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Die Stimme · 1932-09-16 · Heft 232 (16.9.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 232 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 232 — 16. Juni 1932 DIE STIMME &ms Freud und leid aus nah und fern Numerus clausus für Juden im tschechoslowakischen Staatsbürgerdienst Das Organ der Tschechojuden, «Rozvoj», nimmt zu der Meldung der slowakisch-klerikalen «Slovenska Politika» Stellung, wonach in der Slowakei keine Juden mehr in den Staatsdienst aufgenommen werden sollen, und bemerkt: «Im Grunde überrascht dieser ablehnende Standpunkt hinsichtlich der Juden im Staatsdienst gar nicht, denn er wird leise und unauffällig in die Wirklichkeit umgesetzt, und das nicht nur in der Slowakei, sondern auch in den historischen Ländern. Wir begegnen dieser Erscheinung fast an allen amtlichen Stellen. Die demokratische Gleichheit der Staatsbürger besteht nur noch auf dem Papier. Ein noch so gut qualifizierter Jude wird nur schwer Mittelschulprofess )r werden. An den Hochschulen ist die Neuberufung eines Juden ausgeschlossen. Auch die Dozentur ist fast unerreichbar. Man kann sich über diesen Zug nicht wundern, wenn man weiß, daß einem Hochschüler, der in seiner ganzen Mittel- und Hochschulzeit mit Auszeichnung studiert hatte und dessen Dissertation ein wissenschaftliches Werk war, die übliche feierliche Promotion verwehrt wurde, weil er jüdischer Konfession war. Bei solchen «demokratischen» Prinzipien kann die Nachricht der «Ludova Politika» wahrlich nicht überraschen. Polnische Huligans attackieren den polnischen Heeresrabbiner Major Fränkel Der Heeresrabbiner des 36. polnischen Regiments, Major Fränkel, und die Rabbiner Chaim P o s n e r und Jakob Silberstein, die in der Warschauer Vorstadt Praga einer Feier der jüdischen Soldaten des Regiments beigewohnt hatten, wurden, als sie die Kaserne verlassen hatten, von christlichen Huligans überfallen. Major Fränkel und Rabbi Silberstein wurden geschlagen und an den Bärten gezerrt. Die jüdischen Einwohner von Praga, Chaim Ehrlich, M. Bresler und A. Schmule, die den Angegriffenen zu Hilfe kamen, .wurden ebenfalls schwer mißhandelt. Ein Feldwebel alarmierte die Wache des 36, Regiments, die zwei der Huligans ergriff und sie der Polizei übergab. Ein Philozionist rumänischer Unterrichtsminister jüdische Kantoren, führte Oberkirch aus, die für das religiöse Leben des dortigen Judentums eine große Rolle spielen. Sie sind von morgens früh bis abends spät beschäftigt und werden für ihre Arbeit nicht genügend bezahlt Besonders dringend, führte der Redner aus, ist die Erhöhung des Gehaltes in den kleineren jüdischen Gemeinden, damit die Kantoren ein ihrem Stande entsprechendes Leben führen können. Die Synagogengemeinden im Elsaß würden der Regierung und dem Parlament dafür dankbar sein. Auch ein anderer christlicher Deputierter nahm zu dieser Frage das Wort und unterstützte die Ausführungen Oberkirchs. Die Regierung sagte unter dem Beifall des Zentrums und der Rechten die Prüfung der Wünsche zu. Selbstmord der Rekordfliegerin Lena Bernstein Wie die Agentur Havas aus B i s k r a meldet, hat die Inhaberin des Weltrekords im Langstreckenflug Lena Bernstein, die in Leipzig als Kind russisch-jüdischerEltern geboren und in Frankreich naturalisiert wurde, in Biskra Selbsmord verübt. Die Gründe scheinen enttäuschter Ehrgeiz und finanzielle Schwierigkeiten gewesen zu sein. Lena Bernstein wollte ohne Unterbrechung von Biskra nach Bagdad fliegen, wozu ihr die französische Regierung die Unterstützung versagte, weil ihrem Flugzeug das amtliche Zertifikat für längere Flüge fehlte. Dennoch begann sie den Flug, wurde aber durch einen Sturm gezwungen, 80 km von Biskra wieder zu landen. Die Regierung verbot ihr jetzt, den Flug noch einmal zu versuchen. Während sie sich bemühte, die Erlaubnis zu erlangen, wurde in der Nacht ihr Flugzeug durch einen Wirbelsturm zerstört. Diese Reihe der Mißerfolge drückte die Fliegerin so nieder, daß sie in einem Wäldchen, 3 km von Biskra entfernt, sich vergiftete. Sie