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Die Stimme · 1932-07-01 · Heft 234 (1.7.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 234 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 234 — 1. Juli 1932 OIE STIMME Seife 5 Die zionistische Sektion Prater wünscht ihrem Vorstandsmitgliede Gg.Dr. David Kreppel u. Frau anläßlich der Gehurt einer Tochter herzlichst „Masel Tow'( Die Verteilung der Ghaluz-Zertifihate Ein falsches System Von Df. Michael Stetaberg Was würde man dazu sagen, wenn in Irgend einem Lande die Soldaten nicht von Fachkommissionen auf Griihd der geistigen und körperlichen Eignung, sondern von Farteienvertretern nach der politischen Parteizugehörigkeit zur Ausmusterung kämen? Man würde einen solchen Vorgang als unbegreiflich und unmöglich finden. Aber bei uns ist es der Fall. Unsere Soldaten, die Chaluzim, werden von den Palästinaamtskommissionen, die aus Vertretern der politischen Parteien zusammengesetzt sind, an unsere nationale Front in Palästina geschickt. Daß die Parteimänner, die als solche in die Kommissionen delegiert werden, häufig glauben, die Bewerber ihrer Gruppe in einzelnen Fällen auch auf Kosten der Sachlichkeit, bei der Auswahl unbedingt unterstützen zu müssen, ist nur allzu begreiflich. Heute ist es die eine Partei, die ausschlaggebend Ist, morgen wird es vielleicht eine andere Gruppe sein. Aber niemand kann sich mit ruhigem Gewissen dafür verbürgen, daß die neue Gruppe sachlicher und gerechter sein wird, als ihre Vorgängerin. So wird jede Verteilung der Zertifikate an die Chaluzim, die für alle Zionisten ein erhebender und freudiger Anlaß sein sollte, zur Quelle von unausgesetzten Parteikämpfen und widerlichen Zänkereien, welche auf alle Beteiligten abstoßend und demoralisierend wirken müssen. In diesem Parteien- und Personenkampfe wird aber häufig daran vergessen, daß die sachlich richtige Auswahl der Chaluzim für unsere Aufbauarbeit in Erez Israel von größter Bedeutung ist. Ein entsprechend vorgebildeter, die notwendigen geistigen und körperlichen Eigenschaften besitzender, also richtig ausgewählter Chaluz, bedeutet für Palästina einen großen Gewinn. Er wird sich bald ln den Jischuw einfügen und nach Kräften zur Mehrung unseres geistigen und wirtschaftlichen Besitzes beitragen. Ein ungeeigneter Einwanderer bewirkt nichts anderes als eine unnötige Last, überflüssige Vergeudung öffentlicher Gelder und die baldige Rückkehr eines Enttäuschten, der, um seine eigene Unzulänglichkeit nicht zugeben zu müssen, unserer Sache allzu häufig durch Verbreitung falscher Nachrichten schadet. Hinter diesen so wichtigen ideellen und wirtschaftlichen Interessen des Aufbaues muß jeder Parteistandpunkt zurückstehen. Der bisherige Zustand ist unhaltbar. Er konnte, trotz aller ihm anhaftenden Fehler, nur aus dem Grunde so lange bestehen, als die Parteiendifferenzierung und die Vertiefung der Gegensätze mit allen ihren bedauerlichen Begleiterscheinungen nicht so weit fortgeschritten waren, wie es jetzt leider der Fall ist. Es unterliegt also für jeden Einsichtigen keinem Zweifel, daß bei der Entscheidung über die Zertifikatsverteilung die politischen Parteien ausgeschaltet werden müssen. Aber wer soll an ihrer Stelle die endgültige Auswahl treffen? Hiezu gibt es nur eine Möglichkeit, wenn wir die bisherigen Fehler vermeiden wollen. Trotz der überhandgenommenen Parteienzersplitterung, sowie der wirklichen und scheinbaren