Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 236 (14.7.1932)
- Date
- 1932-07-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. äv>{> — 14. Juli 4934; DIE STIMME geltq 1 «eher Anstrengung. Der erste sich auf drängende Eindruck dieser Niederlassung ist Stabilität, selbstverständliches Bauerntum. So weit das Auge reicht, grün, grün, Häuser in Gruppen, in Straßen, einzelstehend, Orangengärten, von schlanken Cypressenbfiumen flankiert, Eukaliptuswald, kultivierte Felder und Gärten. Man fährt in den Ort ein unter dem Schatten erstaunlich rasch und hoch gewachsener Bäume von beiden Seiten der Straße. Magdiel ist die Gründung einer Gesellschaft polnischer Juden, denen sich später eine Gruppe litauischer Einwanderer angeschlossen hat. Die Kolonie steht vom ersten Augenblick an unter der energischen und zielbewußten Leitung von S. Zuchowlcki, dem früheren Leiter des polnischen Keren Hajessod. Sie hat Ihre leitende Stellung unter den Scharon- Siedlungen ihren organisatorischen Fähigkeiten und ihrem moralischen Ansehen zu verdanken. Der Keren Hajessod Ist am ersten Aufbau auch dieser Mittelstandssiedlung mit einer Anleihe von 23.000 Pfund beteiligt. Heute leben auf ihr bereits 1500 Einwohner. Von den 4000 Dunam Boden, den sie umfaßt, sind mehr als 1000 mit teilweise bereits tragenden Orangengärten bepflanzt. Milch- und Hühnerwirtschaft ist ßtark vertreten. Der räumlichen 'Ausdehnung dieser Kolonie sind j&llerding8 durch die Tatsache, daß sie von jüdischem Boden umgeben Ist und nur an einer Seite an arabischem, aber unverkäuflichem Wakuf-Boden anstößt, Grenzen gesetzt. Der Keren Hajessod hat hier in der Scharonebene Glänzendes geleistet, aber seine Aufgabe ist noch nicht erfüllt, sondern sie fängt erst an. 200.000 Juden in Palästina ist nicht das Ziel des Zionismus. Es warten draußen unzählige Massen von Juden, für die der Boden im Lande bereitet werden muß. Die unglaublich harte Aufgabe der Gesandten des Keren Hajessod in der Jüdischen Welt wird ln den eigenen zionistischen Reihen iilcht genügend gewürdigt. Was die Juden für den Aufbau Palästinas geben, das geben sie für sich, oder für ihre Kinder, 60 Jahre Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums blickt in diesen Wochen auf ein sechzigjähriges Bestehen zurück. Sie veröffentlicht aus diesem Anlaß einen Bericht, dem die fünf Dozenten -kurzgehaftene, doch liberatis wertvolle, .wissenschaftliche Abhandlungen beigegeben haben, aus denen auch der Laie ein Bild von der Hochschule und ihrem Gebiet gewinnt. Aus dem Geschäftsbericht des Kuratoriums ist .vor allem der starke Besuch der Hochschule hervorzuheben. Obwohl immer wieder, darauf hingewiesen wird, daß der Beruf SesRäbbiners oder Religionslehrers augenblicklich keine Aussichten bietet, hat sich die Zahl der Studierenden-abermals erhöht und ist a u f 1 5 5 g e 81 i egen. Besonders stark zugenommen hat die Zahl der w e i b 1 i c h e n Studierende n. Sodann sei die .durclt das- Vermächtnis .von-Frau. Justizrat Margarete Hausmann ermöglichte Einrichtung und Einweihung des Heims für jüdische Akademiker in Arqndsee erwähnt. Das vornehme, vorzüglich geleitete Haus in herrlichster Lage erfreute sich seit seiner Eröffnung regen Zuspruches und hat sich bereits in weitesten Kreisen jüdischer Akademiker Freunde erworben. Der Finanzbericht bietet ein überaus trauriges Bild, der diesjährige Etat schließt mit einem D ef i z 11 von R M 5 2.0 0 0 ab. Die Landesverbände und Gemeinden konnten und können nicht mehr jene Beträge beisteuern, die unbedingt benötigt werden; die früheren Spender sind zum größten Teil selbst mittellos. Die Werbetätigkeit brachte infolge der Wirtschaftskrise nur geringen Ertrag. Trotz äußerster