Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 236 (14.7.1932)
- Date
- 1932-07-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nf. 236 — 14. Juli 1932 #■ Zionistisches Leben in Wien Die Arbeit des Keren Kaiemeth Jubiläutnsaktion des Keren Kajemeth. Bisheriger Gesamteingang S 13.953.23. In der letzten Woche gingen ein: Sektion Vl'VII. S 10—, Frauengruppe VI/VII. S 10.—, Union der Zionisten-Revisionisten S 60—, Wizo III. S 3.—. Garten Familie Friedrich Sinnreich. Mit den in der letzten Woche eingegangenen S 50.— ist dieser Garten komplett worden. Gärten. Auf den «Alfred v. d. Walde-Garten» sind mit den in der letzten Woche eingegangenen Beträgen insgesamt S 504.— eingezahlt worden. Silbernes Buch, Chaim Kallmann durch Sektion Zwischenbrücken (Nr. 111), Frau Dr. Pia Klein durch Verband radikaler Zionisten (Nr. 112). Rahmen zu Diplomen des Silbernen Buches. Im Keren Kajemeth-Büro sind auch Rahmen (blau-siiber, Silber) zu erhalten. Sie sind sehr wirkungsvoll. Verrechnung der Mai-Juni-Leerung. Diese Leerung wurde weiter endgültig verrechnet durch: Haschomer Hazair, Jedidäa, Balfoura, Brith Mischmar Haowdim- J. S. A. J., Wizo III. Lieder-Karten, denhaltend den hebräischen Text und die Noten von in Paläsltina gesungenen Liedern, sind entweder in einer ganzen Serie (12 St. — S 1.80), oder einzeln ä 15 Groschen im K. K. L'. erhältlich. Kurorteaktion. Der Keren Kajemeth ersucht Gg., die in Tatzmannsdorf resp. in Sauerbrunn zur Kur weilen, dem Keren Kajemeth bei Durchführung seiner dortigen Aktion behilflich zu sein. Sie mögen sich beim Keren Kajemeth melden. Ankündigungen und JUitteilungen Zionistische Jugendgemeinschaft «Brith - Herzl», Wien, XX., Jägerstraße 30. Wochenprogramm: Samstag, 16. Juli: 4 Uhr nachm., Zusammenkunft der Kindergruppe, 5 Uhr «Tikwah», 6 Uhr «Dror», 8 Uhr abends: Mitgliederversammlung mit anschließendem Vortrag. Gäste willkommen! Sonntag: Wanderung. Treffpunkt: 8 Uhr früh vor dem Heim% jyipjjntag:.IrjiJi Herrn: Diskussion; 8 Uhr «Tikwah». Mittwoch: 8 Uhr «Mädchenkwuzah». Donnerstag: 8 Uhr Führerkwuzah. Der Jüdisch-Akademische Juristenverein teilt mit, daß seine letzten Bibliotheksstunden vor den Sommerferien am Donnerstag, den 14., und Montag, den 19. d. von 7 bis 8 Uhr abends abgehalten werden. Der regelmäßige Betrieb (Montag und Donnerstag 7—8), wird am 26. September wieder aufgenommen werden. Unser letzter Sonntagsausflug vor den Ferien verlief trotz des schlechten Wetters sehr nett und animiert. Zionistische Bezirkssektion XII., XIV., X!V. Sitz: XV., Herklotzgasse 21. Die Gg., welche in den obenerwähnten Bezirken wohnen, werden ersucht, sich als Mitglieder einschreiben zu lassen. Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt in unserer Sektion bloß 60 Groschen inklusive Parteisteuer. Anmeldungen erbitten wir schriftlich. Richtigstellung. In der letzten Nummer der „Stimme" erschien in dieser Rubrik eine Würdigung1 des verewigten Schriftstellers Sch. Ben-Zion. Sie begann mit den Worten: „Mit dem Tode Sch. Ben-Ziona ist dem jüdischen Volke ein treuer Freund . . .“. In diesem Satz wurden irrtümlicherweise die Worte: „der jüdischen Jugend“, welche auf die .Worte: „ein treuer Freund“ folgten, weggelassen. Ferienkolonie Vöslau. Der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke, Wien, VI., eröffnet wie alljährlich seine Ferienkolonie Vöslau, Florastraße 15, und zwar: 1. Turnus Knaben und Mädchen von 7 bis 14 Jahren, vom 5. Juli bis 3. August, 2. Turnus Knaben und Mädchen von 7 bis 14 Jahren, vom 9. August bis 7. September. Anmeldungen nur vormittags von 9 bis 12 Uhr, Sekretariat, VI., Mollardgasse 85 (Karl Fröhlich, Tel. B 29-1-65). Todesfall In Graz verschied am 7. d. M. Frau Anna Reit mann im Alter von 68 Jahren. Frau