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Die Stimme · 1932-07-14 · Heft 236 (14.7.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 236 (14.7.1932)
Date
1932-07-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE Slliviivic i>f. zoo — 14. Juli 1932! Eine neue Welle zionistischen Interesses Warschauer Brief Das zionistische Leben Warschaus erhält immer neue Impulse aus Palästina. Die polnischen Führer der Jewish Agency verstehen es auf geschickte Weise, das Interesse der breitesten Öffentlichkeit, auf Fragen der palästinensischen Gegenwart und Zukunft zu konzentrieren. An den Exkursionen nach Palästina beteiligten sich im Frühjahr auch mehrere hervorragende polnische Schriftsteller und Journalisten nichtjüdischer Konfession, die nach ihrer Rückkehr in den Dienst der zionistischen Propaganda eingespannt wurden. Aber die hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der palästinafreundlichen Publizistik des ehemaligen Arbeitsministers P r u c h n i k war bereits im letzten Warschauer Brief die Rede. Nunmehr hat die Jewish Agency ein Massen-Meeting veranstaltet, um die Gründung eines polnischen Pro-Palästina-Komitees würdig vorzubereiten. Als Redner wurden außer Pruchnik aus dem polnischen Lager der hervorragende Reisesciiilderer Ossendowski und der katholische Publizist Pater Kneblewski eingeladen. Der ehemalige polnische Konsul in Palästina Tytus Zbyrzewski schickte aus Gdingen ein warmes Begrüßungstelegramm. Ossendowski behandelte in fesselnder und formvollendeter Weise die weltpolitische Bedeutung des Palästinaproblems und betonte mit Recht die freundliche Einstellung der polnischen Regierung zu den zionistischen Bestrebungen. Die Vertreter des polnischen Staates unterstützten in den schweren Augusttagen des Jahres 1929 hilfreich die Schutzbefohlenen polnischen Staatsbürger, die am Kolonisationswerk in Palästina Interessiert sind, und sind weiterhin bestrebt, durch richtige Erklärungen auf internationalem Boden die Sympathien Polens für das zionistische Kulturwerk in Palästina zu unterstreichen. Als Richtschnur bei dieser politischen Einstellung gilt die in der besten Tradition des Landes verankerte Tendenz zur tatkräftigen Förderung jeder kulturfördernden Pionierarbeit. Pater Kneblewski, ein hervorragender Kanzelredner, gab eine historische Uebersicht über die Stellung der päpstlichen Kurie zur Palästinafrage und bewies, daß vom kirchlichen Standpunkt aus keinerlei Hindernisse dem Wachstum der zionistischen Kolonisation im heiligen Lande entgegenstehen. Es war ungeheuer interessant, die packenden und überaus wirkungsvollen Schilderungen von Land und Leuten aus dem Mund eines religiös eingestellten Nichtjuden zu vernehmen. Natürlich gelten seine Sympathien vielmehr den konservativen und politisch ge-l mäßigten jüdischen Elementen des Landes als der radikal und antireligiös eingestellten Jugendbewegung. Einige Tage nach dieser politischen Manifestation sprach Pater Kneblowski in einem rein katholischen Publikumskreis über Palästina. Der Redner hob in diesem fast judenreinen Milieu mit derselben Wärme und-Hochachtung die Verdienste der Juden um Palästina und die angestammten Rechte des jüdischen Volkes au'f das heilige Land hervor. Pater Kneblewski beugte sein Haupt vor der imponierenden geistigen Kraft, die vom Skopusberg aus durch die Hebräische Universität auf das Land selbst und die ganze Diaspora ausstrahlt. Die großen politischen Manifestationen werden gewiß ihre Wirkungen nicht verfehlen und eine neue Aera der polnisch-jüdischen Pro-Palästina- Komitees inaugurieren. Wie äußert sich nun die neue Welle des zionistischen Interesses um Palästina in der Bewegung und Entwicklung der zionistischen Partei in Kongreßpolen? Es ist nicht zu verkennen, daß die