Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1932-09-16 · Heft 232 (16.9.1932) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 232 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3053963-3053987--3004-3058467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 DIE STIMME Nr. 232 — 16. Juni 10» Stimme des Studenten Von Dr. Ernst Mandlers. Der politische Kampf in Oesterreich hat Formen angenommen, die balkanisch zu nennen, eine Beleidigung für die Völker Südeuropas wäre. Denn nicht bloß Schärfe und Rücksichtslosigkeit sind die Wesensformen der neuerwachten antisemitischen Bewegung, sondern •ine solche Feigheit und tierische Bestialität, wie man sie keinem Menschen, am allerwenigsten einem Akademiker in seinen kühnsten Phantasien Zutrauen würde. Die jüdische Studentenschaft, in verschiedenen Hörsälen der Hochschulen verstreut, wird ihren jederzeit rauflustigen Gegnern eine willkommene Beute. Die immer wieder versuchte Gründung einer jüdischen Selbstschutzorganisation an der Universität, ist durch die Lauheit und Interesselosigkeit der jüdischen Studenten über einen kleinen Rahmen nicht hinausgegangen, so daß zur Schande des Verprügeltwerdens noch die vfel größere Schmach des wehrlos Verpriigeltwerdens hinzukommt. Wir müssen uns nun einmal damit abfinden, daß gegenüber dieser neuerwachten antisemitischen Bewegung keinerlei Argumentation und keinerlei Verweisen auf Menschlichkeit und Menschenwürde etwas fruchtet, sondern müssen den Tatsachen kühn ins Auge sehen. Daß ausführende Organe der Staatsgewalt — wie die letzten Vorfälle an den Hochschulen gezeigt haben — vom Geiste des Hakenkreuzes erfaßt, sich sogar gegen die von den Gegnern blutig geschlagenen Juden mit dem Gummiknüttel wendeten, ist eine Tatsache, gegen die anzukämpfen nicht Sache der jüdischen Studentenschaft, sondern der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit ist. Solange sich die Rektoren der Wiener Hochschulen nicht dazu aufraffen, der durch kein Gesetz verbrieften Prügelfreiheit auf akademischem Boden aufs energischeste entgegenzutreten, muß es Aufgabe einer sich ihrer Ehre bewußten jüdischen Studentenschaft sein, selbst für ihre körperliche Sicherheit zu sorgen. Die Keimzelle für diesen Selbstschutz ist bereits gegeben. Die Haganah könnte mit Aussicht auf Erfolg den Kampf auch mit dem brutalsten Gegner aufnehmen, wenn sie nur stramm organisiert und vor allem in genügender Anzahl eingreifen würde. Wir wollen keinen langen Aufruf verfassen und keine Worte verschwenden. Jeder jüdische Akademiker muß sich des vollen Ernstes der Lage, in der wir uns befinden, bewußt werden. Die großen politischen Kämpfe werden zwar nicht an den Hochschulen ausgetragen, doch können wir auch an diesen beweisen, daß wir nicht gewillt sind, uns wehrlos hinschlachten zu lassen. Nur eine geeinte jüdische Studentenschaft kann den Kampf um die Gleichberechtigung an den Hochschulen erfolgreich führen, nur eine «Haganah», von der sich kein einziger jüdischer Student ausschließt, kann die ärgsten physischen und seelischen Mißhandlungen von der studierenden jüdischen Jugend abwehren. Von Mann zu Mann werden wir in den nächsten Wochen an die jüdische Studentenschaft herantreten und sie auffordern, aktiv an der Haganah mitzuarbeiten und sich bedingungslos ihrer Leitung zu unterstellen. Wer wollte so feig und ehrlos sein, sich einer Sache zu entziehen, die für das Ansehen des jüdischen Volkes eintritt und den jüdischen Studenten vor schmachvoller Entwürdigung bewahren soll! Die hebräische Universität Von Josef Fränkel (Fortsetzung.) Volkstribun Max Nordau