Anna Reitmann war Präsidentin des Leobner jüdischen Frauen . e r e i n e s seit seiner Gründung. Eine gütige Frau, die die besten jüdischen Eigenschaften in sich vereinigte, ist mit ihr dahingegangen. Unter ihrer Leitung entfaltete der jüdische Frauenverein auf dem Gebiet der Armenfürsorge eine überaus ersprießliche Tätigkeit. Schlomoh Auerbach. Der ausgezeichnete Kenner der hebräischen Sprache und Literatur bleibt während der Ferien in Wien und ist bereit, Unterricht in hebräischer Sprache und Literatur (alte und neue) für jung und alt in Wien und Umgebung zu mäßigen Preisen zu erteilen. Adresse: Schlomoh Auerbach, XIX., Grinzinger Allee 7/33. Histadruth iwrith, II., Praterstraße 11, teilt mit, daß sie die in den Zeitungen «Neue-Welt» Nr. 130 und «Die Stimme» Nr. 117 erschienenen Annoncen bezüglich des Herrn Joel Meiseis vollinhaltlich widerruft und erklärt, daß die oben erwähnten Einschaltungen auf ein Mißverständnis zurückzuführen sind und daß nicht der mindeste Anlaß bestand, den guten Ruf und die Ehrenhaftigkeit des Herrn Joel Meiseis in Zweifel zu ziehen, SHe hebräische Bewegung Das hebräische Buch Ch. Hasas: Samuel Frankfurter Hasas hat sich in verhältnismäßig kurzer Zeit einen bedeutenden Namen in der hebräischen Literatur gemacht. Er gehört sowohl als Erzähler wie als Stilist zu den Ersten. Ja, als Stilist ist er beinahe ein Phänomen, ein eigenartiger Schöpfer. In der «Hatekufah», Band 23, hat Hasas die oben angeführte Erzählung veröffentlicht. Sie schildert das Leben in einem jüdischen "Städtchen während der Herrschaft des Bolschewismus. Zwei Gestalten, der Frankfurter und sein Freund Bär, stehen im Zentrum der Handlung. Der erstere — ein Tolstojaner im Leben — schließt sich dem Bolschewismus an, mit ganzer Seele und wird vom Arbeiter und Bauer vergöttert, eine liehtumflutete Gestalt, der wahre Ausdruck an Güte, Liebe und Menschlichkeit. Sein Freund Bär ist streng orthodox und gottgläubig, jedoch ebenfalls das Ideal an echtjüdischer Güte und Menschenliebe. Sieht in allen sich überstürzenden Ereignissen des Lebens die Hand Gottes. Beinahe aber gerät er in Verzweiflung, da alles Bisherige buchstäblich umgestürzt wird. Er gibt nicht die Hoffnung auf, die Juden, die sich dem Bolschewismus verschrieben haben, dem Judentum wiederzugewinnen. Frankfurter nimmt bei aller Güte die Rücksichtslosigkeiten, das Tyrannische der Revolution in Kauf. Bär versteht es buchstäblich nicht, wie man Menschenblut vergießen kann. Es ist überhaupt ungemein fesselnd, zu beobachten, wie dieser Fab Bär sich mit den Umsturzereignissen auseinandersetzt. Eine andere Figur: Rabbi Avigdor, der gewesene Reiche des Städtchens. Ihn hat die Revolution an der Welt, an Gott irregemacht. Nachum Schestofel, die Personifikation des Revolutionärs, der wörtlich Feuer und Flamme ist, keine Spur von Güte aufweist — nur eines fühlt seine Seele aus: Die Revolution, ihr Sieg. Und er ist Freund und Genosse des Frankfurter! Neben diesen zentralen Gestalten führt uns der Autor ein Kaleidoskop anderer Menschen vor, die wir alle plastisch sehen, obwohl er sie oft nur kurz schildert. Die völlige ökonomische Vernichtung des Städtchens ist mit der Hand zu greifen. Fürwahr, ein großer Gestalter ist uns in Hasas erstanden. Dr. Chaim Tartakower. «Malki Bezion» von Aron Wardi. Der Autor hat Im obigen Buche eine zusammenfassende Darstellung vom beinahe sagenhaften Aufenthalt Herzls in Erez Israel anläßlich des dortigen Besuches Kaiser Wilhelms gegeben. Er bediente sich hiebei des in den Tagebüchern, in der damaligen Presse enthaltenen Materials, aber auch der Erinnerungen noch lebender Zeugen. Das Buch ist von einem Manne geschrieben, der Herzl liebt und verehrt, was schon der Titel des Buches selbst besagt. Diese