Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 232 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 232 DIE STIMME Seite 7 16. Juni 1932 'M1 ..^W" Vereinigung jüdischer Hörer an der Hochschule für WeMiandd IX., Scrvitenga«sg 4 &. Amtdstutvlen: Montag von CO bis 21 Uhr, Dienstag von H bis 20 fJhr. J. A. V. Theologie II., Tempelgaase 3. Awbestunden täglich von 10 bl« 20 Uhr. In der am 23- Mii statt gefundenen Geoeralveraarnmliing wurde nlq Q|>ii Herr cand. phil. Josef Babad, ala sein Stellve*- tfeter ifprr cand. phil. David Oe 1)1 glW&bW- Studentenkorps «Haganafi» IX., Nußdorferstraße 16. AnpieltJiipfttn: Montag und Mittwocft ypp 00 hin tt Uhr im Vcrelnsloljal. * Anfragen «Die Stimme des Studenten» betreffend, sind an den Jüdischen Hochschulatisschuß, IX., Zfntr mermannsplatz 8, zu richten. Für die nächste Nummer erbitten wir gefälligst Beiträge. * Die dioswüchipro „Stimme“ mit der ,.Stimme (Jgs Studenten“ yfjrd d01) Mitgliedern d®r voiri Jiidfgchen Hochaphplapeichpß gratis augestellt. Interessantes aus lugosiawlen (Von unserem F. K.-Korrespondentep.) Zggreb, im Juni. jJnweit von Spalato in der Umgebung der alten römischen Stadt Sajona werden seif Jahren archifplogiaphp Ausgrabungen vorgpnommenln dpr Ortschaft Stpgbj wurde vor kurzer Zeit bei den Ausgrabungen pin Fund gemacht, noch dem man schließen kann, daß sich bereits im 3. Jahrhundert n- Chr. an dieser Stelle eine jüdische Synagoge befinden hat. pieser Schluß wurde auf Grund der Auffindung einer Säule gezogen, ay| der in griechischer Sprühe folgender i * xt stand: «Icli, Claudius Tiberius PdUharmps, genannt AchiriQS, Vater der jüdischen Gemeind«, der sämtlich« religiösen Ehrenfunktionen nach ihrem CNeta und für die heiligen Gebräuche erfüllt habe, erbaute diese Gebäude, einen Saal mit Korridqr auf vier paylen mpinen eigenen Mitteln, ohne das Geld der Gemeinde apgelastef zu, haben- Peshaj'b behalte ich, Claudius Tiberius PolihgrrriQs, ipif das Recht cfps Inhabers über djp Räum« im Stock für mich und meine Nachfolgerwenn jemand ptwä« daran ändern wollte, so hat er dem Patriarchen 2S).OÖ0 Depgre z\t bezahlen, wie wir es vereinbart naben. Ftir die Beschaffung der Ziegeln für Dgch Hf\d die Erhaltung v,erden ich und meipp isfgchfp(gpr sorgen-» Es ist ZU bemerk kep, das unter Patriarch in diesem Falle das Familienoberhaupt gprpeinf ist. Obwohl man keinerlei Aufschriften in hebräischer Sprache oder irgendwelche ander« Au?«ichen bjsher gefunden hat, glauben dte 'pAchleute, die Säule wäre Sjcherer Beweis genug für die Annahme, <jgß es sich um eme Synagoge handle. Die Möglichkeit, daß die Säule von irgendwo hergebracht und sls Baustein für dieses Gebäude gebraucht wäre, besteht kaum, dg in diesem Falle die Aufschrift nicht mehr erhalten geblieben wäre. p$s Gebäude, in dem die Säule entdeckt worden ‘tah entspricht" Her Beschreibung apf der Säple. Man kapp also fgsf rnjf Sicherheit annehmen, daß das Gebäude urspfflnnl'eh ein« jüdische Synagoge’ war, die später von einem dpr byzantinischen Könige in eine christliche Kirche yerwapqejf wurde. Das ausgegrabene Gebäude war auf einer Fläche von 700 Quadratmetern aufgebaut; die ejpe Seife war 40 Meter lang, die andere 17. Die Arbeiten schreiten fort upd werden yom Leiter des Belgrader Nationalmuseums,' UnhL-Prof. Df. y. kQwit^eh, geführt. * Die zionistische Ortsorganisstion der größten JHS9slawischen Gemeinde, in Zagreb, Titelt am 7. d. M. ihre alljährliche Vollversammlung ab. Während die finanzielle Afheit der Organisation, Fonds, infolge der I zurückging, wurde auf ....... , _ ,, . leistet. Die Organisation hat endlich