Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 236 (14.7.1932)
- Date
- 1932-07-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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m 233 14, i|ui| ,|93^ PIB »T1MM4 Jüdisdkew fpott Es war schon langst angezeigt! Die Hakoah zieht sich von den Schwimmwettbewerben zurück Die skandalösen Zwischenfälle in letzter Zeit und der planmäßige Ueberfall auf Jüdische Schwimmer in Krems am letzten Sonntag bewog die Leitung der H a k o a h, sich vorläufig von den offiziellen Veranstaltungen des Verbandes der österreichischen Schwimmvereine zurückzuziehen. Die diesbezügliche Mitteilung des Schwimmklubs Hakoah lautet: «Der Schwimmklub Hakoah hat beschlossen, mit Rücksicht auf die Vorfälle in Krems, die deutlich die Linie, die der E w a s k seit den letzten Meisterschaften in Linz einschlägt, aufzeigen, bis auf weiteres an keiner Veranstaltung, bei der auch nur ein Mitglied des Ewask startet, teilzunehmen. Maßgebend für diesen Beschluß war das Verantwortungsgefühl, das die leitenden Funktionäre der sportausübenden Jugend gegenüber aufbringen zu müssen glauben da sie nicht riskieren wollen, daß jugendliche Schwimmer durch ähnliche Ueberfülle dauernd körperlichen Schaden nehmen. Gleichzeitig haben die Herren Paul Goldberg, Sigmund G o 1 d k 1 a n g und Dr. Alois Heller erklärt) ihre Funktionen Im V. Oe. S. niederzulegen. Dr. Paul G e i g e r, der bis vor kurzem Wasserballwart des Verbandes war, hat vor 14 Tagen seine Stelle aus ähnlichen Gründen zurückgelegt.» * Ueber die Strommeisterschaft wäre noch zu sagen: Die Hakoah trat aus sportlichen Gründen zur Strommeisterschaft an, obgleich die Veranstaltung vom Ewask durchgeführt wurde und dieser bei den letzten Hakoahfesten nicht angetreten ist. Die Startenden wurden vor dem Start nicht verständigt, daß das Ziel eine ganz enge Fläche von kaum 15 Meter sei, trotzdem die Ausschreibungen 30 Meter verlangen. Die Siegerin, Frau Wertheimer in der Damengruppe, und die Herren Gutli und Beck in ihrer Gruppe wurden trotz überlegenem Siege disqualifiziert, weil sie außerhalb der Ziele vorbeischwammen, während im Vorjahre eine Danubianerin bei gleichem Verschulden anerkannt wurde. Die Ergebnisse waren: Herren: I. Guth 32:37; 11. Beck 33:34;; 1,11. Putsche]« 33:53. Die H&koahner .wefdejt disqualifiziert, daher Futschek (Ewask) Meister.—• Dgfnen: I. Wertheimer 34:08; II. Hock 35:40; Frau Wertheimer disqualifiziert, daher Hock (Danubia) Meisterin. * Was die Kremser jüdischen Sportler sagen Die Strommeisterschaft 1932 wurde wie_im Vorjahr in der Wachau dhrchgeführt'. Die’jüdische Bevölkerung von Krems hat an ihr regen Anteil genommen, als sie vom Start der Hakoah Kenntnis erhielt. Was die Insultierung der Hakoahner und die Disqualifizierung der Hakoah-Sdiwimmer betrifft, so trifft unleugbar auch die Leitung der Hakoah teilweises Verschulden. Die Leitung der Hakoah hätte wissen müssen, daß sie in der vom. Hakenkreuz durchsetzten -.Wachau äut heißen- Boden stoßen*. wird imrf: daher mehr Funktionäre entsenden müssen. Die Betrauung des Herrn Ing. Hoff mann mit der Führung, war ein schwerer Fehler, da dieser der Situation in keiner Weise gewachsen war. Das Nichterscheinen des Zielrichters Gol dberg muß als strafbare Pflichtverletzung betrachtet werden, Die Organisation hat vollkommen versagt. Am ersten Wettbewerb der Jugend konnte die Hakoah wegen zu späten Erscheinens nicht mehr teilnehmen. Wenn auch der Beginn für 3 Uhr (laut Programm J£3 Uhr angesetzt war und vielleicht mit gewollter Absicht schon um %3 mit dem Wettbewerb begonnen wurde, wäre es Pflicht eines Funktionärs der Halkoah gewesen, schon früher im Bad zu erscheinen. Der auf die Hakoahner zweifellos vorbereitete Ueberfall «Rache für Stadion» hat bereits zur Feststellung einiger Beteiligten des EWASC-Krems geführt. Die Leistungen der Hakoahner und