 Uhr nachmittags Zusammenkunft der Kindergruppe; 5 Uhr «Tikwah»; 6 Uhr «Dror»; 8 Uhr abends Mitgliederversammlung mit anschließendem Referat. Gäste willkommen! — Sonntag: Wanderung. Treffpunkt 8 Uhr vor dem Heim. 7 Uhr abends Herzl-Gedenkfeier in der Toynbeehalle, XX., Denisgasse 33. — Montag: Heimarbet. Uebung in der Belle Didjah Ist Wien Gespräch mit der berühmten jüdisch-amerikanischen Künstlerin Belle D i d j a h, die berühmte jüdisch-amerikanische Tanzkünstlerin, weilt nach einer überaus erfolgreichen Tournee durch Palästina, seit einigen Tagen in Wien. «Ich stehe noch» — beginnt Frau Belle Didjah, «ganz unter dem gewaltigen Eindruck meines Aufenthaltes in Palästina. Meine größte und angenehmste Ueberraschung bildete das hebräische Publikum, das ein ganz wunderbares Kunstverständnis an den Tag legte. Mit manchen Schöpfungen, die ich in Amerika höchstens vor Tanzsachverständigen und Kritikern vorführte, da das amerikanische Publikum kaum diesen mit Verständnis folgen konnte, habe ich gerade vor dem reifen, scharf-intellektuellen, palästinensischen Publikum außergewöhnlichen Erfolg gehabt.» Liebevoll gedenkt Belle Didjah der fürsorglichen Gastfreundschaft, die sie bei den Mitgliedern der «H a b i m a h» und des «0 h e 1 s» in Tei-Awiw fand. Als Belle Didjah nach einem Konzertabend von einem bekannten palästinensischen Maler in Gegenwart Ch. N. B i a 1 i k s, als eine Tänzerin bezeichnet wurde, die in ihren Tanzschöpfungen mit einer wunderbaren Palette zu malen versteht, meinte Bialik, Didjah sei in ihren Tänzen viel mehr eine wunderbare Dichterin. Auch Tel-Awiws Bürgermeister MeierDisengo f f, huldigte bei einem zu Ehren Belle Didjahs veranstalteten Abschiedsbankett der Künstlerin. Und die hebräische und englische Presse des Landes — von «Palestine Bulletine» über den «Dawar» bis Biaiiks «Mosnajim» — brachte spaltenlange, enthusiastische Artikel und ebensolche Kritiken über Belle Didjah und ihre Kunst. Ist sie doch die erste amerikanische Künstlerin, die in Palästina eine Tanztournee absolvierte. Belle Didjah zählt aber auch zu den wenigen amerikanischen Tänzerinnen, die nach Europa, nach Wien gekommen. Von hier begibt sich die Künstlerin auf eine große Tanztournee durch Polen und die Randstaaten. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß die Verhandlungen, die Belle Didjah in Wien eben pflegt, zu einem Tanzabend der großen Künstlerin in Wien noch in dieser Spielzeit führen. Jedenfalls würde einem Auftreten Belle Didjahs, im Rahmen eines Burggarten-Tanzabends oder einer Tanzmatinee im «Theater in der Josefstadt», das große Wiener Publikum mit gespanntestem Interesse entgegensehen. jr. A. Z. Idelsohn, der Erforscher der jüdischen Musik Zu seinem 50. Geburtstag am 14. Juli Abraham Zwi Idelsohn ist unstreitbar der Erforscher der jüdischen Musik. Er wurde am 14. Juli 1882 bei Libau (Kurland) geboren, studierte Musik, wandcAe 1905 nach Johannisburg (Südaitika) aus, wu er eine Kantorstelle annahm und iibersiedelte 1907 nach Jeiusalem, wo er sich speziell der Erforschung jüdischer Musik widmete Von seiner Jugend an beherrschte ihn die Idee, es gäbe eine rein jüdische Musik, die erforscht werden müsse. Die ersten Früchte seiner tiefgehenden Studien sind Aufsätze in Zeitschriften, über «Rest althebräischer Musik» (in «Ost und West 1912 bis 