Berichte der zahlreichen Palästinafahrer und die schreckliche materielle Notlage der jüdischen Massen neue Impulse für die Bewegung in Polen geschaffen haben. Eine große Anzahl junger Gesinnungsgenossen mit der nötigen beruflichen und psychologischen Vorbereitung und eine weit größere Masse älterer Zionsfreunde aus den Kreisen des sogenannten Mittelstandes, der eigentlich als «Stand ohne Mittel» richtigerweise definiert werden kann, hat zum Wanderstab gegriffen und belagert das Palästinabüro mit mehr oder weniger berechtigten Forderungen auf Zuteilung von Einwanderungszertifikaten. Um diese letzteren ist ein heißer Wettkampf entbrannt. Der Leiter des Warschauer Palästinaamtes Dr. Klumel ist wahrlich in keiner beneidenswerten Situation, denn die geringe Zahl der Zertifikate erlaubt kaum die Befriedigung eines kleinen Bruchteiles der gestellten Anforderungen. Die Revisionisten haben in Verkennung der realen Bedingungen und, ungeachtet der schweren Folgen, ihre Unzufriedenheit mit dem Verteilungsschlüssel durch die Proklamierung des Boykotts der zionistischen Fonde kundgetan. Diese verwerfliche Kampfmethode hat bereits eine Demoralisation in die zionistischen Reihen getragen. Eine positive Erscheinung im jüdischen Leben dagegen ist der Fortschritt der Anknüpfung von innigen Handelsbeziehungen zwischen Polen und Palästina dank dfn tagtäglichen Bemühungen der Polnisch-palästinensischen Handelskammer. Die zionistische Parteileitung beginnt nun auch eine gesunde Rivalität mit den außerhalb der Parteiorganisation sich breitmachenden zionistischen Aktionen. Einen Auftakt für diese Arbeit bildete die am 24., 25. und 29. Juni tagende 5. Konferenz der Warschauer Zionisten. Es war dies eine numerisch nicht besonders imponierende Heerschau der zionistischen Truppen. Um so intensiver und gründlicher war der Inhalt der aktuellen Referate und Diskussionen. In organisatorischer Beziehung sind in den letzten Jahren recht viele Unterlassungen vorgekommen, die wieder gut zu machen sind. Der mehr persönlich als programmatische Gegensatz zwischen den Gruppen Al Hamischinar und Etli Livnoth hat nach der Abreise Griinbaums den Rest der Aktualität eingebüßt und so konnten auf die 5. Konferenz der Warschauer Zionisten in brüderlicher Eintracht die aktiven Elemente beider Gruppen zur gegenwärtigen Lage Stellung nehmen und im besten Sinne allgemeine Parteipolitik nach außen hin theoretisch und praktisch bestimmen. Ein erfreuliches Zeichen und ein Unterpfand günstiger Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft war auch die rege Beteiligung jugendlicher Elemente, welche eine bedeutende Dosis politischer Reife an den Tag legte. Sehr zuversichtlich lauteten die Berichte der zionistischen Ratsmänner und Stadträte, denn auf diesem Gebiete galt es manche praktische Erfolge zu verzeichnen. Hingegen erschöpfte sich die Tätigkeit der zionistischen Führer auf dem Boden der Kultusgemeinde in einer trostlosen und beklemmenden Opposition. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn auf der Konferenz Stimmen laut wurden, es möge doch eine Verständi- Von Ch. Hattet T e I - A w i w, im Juli. Das Scharon-Gebiet erhält jetzt von 5500 jüdischen Siedlern Leben und Bewegung. 