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Die Stimme · 1932-07-21 · Heft 237 (21.7.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 237 (21.7.1932)
Date
1932-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, vierteljlhrl. S 4*20, ganz jghrl. . . . S 16*- DautachldL vierteljährl.. , . RM 3*- Tteheehoelowakei viertelj . Kr 24*— lugoelawien viert«! jänrl. . Din. 40*— Polen vierteljihr lieb . . Zloty 6*50 Ungarn vierteljShrlicb . . Pengö 4*20 Rumlnien viertel jlhrl. . Lei 120*— Uebrige» Ausland vierteljlhrL Sch« Franken 4*50 S« Jahrgang Jüdisdke Zeitung Wien, Donnerstag, 21. Jnli 1932 (17. Tammua 5692) Preis 35 g Erscheint jeden Donnerst* /-* o Redaktion £? und Adminietrat o V* Wen, L, Kim' n4 (3 Straße 28 Tel. R-27-' >1 j) M CT- ÄL* Poetspark kont.- Oesterr. D Polen . I9U9.V Techechoelowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 Nummer 237 Zur Tagung des Aktionskomitees Am 28. Juli beginnt in London die Tagung des Aktionskomitees, welches seit dem letzten Kongreß in Basel zum ersten Male Zusammentritt. Wohl begreiflich, daß dieser Tagung eine Fülle von Fragen harrt. Wenn auch seit dem Kongreß die Lage in Erez Israel in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht sich stark konsolidiert, ja sogar wesentlich gebessert hat, wird sich das Aktionskomitee mit dem aktuellsten Problem unserer gegenwärtigen Politik, dem French-Bericht, eingehender als sonst beschäftigen müssen. Seit Monaten wird die jüdische Oeffentlichkeit mit dauernden Meldungen über diesen Bericht in Atem gehalten und jedes Detail wurde in langen Zeitungsmeldungen auseinandergesetzt. Aus dem bisher bekannten Teil des French-Berichtes, soweit sie trotz der Dickicht der Geheimnistuerei seitens der palästinensisch-britischen Administration in die Oeffentlichkeit durchsickern konnten, spricht deutlich die antijüdische Tendenz gegen jede weitere Entwicklung unseres Aufbauwerkes in Erez Israel. Das Aktionskomitee wird auf Grund des sachlichen Gegenberichtes der von der Jewish Agency eingesetzten Sachverständigenkommission in der Lage sein, nicht nur den sachgemäßen Standpunkt des aufbauenden Palästinas kennen zu lernen, sondern auch ein einmütiges Urteil abgeben zu können. Dessen ungeachtet, daß in unseren offiziellen zionistischen Kreisen Stimmen laut werden — wir verweisen auf die diesbezügliche Erklärung Arlosoroffs — die uns beruhigen wollen, indem sie der Meinung Ausdruck verleihen, der French-Bericht werde in seiner gegenwärtigen Fassung nicht verwirklicht werden können, da der High Commissioner selbst versichert habe, daß es nicht gut möglich sei, das Landkaufsverbot in der vom Landentwicklungsdirektor vorgeschlagenen Weise passieren zu lassen, dürfen wir uns auf Grund der bitteren Erfahrung des letzten Fünfjahrs unserer Politik keinesfalls einlullen lassen. Im Gegenteil, das Aktionskomitee ist verpflichtet, in vollem Ernste und in aller Offenheit die Ergebnisse des French-Berichtes zu erörtern und entsprechende Direktiven der Exekutivezugeben, die sowohl der Londoner Regierung als auch die ausführenden Organe der Mandatarmacht klipp und klar auf die Tatsache hinweisen sollen, daß der French-Bericht nebst den bisherigen diversen Weißbüchern nur geeignet ist, die Liquidation des jüdischen Palästina zu inaugurieren, was sicherlich vom jüdischen Volk nicht ruhig hingenommen werden könnte. Im Zusammenhang mit dem French-Berichte müßte auch das Aktionskomitee die gewissen, gegen uns gerichteten Schikanierungen und «Praktiken» der Palästina-Administration eingehend erörtern und dementsprechend vorzunehmende Schritte in der Politik der Mandatarmacht gegenüber beschließen. Eine nicht mindere Aufmerksamkeit wäre bei der Erörterung der p o 1 i t i s c h e n La g e, den sich gegenwärtig abspielenden Geschehnissen in der arabischen Welt, zuzuwenden. Die Kämpfe gegen den Wahabitenkönig, Einfälle sinaitischer Beduinen Uber Transjordanien in den Hedjas, weisen auf eine gewisse Verbindung London—Mekka-Amman hin. Der