eigene Räume erhalten, in denen allwöchentlich im Rahmen eines jüdischen Bildungssepijnars sehr ggf besuchte Vorträge veranstaltet wer? den. Als eine der aktivsten Seifen der Organisation fct die Erhaltung eines Hebräischlehrers für die fugend ZU verzeichnen. Bemerkenswert ist noch, daß' in letzter Zeit ein starker Mitgliederzuwachs zu yefzfijphnen ist-?Hm Prüsi? denten wurde der rührige zionistische Vorkämpfer Herr Lav. Stern wiedergewählt. * Obwohl cjjp wirtschaftliche ko»« der jugoslawischen Juden nn Verhältnis zu denen der agdergn ziemlich gut ist, gestaltet sie sich in flßn Qem«mdan §Üdserhten$ katastrophal. Am ärgsten ist die Gemeinde in Bitolj daran, die achthundert famffleg mit ungefähr viertausend Köpfen #wt. Die Lage dieser Juden, die in der Mehrzahl Kleinhändler« Handwerker und Gemüsegnrtner sind, ist unj so schlimmer, als keine Aussicht auf Besserung besteht. Eine Kommission des Verbandes der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens, die eben aus ßitqlj zyrüpkgehehrt ist, erklärte, daß man drei Viertel der dortigen Juden umsiedeln muß- Per K. K- »-• hat in der Bucht von Haifa Boden für zwanzig Gemßsegärtnerfaipilien zpr Verfügung gestellt und nun wfod eine Aktion ein^e!eitet, um zunächst zphn Familien dje Ueherfghrt Mild Ansiedlung zu ermöglichen. Weiters wurde der VorSPb«ag einer Hachscharahfarm zur Ausbildung vop Ghaluzini gemaeiit, der auch verwirklicht werden soll. Da an dieser Aktion sämtliche jüdischen Institutionen mifarbeiten, ist mi hoffep, daß ste Erfolg haben wird- Pet- 783.880 Schilling befürsorgt. Insgesamt hat der Verein während seiner vierzigjährigen Tätigkeit 11.147 Kinder mit einem Kostenaufwand von 1,240.686 Schilling in seiner Obhut gehabt. Die meisten der im Heim des Vereins gepflegten Kleinen sind jüdische Kinder. Die hervorragenden Leistungen des Vereins sind natürlich nur durch die Opferwilligkeit der Gönner und Mitglieder des Vereins und durch die verständnisvolle Förderung seitens der Wijug möglich gewesen, nicht zuletzt aber durch die aufopfernde Arbeit des Präsidenten des Vereins, Bumjesfiirsorgerat Arnold Schleifer, der sein ganzes Interesse der Institution von ihrer Gründung an gewidmet hat. 2>ie fttdtmdke ®rau Organisation zionistischer Frauen Oesterreichs Wien, IX., Nußdorferstraße 42 , Upseren Mitgliedern bringen vir hiemit zur Kenntnis, dgß ajn 2Ö ds. eine Führung durch die große internationale Ausstellung des österreichischen Werkbundes (Werkbundsie$ung) veranstaltet wird. Die Ausstellung umfaßt bekanntlich 70, von den besten modernen Architekten des In- und Auslandes geschaffene, vollkommen eingerichtete Einfamilienhäuser. Näheres wird rechtzeitig bekanntgegeben. J#dj8?)te Frapenführenn in einem Internationalen Komitee Das Internationale Arbeitsamt beim Völkerbund ernannte dje Führerin der palästinensischen jüdischen Frauenbewegung Ada Fish man zum Mitglied des Komitees zur Untersuchung der Frauenarbeit >n den verschiedenen Ländern. Jüdische BewerbctrelbendB gegen jüdische Arbeit Wir erhalten folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: Iqh möPhte Sie auf einen Uebelstand, der gerade bei den Verhältnissen, unter denen wir Juden heute leben, besonders bedauernswert ist, aufmerksam machen- In Wien gibt es einige hundert jüdische Fleischhauer und siebzig Koscher-Fleischbänke. Trotzdem zählt man hier bloß etwa dreizehn bis vierzehn jüdische Fleischhauergehilfen, die nicht Söhne oder Angehörige vpn Flejschhaqermeistprn sind. Obwohl die Kq^pher-FtejschbÖnke etwa fünfunddreißig Gehilfen bespbäftigen und die übrigen jüdischen Fleischhauer ungefähr