Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1932-07-21 · Heft 237 (21.7.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 237 (21.7.1932)
Date
1932-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053963-3053991--3045-3058512
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 237 — 21. Jall 1932 DIE STIMME Seite 3 Zum Todestage Theodor Herste Ge$iovben am 20. Thomm 0064 Die ersie zionistische Adresse an Dr. HerzI Als Herzl seinen «Judenstaat» veröffentlicht hatte, beschloß der damalige Verband «Zion» in Wien, nachdem sein Obmann Dr. M. T. Schnirer ein glänzendes Referat über das Buch erstattet hatte, einen Aufruf an alle akademisch gebildeten Juden zu versenden, damit sie die vom Verband beschlossene Adresse unterzeichnen. Tausende Unterzeichneten die weiter unten mitgeteilte Adresse, die dann von Dr. M. T. Schnirer und Dr. 0. Kokesch Herzl überreicht wurde. Der Aufruf Euer Wohlgeborcnt Schon zu wiederholten Malen ist der Vorschlag gemacht worden, die Judenfrage durch territoriale Konzentration der Juden und Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens einer endgültigen Lösung zuzuführen. Aber noch nie ist die staatliche Regeneration des jüdischen Volkes in so klarer und prägnanter Weise verlautbart, noch nie ist ein so genauer und gewinnender Entwurf vorgebracht worden, wie in der jüngst erschienenen Broschüre Dr. Theodor Hertz’s: Wer Judenstaat». Die Judenfrage ist, nach Herzl, nicht weniger eine religiöse als soziale Frage, obwohl sie manchmal diese oder jene Form annimmt. Sie ist eine nationale Frage, welche nur gelöst werden kann, indem man sie zur politischen Weltfrage macht, die im Rate der Kulturvölker zu diskutieren sein wird. Wir sind ein Volk — ein Volk, welches durch die Not sich wieder zusammenfindet. Und so vereint, entdecken wir plötzlich unsere Stärke. Wir sind im Besitze aller menschlichen und materiellen Kräfte, um einen Staat, ja einen Musterstaat zu bilden. Man möge uns bloß die Souveränität über ein für unsere gerechten Volksbedürfnisse genügendes Stück der Erdoberfläche geben — für alles Uebrige wollen wir schon selbst Sorge tragen. Für die Durchführung des Planes sollen zwei große Körperschaften gegründet werden: die <Society of Jews» und die «Jewish Company». Erstere hätte die politische Oberleitung und soll aus den hervorragendsten Männern der Nation zusammengesetzt sein. Die «Jewish Company» ist eine der ostindischen Campagnie und der neueren südafrikanischen Chartered Company nachgebildete Landnahmegesellschaft. Für die Wiederherstellung des Judenstaates kämen Argentinien und Palästina in Betracht, doch ist Herzl ein entschiedener Anhänger Palästinas. Und tatsächlich vermag dieses Land allein jene Begeisterung im jüdischen Volke zu wecken, ohne welche eine so große Aktion nicht durchgeführt werden kann. So weit in wenigen Worten der Gedankengang der Herzl'sehen Publikation, deren Lektüre wir jedem Juden ans Herz legen. Herzl wendet sich zunächst an diejenigen Juden, die geistig stark und innerlich frei sind. Der Gedanke kann auch in seiner Erhabenheit nur von geistig Freien und vor allem von gebildeten Menschen ganz begriffen werden. Darum haben die Gefertigten geglaubt, sich zunächst an die geistigen Arbeiter des jüdischen Volkes mit der Bitte zu wenden, zugunsten dieser nationalen un i staatlichen Wiedergeburt ihre Stimme zu