Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 233 (23.6.1932)
- Date
- 1932-06-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 233 — 23. Juni 1932 DfE STIMME Seft« t Arbeiterbewegung. Brenner haßte den jüdischen Sozialismus in der Galuth, weil er keinen Boden unter seinen Füßen hat. Er lieble den palästinensischen Arbeiter, denn er war produktiv und baute die Zukunft seines Volkes. Der «Hameorer» verkündete die «Hitchalta degeulah» und rief das Volk zur Rückkehr ins Land. «Versammeln sollen sich alle, die die Worte unserer Propheten befolgen, die Kämpfer und Unzufriedenen, die Mischna- und Talmudierner, die Vergötterer Jehuda Halevys und Ewen Gabirols, jene, die dem heiligen Geist Raschis folgen und jene, clie zur Grabstätte Rabbi Nachman Mibretzlaws pilgern. Alle, die ihr das lebendige Wort Gottes wahret, versammelt euch zu einem Bund! Es erwachen die Brüder, die noch schlummern und jeder trete vor den heiligen Tempel: Ich bin gekommen, euch zu wecken. Höre, Judal Hebe Dein Haupt und raffe Dich auf, fürchte Dich nicht, sei ohne Angst, ohne Lüge und Feigheit, gehe heraus, Juda, aus dem Felsenloch! Steig’ hinauf zum Weinberg und schaue der Wirklichkeit ins Gesicht!» Brenner kämpfte sein ganzes Leben lang gegen die Schändung der menschlichen Kreatur durch rohe Gewalt und wilden Haß. 1921 fand er durch Mörderhand den Tod. * In dieser schweren, trostlosen Stunde wäre es höchste Zeit, die zersplitterte und verzweifelte Jugend in einer mächtigen Organisation zusammenzufassen, die Gedanken und Wege der drei «Wegweiser» zu lehren und in ihren Fußstapfen zu wandern. Nur dann können wir unseren schweren Weg weiter gehen! Ben Chawiw. An alle! Angestellte! Intellektuelle! Studenten! Arbeiter! Tretet ein in dieHaganah! Die Haganah besteht bereits! Was ist die Haganah: Sie ist die jüdische Wehrsport-Bewegung in Wien! Ihr Ausbau zu einer Volksorganisation, die den Anforderungen des Tages ln Jedem Sinne entsprechen soll, ist im Gang. Die Aufgabe der Haganah ist klar und deutlich umschrieben, sie muß niemandem erst erklärt werden. Die Haganah tritt für Recht und Ehre ein und will ihre Aufgabe ohne Vorbehalte erfüllen. Sie Ist entschlossen, jede Konsequenz zu ziehen und sich durch nichts auf ihrem Weg beirren zu lassen. Sie will alle Juden um sich scharen im Zeichen des offenen und männlichen Bekenntnisses zum jüdischen Volkstum und zu seinen Rechten als nationale Individualität. Die Haganah Ist die Vereinigung aller Juden, die, fern von allen Parteien, das Lebensinteresse des Volkes über alles stellen und sich zur Tat bekennen. Wer für das Recht des jüdischen Volkes auf Freiheit und gleiche Geltung kämpfen will, wem die Ehre des Volkes, die Ehre des jüdischen Namens am Herzen liegt, wer die Vereinigung des gesamten Judentums auf dem Boden der Wehrhaftigkeit als das Ziel des Tages erkennt, der komme zur Haganah und tue dort seine Pflicht! Wer daran mit wirken will, daß alle Schichten des jüdischen Volkes sich zu einer kraftvollen Einheit verbinden und dem Willen des Volkes Achtung schaffen, der helfe mit, die Haganah zum Sammelpunkt des volksbewußten Judentums zu machen. Niemand darf abseits bleiben! Alle hinein in die Haganah! Mussolini über Judentum," " '■ tismus und germanische Edelrasse Der Verlag Paul Zsolnay (Wien-Berlin) stellt der Jüdischen Telegraphen-Agentur aus dem in diesem Verlage demnächst erscheinenden Werk «Mussolinis Gespräche