behandelt als erster auf dem I. Zionistenkongreß die Lage der jüdischen Hochschüler in seinem Referat «Die allgemeine Lage der Juden». Der Heidelberger Universitätsprofessor Schapira beantragt die Gründung einer «Hebräischen Universität» in Palästina. Dieser Antrag findet ein Echo, fast jeder Zionistenkongreß beschäftigt sich mit der «Hebräischen Universität». Ein Numerus-Clausus-Student aus dem Osten, der hn Westen studiert, ein Ahasverstudent aus dem Westen, der sich nach dem Osten sehnt — Chaim Welzmann und Berthold Feiwl veröffentlichen im Jahre 1903 eine Flugschrift. Es war dies die erste Broschüre über die Errichtung einer hebräischen Universität in Jerusalem. Die Lage der jüdischen Hochschüler, Sie Entwicklung der hebräischen Sprache, die Balfour- Deklaration, der Aufbau Palästinas waren die geistigen Grundlagen — die wirkliche Grundsteinlegung zur Errichtung der hebräischen Universität erfolgte im V*ra 1918. III. Der 1. April 1925, der 7. Nissan 5685, ist ein Gedenktag. Auf den Bergen Zions wurde die Hebräische Universität, die neue Prophetenschule und neue Akademie von Jabneh eröffnet. Ein herrliches Gebäude am Skopus-Berg, schöne Institute und Laboratorien. Die Hebräische Universität sech sjahre nach der Eröffnung; Ein Judaistisches Institut, Balfour-Einstein-Institut für Mathematik, Chemisches Institut, Institut für Naturgeschichte Palästinas, Mikrobiologisches Institut. Zahl der Hörer; 177; der Lehrkörper: 11 Professoren, 15 Lektoren, 36 Assistenten. Universitätsbibliothek: 230.000 katalogisierte Bücher. Die Hebräische Universität wurde als Forschungsinstitut mit Lehr- und Uebungskursen geführt. Da die jüdischen Hochschüler mit dieser Lehrmethode nicht zufrieden waren, fanden im Jahre 1928 in vielen europäischen Universitätsstädten Versammlungen statt und Resolutionen, die die Umwandlung des Forschungsinstitutes in eine normale Universität fordern, wurden angenommen. Auch der 17. Zionistenkongreß (1931) nahm einen derartigen Antrag an. Das Kuratorium und der Akademische Rat der Hebräischen Universität wählte (Juli-August 1931) eine Kommission, die sich mit dem Plan einer Umwandlung des Forschungsinstitutes in eine Lehranstalt mit Erteilung von Diplomen zu beschäftigen hätte. Am 25. Jänner 1932 fanden an der Hebräischen Universität die ersten akademischen Graduierungen statt. 13 Studenten erhielten an der Fakultät für Sprachen und Literaturen den Titel; magister artium. Gleichzeitig erging an die verfolgte jüdische Studentenschaft Europas die Einladung, die Hebräische Universität aufzusuchen. IV. Der jüdische Student wandert von Universitätsstadt zu Universitätsstadt. Numerus-Clausus-Studenten blikken mit Sehnsucht nach Jerusalem. Wird bald die Umwandlung der Hebräischen Universität in ein Institut mit vollem Lehrbetrieb durchgeftthrt werden? Zionistischer Hochschüler-Verband (Studentenorganisation des zionistischen Landesverbandes.) Donnerstag, den 23. Juni, findet um 8 Uhr abends im Saale der zionistischen Bezirkssektion II., Praterstraße 13, ein y ortrag statt. Es spricht Dr. Israel Waldmann über «Palästina von heute». Alle Kollegen und Kolleginnen sind herzlichst eingeladen. Mitteilungen des indischen Hochschulaussciiusses Amtsstunden täglich von 12 bis 2 Uhr. Im Zuge der Organisationsarbeiten des Jüdischen Hochschulausschusses, der alle Veranstaltungen zentralisiert durchführen will, wurde als erste Führung ein Rundgang durch das jüdische Museum veranstaltet. Leider konnten nur 30 Kollegen infolge der räumlichen Beengtheit teilnehmen, doch waren die wenigen Kollegen voll des Lobes über die Sehenswürdigkeiten