Einstellung des Autors hat dem *Buche nur genützt, weil es der Leser mit Freude und innerer Genugtuung nur lesen kann. Interessant sind auch die persönlichen Erinnerungen der Zeitgenossen, die damals in Erez Israel lebten und diese Episode miterlebten. Ganz besonders packend sind die diesbezüglichen Jugenderinnerungen B-i’s. Pas Buch weist schließlich zehn Illustrationen auf, zum größten Teil bisher unbekannte Aufnahmen. Diese Bilder erhöhen den Reiz des schönen Buches. Dr. Chaim Tartakower. Verjudung der Hochschulen? Von Ing. D. Goldschläger Ich möchte nur Statistik bringen, trockene Zahlen, die jedoch eine deutliche Sprache sprechen. Heute schreien die Nationalsozialisten bei jeder Gelegenheit von der «Verjudung» der Hochschulen und akademischen Berufe. Sehen wir uns nun die Statistik an. Zur Verfügung standen mir nur die Zahlen an der Technischen Hochschule Wien, doch sind die Zustände an den anderen Hochschulen analog. Im Jahre 1918/19 hatte die Technik 4309 Hörer, also fast um 20 Prozent mehr als heute. Davon waren 87 Ausländer. Die niedere Zahl der Ausländer erklärt sich daraus, daß ja noch die alte Monarchie bestand und die Ausländer sich nur aus den Balkanstaaten rekrutierten, die keine eigene Hochschule besaßen. Im Jahre 1919 schnellte plötzlich die Zahl der Ausländer in die Höhe, zählen doch alle Studenten aus den Nachfolgestaaten zu den Ausländern. Auch die Hörerzahl zeigte eine Steigerung, da nun den ehemaligen Kriegsteilnehmern die Möglichkeit gegeben ist, die Studien zu vollenden. Die Zahl der jüdischen Hörer ist sehr groß, fast 1000 Studenten, die zum Großteil aus dem Ausland kommen, besonders aus Polen, Ungarn und Rumänien, jenen Ländern, welche die Vorläufer des Antisemitismus gewesen sind. Das erregt das Bedenken des Professorenkollegiums, da es den deutschen Charakter der Hochschulen zu wahren heißt. Studienjahr Hörer Jüdische Hörer Ausländer 1918/19 4309 919 (21%) 87 1919/20 4837 989 1058 1920/21 4826 896 1080 1921/22 5070 915 1355 1922/23 4722 907 1169 1923/24 4246 657 993 1924/25 3677 478 751 1925/26 3351 397 640 1926/27 3065 329 520 1927/28 2994 305 477 1928/29 3061 328 467 1929/30 3218 351 495 1930/31 3310 396 493 1931/32 3412 408 (12%) 496 Schon 1922/23 setzen die Aufnahmsbeschränkungen für Ausländer ein. Nach einem mysteriösen Punkteschema werden Ausländer abgelehnt, insbesondere wenn es Juden sind. Gleichstellung wird nur Ausländsdeutschen gewährt. Die Folge hievon stellt sich auch sofort ein. Die Zahl der lästigen Ausländer (das sind Juden) fällt rapid. Im Jahre 1927 sind es weniger als die Hälfte, die Zahl der jüdischen Hörer sinkt auf ein Drittel. Haben es denn die ausländischen jüdischen Studenten notwendig, bei maßlos hohen Gebühren und einer organisierten Prügeljagd auf Juden in Wien zu studieren? Direkt lächerlich mutet es an* wenn andererseits Oesterreich sich bemüht, Fremdenverkehrswerbung zu betreiben. In den letzten Jahren zeigt die Statistik wieder eine Aufwärtsbewegung der jüdischen Hörer, während die Zahl der Ausländer stabil bleibt. Dies ist zweifellos eine Folge der Wirtschaftskrise. Der fertige Ingenieur sieht keine Aussichten, seinen Beruf auszuüben und insribkiert weiter oder macht das Doktorat. Hand in Hand mit diesen Zahlen geht die Entwicklung in der jüdischen Studentenschaft. Die Nachkriegsjahre bis 1922 sind die große Blütezeit. Damals wird die Judäa geschaffen mit ihren großen Institutionen, Mensa, Wirtschaftsamt, Stellenvermittlung etc., war doch die Studentenzahl mehr als doppelt so groß im Vergleich zu heute und baut sich doch die Arbeit zumeist auf den ausländischen und daher selbständigeren und interessierten Hörern auf, während die Wiener wegen ihres gesicherten Studiums kein so großes Interesse für