insbesondere Hedi Wertheimers, Guths und Becks wurden allseits anerkannt und ihre Disqualifizierung ein Akt des Terrors, der dem V. ö. S. nicht zur Ehre gereichen wird. Der Ruf der jüdischen Schwimmer, der weit über die Grenzen Oesterreichs und ganz Europa hinausreicht, wird auch durch solche Vorfälle nicht beeinträchtigt werden. Im V. ü. S. selbst aber darf es nur gleiche Rechte für alle Verbandsvereine geben. Was für Fleischer (Danubia) im Jahre 1931 gegolten, muß auch für die Hakoah heuer Geltung haben. Es wird Sache der Wiener Leitung sein, am grünen Tisch unseren aufopferungsvollen Schwimmern, die unter Lebensgefahr die blau-weißen Farben zum Siegen geführt haben, die Anerkennung zu erwirken. Manches hätte vielleicht vermieden werden können, wenn sich die Hakoah mit den Gesinnungsgenossen in Krems ins Einvernehmen gesetzt hätte. Vielleicht eine Lehre für die Zukunft. Den erfolgreichen Schwimmern jedoch, Hedi Wertheimer, Guth und Beck, die besten Glückwünsche und ein herzliches Schalom! Der Jude Prenn sichert Deutschlands Davis-Cup-Sieg In der Vorschlußrunde des Kampfes zwischen England und Deutschland um den Davis-Pokal hat am gestrigen Sonntag Deutschland mit 3:2 einen unerwarteten großen Sieg über England davongetragen. Dieser Sieg wurde erst möglich nach einem äußerst dramatischen Kampf zwischen dem deutschen Meister Daniel Pr e n n und dem englischen Spitzenspieler Perry, der für unbesiegbar galt. Dem deutschen Meisterspieler gelang es im letzten Augenblick, als alles schon verloren schien, durch beispiellose Energieleistung dem Engländer den für sicher gehaltenen Triumph zu entreißen. Die Zeitungen stellen fest, daß es eine Tennis-Sensation war, wie man sie in den letzten Jahren nicht erlebt hatte. Mehr als 5000 Zuschauer folgten leidenschaftlich den von beispiellosem Elan und fast übermenschlicher Anstrengung getragenen Kämpfen. Tags vorher hatte Prenn den berühmten englischen Tennisspieler Austin entscheidend aus dem Felde geschlagen. In der Sportwelt wirkte Prenns Sieg wie eine Sensation. «Berliner Tageblatt» spielte darauf an, daß Pirenn (der bekanntlich ein guter Jude und Förderer des jüdischen Sports ist) längere Zeit hindurch von völkischen Sportpreisen rücksichtslos verfolgt worden ist, und schreibt: «Der Deutsche Tennis-Bund, dessen Interessen Prenn gestern zu vertreten hatte; kann sich nicht rühmen, daß er in den letzten Jahren alles getan habe, um seinem Spitzenspieler, der ihm vor zwei Jahren so grandios den Siegpunkt gegen England erkämpfte, die Ausübung seines Sports zu erleichtern. Prenn hat sich über alles hinweggesetzt und weiß recht gut, daß ihm die Bestrafung seitens des Bundes wohl nur neue Freunde geschaffen hat. Ihm liegt daran, zu zeigen, daß man trotz aller Nachwuchsförderungen ohne ihn noch nicht auskofnmep känni ' DeirBeweisfrat er’^estdfn'Wieder dih'A’äT‘ de'ti'ffic'Hkt'' erbracht.» Auch die rechtsstehende «Deutsche Allgemeine Zeitung» und andere Rechtsblätter rühmen die «Kampfnatur» Ptenns. Da nun Prenn den Sieg in der Vorschlußrunde gegen England sicherte, sind die Schlußrundengegner der Europa- Zone nunmehr Deutschland und Italien. Schon in den allernächsten Tagen , treten Daniel Prenn und von Cramm die Reise nach dem Süden an. Der Davis Cup-Kampf Deutschland-Italien gelangt vom 15. bis 17. Juli in Mailand zum Austrag. gelti % Antisemitischer Kure im polnischen Pußballverband Die Wiener Hakoah-Fußballer hatten eine Tournee durch Polen abgeschlossen. Die Reise sollte anfangs Juli beginnen und die Mannschaft trainierte fleißig fiir die Tournee. Vor einigen Tagen bekam die Hakoah eine Verständigung von einigen polnischen Vereinen, wonach der polnische Fußballverband ihnen unterjagt hätte, gegen die Hakoah anzu treten, mit der Motivierung, die Wiener Hakoah repräsentiere nicht eine erstklassige Mannschaft. Ist sich der polnische Verband klar, welchen