Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 237 (21.7.1932)
- Date
- 1932-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 OIE STIMME Nr. 237 — 21. Jttti 1932 Zionistische Wochenschau Begrüßung Sokotows in London SO-Jaftr*Feier der ChibbaifaZion-Bewegung Am fl. Juli abends fand unter dem Vorsitz des Oberrabbiners des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, eine Kundgebung zur Begrüßung des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, Nahum Sokolow, der eben von einer mehrmonatigen Amerikareise nach London.zurückgekehrt ist, sowie zur Feier des 50jährigen Bestehens der Chibbath Zion- Bewegung statt. Nach Ansprachen von Rabbi J. H. Hertz, dem Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Selig Brodetsky, Lord Melchett, dem Mitglied des Unterhauses Barnett Jänner, Elkan N. Adler und J. Goldblum hielt Nahum Sokolow eine Dankansprache, in der er unter Hinweis auf die Pläne der deutschen Nationalsozialisten gegen die in Deutschland wohnenden osteuropäischen Juden ausführte : Ich glaube, es wird noch einmal die Zeit kommen, in der die Zionistische Organisation in der Lage sein wird, die Sache der Juden in allen Ländern der Welt zu führen. Heute sind wir Waisenkinder, wir verfügen noch nicht über eine Stimme im Völkerbund. Wie können wir in den Völkerbund kommen, um dort unsere Sache selbst zu vertreten? Wenn wir heutzutage irgendeine das Judentum tief berührende Angelegenheit im Völkerbund zur Sprache zu bringen wünschen, müssen wir uns die Fürsprache einer Macht erbitten. Wären wir aber selbst im Völkerbund, so könnten wir für uns selbst sprechen, und es wäre uns die Demütigung des Outsider erspart. Wir müssen in den Völkerbund hineinl Der einzige Weg aber, auf dem wir in den Völkerbund kommen können, ist, Erez Israel so zu stärken, daß wir als Palästinenser im Völkerbund vertreten sein können. Dr, S. Brodetsky führte aus: Vor 50 Jahren, zurzeit der Entstehung der Chibbath Zion-Bewegung, *ß - ——ra—mm— Im 76. Lebensjahre verstarb heute in London Feldmarschall Viscount Herbert Plumer, einer der britischen Heerführer im Sudan-Krieg 1884, später im Burenkrieg und zuletzt im Weltkrieg. Bis 1919 befehligte er die britische Rhein-Armee, wurde dann Gouverneur von Malta und war 1925 bis 1928 als Nachfolger des jetzigen englischen Innenministers Sir Herbert Samuel Oberkommissär Palästinas. Ueber sein Wirken schreibt Robert Weltsch im «Jüdischen Lexikon»: «Seine (Plumers) Amtszeit ist charakterisiert durch vollständige Ruhe und Sicherheit im Innern und an den Grenzen, trotz des gleichzeitigen Aufstandes in Syrien. Eine seiner ersten Amtshandlungen war eine Reorganisation der militärischen und polizeilichen Kräfte in Palästina und Transjordanien. Plumer löste die aus Arabern, Juden und Tscherkessen bestehende sogenannte Elite-Gendarmerie auf und bildete das sogenannte «Transjordanische Grenzkorps», in welches die meisten Angehörigen der Gendarmerie mit Ausnahme der Juden übernommen wurden. Der Ausschluß der Juden, der in der ersten (später zurückgezogenen) J. Klinoff berichtet in der Warschauer Tageszeitung «Hajnt», daß der Vizepräsident der Union der Zionisten-Revisionisten, Richard Lichtheim, Berlin, im Hinblick auf die kommende A. C.-Sitzung an die revisionistische Exekutive vier Forderungen gestellt hat. 1. Der Beschluß von Calais wird abgeschafft; 2. Klare Stellungnahme gegenüber England; 3. Ausschluß von die Partei schädigenden Mitgliedern aus der Union; 4. Neuorientierung nach der Richtung einer Teilnahme der Revisionisten an der Zionistischen Exekutive. Klinoff berichtet weiter, daß Lichtheim den Beschluß von Calais, der den Mitgliedern der Union die Zugehörigkeit zur Zionistischen Weltorganisation freistellt, dafür verantwortlich macht, daß ein Chaos entstanden ist. Entweder man gehört der Zionistischen Weltorganisation an oder nicht, ein faules Kompromiß wirkt sich nur schädlich aus. Die Partei müsse sich definitiv entschließen, ob sie mit oder gegen England gehen will. Nachdem nun die allgemeine Situation im Zionismus eine Wendung zum besseren genommen hat | waren