Meinungsdifferenzen, gibt es in jedem Lande Zionisten, die wegen ihrer unzweifelhaften persönlichen Integrität, menschlichen und politischen Abgeklärtheit sowie sachlichen Denkungsart, die zweifellose Eignung besitzen und gewillt sind, die einzig maßgebenden Interessen und Bedürfnisse Erez Israels bei der Auswahl der Chaluzim unter allen Umständen zu wahren. Sie könnten in diesem Interessen- und Parteienkampfe gleichsam eine hohe und verantwortungsvolle richterliche Funktion ausüben. Ihre Ernennung hätte für die Zeit von 2 bis 3 Jahren nicht von den verschiedenen Parteien, sondern von dem jeweiligen Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, ohne Rücksicht auf ihre etwaige Parteienzugehörigkeit, lediglich auf Grund ihrer persönlichen Eigenschaften zu erfolgen. Eine solche für jedes Land bestimmte, aus drei bis fünf Personen bestehende, von den Parteien unabhängige Kommission müßte allein auf Grund der bei den Palästinaämtern unmittelbar vorgenommenen Anmeldungen, nach der persönlichen Eignung der Bewerber, den von der Exekutive allenfalls zu erlassenden Weisungen entsprechend und nicht auf Grund von «Parteienschlüsseln», endgültig entscheiden. Auch bei dieser Methode wird es selbstverständlich Unzufriedene geben, sowie sich gewöhnlich in jedem Prozesse der Unterlegene benachteiligt fühlt. Fehlentscheidungen werden, wie bei allen Richtern, natürlich ebenfalls Vorkommen. Aber jeder Unbefangene muß zugeben, daß nur auf diese Weise weltgehendeObjektlvität und Gerechtigkeit, soweit Menschen hiezu überhaupt fähig sind, zu erreichen ist. Die Exekutive beabsichtigt, der nächsten Aktionskomiteesitzung einen Entwurf über die Zusammensetzung der Palästinaämter vorzulegen, der jedoch weiterhin die Zertifikationsverteilung den Vertretern der politischen Parteien ausliefert. Auf diese Weise würde die Auswahl der Chaluzim weiter ein Politikum bleiben. Dieses System Ist grundfalsch und muß einem anderen Platz machen. 3f£mxe JlaehricMen Jerusalem Das Zentralkomitee der Revisionisten in Palästina hat sich nunmehr konstituiert. Zum Präsidenten wurde Dr. W as c h i t z gewählt. Es wurde bekanntgegeben, daß die Konferenz der palästinensischen Revisionisten, die in Tel-Awiw getagt hatte, die Beschlüsse von Calais nicht ratifiziert hat, sondern nur erklärte, daß dieselben den Charakter einer provisorischen Maßnahme haben, dazu bestimmt, die Einheit der Revisionisten zu erhalten. Die Revisionisten haben ferner gegen den Bericht von French eine ganze Serie von Protestversammlungen organisiert. In Jerusalem wurde bei einer solchen Versammlung bereits Protest gegen den Bericht von French erhoben. Damaskus Hier fanden antijüdische Demonstrationen statt. Die Polizei schritt energisch ein und verhaftete fünfzehn der Demonstranten. Moskau Der von den Sowjetbehörden verhaftete palästinensische Rabbiner G u r w i t z, der zum Grab der Beseht gewallfahrt war, wurde nunmehr wieder in Freiheit gesetzt, so daß er die Heimreise antreten konnte. Sarah Grieszewska — eine jüdische jeanne d’Arc Vor dem Gericht in Wilna wird demnächst eine Verhandlung gegen Sarah Grieszewska stattfinden. Sarah Grieszewska ist angeklagt, anläßlich der Progromunruhen im Dezember vorigen Jahres an der Selbstverteidigung teilgenommen zu haben. Ja, sie soll die Menge zum Widerstand angefeuert haben und noch mehr: sie hat selbst an den Kämpfen aktiven Anteil genommen und einige Pogromisten mit einem Handbeil verwundet. Funksender