mit Emil Ludwig» den nachstehenden Auszug zur Verfügung, der Aeußerungen des italienischen Staatschefs über Judentum, Antisemitismus und Rassebewußtsein enthält. Emil Ludwig fragte: Glauben Sie wirklich, daß es noch reine Rassen in Europa gibt, wie gewisse Forscheverbreiten? Daß wirklich die Einheit der Rasse stärkere nationale Kräfte verbürgt? Und sind Sie nicht in Gefahr, daß die Apologeten des Faschismus, wie es Professor X. getan hat, denselben Unsinn über das Lateinische verbreiten, wie die nordischen über die «blonde Edelrasse» und dadurch die Kriegsgefühle steigern? — Mussolini wurde lebhaft, denn in diesem Punkt fühlt er sich, vielleicht durch die Uebertreibung gewisser Faschisten, leicht mißverstanden. Schon früher hatte er mir seinen Standpunkt zwischen bestimmten Grenzen abgesteckt. Er sagte: «Natürlich gibt es keine reine Rasse mehr, nicht einmal die Juden sind unvermisclit geblieben. Gerade aus glücklichen Mischungen hat sich oft Kraft und Schönheit einer Nation ergeben. Rasse: das ist ein Gefühl, keine Realität. 95 Prozent sind Gefühl. Ich werde nie glauben, daß sich die mehr oder weniger reine Rasse biologisch beweisen läßt. Die Verkünder der germanischen Edelrasse sind komischerweise alle keine Germanen: Gobineau Franzose, Chamberlain Engländer, Woltmann Jude, Lapouge wieder Franzose. Chamberlain hat sich sogar dazu verstiegen, Rom die Hauptstadt des Chaos zu nennen. Entsprechendes wird bei uns nie Vorkommen. Der Professor, auf den Sie anspielen, war ein Dichter. Der Nationalstolz braucht durchaus keine Delirien der Rassel» Der beste Beweis gegen den Antisemitismus, sagte ich. «Antisemitismus existiert nicht in Italien», sagte Mussolini. «Die jüdischen Italiener haben sich als Bürger stets bewährt und als Soldaten tapfer geschlagen. Sie sitzen in hervorragenden Stellungen an Universitäten, in der Armee, in den Banken. Eine ganze Reihe sind Generale: der Kommandant von Sardinien, General Modena, ein General bei der Artillerie.» — Und doch, sagte ich, arbeiten die Emigranten in Paris öffentlich gegen Sie mit dem Argument, Sie hätten den Eintritt der Juden in die Akademie verboten. — «Absurd», sagte er. «Bisher hatte sich nur keiner dafür gefunden. Jetzt hat Deila Seta kandidiert, einer unserer größten Gelehrten, der die Vorgeschichte Italiens geschrieben hat.» Sie begegnen sich, sagte ich, in dieser Haltung mit allen großen Männern der Geschichte. Denn auch die in Deutschland verbreitete Version von Bismarcks oder gar Goethes Antisemitismus ist eine Fabel. Die Franzosen haben eine gewisse Anomalie ganz zu Unrecht le vice allemand genannt. Man sollte so den Antisemitismus nennen. — «Wie erklären Sie ihn?» fragte Mussolini. — Immer, wenn es den Deutschen schlecht geht, sollen die Juden schuld sein. Und jetzt geht es ihnen besonders schlecht. — Er sagte: «Aha! Der Sündenbock!» Palästina-Aemter und Zertifikate In der letzten Zeit erheben die Revisionisten, offenbar auf ein von ihrer Zentralstelle gegebenes Zeichen, ein großes Geschrei darüber, daß die vom letzten Kongreß zu ihren Gunsten gefaßten Beschlüsse wegen der Zusammensetzung der Palästina-Aemter bisher | nicht durchgeführt wurden. Die «Union der Revisionisten» verfolgt da ihre alte Taktik, sich aus dem zionistischen Kuchen nur die Rosinen herauszunehmen und den anderen den schäbigen Rest zurückzulassen. Dort, wo es sich um Pflichten handelt, beruft sie sich auf ihren famosen