1913»), dann «Der synagogale Gesang im Lichte der orientalischen Musik»; weiter folgte eine mehrbändige Sammlung «Hebräisch-orientalische Meiodienscliäizc» (1914 Leipzig) Idelsohn komponierte auch selbst jüdische Musik, besonders Synagogengesänge für Chor und Kantor, die gesammelt unter dem Titel «Schire Tefillo» erschienen sind; wir verdanken ihm auch eine hebräische Oper «Jephta» in 5 Akten. Damit ist die Aufzählung der Werke des Jubilars noch keineswegs abgeschlossen. Schon 1912 publizierte Idelsohn ein Lederbuch, enthaltend 1(X) hebräische Lieder für Schule und Haus, es folgte ein «Leitfaden der europäischen und orientalischen Musik» (1910) und als letzte schöne Frucht seiner eifrigen Arbeit im Jahre 1922 eine Sammlung von 4000 jüdischen Liedern, die er während fünfzehn Jahren aus allen jüdischen Zentren zusammengetragen hat. Mit dieser reichen publizistischen Tätigkeit verbindet Idelsohn auch eine große wissenschaftlich-pädagogische Wirksamkeit Schon im Jahre 1910 schuf er in Jerusalem ein «Institut für Uuserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der ..PAG“ bei, auf den wir unsere Leser besonders Aufmerksam machen Haganah. — Dienstag: 8 Uhr «Tikwah». — Mittwoch! 8 Uhr «Achwah». — Donnerstag: 8 Uhr Führerkwuzah. Herzl-Gedenkfeier. Die Zionistische Jugendgemeinschaft «Brith-Herzl» veranstaltet am Sonntag, den 24. Juli (20. Thamus), anläßlich des Todestages des großen Führer* in der «Toynbeehalle», XX., Denisgasse 33, eine Herzl- Gedenkfeier. Beginn punkt halb 8 Uhr abends. An die zionistische Jugend ergeht der Ruf, sich an dieser Feier zahlreich zu beteiligen. Vereinigung der Absolventen (innen) des hebräischen Pädagogiums, Wien. Alle Kollegen (innen) treffen sich zur Mesibah mit ihrem Lehrer Prof. Dr. Diesendruck. Zeit: Samstagj 23. Juli, 8.30 Uhr abends. Ort: Cafä Silier (Mezzanin), Schwedenplatz. jüdische Musik», 1919 eine jüdische Musikschule. In Jerusalem war er Dozent für Midrasch-Literatur an der hebräischen Universität; das Hebrew Union College in Cincinnati berief ihn 1924 als Professor auf den Lehrstuhl für jüdische Musik. Idelsohn ist der bahnbrechende Erforscher und Erneuerer der jüdischen Musik. Er vertritt die Ansicht, daß nur die neue, in Palästina geborene Generation imstande sein wird, einen von ihrer semitischen Umgebung beeinflußten StH zu entwickeln, der sich an die alte hebräische Musik anschließen und neue Schöpfungen hervorbringen wird. —um. Israel Brandmann: Drei palästinensische Hirtenweisen Dieser Tage ist im Verlag «Jibneh» Wien, Leipzig, ein neues, überaus interessantes Werk des bekannten Kompc nisten Israel Brandmann erschienen. Es sind dies: Drei palästinensische Hirtenweisen, für gemichten Chor und Klavier (deutsche Uebersetzung von Dr. Ernst Müller). Der Komponist, der durch seine symphonische Dichtung «Hechaluz», sem Streichquartett «Variationen über einen palästinensischen Volkstanz und seine Vertonungen von Bialiks-Dichtungen, schon sehr bekannt ist, hat bei seiner Anwesenheit in Palästina die Originalmelodien aufnotiert und mit gewohnter Meisterschaft, bei Beibehaltung des Üriginalcharakters diese Hirtenweisen in Kunstform gesetzt. Man kann jetzt schon mit Bestimmtheit sagen, daß diese drei Chöre nicht nur von jüdischen, sondern auch von nichtjüdschen Chorvereinigungen;n ihr Repertoire aufgenommen