Besuch Ibn Feisals, des Sohnes von Ibn Saud, in Rom scheint Weitaus den Rahmen eines bloßen Höflichkeitsbesuches überschritten zu haben und dürfte auf die Beziehungen iwischen England und dem Wahabitenkönig recht störend eingewirkt haben. Die letzten Gerüchte, wonach England die Absicht habe, Akaba von Transjordanien abzutrennen und als Freihafen dem Coloniai- Office zu unterstellen, die Delegierung des englischen Beamten Mr. Antonius durch den Emir Abdullah von Transjordanien, sowie dessen Bevollmächtigung durch den Jerusalemer Mufti Hussein! wegen Verhandlungen fcwecks lebenslänglicher Belassung seiner Stellung, Die Wahlen in das rumänische Parlament Ein Erfolg der Jüdischen Reichspartei — Die Cuzisten die fünftstärkste Fraktion Bukarest, 17. Juli. (J. T. A.) Am Sonntag, den 17. Juli, wurden in ganz Rumänien die Wahlen in das Parlament durchgeführt. Die jetzt am Ruder befindliche Regierung der Nationalen Bauernpartei (Nationalzaranisten) hat über 60 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Von den übrigen Parteien hat nur die von Prof. Cuza geführte antisemitische Christliche Liga einen Erfolg zu verzeichnen, sie wird voraussichtlich im Parlament die fünftstärkste Fraktion bilden. Die Juden gingen zu dieser Wahl gespalten. Die von den ehemaligen Deputierten und Senatoren Doktor Mayer Ebner und Dr. Theodor Fischer geführte Jüdische Reichspartei, die in 52 von insgesamt 71 Wahlkreisen eigene Kandidatenlisten eingereicht hat, hat das Stimmenminimum von zwei Prozent aller im Reiche abgegebenen Stimmen auf ihren Listen vereinigt, so daß ihr eine gewisse Zahl von Mandaten gesichert ist. Endresultate dürften erst morgen vorliegen. Die von den ehemaligen Deputierten und Senatoren Dr. Wilhelm Filderman und Horia Carp geführte Union rumänischer Juden, die aus prinzipiell jüdisch-politischen Gründen darauf verzichtet hat, eigene Wahllisten aufzustellen, hat für diese Wahlen ein Wahlkartell mit dem Wirtschaftsblock geschlossen. Es scheint aber, daß dieser Block das für eine Wahl von Deputierten vorgeschriebene Stimmenminimum von 2 Prozent aller im Reiche abgegebenen Stimmen nicht auf sich vereinigen konnte, so daß er wahrscheinlich ohne Mandat ausgehen wird. Aber auch in dem Falle, daß der Block einige Mandate für sich gesichert haben sollte, wird die Union, deren Führer als Zweite auf der Liste stehen, wohl kaum mit einem Mandat rechnen können. Eine Zwi Perez Cha jes-Straße in Tel-Awiw Der Gemeinderat von Tel-Awiw hat in seiner letzten Sitzung den einstimmigen Beschluß gefaßt, eine Straße nach dem Oberrabbiner Zwi Perez C h a j e s zu benennen. Bei derselben Sitzung wurde über Antrag des Bürgermeisters Dizengoff der Beschluß gefaßt, anläßlich des Chibath Zion-Jubiläums dem verdienten Führer M. M. Usschischkin das Ehrenbürgerrecht der Stadt Tel-Awiw zu verleihen. Die Ehrung unseres unvergeßlichen Oberrabbiners ist auf die Anregung des Senators Jakob Bodek aus Lemberg zurückzuführen. können als gewisse Umorientierungsabsichten Englands Transjordanien gegenüber gewertet werden, die dem wachsamen politischen Auge unserer Exekutive nicht entgehen dürfen. Im Zusammenhang mit diesen politischen Geschehnissen wäre es schon an der Zeit, daß das A. C., das seit Jahr und Tag von unseren politischen Exponenten vernachlässigte Problem Transjordanien, dessen historische Verbundenheit mit Erez Israel erst vor kurzem Chaim Weizmann in der ihm so eigenen exakten Formulierung hervorgehoben hatte, behandelt. Abgesehen von den rein politischen Fragen wird das A. C. in den Vordergrund seiner Beratungen Fragen unserer Finanz- und Wirtschaftspolitik zu stellen haben. Diesmal gilt es vor allem nebst der Behandlung einer radikalen Erleichterung der jüdischen Einwanderung und der Intensivierung sowie des Ausbaues unserer nationalen Siedlungen, einen rationellen Plan einer umfassenden Mittelstandskolonisation und daher auch entsprechender Kapitalinvestitionen festzulegen. Es bedarf der Feststellung eingehender und den