gegen den Zionismus zwei Einwände erhoben I worden: Erstens: der Zionismus ist unnötig, zweitens: der Zionismus ist unmöglich. Unnötig, weil der Sieg des menschlichen Fortschritts das jüdische Problem lösen würde. Wie steht es heute, — wir zählen 1932 — um diesen Einwand? Ich weise auf Deutschland, Oesterreich, auf fast alle Länder der Welt hin und frage Sie: Ist der Zionismus unnötig? Was den zweiten Einwand, daß der Zionismus unmöglich sei, betrifft, so ist darauf hinzuweisen, daß die Nationen der Welt uns das Recht zugesprochen haben, daß sie dieses Land wirklich aufbauen und als Bauern auf ihrer eigenen Scholle leben können. Lord Melchett führte aus: Ich glaube nicht, daß sich jemand über all das, was in Palästina geleistet worden ist, klar zu werden vermag, so lange er selbst nicht im Lande gewesen ist. fch gebe Ihnen allen den Rat, gehen Sie nach Palästina, sobald Sie nur können. Es gibt kein Volk in der Welt, das einen so hohen menschlichen Standard erreicht hat, wie das jüdische Volk in Erez Israel. Und dies in einem Jahrzehnt. In Palästina gibt es keine Arbeitslosigkeit. Die Wirtschaft befindet sich in richtiger Balance. In 10 oder 20 Jahren wird Palästina das eigentliche Zentrum der Judenheit sein. An uns ist es, in dem großen Kampf nicht zu erschlaffen und vor Schwierigkeiten nicht zu verzagen. Wir müssen die uns gebotene Gelegenheit nicht nur für uns, sondern für unsere Kinder für alle Zeiten ausnutzen. Im Namen des Palestine Committee des englischen Parlaments entbot Barnett Jänner Nahum Sokolow ein Willkommen und führte aus: Wenn wir nur wollen, werden wir es schon schaffen und der Welt zeigen, daß wir das, was wir uns zu leisten vorgenommen haben, auch vollbringen werden. Verordnung ausdrücklich angeordnet war, rief bei den Juden einen Proteststurm hervor. Andere wichtige Regierungsakte, die in Plumers Amtszeit fallen, sind das Gesetz über die Munizipalwahlen, das Gesetz über die jüdischen Gemeinden und die Palästina-Anleihe von 1926. Ferner wurde die öffentliche Schuld Palästinas (Anteil an der ottomanischen Staatsschuld und Defizit der Militäradministration vor 1920) aus den Ueberschüssen des Budgets vollständig zurückgezahlt (insgesamt 820.000 Pfund). Als 1926/27 große Arbeitslosigkeit herrschte, suchte Plumer durch Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten zu helfen, und veranlaßte auch die Sanierung der zerrütteten Finanzen von Tel-Awiw durch die Regierung. Die Judenschaft, die ihm anfangs zurückhaltend gegenüberstand, hat später seine starke und objektive Verwaltung anerkannt.» Auch nachdem er sich zur Ruhe gestzt hatte, bekundete Feldmarschall Viscount Plumer reges Interesse für Palästina-Angelegenheiten. Er trat oft in pro-palästinensischen Kundgebungen in England als Redner auf. — dies sowohl im Hinblick auf die Beziehungen zum High Commissioner als auch hinsichtlich des Arbeitswillens der meisten Mitglieder der Exekutive — ist die Frage einer revisionistischen Beteiligung an der Exekutive aktuell geworden. Lichtheim wünscht eine Antwort auf seine Forderungen noch vor Zusammentritt des A. C. Sollten seine Forderungen abgelehnt werden, so werde er nicht in der Lage sein, ein leitendes Amt in der revisionistischen Organisation zu bekleiden. Klinoff meint, diese Stellungnahme Lichtheims sei symptomatisch für die Stimmung in weiten revisionistischen Kreisen. Anderseits wächst die Intransigenz des Pariser radikalen Flügels der revisionistischen Union, der zu der bevorstehenden 5. revisionistischen Weltkonferenz der Exekutive der Union ein Memorandum unterbreitet hat, in welchem endgültiger Bruch mit der Mandat: % lacht, Uebersiedlung der Exekutive der Union vol London nach Paris, neue politische Offensive mit dem Ziel der Proklamierung des Judenstaates zu beiden Seiten des Jordan, Non-cooperation gegenüber der Palästina-Regierung, vollständige Trennung von der Zionistischen Weltorganisation u. a. m. gefordert werden. Klinoff hält es für schwer tragbar für eine Partei, wenn in ihrer Mitte .solche Extreme bestehen, er glaubt aber, daß sich trotzdem ein Mittelweg finden