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Die Stimme · 1932-07-14 · Heft 236 (14.7.1932) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 236 (14.7.1932)
Date
1932-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Seite 3 Nr. 236 — 14. Juli 1932 - «■.■ ■MINH—»' ■ Die Council-Tagung der Wizo in Wien Frauenarbeit für Erez Israel Seit drei Tagen stehen die zionistischen Frauen Wiens unter dem Eindruck eines außergewöhnlichen, alles Interesse an sich ziehenden Ereignisses: Die Council-Tagung der WIZO hat begonnen! Da sind sie über Länder und Meere zusammengekommen, die prominentesten Führerinnen der zionistischen Frauenbewegung aus allen Ländern Europas, aus Uebersee und Palästina, da sieht man sie, die man bisher nur aus Büchern und Schriften, vielleicht von der einen oder anderen Photographie her kannte, nun persönlich vor sich, beseelt von dem festen Willen, das gemeinsame Werk seiner Vollendung um einen Schritt näher zu führen. Niemals noch war der Council von solchem Ernst beseelt, von solchem Bewußtsein seiner entscheidenden Aufgabe erfüllt wie in diesem Jahre, wo der künftige Weg der WIZO klar und eindeutig bestimmt und entschieden werden muß. Es ist im gegenwärtigen Augenblick noch nicht möglich, über den Inhalt dieser ernsten Tagung näheres mitzuteilen. Doch, wenn man Frauen wie die beiden Präsidentinnen Romana Goodman und Dr. Vera Weizmann vor sich sieht, wenn das gütige Antlitz der vornehmen Frau Henriette Irwell, der Ehrenvizepräsidentin der Weltorganisation, aufleuchtet, wenn der gesammelte feste Blick einer Chana Meisel-Schochat und das wetterhalte, kluge und entschlossene Gesicht Ada Fishmans auftaucht, so sieht man, daß hier Persönlichkeiten ersten Ranges versammelt sind und daß die Arbeit in den besten weiblichen Händen ruht. Hier kann nur der Tagung vollstes Gelingen zum Wöhle des Frauenwerkes in Erez Israel und zum Wohle des gesamten Aufbauwerkes gewünscht werden! Romana Goodman Die Präsidentin der WIZO-Exekutive i omana Goodman (Mrs. Paul Goodman) hat seit Beendigung ihrer philosophischen und literarischen Studien an der Pariser Sorbonne ununterbrochen auf literarischem, sozialem und politischem Gebiet gearbeitet. Einige Zeit hatte sie eine wissenschaftliche Stellung bei der «Encyklopä-dia Brilannica» in London inne. Da sie sich in ihrer freien Zeit sehr viel mit der Arbeit der englischen Mädchen-Clubs abgab, faßte sie allmählich aktives Interesse für die Frauenstimmrechtsbewegung, die bekanntlich in England eine besonders große Entwicklung nahm. Als junge Frau bereits war Romana Goodman Vorsitzende des Organisations-Komitees einer Londoner Firauenvereinigung für soziale und politische Arbeit. Ueberdies war die heutige Präsidentin der Weltorganisation zionistischer Frauen eine der Gründerinnen der Londoner Frauentage des Bene Brith-Ordens. Sie ist bis heute Council-Mitglied der Weltliga für die Verbesserung der Rechtslage der jüdischen Frauen. Schon seit dem Jahre 1907 ist Frau Goodman mit der zionistischen Bewegung verknüpft, da sie damals am Haager zionistischen Kongreß als Presse-Korrespondentin teilnahm. Damals wurde der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit begründet und Frau Goodman übernahm das ehrenamtliche Sekretariat für die Londoner Gruppe des Kulturverbandes und bis zum Ausbruch des Krieges bekleidete sie eine Ehrenstelle im Council dieses bereits damals in Europa weitverbreiteten jüdischen Fraucuvcrbandes. Der Krieg unterbrach diese Tätigkeit. Während des Krieges war Frau Goodman Vorsitzende des Verpflegungs-Komitees für die jüdische Legion innerhalb der britischen Armee, die bekanntlich auf Gnllipoli und Palästina für die Eroberung des jüdischen Landes kämpfte. Schon im Jahre 1919 wurde Frau Romana Goodman Council-Mitglied der Zionistischen Organisation für Großbritannien. 