Unsinn er damit begeht? Ist nicht unsere Hakoah- Reserve besser als mancher polnische erstklassige Klub? In Hakoahkreisen erwartet man noch eine günstige Entscheidung des polnischen Verbandes d—k. Ttifti- und Sportfest in Linz Vom schönsten Wetter begünstigt hielt der Jüdische Turn- und Sportverein Linz am 19. Juni sein Sportfest vor überraschend vielen Zuschauern am Rapid- Platz ab. Der Anblick der sich auf dem grünen Rasen tummelnden jungen gesunden Kämpfergestalteil war erfreulich und das Bewußtsein, daß hier durch eigene Kraft eine Heranwachsende Oeneration mit Erfolg bemüht ist, die dem Judentum durch Jahrtausende anhaftenden Degenerationserscheinungen niederzukämpfen und sich für den schweren Lebenskampf zu stählen, mußte erhebend wirken. Der Drei,kämpf wurde in neun Gruppen durchgeführt. Vormittags fanden die Kämpfe im Standweitsprung und Kugelstoßen, beziehungsweise Ballweitwurf, nachmittags im Laufen statt. Auf allen Gebieten wurden recht ansprechende, unter Berücksichtigung der kurzen Trainingszeit überraschend gute Leistungen gezeigt. Es ist hier nicht der Platz, die Namen der einzelnen Gruppensieger zu nennen, nur Leopold Treichlinger muß speziell genannt werden, der in der Senioremklasse startend, die Höchstleistungen in allen Disziplinen zeigte und mit der Punktezahl 387 auch einen absolut genommen sehr guten Rekord erreichte. An die leichtathletischen Kämpfe schloß sich ein Handballspiel Frauen gegen Mädchen, das allgemeines Interesse fand. Nach lebhaftem abwechslungsreichem Kampf siegte das Mädchenteam mit knappstem Resultat. Den Schluß der Feier bildete ein Fußballmatch. Infolge des mangelnden Trainings kann hier von Leistungen nicht gesprochen werden, imerhin gab jeder sein Bestes und das Schlußresultat 2:2 gab dem ganezn Fest ein allseits befriedigendes Ende. Studienreisen durch Oesterreich Unter dem Ehrenschutz des Bundesministers für Handel und Verkehr Eduard Heini hat der österreichische Uraniaverband eine Aktion ins Leben gerufen, welche die gleichgesinnten Organisationen des Auslandes veranlaßt, Studienreisen durch Oesterreich zu unternehmen. Diese Reisen, die den Zweck haben, auf die landschaftlichen Vorzüge Oesterreichs hinzuweisen, beginnen oder enden mit einem mehrtägigen Aufenthalt in Wien, führen durch fast alle Bundesländer und sind so gedacht, daß sie in einem Querschnitt die besondere Eigenart Oesterreichs aufzeigen. Diese Aktion des österreichischen Uraniaverbandes hat bereits im Auslande lebhaften Anklang gefunden und es ist anzunehmen, daß sich dadurch wertvolle zwischenstaatliche Beziehungen ergeben werden. Wenn Ihnen uneee Blaii gefüllt, empfehlen Sie es, bitte, bei jeder Gelegenheit allen Ihren Freunden und Bekannten. Geben Sie uns Adressen an, an die wir Probenummern unserer Zeitung gratis u. unverbindlich absenden können AV1GDOR HAMEIRI 37 DER GROSSE WAHNSINN Autor. Uebertragung aus dem Hebräischen von Sem Wolf. Meine Abteilung hat sich herrlich ausgezeichnet. Die Diebe, die Künstler, die Apachen, die Jeschiwah- Zöglinge bewiesen Wunder des Heldentums. So auch die vier professionellen Kartenspieler. Sieg! Sechs Tote. Vierzehn Leichtverwundete. Ein Schwerverwundeter: Der Infanterist Meklin, Bauchschuß. Wird noch heute sterben. Sieg! Die Stadt gehört uns! Triumph und Freude. Und jetzt sollte man... ja, das wäre interessant... Jetzt sollte man mit denen jenseits der Front Zusammenkommen, ihnen die Hand reichen, sie umarmen und dann ein Bankett veranstalten, mit Reden ... Es ist sieben Uhr früh. Wir setzen uns und essen. Und dann schlafen wir einer nach dem anderen ein. Ich lese die Zeilen, die ich gestern ln meinem Tagebuche aufgezeichnet und in denen ich den Kampf beschrieben habe. Ich sehe, daß ich nichts tauge. Leere Worte. Auch sie können die Greuel nicht wiedergeben. Worte, sonst nichts! Aber ich glaube, es gibt kein Genie, das den