60.000 Dunam Boden in neun Siedlungspunkten befinden sich in ihren Händen, davon sind zur Zeit 15.000 Dunam mit Orangen bepflanzt. Es sind heute 1500 jüdische Arbeiter beschäftigt, gegen 26 im Jahre 1923. Die Kolonien sind auf «teure» reine jüdische Arbeit eingestellt und prosperieren. Eine örtliche Industrie für Wasserrohren, Baumaterial, Milchprodukte ist im Entstehen begriffen. Die Kolonien unterhalten bis auf einen sehr geringen Rest aus eigenen Mitteln sechs Volksschulen und neun Kindergärten mit zusammen neunhundert Schülern. Noch vor sieben Jahren lebten auf diesem Gebiete kaum 300 jüdische Menschen. Die Erwartung, die man hier hegt, daß die Zahl der jüdischen Siedler in den nächsten fünf bis sechs Jahren auf zehntausend steigen wird, hat einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit für sich, Womit'aber die Aufnahmefähigkeit der Scharonebene noch lange nicht erschöpft sein wird. Hadar In halbstündiger Entfernung von Tel-Awiw, nach Ueberschreitung der neuen Jarkonbrlicke, befindet man sich auf dem Boden von Hadar, einer neuen, vor vier Jahren mit Privatmitteln gegründeten Kolonie, das «Tor des Scharon» genannt. Sie umfaßt eine Fläche von 4000 Dunam, wovon 1000 Dunam mit Pardessim bepflanzt sind. Die Kolonie hat alle notwendigen Bedingungen für eine günstige Entwicklung. Die ausgezeichnete Straße von Tel-Awiw her durchschneidet den Ort. Der Brunnen liefert 120 Kubikmeter Wasser in der Stunde, das in Röhren vori zwei Kilometer Länge zur Wohnstätte jedes Siedlers und zu den bewässerungsbestimmten Feldern geleitet wird. Ramatajim Von Hadar gelangt man zu Fuß nach Ramatajim, einer «holländischen» Kolonie. Holländische, weil hier ein bekannter holländischer Zionist einen großen Bodenkomplex gekauft und sich nachher entschlossen hat, den Boden interessenlos unter eine große Anzahl von zumeist mittellosen Siedlern auf langwierige kleine Abzahlung gegen 5 Prozent Zinsen ohne jede Anzahlung zu verteilen. Die Siedler beginnen mit der Abzahlung nicht früher, als die gepflanzten Orangengärten zu tragen anfangen werden. Ein nachahmenswertes Beispiel nationaler Gesinnung. Ermöglicht wurde das Ganze allerdings dadurch, daß die Kolonie vom holländischen Keren-Hajessod eine Anleihe von 10.000 Pfund erhalten hat. Es sind jetzt 800 Dunam mit Orangen bepflanzt und der übrige Boden bietet noch Platz für weitere hundert Familien. — Angrenzend an Ramatajim ließ sich die Kwuzah «G id ro» auf einem großen Stück Nationalfond-Boden nieder. Es sind Kandidaten der seit Jahren geplanten aber wegen Mangel an Mitteln immer wieder verschobenen «Kolonisation der Tausend». Jeder von ihnen erhielt 16 Dunam Boden — das ist alles. Sie müssen sehen, wie sie durchkommen, denn der Keren Hajessod hat leider kein Geld. Sie wohnen in Zelten und Zrifim (Baracken). Kfar-Malal Die nächste Rast macht man in Kfar-Malall, dem früheren Ein-Chaj, das auf Nationalfond-Boden errichtet worden ist. Jede der 40 auf 1200 Dunam Nationalfond-Boden siedelnden Arbeiterfamilien besitzt 10 Dunam Weingarten, die jetzt aber infolge der gedrückten Preise nicht viel bringen, 10 Dunam Garten- und Gemüseboden, einen festen Stall und Geflügelzuchtanlage, mit Hilfe des Keren Hajessod gebaut. Außerdem besitzen sie gemeinsam einen erst im dritten Jahre stegungsbrücke zu den Gegnern aus dem Lager der Orthodoxie, wenn nicht sofort, so doch in absehbarer Zukunft geschlagen werden. Dieser Vorschlag fand geteilte Aufnahme und schließlich einigte man sich auf die strikte Einhaltung der bisherigen Linie. Die Warschauer Zionistenkonferenz stand natür* lieh auch unter dem unmittelbaren Eindruck der be* dauernswerten Beschlüsse des Preußischen Landtages und ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen, eine scharfe Protestresolution gegen diesen unerhörten Rechtsbruch zu fassen. Es sollen entsprechende Schritte sowohl bei der eigenen Regierung, als auch beim Völkerbund zum Schutz der bedrohten jüdischen Volksgemeinschaft in Deutschland unternommen werden. Gestern wurde vor einem großen Forum in Anwesenheit von Vertretern der Regierung ein Protestmeeting veranstaltet. Das Ministerratspräsidium, sowie die Ministerien des Aeußern und des Innern waren offiziell vertreten. Außerdem waren zahlreiche Vertreten der Wissenschaft, darunter der ehemalige Ministerpräsident