zweihundert, finden nicht alle jüdischen Gehilfen Arbeit, Sq kommt es, daß yon ihnen derzeit sechs pqsten(ps s;pd, Diese befremdliche Tatsache erklärt sich daraus, daß die meisten jüdischen Fleischhauer die Anstellung jüdischer Gehilfen ablehnen. Ich könnte mehrere Fälle «mführep, in denen Koscher-Fleischhauer mir dies klipp und klar gesagt haben, von den übrigen jüdischen Fleischhauern gar nicht zu sprechen. Ich war zWfSllig ifl einem kleinen Gasthaus der Brigittenau Zeuge, wie ein christlicher Fleischhauergehilfe, der In ejner Kosc|ierrFleischbank mit ßlnem spÜWörzep Käppchen auf dem Kqpf die Kundschaften bedient, Sich vor christlichen Kollegen über die jüdischen Frauen, die in der Koscher-Fleischbank einkaufen, lustig machte und ihnen zeigt?, Wie ßüt er im jiddischen JurgdH sprechen könne, dabei derbe Witze einflechtend. Es |st dqph sicher nicht Yiel verlangt, wenn man fordert, daß jüdische Fleischhauer den paar jüdischen Gehilfen den Kampf Paspjn erieiehternr Es ist uüph nicht verständlich, warum die zahlreichen jüdischen bohpsphlüehtpr ln ßt- Marx nicht einen einzigen Volksgenossen beschäftigen, Qbwphi sie düfchschnlttiieh zweihundert Männern Arbeit geben. t Diese in milden Ausdrücken gehaltene Zuschrift dacht» wenn sie den Tatsachen entspricht, einen empörenden Zustand auf. Wir erwarten, daß die jüdischen Fleischhauer sich angesichts des Vorwurfes der Gleichgültigkeit, ja geradezu Feindseligkeit gegenüber jüdischen Angehörigen ihres Berufes schleunigst rechtfertigen werden. Es ist ihre Pflicht, vor allem den arbeitslosen jüdischen Gehilfen Verdienstmöglichkeiten zu verschaffen. Die jüdische Oeffentlichkeit könnte es nicht verstehen, daß jüdische Gewerbetreibende, die ausschließlich oder fast ausschließlich von Juden leben, jüdische Arbeit zurückweisen. H. B. Oie geehrten Abonnenten, die mit den BasugseebUhren im Rück* Stande Sind, bitten wir nochmals, dieselben mittels der zugesandten Posterlagscheine gfl. ehestens zu überweisen. Die Stimme Hilferuf für ein iuU mlöses Kind. Eine arme jüdische Mutter aus Lodz, die sich hier in Wien als Gelegenheit^ arbeiterin (Nähen, Ausbcssern yon Wäsche, Häkeln usw.) durchs Leben schlägt, wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte, ihrem schwerkranken, dreieinhaH>- jährigen Kind zu helfen. Das Kind, das an Knochentuberkulose leidet, wurde ihr aus dem Heim, in dem es bisher untergebracht war, zurückgcstellt, weil sie die Verpflegskosten nicht mehr bezahlen konnte. Man hat der armen Mutter in Aussicht gestellt, das Kind Ende August wieder im Heim aufzunehmen. Bis dahin aber muß das Kind jeder Pflege entbehren. Spenden für die unglückliche Frau, deren Namen und Adresse uns bekannt ist, nimmt die Administration der «Stimme» entgegen. 'i'-' •' rjrr Angestellte! Intellektuelle! Studenten! Arbeiter! Tretet ein in dieHaganah! Die Hpganah besteht bereits! Was ist die Haganah: Sie ist die jüdische Wehrsport-Bewegung in Wien! Ihr Ausbau zu einer Vo|fc8" Organisation, die den Anforderungen des Tages fei jedem Sinne entsprechen soll, ist im Gang. Die Aufgabe der Haganah ist klar und deutlich umschrieben, sie muß niemandem erst erklärt werden» Die Haganah tritt für Recht und Ehre ein und will ihf* Aufgabe ohne Vorbehalte erfüllen. Sie ist entschlossen, jede Konsequenz zu ziehen und sich durch nichts auf ihrem Weg beirren zu lassen. Sie will alle Juden um sich scharen im Zeichen des offenen und männlichen Bekenntnisses zum jüdischen Volkstum und zu seinen Rechten als nationale Individualität. Die Haganah ist die Vereinigung aller Juden, die, fern von allen Parteien, das Lebefisinteresse