werden. Die Partitur kostet zwei Mark und kann vom Hofmeister-Sortiment, Wien, I., Seilergasse 12, oder Hofmeister, Leipzig, Karlsgasse 10, oder durch sämtliche Musikalienhandlungen bezogen werden. Eine Doktorarbeit über jüdische Kunst. An der Lehrkanzel Strzygowski der Wiener Universität ist soeben eine Doktorarbeit angenommen worden, die dem Problem der jüdischen Kunst, von einer neuen Seite aus, nahe kommt. Der Verfasser der Arbeit, der Prager Paul Koeser, hat an der Hand einer illustrierten hebräischen Haggadah-Handschrift, im Besitze des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, den Nachweis erbracht, daß das Judentum eine ursprüngliche Kunstübung von abstrakt-symbolischem Charakter kannte. Mit dieser Erkenntnis rückt die altjüdische Kunst in die unmittelbare Nachbarschaft der altiranischen und islamischen Kunst. Hofrat Strzygowski hat die Theorien seines Schülers in einer Vorlesung an der Wiener Universität eingehend gewürdigt und die Ergebnisse dieser ersten Doktorarbeit über jüdische Kunst als wesentliche Erweiterung des bisherigen Gesichtspunktes angesprochen. Dr. W. B. Neue Veröffentlichung des jiddischen wissenschaftl.chen Instituts Im Selbstverläge des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts (Jiwo), Berlin-Wilna, ist soeben der zweite Band der «Oekonomisclun Schriften», herausgegeben von der Sektion für Wirtschaft und Statistik des Instituts, erschienen. Der neue, ebenso wie der erste unter der Redaktion Jakob Lestschinskys herausgegebene Band ist über 200 Doppelseiten folio stark und hat folgenden Inhalt: Dr. J. Schipper: Der finanzielle Zusammenbruch der zentralen und provinziellen Autonomie der Juden im alten Polen (1650—1764); Dr. E. Ringelblum: Der «Pinkus» der Plocker Sc':,,e:\!erinnung (Ende des XVIII. Jahrhunderts); Prof. S. Dubnow: Die «Neusiedlungen» im Jahre 1808; Dr. B. Weinryb: Zur Geschichte der Beteiligung der Juden in der polnischen Industrie; Dr. J. Goldberg: Juden als Finanziere und Bankiers; Dr. II. Landau: Der Anteil der Juden an der Entwicklung des Kredit- und Verkehrswesens in Rußland; Dr. II. Frank: Die Zahl und die geographische Verteilung der Juden in U. S. A.; Dr. A. Marcus: Der Anteil der Juden am deutschen Unternehmertum; J. Klinoff: Juden in der Filmindustrie; S. Maisliseh: Die Haupt-Fonds für Palästina (10 Jahre Keren Hajcssod und Keren Kajemeth); Prof. L. Mersch: Die Kriminalität der jüdischen und nicht jüdischen Bevölkerung der Republik 1’oJen. Auch der zweite Band der «Oekouomi dien Schriften» enthält neben dem Haupttext eine kurze Zir amenfassung der Abhandlungen in den. eher Sprache. Der dritte Band der «Oc-konomiscken Schriften» ist bereits für den Druck vorkere' lind wird \; ’ussichtlich Anfang 1933 cr: c’ 'd :e:i. Er weist u. a. folgende Abhandlungen auf: J. Lest chMsky: Die Juden in Deutschland; Dr. IC. Vorn’ :-rg: Die Juden in U. S. A, im XIX. Jahrhundert; Dr. S. Posner: Die jüdische Bevölkerung Frankreichs zur napoleonischen Zeit; Dr. H. Landau: Der Anteil der Juden au der N'uvitha-! :<istrie Rußlands; Dr. B. Weinryb: Die jiirlmdten Sträflinge in Warschau (1353 1332); Dr. Ad. Golansky: Die Juden in Lcllland; Dr. R. Mahler: Die Juden in der Wojwodschaft Krakau; Dr. F. Friedmann: Die Jude# in Lodz; Dr. L. Rosenberg: Die Juden in CanacUu . Literatur/Kunst / Hieater