des Museums. Am 18. d. M., 3 Uhr nachmittags, veranstaltet der Jüdische Hochschulausschuß gemeinsam mit dem J. A. Technikerverband eine Führung durch die Werkbundsiedlung. Treffpunkt >/23 Uhr nachmittags Endstation des 59er Wagens. Kostenbeitrag (inkl. fachmännischer Führung) 50 Groschen. Als dritte Veranstaltung wird ein Tagesausflug nach Bratislava durchgeführt. Treffpunkt Sonntag, dem 19. Juni um Uhr auf der rechten Seite der Reichsbrücke bei der D. D. S. Q. Abfahrt um 8 Uhr 30 Min., Ankunft in Bratislava etwa V211 Uhr. Dortiger Empfang durch die Jüdische Studentenschaft und die zionistische Organisation. Führung und Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Bratislavas. Rückfahrt mit der Bahn 10 Uhr abends. Kosten für die Hin- und Rückfahrt inkl. Führungen etwa S 6.—. Anmeldungen und Auskünfte täglich im Jüdischen Hochschulausschuß in der Zeit zwischen 1 und 2 Uhr. Heimatscheine mögen sofort Im Sekretariat, Wien, IX., Zimmermannplatz 8, abgegeben werden. Führung durch Steinhof. Treffpunkt Mittwoch, den 22. d. M., %2 Uhr, vor dem Haupteingang der Anstalt. Nach einem einleitenden Vortrag eines Anstaltearztes werden wir durch die Pavillons, Tagräume und Wirtschaftsräume geführt. Jüdische Studenten am Meer Welcher Student sehnt «ich nicht danach, seine Ferien mit Freunden gleicher Gesinnung, fern vom Getriebe der Großstadt an der herrlichen blauen Adria zu verbringen. Ißt es nicht herrlich, ist es nicht für die Entwicklung des Geistes geradezu erfrischend, ln Gottes freier Natur die Nerven für einige Zelt zu entspannen und ein frohgemutes Jugeadleben zu führen? Aber leider scheitert dieser Traum meist an den drückenden wirtschaftlichen Verhältnissen. Licht, Luft, Wasser und Gemeinschaftsgeist ist die Parole für das Ferienlager der Jüdischen Studentenschaft, das jedem Studenten mit verhältnismäßig geringen Mitteln er- Die Lese und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien gratuliert ihrem lieben A. H. Prof. Dr. Leo MENCZER und seiner Frau zu ihrer Vermählung möglichen soll, den Sommer an der Adria, zu verbringen. De» Jüdische Hochschulausschuß hat den J. A. Technikerverband beauftragt, die Vorarbeiten für dieses Sommerlager durchzuführen. Wir sind nun ln der Lage, die bisherigen Bedln« gungen bekanntzugeben. Das Ferienlager findet In der Nähe von Split (Spalato) statt. Abfahrt 18. Juli. Dauer drei hezw. vier Wochen, Je nach Wunsch. Geboten werden volU» Verpflegung, Uebernachten ln Zimmern (kein Zelt« oder HUttenlager) und Fahrt von und nach Wien um S 110.—> bezw. S 140.—. Da nur eine beschränkte Tellnehmerzaht möglich ist. ersuchen wir um eheste Anmeldung im Sekretariat des Jüdischen Hochschulausschusses, IX., Zimmer« mannplatz S, täglich ln der Zeit zwischen 1 und 2 Uhr, und bei Kollegen Goldschläger im J. A. Technikerverband. Ferienheim der jüdischen Jugend in dir Schweiz Das Ferienheim der jüdischen Jugend wird auch diese« Jahr im weitbekannten Luftkurort Engelberg am 17. Juli eröffnet und bis zum 7. August offen soin. Für unser« Zwecke wurde ein großes Haus vollkommen renoviert und komfortabel ausgestattet (fließendes kaltes und warme« Wasser, 2 große Speisesäle, gut eingerichtete Schlafr&ura« etc.). Das Haus liegt inmitten schönster Wiesen, ln der Nähe herrlicher Bergwälder an sonniger Seite. Die Verpflegung ist wie voriges Jahr vegetarisch gehalten. Ein Maschglach wird für das religiöse Leben Sorge tragen. Da« Programm sieht voraus; Wanderungen unter fachmännischer Leitung, verschiedene Unter Haltungen, Vorträge, Diskussionen, jüdische Lieder, Spiele. Es werden nur Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren aufgenommen. Der Preis beträgt pro Tag und Person Fr. 4.50. Einmalige Anmeldegebühr Fr. 3.