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Die Stimme · 1932-07-21 · Heft 237 (21.7.1932) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 237 (21.7.1932)
Date
1932-07-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 237 — 21. Juli 1932 DIE STIMME Sette 9 Tagung des Koniinenialbundes xionislischer Mädchenveveinigungen - Jugenddezevnat der IOIZO Anschließend an die Council-Sitzung der W1ZO in Wien, begann am Samstag, den 16. Juli im «Mirjam»-Heim die siebente Bundestagung des Kontinentalbundes zionistischer Mädchenvereinigungen-Jugenddezernat der WIZO. Zahlreiche Delegierte, hauptsächlich aus der Tschechoslowakei, waren erschienen. Polen schickte nur eine Vertreterin. Frau Marie P o 11 a k eröffnet die Tagung. Sie bezeichnet die Bundestagung als glückliche Oase in diesen wirtschaftlich so schwierigen Zetten. Es ist mehr als bloßer Zufall, daß die Tagung in Wien, der Geburtsstätte des modernen Zionismus stattfindet. Leider wird die zionistische Arbeit durch parteipolitische Tendenzen erschwert, doch läßt sich der Kontinentalbund keineswegs abhalten, die Erziehung seiner Mitglieder im Sinne der modernen jüdischen Frau durchzuführen. Nach diesen einleitenden Worten begrüßt Frau P o 11 a k die erschienenen Gäste, insbesondere die anwesenden Mitglieder der WIZO-Exekutive und des Councils der WIZO, ferner die Vertreterinnen der Wiener zionistischen Frauenorganisation, der Israelitischen Kultusgemeinde, des Landeskomitees, des Keren Kajemeth Lejisrael und des Misrachi. Frau P o 11 a k hebt in ihrer Rede die Arbeit der Frau für Erez Israel hervor. Die Frauen sind es, die die Wege zur Alija bahnen, die* die Vertiefung der palästinozentrischen Bewegung durchführen, und dabei die Bindung mit Familie und Tradition keineswegs aufgeben. Schließlich verliest Rednerin eine Resolution, welche die Council-Sitzung angenommen hat und in welcher u. a. der Council die Exekutive der WIZO beauftragt, dahin zu wirken, daß die WIZO eine Vertretung in den Palästina-Aemtern erhält, um ihrem zur Alijah geeigneten und vorbereiteten Nachwuchs die Einwanderung durch Erreichung eigener Zertifikate zu ermöglichen. Frau Roman Goodman aus London gibt ihrer Befriedigung darüber Ausdruck, daß sie an der Bundestagung teilnehmen und die Mitglieder des Kontinentalbundes kennen lernen kann. Frau Dr. Löwenherz überbringt Grüße von der Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs. Frau Dr. Martha Hoffmann verzeichnet mit Genugtuung das Interesse der WIZO für den Kontinenfalbund und spricht über die Verbundenheit mit der Jung-WIZO und über die Alija der Mädchen nach Palästina. Dr. Susi Münz begrüßt die Bundestagung namens der polnischen Gruppe und bedauert, daß infolge der Paßschwierigkeiten keine größere Zahl der Delegierten erscheinen konnte. Frau Dr. Rappaport-Lichten stein verliest Telegramme und Begrüßungsschreiben: der WIZO-Kosice, Zagreb, Bielsko, Jung-WIZO-Krakau, Warschau, Jaroslau, Czernowitz, Mährisch-Ostrau, Hechaluz-Wien, Angestelltenverein Emunah-Wien. Aus dem Tätigkeitsbericht, den Fräulein Ilse Rauchinger verliest, erfährt man, daß der Kontinentalbund einen großen Gruppen- und Mitgliederzuwachs zu verzeichnen hat. Sechsundzwanzig neue Gruppen haben sich dem Kontinentalbund ange- Aus dem Zyklus «Aus einer verschwindenden Welt». Simche, der Fuhrmann*) Novelle von Rosa Melzer (Lemberg) Im Ghetto läßt man ein armes Waisenkind «nicht fallen». Zwar: Keiner hebt es so recht eigentlich auf. Es wird, wenn es ein Knabe ist, nicht gerade unsanft von einem zum anderen