des Volkes über alles Steffen und sich zu*“ Tat bekennen.; >l Wer für das Recht des jüdischen Volkes auf Frei» heit und gleiche Geltung kämpfen will, wem die Ehre des Volkes, die Ehre des jüdteQhPP Namens am Herzen liegt, wer die Vereinigung des gesamten Judentums auf dem Boden der Wehrhaftigkeit als das Ziel des Tages erkennt, der komme zur Haganah und tne dort seine Pflicht! Wer daran mitwirken will, daß alle Schichten des jüdischen Vqlkes sich zp einer kraftvollen Einheit YPfr binden und dem Willen des Volkes Achtung schaffen, der helfe mit, d?e Haganah zum Sammelptmkt des volksbewußten Judentums zu maeheri- Niemand darf abseits bleiben! Alle hinein in die Haganah! ' Iß der am 12. d. M. abgefialfenen Cjeneralvef* Sammlung fiat der J. S. S. V. «m e n o r a h» seinen Namen jq «Jüdischer Wehrsport- und Schützenverein Haganah» geändert. Di? akademische Gruppe des Vereines trägt den Namen? «Studentenkorps» Haganah. Auskünfte und AnmeldUH* gen Montag, Mittwoch und Donnerstag van 20—22 Uhr im Hein_ ix,, Nußdorferstraße 16. Uleraigr/Kn toin Jahre Klnderfürsürge Dys Jubiläum m jMgendf»irsprgpverein$ «Gut* Herzwi*. jm Jahre |893 hp$ph|pß eine Weine ßefoar von Menr sehen f,ynntten» sieh .?um Vere»n «Gute Herren»?wiammenr zutim, nni werktätige Fürsorge für nnbemifteifß, unter' eniäiuu*, von Krankheit bedrohte Kinder zu Üben, lü den ersten Jahren mußte man sieh mit der Austeiltmg von Klelr d«rn hcjinuaen. Heute verlük! der Verein Mer einen «««■ gedehnte» pesitz m Haag üd NPHtengh^h, auf item man nehen zwei, allen Anforderungen der Hygiene imß fort* entsprechenden prächtigen Häusern einen schön gepflegten Gartep, eine Jmrrlicfa Spielwiese, einen Sandplät* und ein Schwimmbassin vorfindef. Dort werden unter der Aufsicht von Pflegern und Lehrpersonen ©zy 180 Kinde} mehrmonatig und euch mehrjährig gonffcgL gelehrt und mit ' Hilf* einer Mfujteh, sciintackhaften Ifoet Körperlich geyund gemacht. In den Jahren 1922 bis 1931 wurden ß007 linder tn J82.|§6 Yerpftegekgen mit ejn§m Kestenmifwawt von i Oer Maler palästinensischer Visionen Leopold Krakauers Arbeiten Leopold Krakauer, der ausgezeichnete, palästinensische Maler, veranstaltete kürzlich eine Ausstellung seiner Werke im H a a g. Aus diesem Anlaß schrieb über ihn eine der größten Zeitungen Hollands, der *Nieuwe Rotterdamsche Courant», «. a.: ^Krakauer, von Hause OesterFeicher, ist durch und rtureb Kilnatlerr Kein Zeichner nach Modell, keiner, der sieb malerische Typen notiert, sondern einer, der In seinem QedäPhtnis, in seinem Innerm in seinem «Gewissen» die Menschen aufnimnit und mit sich trägt, um dann später die Motive auswendig in Urnen auszudrllcken. Krakauer hat zwei Arten Motive? die Qebirgslandschaft in Palästina und die Menschern. öiuu vuu einer nerrliehen Kraft. Manchmal drückt er sie bloß in schwarzweiß aui?, manchmal in sanguinen Farben oder kaum nuanciert. Sie sind sehr verschieden und zielen gar aicht auf das Pittoreske ab. Schließlich dje Gestalten« Die hockenden alten Männer, alte Frauen. Schweigende, feine Gesichter, fast ganz abgewendet vqp dem, was wir das tägliche Leben nennen; Gesichter, gana erfüllt von einer großen Kraft der Gefühle, der Gedanken und des Wissens, übe, weiche die Entbehrung schon fast keinen Halt mehr hat. Was als Grundzug aller dieser Gesichter auffällt, ist die unendliche Stille der Resignation, die man aber doch nicht als Verzicht bezeichnen darf. Diese palästinensischen Visionen sind zu einem großen Teil so heftig im Ausdruck der Einies Hnd sq vorfrcfflidi ausgefoM in einem klaren Weift, apnware, qaft sie S -Ii ausgezeichnet für die LiUtfl.