Sparsamkeit, trotz wiederholter erheblicher Kürzungen der Gehälter der Dozenten und Angestellten hat die Hochschule behufs Deckung des Defizits zum Verkauf von Effekten greifen müssen und damitdengrößtenTeilihresVermögens e i n b ü ß e n müssen; dieses dürfte schnell völlig aufgebraucht sein, wenn nicht bald materielle Hilfe kommt. Bulgarisch-Jüdisches Konsistorium bestätigt Das Ministerium für Aeußeres und Kultus hat soeben das von der Repräsentantenversammluhg der bulgarischen Judenlieit gewählte Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens durch einen speziellen Erlaß bestätigt. Durch diesen Akt erhält die oberste Vertretung der bulgarischen 'Juden und das Vollzugsorgan der bulgarisch-jüdischen Gemeinden die staatliche Anerkennung als die offizielle Repräsentanz der Juden Bulgariens. Bisher war nur die Einzelgeniefwk', nicht aber das Zentralkonsistorlum gesetzlich anerkannt. Republik Syrien Am 11. Juni trat das neugewählte syrische Parlament zur Wahl eines «Präsidenten der Republik» zusammen. Gewählt wurde Achmed Ali Bey el Abed, ein syrischer Notabel, der früher im türkischen diplomatischen . Dienst stand. Durch diese Wahl ist zunächst die früher viel erörterte Frage, ob Syrien eine Monarchie oder eine Republik werden soll, zugunsten der Republik entschieden. Bekanntlich wurden vor einiger Zeit verschiedene Kandidaten für den syrischen Königsthron genannt, darunter König Feisal von Irak und der Exkhedlve Abbas Hilmi, Durch die Wahl des Präsidenten der Republik Syrien haben nunmehr alle A-Mandatsländer mit Ausnahme Palästinas (Irak, Syrien, Trtnsjordanlen) Staatsoberhäupter und gewählte Volksvertretungen. Nach Aufbebuhg de« Irak-Mandate# soll nunmehr gemäß den Erklärungen der französischen Vertreter in Genf auch die Aufhebung des Mandates in Syrien in die Wege geleitet werden. Palästina ist zwar bei der Klassifizierung der Mandate unter die A-Mandate eingereiht worden, seine tatsächliche Verwaltung aber entspricht seit dem gescheiterten Verfassungsversuch Herbert Samuels von 1922 mehr der eines B-Mandates oder einer britischen Kronkolonie. Der Palast des Herodes ausgegraben Der durch verschiedene Schriften, besonders aber durch sein «Numantia-Werk» bekannte Gelehrte Professor A. Schulten ist vor einiger Zeit von seiner Forschungsreise in Palästina zurückgekehrt. Die Reise, auf der ihn sein Mitarbeiter, Oeneral Lammerer, und ein junger Theologe begleiteten, galt dem gründlichen Studium der vom römischen Legaten des Kaisers Vespasian, Silva, um die jüdische Feste Masada am Westufer des Toten Meeres aufgeführten Umwallung. Zunächst wurde die unmittelbare Umgebung des Arbeitsfeldes im Maßstab von 1:5000 aufgenommen, dann folgten die Pläne von neun Lagern und der Plan der jüdischen Feste Masada selbst im Verhältnis 1:2500 mit den noch im Grundriß erhaltenen Gebäuden. Unter diesen befindet sich der noch nie vermessene Palast desHerodes. Gottesstrafe für Synagogenschftndung Die Fluten in der M o 1 d a u und in den angrenzenden Gebieten Bessarabiens und der Bukowina sind abgeebbt. Die Zerstörungen in den zum großen Teil von Juden bewohnten Städten sind sehr bedeutend. Die Regierung hat vorläufig 25 Millionen Lei der Hilfsaktion für die Geschädigten zur Verfügung gestellt. König Carol ist in Jassy eingetroffen, um der Verteilung von Unterstützungen an die Opfer der Katastrophe beizuwohnen. Das flache Land ist auf weite Strecken hin verschlammt, die Ernte vernichtet. Jn bäuerlichen Kreisen herrscht der Glaube vor, die Flutkatastrophe in der Moldau sei eine Gottesstrafe für die S c h ä ndungderjassyer Synagoge und die Vernichtung von 10 Thorarolien durch Studenten-Mitglieder der Eisernen Garde am 23. März