1920 begründete sie zusammen mit Frau Henriette Irwell, Frau Rebecca Sieff und Frau Dr. Vera Weizmann die Weltorganisation jüdischer Frauen, deren Präsidial-Mitglied seit dem Beginn dieser sich rasch entwickelnden Organisation — heute unter dem Namen W. I. Z. 0. (Women’s International Zionist Organisation) weitbekannt — Frau Goodmann gewesen ist. Frau Goodman publizierte eine größere Abhandlung über Frauenarbeit in Palästina. Frau Goodman, die seit 1907 mit dem englisch-jüdischen Historiker und Schriftsteller Paul Goodman verheiratet und Mutter dreier Kinder ist, hat es immer verstanden, trotz ihrer ausgebreiteten öffentlichen Tätigkeit ihren häuslichen und familiären Pflichten voll nachzukömmen und eine reiche Geselligkeit zu pflegen. Sie beherrscht die englische, deutsche, französische, russische, polnische Sprache und Literatur. Sie ist viel gereist, hat längere Zeit in Rußland und den Vereinigten Staaten gelebt und anläßlich eines Aufenthaltes in Palästina 1925 die praktischen Ergebnisse ihrer mühevollen Arbeit mit Begeisterung beobachten können. Die Leistungen der Wizo Von D. S c h m i d Dienstag, den 12. Juli, begann die Sitzung des Councils der WIZO (Weltorganisation der zionistischen Frauen). Unser Berichterstatter hatte Gelegenheit, mit einigen prominenten Vertreterinnen der Weltorganisation zionistischer Frauen zu sprechen. Frau Dr. Chana Meisels-Schochat Direktorin und Vorsteherin der Schule in Nahalal, im Emek Unsere Schule in Nahalal wird, wie objektive Besucher beurteilt haben, mustergültig und wunderbar geführt. Die Schule ist die erste landwirtschaftliche Schule im Orient für erwachsene Mädchen von mehr als 18 Jahren. Der Zweck der Schule ist, die Frauen für die landwirtschaftliche Ansiedlung Palästinas vorzubereiten. Der Kurs, der vier Jahre dauert, gliedert sich in zwei Abteilungen. In den ersten zwei Jahren befassen sich die Schülerinnen mit der Haus- und Milchwirtschaft. Die anderen zwei Jahre sind dem Gartenbau und der Geflügelzucht gewidmet. Die praktische Arbeit wird sechs bis acht Stunden täglich verrichtet. Zwei bis drei Stunden stehen dem theoretischen Unterricht zur Verfügung. Sowohl der praktische als auch der theoretische Unterricht sind eng miteinander verknüpft. Die Schule' hat" eine große Wirtschaftsahlag'ö auf ' einer Fläche' von 500 Dunarn, auf denen sich Gemüsegärten, Baumschulen, Bestrenommierte Küche im neueröffneten Gassenlokal II., Hammer rursstaiigasse 3. Tal. A 48-8-82 IN DEM ALBERfTlNI-FILM [rSflieh ir-Liku Runges W nwtnuiftwo yw-Ttw-K)?*» HKIIM v;i ■MUMteilM'EftIM Blumenzucht, Obstbau, Milchwirtschaft befinden, wo auch Geflügel- und Blumenzucht betrieben wird. 70 Schülerinnen werden von Lehrerinnen, die fachlich in Europa ausgebildet wurden, unterrichtet. Der Ertrag unserer Milchwirtschaft, der anfangs 1800 Liter jährlich war, stieg in den letzten fünf Jahren durch die richtige Pflege auf 4000 Liter. Frau Dr. Vera Weizmann (London) Vorsitzende (mit Fra« Romana Goodmann), Khrenschatgmeisterin der WIZO In den Jahren 1921 und 1928 war ich in Kanada. Dort existieren große zionistische Frauenorganisationen, die ich für die WIZO gewonnen habe und die sich uns auch an geschlossen haben. Die Schule in Nahalal wird von unseren kanadischen Schwestern unterstützt und ausgebaut. Ich war auch in Frankreich und in Italien, wo ich WlZO-Vereinigungen gegründet habe. Vor einigen Monaten war ich mit Professor Weizmann und Dr. Alexander Goldstein in Südafrika, wo ich an der Keren Hajessod-Kampagne teilgenommen habe. Feh besuchte dort alle großen und viele kleine Städte und ich muß sagen, daß die Keren Hajessod- Kampagne