Beschluß von Calais, wonach die Union kein Bestandteil der Zionistischen Weltorganisation mehr ist; sie kümmert sich blutwenig um die Kongreßbeschlüsse. Dort aber, wo es sich um ihre Rechte handelt, da sind die Kongreßbeschlüsse selbstverständlich heilig. In Wirklichkeit verhält sich die Sache so, daß nur das Aktionskomitee berechtigt ist, die Modalitäten festzusetzen, unter denen der in Rede stehende Beschluß durchgeführt werden kann, und daß die Exekutive bereits einen Entwurf ausgearbeitet hat, welcher der nächsten Aktionskomiteesitzung vorgelegt werden soll. Bis zur Beschlußfassung des Aktionskomitees können selbstverständlich die einzelnen Palästina-Aemter keine Aenderungen in Ihrer Zusammensetzung vornehmen. Aber auch das Aktionskomitee j wird schwer den Widerspruch lösen können, der darin J besteht, daß eine Gruppe, die sich selbst außerhalb der i Bayhott gegen jüdische Schauspieler Der deutsche paritätische Stellennachweis für Bühnenkünstler teilt mit, daß das ehemalige Hoftheater in Koburg prinzipiell jeden Juden und Ausländer ablehnt. Es hat seinen sämtlichen jüdischen Mitgliedern gekündigt und seither keinen Juden neu engagiert. Ein entsprechender Revers wird jedem Bewerber vorgelegt. Der Bühnenverein hat nicht versucht, gegen diese Einstellung des Intendanten, der von der Nazi-Mehrheit im Stadtrat abhängig ist, einzuschreiten, und zwar im Interesse der Schauspieler selbst. Denn sogar, wenn das Engagement eines jüdischen Schauspielers erzwungen werden könnte, wäre er in Koburg schlimmen Anpöbelungen ausgesetzt. Wurden Schauspieler unter Hinweis auf ihr Judentum abgelehnt, so hat der Blihnennachweis stets die betreffende Schauspieler-Organisation verständigt. Aber zu einem solchen Einschreiten bot sich bisher selten die Handhabe, da die Bühnenleiter, denen vom Nachweis über Konfession und politische Parteizugehörigkeit der Mitglieder keine Angaben gemacht Oie geehrten Abonnenten, die mit den Bexugsgebtthren im Ruck* Stende sind, bitten wir nochmals, dieselben mittels der zugesandten Posterlagscheine gfl. ehestens zu überweisen. Die Stimme Zionistischen Weltorganisation gestellt hat, weiterhin innerhalb dieser Organisation für sich weitgehende Rechte beansprucht. Was die Zusammensetzung der österreichischen Palästina-Kommission betrifft, so hatten di« Revisionisten ursprünglich kein Recht auf einen Vertreter. Trotzdem hat das Landeskomitee loyalerweise Ihnen einen Platz auf Kosten der eigenen Vertretung eingeräumt. Bei der am 15. d. stattgefundenen Sitzung der Palästina-Amtskommission wurden, wie wir hören, den vom Hechaluz angemeldeten einunddreißig Bewerbern acht Zertifikate, den drei Bewerbern des Misrachl eines und den drei Bewerbern der Revisionisten ebenfalls eines zuerkannt. Der Prozentsatz der berücksichtigten Anmeldungen ist also bei den Revisionisten günstiger als beim Hechaluz. Bei diesem Sachverhalt von «Ausbrüchen der Empörung und Verzweiflung» zu sprechen, ist zumindest übertrieben. Die Palästinaamts-” Unter Bezugnahme auf die Beschlüsse des 17. Zionistenkongresses, betreffend die Zusammensetzung der Palästina- Amtekommissionen, hat die zionistische Exekutive einen Entwurf augearbeitet, der dem Aktionskomitee zur Beschlußfassung unterbreitet wird. Danach sollen sich die Palästina-Amtskommissionen a) aus Vertretern des Zionistischen Landesverbandes und der Landesgruppen der Sonderverbände, b) aus Vertretern der im