wird. Die Lage müsse aber möglichst noch vor der 5. Weltkonferenz, die in Krakau stattfinden wird, geklärt werden. Er glaubt, daß Jabotlnsky, der noch bei jeder Krise es verstanden hat, letzte, nicht wieder gut zu machende Konsequenzen zu vermeiden, auch diesmal die Partei vor einer Spaltung bewahren wird. (Aus diesem Berichte ersieht man, daß der Unfriede und die Spaltung, die von den Revisionisten in unsere Organisation getragen wurden, nunmehr auch die eigenen Reihen der Hyperradikalen zu sprengen beginnt. — A. d. Red.) Die Palästinaregierung wünscht, daß ein Drittel der öffentlichen Arbeiten in Palästina an Juden vergeben wer* den Jerusalem. In einer der letzten Sitzungen de« Stadtrates von Haifa hat, wie schon kurz mitgeteilt, der stellvertretende Distriktskommissar H. M. Foot namens der Regierung gefordert, daß die Stadt Haifa be) Durchführung öffentlicher Arbeiten zu einem dritten Teil Juden beschäftigt, bzw. daß ein dritter Teil der Arbeiten an Juden vergeben werde. Auf eine Frage des Vizebürgermeisters von Haifa Ibrahim Effendi Sahyoun, warum die Regierung nicht das gleiche Verfahren bei Vergebung der staatlichen Arbeiten befolge, erwiderte H. M. Foot, die Instruktionen, die die Regierung der Stadtverwaltung von Haifa durch ihn gibt, bringen die Politik der Regierung zum Ausdruck, die sie in ganz Palästina zur Geltung zu bringen wünscht. Als der Stadtrat von Haifa ungeachtet dieser Erklärung den Vorschlag des stellvertretenden Distriktskommissärs abgelehnt hatte, erklärte dieser, die Regierung, die schließlich die Verantwortung für das gesamte öffentliche Leben trage, werde auf ihrem Standpunkt verharren. Er gebe dem Stadtrat den Kat, die Vorschläge der Regierung anzunehmen und durchzuführen. Es sei die unmißverständliche Absicht der Regierung, auch jüdischen Arbeitern Arbeit zu verschaffen und es nicht zuzulassen, daß unter verschiedenen Gemeinschaften angehörenden Unternehmern ein System der Benachteilgung der in der Minderheit Befindlichen entstehe. Morris Rothenberg über seine Auf* gaben als Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas New York. In der Schlußsitzung der 35. Jahres- Convention der Zionistischen Organisation Amerikas sprach der neugewählte Präsident der Organisation, Morris Rothenberg, vom scheidenden bisherigen Leiter der Organisation, Robert Szold, als der «einmütig von den Zionisten Auserkorene» eingeführt, über seine zukünftigen Aufgaben. Er richtete dabei an die Delegierten die Mahnung, dafür zu wirken, daß möglichst alle Zionisten der Organisation auch wirklich angehören. Gerade der Erfolg des Zionismus, sagte er, schwächt die Organisation, da viele Zionisten sich sagen, sie hätten es nicht nötig, Mitglieder der Organisation zu sein, um sich als Zionisten zu deklarieren, die Bewegung sei ohnedies stark genug. Dieser Gedankengang ist falsch; man kann nicht ein treeur Zionist sein, wenn man nicht der Zionistischen Organisation angehört. Das zielbewußte leitende Organ der zionistischen Idee ist eben die Zionistische Organisation. Das zionistische Gefühl allein vermag nichts; es muß in die Wirklichkeit übertragen werden, und die Maschine, die Sympathie ln Willen umsetzt, ist eben die Organisation. Morris Rothenberg warnte vor der Auffassung, daß der Erfolg einer Organisation ganz und gar von der Führung abhängt, und schloß: «Wenn wir zu Ende eines Arbeitsjahres wieder zusammentreten und Sie mich fragen, was ich für die Organisation getan habe, so werde ich die Frage an Sic zurückgeben: Was haben Sie getan? Es gibt gewisse Dinge, die dem National Office der Organisation zu tun obliegen, im wesentlichen aber hängen Kraft und Schwäche der Organisation vori der Mitgliedschaft,ab. Ich brauche Ihre uneingeschränkte Mitarbeit 1» Hartnäckige Verstopfung, Dickdarmkatarrh, Blähungsbeschwerden, Magenverstimmungen, allgemeines Krankheitsgefühl werden sehr oft durch den Gebrauch des natürlichen «Franz-Josef»-Bitterwassers — morgens und abends je ein kleines Glas — beseitigt. Lord Plumer, dev frühere High Commissionev für Palästina gestorben Dev neue Weg des Revisionismus