d. J. In Jassy hat die Ueberschwemmung noch ein jüdisches Todesopfer gefordert. Beim Versuche, Hausrat aus den Fluten zu retten, ist der jugendliche Carol Finkeistein ertrunken. Sie wollen keine Schweine züchten Die in Charkow erscheinende kommunistische Zeitung «Stern» klagt, daß die jüdischen Kolonisten des Rayons Kalinindorf sich weigern, Schweinezuzüchten, weshalb sich die Zahl der Schweine in diesem Rayon auf ein Drittel vermindert hat. Die Zeitung fordert die Behörden auf, gegen diejenigen einzuschreiten, die einen Schweinezucht-Streik erklären. Heute — «Es geht um alles» Die Sensations-Groteske «Es geht um alles» ist ab heute im Gartenbau-, Ufa-Ton-, Stafa- und Colosseum- Kino zu sehen. Dieser Film, der eine tolle Verfolgung eines Brautpaares zeigt, wobei die komischesten und sensationsreichsten Abenteuer erlebt werden, beschäftigt in den Hauptrollen Ernst Verebes, Claire Kommer, Willy Schur, Luciano Albertini, Domenico Gambino, Eddie Polo und Carl Auen. Die Musik stammt von Hans May . Uieraiur/Kunstf/Yheatfer Max Liebermanns 85. Beburtstag Am 20. Juli vollendet der große Maler Professor Max Liebermann, der bedeutendste Repräsentant des Impressionismus in Deutschland, der viele Jahre hindurch Präsident der Preußischen Akademie der Künste gewesen war, sein 85. Lebensjahr. Max Liebermann wurde 1847 in Berlin als Sohn einer-angesehenen jüdischen Fabrikantenfamilie geboren, bezog 1868 die Universität, um Philosophie zu studieren, besuchte gegen den Willen seines Vaters heimlich die Malakademie, wo er bald ein Meisterschüler Karl Steffecks wurde und schon nach einem Jahre an dessen großem Bilde i«Sadowö».Jmi.toläJep ’ durfte,' 1878 malte er-in-Münehen seln kolossalgenfälde" «Jesus unter den Schriftgelehrten», welches auf der Ausstellung von 1879 von der Jury mit Ausdrücken der Bewunderung aufgenommen, aber vom bayerischen Klerus abgelehnt wurde. Liebermann hat nie wieder ein religiöses Bild gemalt. Nun .begab er sich nach Holland, wo er mit Josef Israels in sehr freundschaftliche Beziehungen trat, 1880 entstand hier sein Bild «Alte Frau am Fenster», sowie das zu seinen kostbarsten Schöpft ungen gehörende Bild «Altmännerhaus in Amsterdam», das ihm in Paris eine Medaille und die Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion eintrug, die erste Auszeichnung übrigens, die einem Deutschen nach dem Kriege in Frankreich zuteil wurde. Nach München zurückgekehrt, malte er das in der Berliner Nationalgalerie befindliche Bild «Schusterwerkstatt» und das im Staedeischen Institut zu Frankfurt befindliche Gemälde «Hof des Waisenhauses in Amsterdam». Als das Bild im Pariser Salon erschien, schrieb der bekannte Kunstkritiker Hochede: «Liebermann hat der Sonne einige von ihren Strahlen gestohlen und bedient sich ihrer wie PhÖbus selbst.» 1884 Ueß sich Liebermann in Berlin dauernd nieder. In den 90er Jahren setzte er sich mit Manet und Degas, mit dem Impressionismus, auseinander. Er trat vom Atelier ins Freie und schuf eine Reihe von Bildern, in denen sich eine besondere Begabung für Auffangung von Licht-, Raum- und Bewegungsenergien kundtut. Es folgten am Meeresufer gemalte koloristisch reiche Reiter- und Landschaftsbilder, sowie die Büderrelhe der Judengasse ln Amsterdam und der Gemüsemärkte in Delft. Etwas später wandte er sich der Porträtmalerei zu, es entstanden seine weitbekannten Porträts des Hamburger Bürgermeisters Petersen, des Direktors der Berliner Nationalgalerie Wilhelm Bode, Rudolf Virchows, Gerhart Hauptmanns u. v. a., zuletzt das des Reichspräsidenten von Hlndenburg. Auch als Radierer errang Liebermann große Bedeutung. 