des «Vorwärts» in New York New York. In wenigen Tagen wird in New York feierlich der erste sozialistische Sender der Welt eröffnet werden. Diesen Sender hat die große New Yorker jüdischsozialistische Tageszeitung «Vorwärts» («Jewish Daily Forward») zwecks sozialistischer Aufklärung der Oettentlich- Badgaslein KURHOTEL BRISTOL THERMALBÄDER FLIESS. WASSER BESTE KÜCHE keit durch Vorträge und Nachrichten erbautdie iiidiseiian Sozialisten Amerikas haben ganz allein 120.000 Donar ttir den Sender aufgebracht. Damit konnte man einen großen modernen und starken Sender bauen. Der Sender wird sich der unterdrückten Werktätigen aller Nationen anneiimen, auch der Neger, die von jedem amerikanischen Sender verstoßen werden. Besonders soll die internationale Solidarität unterstrichen werden. Für das Eröffntingsprogratnm hat der Berliner Vertreter des New Yorker «Vorwärts», Dr. Jakob Lestschinsky, Schaliplatten mit Begrüßungsreden des Staatsministers Stauning-Kopenhagen, des Reichstagspräsidenten Löbe und des Führers der russischen Sozialdemokraten, Abramowitsch gesandt. Rundfunkvortrag über die Wirtschaftsethik des Judentums. Unter dem Thema: «Die Sozial- und Wirtschaftsethik des aiten Testaments» werden am Donnerstag, den 7. und den 14. Juli, von 18.30 bis 18.55 Uhr, zwei Voriräge auf der «Deutschen Welle» gehalten, die — zum ersten Male im Deutschen Rundfunk — versuchen werden, das Wirtschafts- und Sozialsystem des biblischen Judentums zu rekonstruieren. Redner wird Ministerialrat Hans Goslar sein. Warum Dr. Flatau keine Professur bekam. Warschau. Soeben wurde hier das Tagebuch des vor einigen Tagen verstorbenen weltberühmten Psychiaters und Gehirnpathologen Dr. Eduard Flatau, Entdeckers des Gehirn-Krebses, veröffentlicht. Darin schildert er wissenschaftlich die Entwicklung seiner Krankheit. (Dr. Flatau ist selbst an Gehirn- Krebs gestorben) und teilt dabei mit, daß ihm vor mehreren Jahren eine Professur an der Warschauer Universität mit der Bedingung angeboten wurde, daß er sich tauft. Flatau hat es aber vorgezogen, dem jüdischen Glauben treu zu bleiben und verzichtete auf die Professur. Haifa Ausgangshafen auch für Persien. Die Frage des Anschlusses des persischen Bahnnetzes an die Linie Haifa— Bagdad ist, nach einer Meldung des «Palestine Bulletin»», augenblicklich der Gegenstand von Besprechungen zwischen den Regierungen Persiens und des Irak. Im Falle des Zustandekommens des Anschlusses würde Persien auf einem kürzeren und bequemeren Wege Zugang zum Mittelmeer erhalten als auf der bisherigen Route durch Sowjetrußland Wißt Ihr schon? Was ein «Koscher-Restaurant» ist, weiß jeder. Wißt Ihr aber auch, was ein «Koscher Style Restaurant» ist? Das sind Restaurants in Amerika, in denen nach jüdischen Rezepten gekocht wird, ohne daß behauptet wird, daß das Essen rituell zubereitet wird. Jedenfalls ist die Bezeichnung «Koscher Style Restaurant» ehrlicher als die hierzulande gebräuchliche Bezeichnung «Koscher-Restaurant», die nicht immer koscheres Essen verbürgt. Eine noch seltsamere Sache ist das Minjan in der Missionskapelle, das man kürzlich in Hamburg erlebte. Wißt Ihr, wie das zustande kam? In der großen deutschen Hafenstadt, in der viele jüdische Auswanderer zusammenströmen, nehmen Missionsanstalten sich jener Juden, die aus irgendwelchen Gründen an der Auswanderung gehindert werden oder lange auf die Ausreise warten müssen, an, um Seelen einzufangen. Aus Unkenntnis der Verhältnisse glauben diese Juden, sich allerhand Strafen aussetzen zu müssen, wenn sie nicht in der Mission bleiben, und aus Schwäche nehmen sie oft die Taufe an. Aber meist ist das nur äußerlich. Das zeigt die Episode, die wir nun schildern. Vor kurzem weilte ein getaufter Jude in der B.