erheben. Mehr als die anderen Völker erkennen die Ju ten die geistigen Arbeiter als Führer an. Deshalb ist es unsere heilige Pflicht, dem übrigen Volke vornnzugehen und kund zu tun, daß das Judentum frei sein will. Auf dem praktischen Wege der Verwirklichung unserer Idee ist das erste die Gründung der «Society of Jews», D’sse will Herzl im Juli d. J. in London ins Leben rufen. Der Society soll nun die beiliegende Adresse n\it sämtlichen Unterschriften vorgelegt werden, und es wird sich so zum erstenmal eine Heerschau abhalten lassen über die Macht der geistigen Kräfte, die unserer großen Sache zur Verfügung stehen. Wien, im Mai 1896. Zion Verband der österreichischen Vereine für Kolonisation Palästinas und Syriens Akademische Verbindung «Kadinxah» in Wien Jüd.-Akadem. Verbindung «Unitas» in Wien Verbindung öst.-schlesischer Hochschüler tlvria» in Wien Akademischer Verein «Gamala» in Wien Vereinig, jüd. Veter.-Med. > «Libanonia» in Wien Die Adresse Sr. Hochwohlgeboren Herrn Dr. Theodor Herzl in Wien Hochverehrter Herr DoktorI Der Ruf, den Sie in Ihrem «Judenstaat» an das jüdische Volk haben ergehen lassen, findet einen mächtigen Widerhall in den Herzen von Tausenden Ihrer Stammesgenossen. So alt wie unser Exil ist auch die Sehnsucht unseres Volkes nach Freiheit; aber nur vereinzelt waren die Stimmen, die diesem Wunsche lauten Ausdruck gegeben haben. Sie, hochverehrter Herr Doktor, haben den Mut gehabt, diese OefUhle in klarer und prägnanter Weise auszusprechen und den nationalen Bestrebungen unseres Volkes neue und für die Zukunft verheißungsvolle Bahnen zu weisen. Hiefür gebührt Ihnen der Dank der Nation, den die Gefertigten — geistige Arbeiter des Judentums — nicht besser dokumentieren können, als indem sie das Wiederaufrollen unserer nationalen Fahne freudig begrüßen und sich in den Dienst der heiligen Sache des jüdischen Volkes hingebungsvoll stellen. Programm der Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl veranstaltet vom zionistischen Aktions-Komitee und j abgehoben am 10. Juli 1904 im großen Musikvereins- I scale zu Wien. | «Ach Elohim...» (Psalm) — Choral*) j Trauerrede t «El mole rachamim»*) j Hierauf folgende Ansprachen:**) i Architekt Oskar Marmorek — Wien 1 Advokat Dr. Leopold Kahn - Wien; Fabrikant Dawid Wolffsohn Köln, Präsident des j J.-C.-T. — London | Schriftsteller Nuchem Sokolou. Redakteur der «Ha- | zephirah» — Warschau Direktor Dr. Sa!. Krenberger — Wien, Obmann des österr. L.-K. Joseph Cowen — London Dr. jur. Alfred Klee — Berlin Ingenieur Michaül Ussischkin — Jekaterinoslaw Dr. med. Alexander Marmorek — Paris! Prediger Dr. phil. Schemarja Lewin — Wilna Rechtsanwalt Dr. Dawid Alkalay — Belgrad Schriftsteller Adclf Stand — Lemberg cand. phil. Oskar prarJ;’ Kremsier, für die Studentenschaft Nathan Gross Wien, für die Arbeiterschaft €Sch’wissi» (Choral)*) Beginn punkt Hll Uhr, Schluß Hl Uhr. *) Die Chöre werden von Herrn Oberkantor B£Ia Guttmann geleitet i **) Die Dauer jeder Ansprache ist auf längstens | 5 Minuten festgesetzt.! Palästina auf der britischen Reichskonferenz London, 13. Juli. (J. T. A.) Der Direktor der Pardess Company und Vorsitzende der vor kurzem begründeten Jaffa Citrus Exchange, Herr Rokach, und die Herren Tolkowsky und Advokat Joseph, die sich als Abordnung der jüdischen Pflanzer Palästinas zur britischen Reichskonferenz nach Ottawa begeben, um dort