1898 erhielt Liebermann den Titel Professor und gründete im selben Jahre mit anderen Künstlern die Berliner Sezession, deren Vorsitzender er bis 1920 war. Als Präsident der Akademie (1920 bis 1932) unternahm er es, der akademischen Körperschaft, gegen die er selbst durch viele Jahre einen erbitterten Kampf geführt hatte, die seit langem verlorene Vormachtstellung im Berliner Kunstleben wiederzugeben. Auch als Kunstschriftsteller hat sich Liebermann hervorgetan, er schrieb Monographien über Degas, Josef Israels, Menzel und Manet, ferner «Ueber die Phantasien der Malerei» u. v. a. Liebermann wurden im Verlauf seines reichen schöpferischen Lebens außerordentlich viele Ehrungen zuteil. Er ist Ehrendoktor der Universität Berlin, besitzt die Großen Goldenen Medaillen von Berlin, München, Paris, Dresden, Antwerpen und Venedig, ist Ehrenmitglied der meisten Akademien des Festlandes und Ehrenpräsident der Berliner Kunstakademie. Max Liebermann hat wiederholt an jüdischen sozialen und charitativen Angelegenheiten Anteil genommen, er förderte den «B e z a 1 e 1» in Jerusalem und interessierte sich, wie sein an den Bürgermeister von Tel-Awiw Dizengoff vor einiger Zeit gerichtetes Schreiben bezeugt, auch für die j u n g e palästinensische Kunst. In seinem 80. Lebensjahre schuf er die Graphik «Die Mutter der Zwölftausend» zum Gedenken an die zwölftausend im Kriege gefallenen deutschen Juden. Erigljfscfte äeseHschaft für Palästina- Museum In einem Brief an die «Times» teilen Sir Robert Mond, Sir Ronald Storrs, Innenminister Sir Herbert Samuel, der berühmte Archäologe Sir Flinders P e t r 1 e und Lady E r 1 e i g h mit, daß sie sich als eine Gesellschaft der Freunde des Palästina- Museums konstituiert haben mit dem Ziele, Palästina-Kunstgegenstände ln der ganzen Welt zu sammeln und sie in einem eigenen Museum in Palästina unterzubringen. In dem Schreiben wird darauf hingewiesen, daß überall in der Welt Gegenstände verstreut sind, die ein Licht auf die Entwicklung der jüdischen, moslemitischen und christlichen religiösen Kunst werfen. Es besteht die Gefahr, daß alle diese Kulturzeugnisse verschwinden. Besitzer solcher Gegenstände werden gebeten, sie der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, die sie in dem Palästina-Museum zweckmäßig und in pasendem Rahmen unterbringen wird. Gesammelt werden nicht allein Kunsterzeugnisse, sondern alle Gegenstände, die die Geschichte des Heiligen Landes und die Entwicklung der verschiedenen Bewegungen, die dort Ihre Wurzel hatten, illustrieren. Zehnbändige Tschernichowsky-Ausgabe vollendet Die durch eine Subskription unter den Hebraisten in der ganzen Welt möglich gewordene Ausgabe sämtlicher Werke des berühmten hebräischen Dichters Dr. Saul Tschernichowsky liegt nun vollendet in zehn stattlichen Bänden vor. Aus diesem Anlaß wurde in Jerusalem ein Bankett zu Ehren Tschernichowskys in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen. Im Verlauf des Bankerts würdigten Chaim Nachman Bialik, M. M. Ussischkin, Doktor David Yellin und Prof. Josef Klausner Persönlichkeit und Werk des Dichters. Tschernichowsky dankte gerührt dafür, daß man die Herausgabe seines Werkes zu einer Angelegenheit des Judentums gemacht hat. Eine ähnliche Ehrung wurde i. J. 1882, also vor genau 50 Jahren, dem großen hebräischen Dichter Juda Leib Gordon bereitet; damals wurde durch Subskription unter der russischen Judenheit die Herausgabe des Gesamtwerkes J. M. Gordons ermöglicht. Festabend zu Ehren Dawld Pinskis Zur Begrüßung des in Wien weilenden Dichters fand ein Festkommers statt, bei dem zu Ehren des Dichters und dessen Gattin die Herren Dr. Mendel, Singer, Moses Groß, Dr. Sokal und Dr. Sternberg Ansprachen hielten. Der junge Sänger Hönig steuerte zum Gelingen des Abends einige jiddische Lieder