gestoßen, von Haus zu Haus geschoben, bis . . . nun, bis es eben kein Kind mehr ist. «Der Jude kann alles werden,» behauptet ein landläufiges Sprichwort. Warum sollte das Waisenkind eine Ausnahme machen? . . . freilich, selten nur wird es etwas Großes. Ist’s ein Mädel, dann erbarmt •ich die «Stadtnegides» oder eine entfernte Verwandte Und nimmt die Kleine ins Haus. Sie hilft in der Wirtschaft mit, bis sie allmählich die ganze häusliche Arbeit auf sich nimmt. Lohn bekommt sie keinen. Aber eine Mitgift bekommt sie — entsprechend ihren Leistungen, ihrer bewiesenen Treue und Anhänglichkeit! Auch eine kleine Ausstattung dazu. War’s ein J u n g e, der verwaist und auf das Mitleid der Gemeindemitglieder angewiesen blieb, und hat er «Sitzfleisch», das heißt Fleiß, dann bringt er es, dank der Talmud-Thora, zum Unterbehelfer und: je nach den erworbenen Kenntnissen, — mit der Zeit sogar zum Oberbehelfer . . . Zeigt er dagegen Lebhaftigkeit und schweifenden Sinn — dann wird er unfehlbar Fuhrmann . . . . Selbstverständlich vorerst bei einem Fuhrwerksbesitzer. Wie zum Beispiel S i m c h e — der beste Fuhrmann von Zlotnik. Oh, was war der für ein wilder Junge gewesen 1 Auf der Wiese hinter dem Städtchen Purzelbäume *) Wir machen unsere Leser auf diese Novelle der hervorragenden Schriftstellerin und Frauenfiihrerin besonders aufmerksam. (Amn. d. Red.) schlossen, so daß heute im Kontinentalbund 59 Gruppen mit einer Mitgliederzahl von 1200 vertreten sind. Der Kontakt mit der WIZO ist ein besonders guter, ja, man kann sagen, ein herzlicher. Die Mädchen des Kontinentalbundes sind zum Teil für die Hachscharah und die Alijah vorbereitet. Was die Kulturarbeit anbetrifft, so wurden bisher im abgelaufenen Arbeitsjahr acht Nummern der Rundschreiben veröffentlicht, deren Auflage und Inhalt bedeutend erweitert wurde. Diese Rundschreiben sind infolge ihrer Popularität in Polen, außer in deutscher auch in polnischer Sprache gehalten, und haben bei allen Gruppen großen Anklang gefunden. Es wurden Kurse in jüdischer Geschichte und Literatur an die Gruppen zur Versendung gebracht. Die Lichtbild- und Lehrfilmstelle in Palästina, die unter der Leitung der Frau Dr. Nadja Stein steht, hat anläßlich der Levante-Messe einen modernen Projektions-Apparat erhalten. Es werden dort Filme aus verschiedenen Kulturgebieten vorgeführt. Die Kleideraktion zu Gunsten der jemenitischen Kindergärten hat einen großen Aufschwung genommen. Für den Keren Kajemeth Lejisrael wird unermüdlich gearbeitet. Sehr verdienstvoll war und ist die Tätigkeit der tschechoslowakischen Gruppe für Karpathorußland. An der Aktion «Tozereth haarez» haben die Mädchen regen Anteil genommen. Es wurde Großes und Vieles in jüdischer Sozialarbeit geleistet. Das Schlußreferat hielt Frau Dr. Henriette Rappaport-Lichten stein. Rednerin entwickelte das Programm, welches der Kontinentalbund auszuführen hat. Die heutige Tagung soll uns das, was wir geleistet haben und was wirleisten wollen, vor Augen führen. In der Anfangsarbeit des Bundes bestand der Wunsch, sich jüdisch zu betätigen. Die Jugend will etwas tun, etwas leisten. Die Möglichkeiten sind aber scharf umgrenzt. Nach einer anfänglichen reinen Galuth-Arbeit ging der Kontinentalbund, nach der Bundestagung in Prag im Jahre 1930, zur Palästinaarbeit über. Es meldeten sich immer mehr Mädchen für die Hachscharah. Von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung des Bundes war auch die Tatsache, daß er seit dem Jahre 1930 das Jugenddezernat der WIZO bildet und somit auch mit