- Mission. Der Tag kam heran, an dem er immer «Jahrzeit» nach seinem Vater gehalten hatte, und das wollte er trotz der Taufe auch jetzt nicht versäumen. Da Ihm aber ein anderes Minjan nicht zur Verfügung stand, bat er zehn der in der Mission weilenden «Juden», ihm zu helfen. In aller Frühe versammelte sich das seltsame Minjan in der — Missionskapelle, alle, auch die schon Getauften, legten Tallis und Tefillin an, und der «Jahrzeit» sagte in Andacht sein Kaddisch. Plötzlich geht die Tür auf und der Missionsleiter, Pfarrer D., erscheint, sieht die in die Talessim gehüllten Gestalten und bricht in den Ruf aus: «Aus Euch ist der Satan auch nicht auszutreiben!» Wißt Ihr übrigens schon, welche Sorgen die Kirche in Schottland hat? Das «Jüdische Missionskomitee» dieser Kirche zerbricht sich den Kopf darüber, wie man — ausgerechnet — die Juden in Rußland dem Christentum zuführen könnte. Und man erfährt, daß die frommen Bekehrer im Jahre 1931 für diesen Zweck nicht weniger als 37.500 Pfund ausgegeben haben. Zwölftausend Zloty sind auch ein ganz nettes Sümmchen. Sie eröffneten den Weg zum tragischen Abschluß einer Affäre, der man nun den mignonschen Klageruf: «denn alle Schuld rächt sich auf Erden» als Titel versetzen könnte. Erinnert Ihr euch noch des Justizmordes an dem Ploezker Rabbiner Schapiro im Jahre 1918? Der Rabbi wurde wegen Spionage zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er hatte nachweislich, als die Russen in die Stadt einzogen, auf dem Balkon das Minchagebet verrichtet, und man legte seine Bewegungen als Geheimsignale an den Feind aus. Alle Anstrengungen, den Rabbi zu retten, waren vergebens. Auch die später betriebene Rehabilitierung des Rabbi gelang nicht. Der Vorsrltzende des Militärgerichtes, das jenen Justizmord auf dem Gewissen hatte, war Stefan Heidikowski. Dieser Tage wurde dieser Heidikowski, der längst nicht mehr im Staatsdienste ist, verhaftet, unter der Anklage, daß er in seiner Militärzeit 12.000 Zloty Staatsgelder unterschlagen hätte. Man setzte ihn gegen Kaution wieder auf freien Fuß, aber Heidikowski beging am gleichen Abend Selbstmord. Schließlich noch eine Frage. Wißt Ihr schon, daß man vor kurzem in London eine venezianische Thoralade aus dem sechzehnten Jahrhundert entdeckte? Einem Londoner Kunsthändler, der einer Auktion in Chillingham Castle beiwohnte, fiel bei Besichtigung dortiger Dienstbotenräume ein als Kleiderschrank benutzter, mit ungewöhnlich schönen Ornamenten verzierter Kasten auf, der Inschriften in hebräischer Sprache trägt. Er erwarb den Schrank und brachte ihn nach London, wo sich nach einer fachmännischen Prüfung herausstellte, daß es sich um ein religiöses Requisit, eine Thoralade, von einzigartiger Pracht im Barockstil, handelt, das um etwa 1575 entstanden ist. Man nimmt an, daß es sich um die Thoralade einer venezianischen Synagoge handelt. Wenn Ihnen unser Biaii gefällt, empfehlen Sie es, bitte, bei jeder Gelegenheit allen Ihren Freunden und Bekannten. Geben Sie uns Adressen an, an die wir Probenummern unserer Zeitung gratis u. unverbindlich absenden können

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