speziell von den Frauen geführt wird. Die Leistungen der südafrikanischen Frauen sind wunderbar. Diese Frauen sind meiner Ansicht die besten zionistischen Arbeiterinnen. Die Hauptlast der zionistischen Arbeit in Südafrika ruht auf ihren Schultern. Frau Romana Goodmann Vorsitzende der WIZO, Präsidentin des Orgunisations- Propaganda-Departements der WIZO Vierzig Länder gehören der WIZO an. Es wurden jetzt Gruppen in Schweden, Dänemark, Norwegen organisiert und unsere Mitglieder übersteigen die stattliche Zahl von 40.000. Die WIZO ist eine große Stütze des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod. Frau Ada Fishmann Mitglied der Föderation of Labour in Palästina, der „Moazath hapoaloth“, des Waad Leumi“, der WIZO-Exekutive, der Expertkommission des Völkerbundes für Frauenarbeiten ln' Genf)'des Aktionskomitees in London, Leiterin der Lehrfarm für Mädchen in „Ness Zionah“. Frau Fishmann spricht über das Programm und die Aufgaben in Palästina der WIZO als allweltliche Frauenorganisation. Die Vorbereitung der Frauen und Mädchen für das Leben in Erez Israel ist das große konstruktive zionistische Programm. Landwirtschaftliche Arbeit in Palästina, heißt Aufbau von Volk und Land. Die ersten Schritte der WIZO auf diesem Gebiet sind die Schaffung landwirtschaftlicher Arbeiten für die Vorbereitung jüdischer Töchter in dCr Landwirtschaft. Vom ersten Kongreß an bis heute ist es besonders klar, daß der jüdische Bauer nur durch die Mitarbeit der jüdischen Bäuerin prosperieren kann. Die Tätigkeit der WIZO in Erez Israel einerseits und die Leistungen der «Moazath hapoaloth» andererseits weckten auch das Interesse des Jischuw und der ganzen zionistischen Bewegung. Die jüdische Frau wurde ein Faktor im zionistischen Lebett und im Aufbau des Landes. Die soziale Arbeit — Kinderpflege, die volkstümliche Arbeit durch die WIZO-Landesorganisation in Palästina — Gemüsegärten für kleinere Familien Aberglaube Von Dr. Hugo Spiegletv Der Aberglaube ist im Grund nichts anderes als 'der Im Unterbewußtsein weiter dominierende Verdrängungskomplex überwundener und aus dem Bewußtsein der Menschen entschwundener Weltanschauungen. Die Weltanschauung der jungen Menschheit auf der primitivsten Stufe kaum erst erwachter Kultur war pessimistisch. Von der Natur nur sehr stiefmütterlich mit physischen Abwehr- und Angriffswaffen ausgerüstet, Sah sich homo sapiens in eine Welt des Grauens versetzt, das unbarmherzig von allen Seiten auf ihn ein- Stürmte. Zunächst ganz realistisch: In der Gestalt der iWilden .Tiere. Außerstande, sich deren Angriffe zu er- I Svehren, war er schlau darauf bedacht, sie wenigstens! hach seinem Willen zu lenken. Dabei half Ihm die Be-! bbachtung, daß die Bestien nicht anzugreifen pflegen, 1 wenn sie satt sind. Er beeilte sich daher, dem natür- . liehen Drang seiner Feinde Rechnung zu tragen, indem ilpr Ihnen rechtzeitig Opfer zum Fräße zutrieb, bevor | Sie in der Tobsucht des Hungers zum blindwütigen j Angriff übergingen. Der so entstandene Gebrauch des , Regelmäßigen Opferns wirkte sich aber nicht bloß nach jAußen In der gewünschten Weise aus, sondern hatte jauch im Innern des Menschen Folgen moralischer (Watur. Indem der Mensch sich anderen Wesen trlbut- | pflichtig machte, erkannte er diese Wesen als «höhere», ihm übergeordnete an. Darauf basiert die göttliche j Verehrung, die primitive Naturvölker gerade den ab- {cheullchsten Bestien zuteil werden lassen (die alten Ägypter den Krokodilen, heute noch manche Kannialen den Schlangen), Frühzeitig erkannte der Mensch, daß es außer den höchst sinnfällig bemerkbaren Tieren noch andere Naturgewalten gab, die mut durch ihre Wirkungen erkennbar waren, sich selbst aber in rätselhaftes Dunkel hüllten. Die