der: Frauenorganisation im engsten Kontakt steht. Die Council-Sitzung, welche die Gelegenheit zu einer persönlichen Aussprache gegeben hat, hat das Verhältnis der beiden Organisationen vertieft und gestärkt. Mit dem Absingen der Hatikwah schloß der feierliche Teil der Bundestagung. * Sonntag nachmittags kam es zu einem rührenden Zwischenfall, als Frau Marie P o 11 a k einige Abschiedsworte an die Frauen Hanna Maisel- Schochat, Ada F i s h m a n n und J e v n i n richtete. Frau Pollak konnte vor Rührung kaum weitersprechen. Nach einer kurzen Unterbrechung bedankte sich Fraiu H. Maisel-Schochat im eigenen Namen und im Namen der anderen Frauen. Die Anwesenden waren tief ergriffen. schlagen, auf die höchsten Bäume im nahen Wäldchen klettern, auf ein Pferd sich schwingen und damit zur Tränke galoppieren, das war sein Vergnügen und seine Lust .... Da wußte jedermann im voraus: «Der wird ein Fuhrmann!» — Und er wurde es wirklich! Erst bei Getzel, dem vierfachen Fuhrwerksbesitzer! Lange diente er diesem und treu wie Gold. Zlotnik ist gut acht Meilen von der Kreisstadt und der Bahnstation entfernt. Die Bodenprodukte aus der ganzen Umgegend gehen über Zlotnik dorthin und Waren werden ins Städtchen für diese Umgegend importiert. Das alles geschieht per Axe, durch die Vermittlung des Fuhrmannes, der ein verläßlicher und tüchtiger Mensch sein muß. Er hat immer große Verrechnungen und überbringt oft bedeutende Geldsummen. S i m c h e bewährte sich vortrefflich. Er war ernst und gesetzt. Kein Mensch hätte in ihm den früheren Wildfang vermutet .... .«Wie lange noch wirst du für Getzel, dem Geldsack, dem Grobian, arbeiten und dich plagen?» — fragte eines Tages die alte Pesie, die Stadtschadchente. Simche merkte sofort, wo sie hinaus wollte. Er lächelte trübselig. «Wohl weiß ich, daß Ihr Recht habt, Pesie; aber was kann so ein armer Bursche machen?» -— «Heiraten!» rief sie triumphierend, als hätte sie den Stein der Weisen gefunden. «Ja,» meinte Simche gedankenvoll, «wenn sie so viel hätte, um Wagen und Pferde zu kaufen.» «Gewiß hat sie das,» bestätigte Pesie. Es ging leichter als sie gehofft. «Und welche ist es,» fragte Simche, scheinbar gleichgültig. — «Ein balbatisch Kind. Eine Waise wie du .. . Das paßt zueinander. Soll ich dir sagen, wer es ist?» . . . . «We*c Ihr wollt,» blieb Simche gelassen . . Jüdisther fport Tagung des Makkabi-Weltverbandes in Wien Vom 8. bis 10. Juli tagte in Wien unter dem Vorsitz des Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Hermann Leiewer, der Verbandsausschuß des Makkabi-Weltverbandes, an dem die Delegierten folgender Länder vertreten waren: Palästina, England, Deutschland, Tschechoslowakei, Polen, Rumänien, Bulgarien« Oesterreich. Im Mittelpunkt der Beratungen stand der Ozar Hamakkabi. Die von Friedenthal in der ersten Nummer des Weltverband-Organs «Hamakkabi» niedergelegten Richtlinien für den Ausbau des Ozar Hamakkabi wurden von der Konferenz einstimmig angenommen. Mit Hilfe des Ozar Hamakkabi, der der zentrale Fonds des Makkabi-Weltverband wird, sollen u. a. Uebersiedlungsmüglichkeiten von Makkabim nach Erez-Israel geschaffen werden, ferner soll in Palästina ein «Makkabi-Haus» errichtet werden, in dem die Einwanderer des Makkabi für die ersten Wochen Unterkunft finden können, bis sie im Lande Fuß gefaßt haben. In den Debatten spiegelte sich der ungeheure Erfolg der ersten Makkabiah wieder, und alle Delegierten beauftragten das Präsidium, sofort mit den Vorbereitungen für die zweite Makkabiah 1935 zu beginnen. Es wurden ferner