Verhältnissen im Lande angemessener Richtlinien, wie den Gefahren einer eventuellen Nichtberücksichtigung jüdischer Arbeitselemente vorzubeugen wäre. Angesichts der jetzigen Wirtschaftskrise nehmen breite Schichten des jüdischen Mittelstandes in Amerika und Europa ein immer größer werdendes Interesse an Palästina. Da es sich bei diesen Elementen hauptsächlich um wirtschaftliche Interessen handelt, wäre es empfehlenswert, diese mit den nationalen Aufgaben des Aufbauwerkes in Einklang zu bringen, um rechtzeitig späteren Konflikten vorzubeugen. Spezielle Informationsbureaus und Beratungsstellen für Bodenkauf und Kapitalsanlagen wären zu gründen, um schon im vorhinein jedweder wilden Spekulation einen Riegel vorzuschieben. Unter der Kontrolle der Exekutive könnte sicherlich viel zur Förderung der Ansiedlung und wirtschaftlichen Verankerung des wertvollen mittelständischen Elementes im Lande beigetragen werden. Nebst der Erörterung unserer Außenpolitik und den Fragen unserer Finanz- und Wirtschaftspolitik obliegt diesmal dem A. C. eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, den Hauptteil seiner Beratungen unserer Innenpolitik zu widmen. Seit dem letzten Kongreß «wuchert» innerhalb unserer Organisation, wohl nicht zum Vorteile der Gesamtorganisation, die revisionistische Frage. Die Vorgänge auf dem letzten Kongreß selbst wiesen darauf hin, daß die Revisionisten statt «Revision» nur Destruktion zu üben beabsichtigen. Der unglückselige Beschluß von Calais schuf geradezu unhaltbare Zustände. Die Exekutive hat es wohl vermieden, eigenmächtig aus diesem Beschluß organisatorische Konsequenzen zu ziehen. Nun hat das A. C. das letzte Wort. Es ist daher anzunehmen, daß es mit aller Entschiedenheit den Beschluß von Calais, der an und für sich ein miserables Zwitterding darstellt, als unzionistisch entschiedenst zurückweisen wird. Jedwede Argumentation, die die Stichhaltslosigkeit und Unhaltbarkeit der revisionistischen Auffassung be« weisen soll, erübrigt sich nach den letzten Erfahrungen. Die diesbezügliche Entscheidung des A. C. wird wesentlich durch den Umstand erleichtert, daß schon innerhalb der revisionistischen Gruppe Stimmen selbst führender Männer laut werden, die sich gegen das «faule Kompromiß von Calais» auflehnen. Das A. C. als oberste Instanz in kongreßlosen Jahren muß diesem jetzigen unmöglichen Zustande, wie er sich auf der Grundlage des Beschlusses von Calais herauskristallisiert hat, ein, wenn auch schmerzvolles Ende bereiten. Entweder gehört man der zionistischen Weltorganisation an oder nicht, Ja u n d Nein gibt es nicht. Wird das A. C. im Bewußtsein seiner zionistischen Verantwortlichkeit den Beschluß von Calais als zionistisch unzulässig ablehnen, dann — wir sind hievon felsenfest überzeugt — werden die wirklich zionistisch denkenden Elemente der Revisionistischen Partei den Weg zur zionistischen Organisation zurückfinden und der destruktiven unzionistischen Arbeit des radikalen Flügels der Revisionistischen Union, der nach einer endgültigen Trennung von der Zionistischen Weltorganisation und nach einem Bruch mit der Mandatarmacht strebt, für ewige Zeiten Valet sagen. In diesem Falle steht den organisationsfähigen Revisionisten auf Grund der Organisationsverfassung noch immer der Weg ihrer Anerkennung als Föderation frei. Den .A, C.-Mitgliedern harren Tage müheuncl verantwortungsvoller Arbeit. Die zionistische Welt hegt die vollste Zuversicht, daß sie ihre Entscheidungen nur im Interesse der Organisation und Bewegung fassen werden. m. G. r iBhsi Do elendig? Komm' zu Bstöndlg I - RBRATUNG und AUFKLÄRUNG Uber den richtigen Heilbehelf bei Fufleehmeraen Soiek* und Senkfüßen, Krampfadern, 0. und X-Betne! FrortbaUen, Schienbrennen, Hühneraugen eto. «ta. daroh den Fuüepeei&UMen ToUet&ndlg kostenlos und unrerbiadlioh Institut Bständig WIm, I« Tetafaltstraße mir Nr. 7 (beim Burgtheator) Sprechstunden tt glich, eaeb gemein« ven 8 bk 18 Uhr.

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