Sucht, dieses Dunkel zu ergründen, erhob den menschlichen Blick ins Transzendentale. Dabei bediente man sich des Analogieschlusses und folgerte aus dem Vorhandensein sichtbarer Bestien auf das von unsichtbaren, mit denen man sich Wald und Flur, später auch den Himmel bevölkert dachte. Diese suchte man sich ebenfalls durch Opfer vom Leibe zu halten. So entstanden die Naturreligionen. Diese erlebten eine Entwicklung, die mit dem allgemeinen Aufstieg der menschlichen Kultur von den primitivsten zu den höchst durchgeistigten parallel ging und im Hellenentum einen stolz ragenden Gipfel fand. Aber geblieben Ist der pessimistische Grundzug in der Auffassung des Göttlichen. Dämmerte auch in den Menschen im Lauf der Zeit, besonders seit dem Beginn des Ackerbaues, allmählich die Ahnung, daß nicht bloß böse, zerstörende Dämonen, sondern auch freundliche, schöpferisch wirkende Kräfte das Weltgeschehen beeinflussen — die Oberhand behielten doch die Mächte des Unheils, die Nebelgeister («Nibelungen» des deutschen Mythos). Selbst in der hellenischen Mythologie bleibt die dominierende Charaktereigenschaft der Götter der Neid . . . Es ist das Verdienst des Judentums, diese Anschauung vom göttlichen Wesen fundamental revolutioniert zu haben. Das Verhältnis des Menschen zur Gottheit sollte nicht mehr die Angst vor einem dämonischen Vernichtungswillen bestimmen, sondern Dankbarkeit gegen den Schöpfer. Zwar haften auch diesem Schöpfer noch immer reichlich' dämonische Züge an: Er ist ein «Gott der Rache», aber was er rächt, sind nicht Auflehnungen gegen seine subjektive Willkür wie bei Zeus, sondern Verstöße gegen das objektive Moralgesetz, dessen Hüter er Ist, Der Glaubensborn der monotheistischen Religionen ist der sittliche Optimismus, der die messianische Erlösung der Welt vom Hebel durch die sieghafte Moral verkündet und im Triumph des Guten den Sinn des Weltgeschehens erblickt. Aber dieser Optimismus steht im Widerspruch zu den Beobachtungen des täglichen Lebens, daß auch der Gerechte und Gute von Leiden verfolgt wird. Und so ist der Pessimismus, der von dem neuen Weltbild aus dem Bewußtsein verdrängt wurde, um so beharrlicher im Unterbewußtsein der bekehrten Menschheit haften geblieben. Der fromme Jude, der jederzeit bereit ist, die dreizehn erhabenen Eigenschaften Gottes zu beschwören, fügt trotzdem, so oft er von sich oder einem ihm Nahestehenden einen Glücksumstand erzählt, ein fürsorgliches «Unberufen!» bei. Dazu klopft er auf den Tisch: ein ins Symbolische übergegangener Gebrauch, mit Lärm und Gepolter das Gute, das man erzählt, den höheren Mächten unverständlich zu machen, um nicht ihren Neid herauszufordern. Auch der Brauch, bei Verlobungen und Hochzeiten Gläser und Teller zu zerbrechen, geht auf dasselbe, heute freilich nicht mehr verstandene Motiv zurück. Der Lärm des Festgelages lockt unvermeidlich die Gottheit herbei. Erkennt diese nun, daß das, was sie hört, der Jubel von Fröhlichen! ist, dann erwacht ihr Neid und sie ruht nicht eher, als bis sie Freude in Leid verwandelt hat. Mischt sich aber in den Festestrubel das Klirren zerbrochenen Geschirrs, dann glaubt der unsichtbare Lauscher, daß die Ereignisse einen katastrophalen Verlauf nehmen — und zieht befriedigt wieder ab, das Glück des Brautpaares nicht weiter bedrohend. Ein Beweis, wie tief in der menschlichen Seele die pessimistische Auffassung vom Wirken der Vorsehung verwurzelt ist. Das ist im Rahmen des Judentums frühzeitig als Uebel erkannt worden und schon die Bibel hat den höchst interessanten Versuch gemacht, der Krankheit mit demselben Mittel an den Leib zu rücken, dessen «ich heute die psychoanalytische Heilmethode bedien&

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