betreffenden Lande bestellenden clialuzischen Hachscharah-Orgamsation zusammensetzen. Die Verteilung der den Vertretern des Zionistischen Landesverbandes und der Landesgruppen der Sonderverbände zukommenden Sitze unter die einzelnen Parteien soll nach dem Verhältnis der Zahlen der Delegierten erfolgen, die diese Parteien innerhalb des betreffenden Landesschekelverbandes zum letzten Zionistenkongreß entsandt haben. Die Zahl der Vertreter einer Partei darf 50 Prozent der Gesamtvertretung aller Parteien nicht übersteigen. Eine Partei, die in ihrem Lande die zur Wahl eines Kongreßdelegierten erforderliche Stimmenzahl nicht erlangt, jedoch nicht weniger als 50 Prozent der zur Erlangung eines Mandates erforderlichen Stimmen erhalten hatte, ist berechtigt, einen Vertreter in die Palästina-Kommission zu entsenden, falls Mitglieder dieser Partei in ansehnlicher Zahl in der praktischen, ihrer Vorbereitung zur Auswanderung nach Palästina gewidmeten Hachscharah-Arbeit stehen. Die beteiligten Parteien können im gemeinsamen Einvernehmen einen anderen Schlüssel festsetzen. ’4 In einem Lande, in dem eine Vertretung der Parteien im Verhältnis zu der Zahl der Delegierten sich nacht durchführen läßt, wird die Verteilung der Sitze von der Immigrationszentrale in Jerusalem unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse des betreffenden Landes vorgenommen. Die Zahl der Vertreter der chaluzischen Hachscharah-Organisationen darf 50 Prozent der Gesamtzahl der Vertreter der genannten Parteien nicht überschreiten. Demission Dr. Tartakowers als Letter des Palästina- Amtes Dr. Chaim Tartakower hat das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich verständigt, daß er mit Rücksicht auf die vielfachen Angriffe, die in letzter Zeit im Zusammenhang mit der Verteilung von Zertifikaten gegen das Palästinaamt gerichtet wurden, seine Stelle als teuer des Palästinaamtes, die er ehrenamtlich seit drei Jahren innehatte, zurücklegt. In der am 15. d. M. stattgefundenen Sitzung des Palästinaamtes, die unter dem Vorsitz des vom Landeskomitee provisorisch mit der Leitung des Palästinaamtes betrauten Herrn Dr. Michael Steinberg durchgeführt wurde, stellte der Vertreter der Union der Zionisten-Revisionisten Doktor Heinrich G1 ü c k e r nach ausdrücklicher Feststellung, daß Herr Dr. Tartakower in objektiver Weise die Agenden des Palästinaamtes geführt hat, folgenden Antrag: Die Palästinaamts-Kor.imission möge Herrn Dr. Tartakower ersuchen, seine Demission zurückzunehmen und ihm ihre Anerkennung aussprechen. — Dieser Antrag wurde von der Kommission einhellig angenommen. werden, ihre Erkundigungen privat einziehen und füf ihre Ablehnung dann künstlerische Gründe vorzuschieben pflegen. Tatsächlich glaubt der Nachweis, eine steigende Zurückhaltung zahlreicher Provinzbühnen gegenüber Juden und Ausländern beobachten zu können. Brandmanns «Hechaluz» von Koussewltzky angenommen Die symphonische Dichtung «Hechaluz» von Israel Brandmann, die schon öfter in Wien mit großem Erfolg aufgeführt wurde, ist von dem berühmten amerikanischen Dirigenten Serge Koussewitzky zur Aufführung in seinen Konzerten in Amerika angenommen worden. Hebräische Aufführung von Tollers «Masse Mensch». Vor einigen Tagen wurde in Haifa Ernst Tollers wirkungsvolles Drama «Masse Mensch» ln hebräischer Sprache aufgeführt. Stück und Darstellung fanden stürmische Aufnahme. Eiterüiiir / Kusisi/ilteatfer 56^474 1906