—. Letzte Anmeldungsfrist 1. Juli 1922. Anmeldungen sind zu richten an den Jüdischen Hochschulausschuß, IX., Zimmermannplatz 8. Sport Im Rahmen des Jüdischen Hochschulausschusses können folgende Sportzwclge betrieben worden: Leichtathletik, Schwimmen, Handball, Tennis, Ringen, Boxen, Schießen und Jiu-Jitsu. Anmeldungen und Auskünfte täglich zwleohen 1 und 2 Uhr im H. A, IX., Zlmmormannplatz 8. Einpaukkurs. Geplant Über Elektrotechnik I fUr B. B* eventuell wissenschaftliche Grundlagen der Elektrotechnik, Kursbeitrag S 10.— bei Prüfungsgarantie. Auskünfte und Anmeldung Telephon A 30-7-88 oder Donnerstag, den 16. Juni, 7 Uhr, im Verband. * Wir verweisen neuerlich auf das vom Hochschulau«- schuß veranstaltete Ferienlager ln Dalmatien. Auskünfte auch bei Koll. Gpldschläger im Verband. Mitteilungen der Fachvereine J. A. Techtilkerverband IX., Liechtensteinstraße 30. Amtsstunden: Dienstag und Donnerstag von 18 bis 19 Uhr* Die Krawalle an der technischen Hochschule. Montag, dem 2. Juni, kam es zu schweren Ausschreitungen an der Technik. Noch während der Dauer der Krawall« intervenierte unser Obmann, Koll. Goldschläger, beim Rektor und forderte ihn auf, zur Schaffung der Ruhe die Aula räumen zu lassen und Legitimationszwang einzuführen. Beiden Ersuchen wurde sofort stattgegeben, worauf Ruhe eintrat. Am darauffolgenden Freitag kam es wieder zu leichten Zusammenstößen, in deren Verlauf die Bibliothek gestürmt und auch einige Pedelle verprügelt wurden. Daß am Freitag auch jüdische Kollegen verprügelt wurden, Ist uns nicht bekannt. Die Kollegen werden ersucht, in Zukunft sich sofort beim Jüdischen Hochschulausschuß zu melden (Tel. A 25-2-28), falls sie tätlich angegriffen oder verletzt werden sollten, worauf wir die Nummer der Versicherungspolizze (bekanntlich* ist jeder Hochschüler versichert) eruieren werden und dem Kollegen eventuell auch zur Entschädigung durch die Versicherungsgesellschaft verhelfen können. Verletzte sollen sich beim nächsten Polizeiarzt untersuchen und ein Parere ausstellen, bezw. bei Einlieferung ln ein Spital auf Erstattung der Verletzungsanzeige achten. * Exkursionen. Der Hoehschulaussebuß plant für dl« nächste Zeit eine interessante Exkursion in das Hochhau« Herrengasse. Sie wird durch den J. A. Technikerverband durchgeführt. Näheres bezüglich des Tages wird noch b«- kanntgegeben. Die Exkursion durch Selouophon wurde verschoben, da derzeit keine Aufnahme gedreht wird. Die Verständigung bezüglich des Tagos erfolgt für die angemeldeten Kollegen schriftlich. Wir verweisen auf die gemeinsam mit dem Hochschulausschuß durchgeführte Exkursion durch die Werkbundsiedlung. J. A. Juri8tenvercln IX., Liechtensteinstraße 30. Amtsotunden: Bibliothek; Montag und Donnerstag von 19 bis 20 Uhr; Präsidium: Montag von 20.25 blB 21 Uhr, Donnerstag von 19 bis 20 Uhr. Sonntag, den 6. d., fand unter guter Beteiligung der von uns angekündigte Ausflug auf den Troppberg statt, der bei allen Teilnehmern vollen Anklang fand. Donnerstag, den 16. d.: Picknick in unserem Vereinslokal. Näheres ln den Amtsstunden. Mittwoch, den 22. d., Führung durch Steinhof (gemeinsam mit dem Iloohschulausschuß). Wir fordern unsere säumigen Mitglieder auf, den schon längst fälligen Mitgliedsbeitrag lür dieses Semester (womöglich noch vor Schluß des Sommersemesters!) zu b«» zahlen. A. V. J. Mediziner IX., Währingerstraße 15. Amtsstunden: Montag, Mittwoch, Freitag von 14 bl« 1B Uhr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.