die Forderung der palästinensischen Pflanzer zu vertreten, daß Palästina in die Imperial Preference eingeschlossen wird, damit Palästina-Produkte in Großbritannien und in die übrigen Länder des Imperiums zollfrei eingeführt werden können, weilten auf der Durchreise in London und wohnien in einer unter dem Vorsitz von Sir Robert Waley-Cohcn stattgefundenen Sitzung des Londoner Economic Board for Palestine bei. In dieser S'tzung führte Herr Rokach u. a. aus: Trotz fortwährender Anstrengungen des Economic Board for Palästine ist'es bis jetzt nicht gelungen, rlurchzusetzep, daß Palästina in die Imperial Preference eingeschlossen wird. Aber auch wenn e* nc.it Uutcuzuoc.ze:. . Palästina in die Imperial Preference eingeschlossen wird, werden die Palästina-Pflanzer mit anderen Produkiionsländern durch Senkung der Produktionskosten, besseren Transport, bessere Sortierung und Verpackung und durch die Arbeit der Citrus Exchange, die die Verschiffung und den Verkauf im Interesse der Gesamtzüchter überwacht, zu konkurrieren verstehen. Es gibt jetzt in Palästina 150.000 Dunam mit Orangen bepflanzten Bodens, von denen mindestens die Hälfte m jüdischen Händen sind. Palästina exportiert 3/j Millionen Kisten Orangen jährlich und beschäftigt nco RESTAURATION in dem berühmten Jod« und Schwefelbad Bad Deutsch-Alienburg Salten hat bereits begonnen - Reelle Bedienung Mäßige Preise - Auch für Diabetiker _ Inhaber: Bmanuel Upschdts Beh. konz. Realbüro IN6. M. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro; 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 ORDNUNG für die Besinnung des Dr. Theodor Herzt am SL Juli 4904. 40 Uhu votmhiags Die Trauergäste versammeln sich vor dem Hanse Währing, Haizingergasse 29. Aus bautechnischen Gründen kann der Zutritt nur ein beschränkter sein. Es werden demnach außer den engsten Angehörigen nur die Mitglieder des A.-C., die Direktoren des l.-C.-T. und die entsendeten Deputationen ins Trauergemach kommen. Es wird gebeten, sich vom Haustor an immer links zu halten und sich nach rechts zu entfernen. Für die Aufrechterhaltung dieser Bestimmung sorgen die studentischen Ora'tier. Inzwischen versammeln sich die Gesinnungsgenossen, möglichst nach Korporationen, in der Haizingergasse und in den angrenzenden Straßen. Die Studentenschaft bildet ein begleitendes Spalier, innerhalb dessen sich der Trauerzug in Oer-Reihen entwickelt. Hinter dem Sarge folgen 2 Wagen mit der Mutter und der Frau des Verewigten. Die Wagen sind von den Erstchargierten flankiert. Alle anderen Wagen folgen ohne Ausnahme am Schlüsse des gesamten Zuges. Die Anordnung des Trauerzuges ist folgende: An der Spitze marschieren die Mitglieder des A.-C., die Direktoren des l.-C.-T. und der ständigen Kommissionen. Dann folgen die Kollegen von der Presse und die Deputationen schriftstellerischei Vereine. Hierauf entwickelt sich der Zug unserer Gesinnungsgenossen mit den Deputationen zionistischer Korporationen an der Spitze. Wenn der LeUhenwagcn am Friedhof stör angelangt ist, muß der ganze Zug stehen bleiben. Ein Verlassen der Reihen, um früher m den Friedhof gelangen zu können, wird von der Sicherheitsbehörde untersagt und ist auch fruchtlos, da sämtliche Zugänge von der Wachmannschaft besetzt sind. In die Leichenhalle selbst, die höchstens 200 Pennn.cn faßt, tritt nur du Spitze des Zuges ein. Der Sarg wird’ an •den Eingang gcsteltt, so daß auch die folgenden Trauergästc unmittelbare Teilnehmer der Zeremonien~ sein können. V >n der Leichenhalle an bewegt sich der Zug in der eingangs bcsrfv rebenen Ordnung auf einem bestimmten Wege zum Grabe. Vorkehrungen der Sicherheitsbehörde machen ein Aufsuchen der Grabstätte auf anderen Wegen unmöglich. Ein großer freier Platz ermöglicht allen Teilnehmern den Bestattungsfeierlichkeiten beizuwohnen, wenn sich auch nur wenige dem Schluß-Grabe seihst nähern können Dann defiliert der ganze Zug an dem Grabe vorbe: und kehrt in alter Ordnung zum Friedhofseingangc zurück, woselbst sich der Zug auflöst. Allen Trauergästen, ganz besonders unseren ieben Gesinnungsgenossen, wird es dringendst an. Herz gelegt, diesen Anordnungen, als Folge der beschränkten Raumv'erhältnisse, im Interesse der y'r- •önlichen Sicherheit genau Folge zu leisten Er, der 'ins Ordnung gelehrt hat, soll in würdiger Ruhe zr irabe getragen werden. Im Aufträge des Aktions-Comites: H. YORK-STEINER Dr. SCHAUT ILMAAJ mcilbviieiJ iu.;>i;uun iwoußi* jum, nwwiu.v. Ernte wird sich die Zahl der Berchäftigien erhöhen. Die Nachfrage nach Jaffa-Orangen übersteigt das Angebot, die Qualität dieser Orangen ist unübertrdf. ah, die klimatischen Bedingungen für ihre Züchtung sind in Palästina ideal. Hauptkonsument der Jaffa-Orange ist noch immer England. - .. .. sich industriell enorm auswerten. A. Goldwater, Generaldirektor der Palestine Corporation, führte aus: ln den letzten fünf Jahren haben sich di# kleinen Industrien in Palästina außerordentlich entwickelt. Palästina bietet heute eine fundamenta'ere Sicherheit der Kapitalsanlage als viele andere Länder. Noch braucht Palästina heute Investier.mgskapital, aber dieses Kapital wird kommen. H. Vileles, Generaldirektor der Central Bank of cooperative Institutions oi Palestine, gab einen Ueberbiick über die landwirtschaftliche Entwicklung in Palästina seit den zehn Jahren des Bestehens der Bank. Das in jiid'schcn Händen befindliche Citrus-Gebiet hat sich in diesen zehn Janren versechsfach:. Die jüdische Milchproduktion, die vor zehn Jahren eine halbe Million Liter jährlich betrug, beträgt heute 5 Millionen Liter jährlich. Noch vor drei Jahren mußte f el-Awiw 90 Prozent, heute nur noch 50 Prozent seines Gemüsebedarfes bei Arabern decken Fast jede Gemüseart wird jetzt von Juden erfolgreich gezüchtet, ln diesem Jahre wurde das Experiment gemacht, neue Kartoffeln und Tomaten \on Palästina nach England und Frankreich zu verschicken Vor drei Jahren importierte Palästina 20 Millionen, jetzt nur noch 7 Millionen Stück Eier jährlich. Infolge Anbaues von Klee sind die Kosten der Milchproduktion zuriiekgegangen. Heute denkt man in Palästina sogar an Käseexport; Bananen existierten vor sieben Jahren in Palästnia fast noch nicht; im .etzten Jahre schon wurden 300 Tonnen Bananen exoortiert Vier Monate im Jahre hat Palästina Erdbeeren. Die ‘Central* Bank, die den hannern und Züchtern Darlehen gewährt hat einen ungeheuren Anteil an dieser öntwicklung. Die Central Bank verdankt ihren Aufschwung dem stetigen Interesse welches die drei großen Kontrollinstitutionen — Palestine Corporation of New Yoilc, Jewish Colonisation Association .n Paris und Economic Board for Palestine in London — sobekundk fy Commitlees in Palästin* ihr gegenüber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.