Ponikowski zugegen. Die Versammlung wandte sich, nachdem sie die Opfer des Hitlerismus ihres absoluten Solidaritätsgefühles versichert hatte, an die Repräsentanten des Gesamtjudentums mit der Forderung einer umfassenden Aktion zum Schutz der elementaren Rechte des jüdischen Volkes. Dr. Arnold Friedmann' henden Orangengarten von 85 Dunam, der also noch nicht trägt, dafür aber Investitionen erfordert Kfar-Saba Eine auch für palästinensische Verhältnisse ungewöhnlich wechselvolle Geschichte hat Kfar-Saba hinter sich. Der Boden wurde vor genau 40 Jahren aus den Händen des arabischen Darfes Kfar-Saba erworben und seinerzeit für Orangenkultur als ungeeignet befunden. Er wechselte wiederholt seine jüdischen Besitzer. Die Kolonie war während des Weltkrieges eine Zeit lang die Zuflucht der Tel-Awiwer Einwohner, die hier schwere Zeiten durchmachten. Sie wurde abwechselnd von Engländern und Türken vollständig zerschossen und später, im Jahre 1921 während der Arabeninruhen, noch einmal bis auf den letzten Rest zugrundegerichtet. 1922 beginnt die heutige Periode von Kfar-Saba. Diesmal führten die Siedler mit Hilfe des Keren Hajessod, den Wiederaufbau durch. 1925 hatte die Kolonie 25 Häuser mit 120 Einwohnern und 200 Dunam Pardess. Heute: mehr als dreihundert Häuser mit 1500 Einwohnern, 500 Stück Vieh. Rund 2500 Dunam Boden sind mit Orangengärten gepflanzt, wofür sich der Boden, im Gegensätze zu der seinerzeitigen Expertise hervorragend eignet. Die Kolonie verfügt über eine Anzahl von öffentlichen Gebäuden kollektiv-wirtschaftlicher und kultureller Natur, ein zentrales Gebäude für die Milchwirtschaft, eine Synagoge, Schule, Arbeiterhaus, Sportklubs, Verwaltungshaus. Raananah Raananah ist eine Gründung amerikanischer Juden. Auch sie hat keine gerade Entwicklung hinter sich, aber sie befindet sich heute im Aufstieg. Die Krise in Amerika gab der Kolonie einen starken Anstoß. Sie umfaßt 9000 Dunam Boden und hat 700 Seelen. Weitere 70 Familien werden noch im Laufe des Jahres vott Amerika erwartet, denn die Orangengärten, die ihnen gehören, haben zu tragen begonnen. Die gleiche amerikanische Gesellschaft (Achusah Alef), die Raananah' gründete, hat vor einem Jahre weitere 5000 Dunam Boden gekauft und die Kolonie «Gan Jabneh» angelegt, auf der vierzig Arbeiter mit der Anpflanzung von 500 Dunam Pardess beschäftigt sind. Sie ist im Begriff, noch eine dritte Kolonie auf dem «AI Charas»- Boden, auf den sie unlängst 60.000 Dollar angezahlt haben, zu errichten. Die Amerikaner bedienen sich hundertprozentiger jüdischer, organisierter Arbeit. Herzllah Von Raananah geht man nach Herzliah. Gehen ist buchstäblich zu nehmen, denn etwa zwei Kilometer vof Herzliah versinken die Räder unseres modernen, großen Autobus bis an die Achsen im Sand. Wo die Juden in diesem Land keinen Weg bahnen, dort gibt es keinen. «Herzliah» ist die bedeutendste Siedlung der amerikanischen Gesellschaft «Kehillath-Zion», deren finanzielle Krise vor einigen Jahren die Kolonie stark bedroht hat. Hier sprang wieder einmal der Keren Hajessod rettend ein. Heute wird die allgemeine Lage der Kolonie als konsolidiert angesehen. Von 2500 Dunam Pardess gibt ein großer Teil bereits Frucht. Die nächste Ernte wird voraussichtlich 60.000, die übernächste 100.000 Kisten liefern. Herzliah hat heute 170 Häuser, 50 Holzbaracken mit 1500 Einwohnern, die sich unter Anstrengungen und Selbstverleugnung an den Boden klammern. Ihre Schulden, einschließlich Keren Hajessod* betragen heute 70.000 Pfund, das in die Siedlung investierte jüdische Kapital beträgt 450.000 Pfund. Magdiel Schließlich Magdiel, der derzeitige Zentraltm<| Mittelpunkt der Scharonebene, das GlanzstUck jildt. Die Kolonien dev Scharon-Ebene

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