eine Organisation zeigen. Schutzverband der Versicherten bei der Assicurazionl Generali Die Assicurazioni Generali, Direktion Oesterreich, nimmt im Gegensatz zu anderen Gesellschaften gegenüber ihren Versicherten, die auf Er- und Ableben in ausländischer Währung Verträge haben, bei der Prämienzahlung einen abweichenden, für die Versicherten ungünstigen Standpunkt ein. Alle diejenigen, welche sich durch obiges Vorgehen geschädigt erachten, wollen sich an den in Gründung befindden Schutzverband der Versicherten bei der Assicurazioni Generali, II., Praterstraße 26, wenden, damit durch gemeinsame Abwehrmaßnahmen die Interessenwahrung erfolge. Zehn Fragen 1. Welcher Rabbiner trat im 18. Jahrhundert gegen Auswüchse der Frauenmode auf? 2. Wann wurde die erste deutsche Schule für die Juden in Prag eröffnet? 3. Wer war Duarte de Paz? 4. Was war das Malkegeld? 5. Worauf geht der Ausdruck «Spitzbuben» zurück? 6. Wann wurde der erste Zionistenkongreß eröffnet? 7. Wann wurde die Agudas Jrsroel gegründet? 8. Wieviele Juden wanderten in den Jahren 1881 bis 1890 aus Osteuropa nach Amerika aus? 9. Wer prägte den Ausdruck Antisemitismus? 10. Wann wurde die Baron-Hirsch-Stiftung gegründet? Antworten 1. Rabbi Meir ben Isaak von Eisenstadt (Maharan) erließ am 17. April 1730 eine Art Hirtenbrief, in dem er die Frauen mit dem Bann bedroht, «die nach Art der Ausgelassenen und Unzüchtigen Kleider mit offenem Hals und offener Schulter tragen». 2. Die erste deutsche Schule für die Prager Juden wurde am 2. Mai 1782 eröffnet. Der erste deutsche Lehrer an dieser Schule war Moses Wiener. 3. Duarte de Paz war Diplomat und Fürsprecher der portugiesischen Mammen bei Papst Clemens VII., den er zur Suspendierung der Einführung der Inquisition bewog (17. Oktober 1532). Duarte de Paz wanderte später in die Türkei aus und wurde Mohammedaner. 4. Malkegeld (Königingeld) hieß in Ungarn die im Jahre 1749 den Juden von Maria Theresia auferlegte Toleranztaxe, 5. Die Juden mußten im Mittelalter spitze Hüte tragen, worauf der Ausdruck «Spitzbuben» zurückzuführen ist. 6. Der Zionistenkongreß wurde von Theodor Herzl irt Basel am 29. August 1897 eröffnet. 7. Die Agudas Jisroel wurde im Jahre 1912 in Kattowitz gegründet. 8. In den Jahren 1881 bis 1890 wanderten aus Galizien, Rußland und Rumänien 400.000 Juden nach Amerika aus. 9. Den Ausdruck «Antisemitismus» prägte als erster def Judenfeind Wilhelm Marr, Sohn eines jüdischen Schauspielers, in einer 1879 veröffentlichten Schrift gegen den Semitismus. 10. Die Baron-Hirsch-Stiftung wurde 1891 von dem jüdischen Wohltäter Baron Moriz Hirsch ins Leben gerufen. 6000 jüdische Kinder marschieren 6000 jüdische Kinder nahmen an einem vom George Washington-Wald-Komitee des Jüdischen Nationalfonds arrangierten Marsch durch New York teil. Jedes der Kinder verpflichtete sich, je einen Baum für den George Washington-Wald in Palästina aus Anlaß des 200. Geburtstages des amerikanischen Befreiers zu spenden. Die Kinder marschierten durch die 28th Street und die Fifth Avenue zum Bryant Park, wq unter der Leitung des Vizepolizeikommissars Nelson Ruttenberg, Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds in Amerika und des George Washington-Wald-Komitee, ein Festakt stattfand. Die Kinder wurden im Namen des New Yorker Washington Committee von Konteradmiral Bradley A. Fiske und im Namen des Bürgermeisters Walker von Polizeikommissar Edward P. Mulrooney begrüßt. Ansprachen hielten im Namen defl Jewish Educational Association Direktor Israel A. Chipkin und Polizeirichter Jonah I. Goldstein. Die Präsidentin der Ivria, Frau Gabriel Hamburger, verlas den Brief Washingtons an die jüdische Gemeinde von Newport, der Präsident des Misrachi Rabbi Wolf .Gold sprach ein Geba* h> - —-