Krieg In Worten wiedergeben könnte! Ja, vielleicht: Wenn Beethoven und Dostojewsky zu einer Seele würden...! Als wir aufgestanden sind, hörten wir viele verschiedene Neuigkeiten. Eine Neuigkeit war besonders «interessant»: von einer Abteilung ist kein einziger am Leben geblieben. Aber bevor diese Abteilung niedergemetzelt wurde, errang sie einen großen Sieg. Sie hat den Feind vom Weichbilde der Stadt vertrieben, folgte ihm auf seinen Spuren, und kam so in den Bereich der russischen «Preobraschensky-Kanonen». Alle blieben sie tot auf der Stelle. Die elfte Abteilung errang einen Sieg. Was ist das ein Sieg? Sonderbar, daß plötzlich diese Frage auftaucht. Aber sie taucht auf. Es gibt an der Front eine Erscheinung, die sich oft wiederholt. Ein Soldat liegt und schießt; ist begeistert, ist müde, aber er schießt, unter Anstrengung aller Kräfte, schießt nach zwei schlaflosen Nächten, ohne anständig gegessen zu haben, schießt im Kot sich wälzend; schießt, springt auf, und schreit aus allen Kräften: «Vorwärts! Vorwärts!» Plötzlich kommt eine Kugel geflogen und durchbohrt seinen Kopf. Er fällt auf die Erde, macht noch einige konvulsivische Zuckungen und stirbt. Sterbend schreit er noch immer: «Vorwärts 1 Vorwärts!» Und er stirbt mit dem Gefühl des Sieges. Er bleibt hier im Kot liegen, aber seine Abteilung drängt vor und vertreibt den Feind. Bis zu seinem letzten Augenblick hat er einen Anteil am Sieg und auch dann, wenn er schon tot ist, scheint es, daß sich auf seinem bleichen Antlitz die Siegesfreude widerspiegelt. Was soll das bedeuten? Er muß doch wissen, daß er selbst keinen Anteil am Siege haben wird. Das ist unrichtig. Er hat ihn. Wieso? Mit seinen Kameraden und durch seine Kameraden. Liegt darin nicht irgendein gräßlicher Hohn? Ich weiß es nicht. Ich kenne mich nicht mehr in diesem Chaos aus. Irgendetwas ist da, was ich nicht begreifen kann. Ein Mensch stirbt, beseelt von der Freude, daß ein anderer Mensch die Stadt erobern und als Sieger dastehen wird. Sonderbar. Aber noch sonderbarer ist eine andere Erscheinung, die dieser in großem Maße ähnlich ist: ein Regiment siegt und alle seine Leute fallen. Nach der Schlacht kriegt das Regiment als solches eine ehrende Auszeichnung. Man heftet sie an die Fahne und verkündet: «Das Regiment hat einen außergewöhnlichen Sieg errungen. Es kämpfte mit großem Heldenmut...» Und man übergibt ihm die Fahne. Wen übergibt man sie? Einem anderen Regimente. Von dem ausgezeichneten ist doch kein einziger am Leben geblieben. Und wer bekommt die Fahne? Irgendein Offizier, der nicht einmal ln der Nähe dieser Hölle war, in der die Unglücklichen, die jetzt unter der Erde liegen, gesiegt haben. «Das Regiment hat gesiegt! Das Regiment ist ein Held!» Und das heldenmütige Regiment ist sehr stolz: ich bin ein Held. Und der Feldwebel des heldenmütigen Regimentes geht aufgeblasen wie ein Pfau: ist er doch einer der Helden dieses heldenhaften Regimentes. Er, der Feldwebel, der zur Zelt der Schlacht, zur Zeit, da der Tod raste, irgendwo in einem sicheren Versteck seine Pfeife rauchte... Zur selben Zeit, da sein Kamerad, der zum Siege verhalt, blutüberströmt ln den Kot fiel. Die elfte Abteilung bekam die Fahne. Hohn, das ist nur Hohn! Und noch jemand wurde mit der großen goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Der Infanterist Andreas Meklin. Die Medaille hing man nicht auf seine Brust. Man legte sie auf sein Grab. Auf das hölzerne Kreuz, unter dem der Infanterist Andreas Meklin zusammen mit seinen zwanzig Kameraden von Würmern nun zerfressen wird. Er bekam die Auszeichnung und auf seinem Grabe hat man Ehrenschüsse abgefeuert. Auf seinem Qrabe! Ich sehe, wie der Infanterist Andreas Meklin in seinem Grabe stolz wird: «Ich bin ein Held! Man schießt mir zu Ehren. Und die Medaille dort oben am Kreuz, die gehört mir!» Das ist der große Hohn. „(Fortsetzung fotgt^