wichtige Beschlüsse über den weiteren Ausbau der Makkabi-Organisätion in aller Welt gefaßt. In den Kreisen des Makkabi wird erwartet, daß von der Konferenz, die eine ungeheure Arbeit leistete, neue große Impulse für die Makkabl-Bewegung ln allen Ländern ausgehen werden. Prenn siegt auch in Italien Der Schrecken aller «Internationalen» Die deutschen Davis-Pokal-Vertreter Daniel Prenn und v. Cramm haben am 15. Juli in Mailand die italienischen Meisterspieler Stefani und Palmieri 2:0 besiegt und dadurch für Deutschland wieder das Feld für den Endkampf um den Davis-Pokal freigemacht. Demnächst spielen noch Prenn und v. Cramm gegen Stefani und del Bono, aber niemand zweifelt mehr an den Sieg der Deutschen, die somit Irland, England und Italien aus dem Endkampf ausgeschaltet haben werden. Der Berichterstatter des «Berliner Tageblatt» stellt fest, daß Prenn, der nun den beidhändig spielenden europäischen Extraklassenmann Stefani glänzend besiegt hat, zum Schrecken aller «Internationalen» geworden ist. Der Berichterstatter der «Vossischen Zeitung» stellt fest, daß der Mailänder Sieg Prenns und v. Cramms nach normalen Gesetzen den deutschen Sieg in der Europa-Runde bedeute. Der Berichterstatter nennt Prenn «Tennis-Triumphator». Ringen Revanchekampf gegen «Vasutas» in Budapest. Der Budapester Athletenverein der Eisenbahner «Vasutas» hat bei der Hakoah um Bekanntgabe des Termins wegen eines Revanchekampfes in Budapest angefragt. Die Hakoah gedenkt, trotz der Abwesenheit ihres Schwergewichtlers H i r s c h 1, der sich zur Olympiade nach Los Angeles begeben hat, den Kampf auszutragen. Bekanntlich hat Vasutas am 8. September v, J. in Wien gegen die Hakoah-Ringer gekämpft und mußte den Sieg (15:12) den Blau-Weißen überlassen. Meister Markus hat seinen Vertrag verlängert. Meister Ernö Markus hat seinen Vertrag bei der Hakoah als «Nechame! von der Negideth,» platzte die Alte endlich heraus. Siinches Miene zeigte eine kleine Enttäuschung, doch sagte er kein Wort. Sein Schweigen versetzte Pesie in Harnisch: «Sieh nur, sieh,» rief sie zornig — «möchtest du vielleicht gar der Negideth ihre Tochter?» — «Seid nicht bös’, Pesieleb’,» begütigte Simche, «ich denke bloß ... ein bißel schöner die Kaie, könnt nicht schaden . . .» meinte er ein wenig verlegen. «Schöner!» Pesie sprach das Wort mit bodenloser Verachtung. «Nicht eigentlich schön,» verbesserte sich Simche errötend — «aber — ich weiß nicht, wie ich das sagen soll ... so ... ein bißel anders . . , .» «Dank Gott, daß sie nicht anders ist!» herrschte ihn Pesie in einem Tone an, als ob es geschrieben und besiegelt wäre, daß Simche, — just Simche die sommersprossige, untersetzte, schwerfällige Nechame und keine andere zur Frau bekommen müßte. «Was braucht se schön zu sein?! . . .» wetterte Pesie. «Sie is fromm und arbeitsam und gut ... so gut, wie eine Mutter! Dank Gott, sag ich Dir! Und bare dreihundert Gulden bekommt sie Nedan». —■ Das spielte Pesie als letzten Trumpf aus. Dreihundert Gulden! Das war immerhin eine schöne Summe. Wagen und Pferde konnte man dafür bekommen, und endlich . . . endlich bei sich telnl Sein eigener Herr! .... «Ich will die Sach* überlegen!» damit entließ Simche die Heiratsvermittlerin. Und nun zeigte sich das ganze Mitgefühl, di« Solidarität des Ghetto. Was Einfluß und Ansehen hatte, besonders unter den Frauen, war bestrebt, die Partie zustande zu bringen und damit zwei Waisen in ein eigenes Helm, an den eigenen Herd zu führen. (Fortsetzung folgt)

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