wurde am 10. Juli in Biskra bestattet. Die hebräischen Lehranstalten Anläßlich der Proklamierung des hebräischen Kulturfonds (Keren Tarbut Iwrit) durch den Hebraisten- Weltbund (Brit Iwrit Olamit) veröffentlicht «Haolam», Organ der Zionistischen Weltorganisation ln London, BADGASTEIN Hotel Ellsabathhof Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenz wan g! eine Anzahl von Artikeln prominenter hebräischer Schriftsteller, Gelehrter und Führer der hpbräischefl Bewegung, wie Prof. Klausner, L. Simon, Dr. Patai, Dr. Rawidowicz, Lipez u. a. m. über die Bedeutung und die Aufgaben des hebräischen Kulturfonds. Diese «Haolam»-Nummer enthält ferner interessante statistische Angaben über das hebräische Schulwesen in Osteuropa und in Palästina. Nach diesen Angaben verteilen sich die hebräischen Lehranstalten auf die einzelnen Länder wie folgt: Palästina 227 Anstalten mit 19.449 Schülern und 790 Lehrern; Litauen: 121 Anstalten mit 10.820 Schülern und 437 Lehrern; Polen: 243 Anstalten mit 25.000 Schülern; Rumänien: 63 Anstalten mit 5771 Schülern und 381 Lehrern; Lettland: 39 Anstalten mit 6000 Schülern und 140 Lehrern; Bulgarien: 39 Anstalten mit 3200 Schülern und 102 Lehrern. Außerdem bestehen hebräische Lehranstalten in Estland, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und in anderen Ländern. Insgesamt gibt es heute etwa 750 hebräische Anstalten mit 75.000 Schülern und über 2200 Lehrern. Rettungsaktion für ostjüdische Kinder Der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee Dr. Bernhard Ka h n sandte an die Leitung des Joint in Amerika ein Telegramm, in welchem er dringend um die außerordentliche Ueberweisung einer Geldsumme zur Errichtung, bezw. Erhaltung von Sommerkolonien für jüdische Kinder in den osteuropäischen Ländern ersucht. Dr. Bernhard Kahn hebt hervor, daß eine solche Aktion angesichts der gegenwärtigen mit Worten fast nicht zu schildernden Notlage der jüdischen Massen in den osteuropäischen Ländern, unter der am stärksten die Kinder zu leiden haben, unaufschiebbar und zur Rettung des jüdischen Nachwuchses unerläßlich ist. Das Telegramm von Dr. Kahn hat in den führenden jüdischen Kreisen Amerikas stärksten Eindruck gemacht. Wißi Ihr schon? Zum Minister für Kultus und Unterricht im neuen rumänischen Kabinett wurde nachträglich der als Freund des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina bekannte Universitätsprotessor G u s t i ernannt. Prof. Gusti ist Mitglied des Verbandes der Freunde der Hebräischen Universität in Jerusalem. Eine weitere Ergänzung des Kabinetts Vaida bildet die Ernennung des bekannten Demokraten und Sozialpolitikers E. R. Joanitescu zum Minister für Arbeits- und Gesundheitswesen. In den jüdischen und den übrigen demokratischen Kreisen, soweit sie nicht aus Parteigründen der neuen rumänischen Regierung grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen, haben diese jüngsten Ministerernennungen Befriedigung ausgelöst. Das jüdische religiöse Leben in der Sowjet-Union nicht auszurotten «Emess», das Hauptorgan der jüdischen Kommunisten Rußlands, führt Klage darüber, daß das jüdische religiöse Leben in den Ländern der Sowjet- Union ungeachtet der Tätigkeit der Gottlosen-KIubs (Organisation «Apikojres») nicht auszurotten ist. Die vom «Emess» in die Provinz entsandte Untersuchungsbrigade hat u. a. festgestellt: Das in einen Arbeiterklub umgewandelte Beth Hamidrasch des «Lubawitscher Rebbe» (Rabbi Schneersohn, der nach Erduldung zahlreicher Verfolgungen in das Ausland ging) steht jetzt leer, da die jüdischen Arbeiter der Stadt Lubawitsch, die noch immer unter dem geistigen Einfluß des Rebbe stehen, aus Pietät das Klubhaus meiden. Die «Emess»- Brigade, die den Distrikt Smolensk und einige andere Distrikte in der Ukraine bereist hat, klagt ferner darüber, daß die «jiddische Kultur» sich im Niedergang befindet und daß die jüdischen Eltern ihre Kinder nicht in die jiddischen, sondern in die russischen Schulen schicken. Nirgendwo auf ihrer Reise hat die Brigade ein Exemplar des «Emess» vorgefunden. Die Brigade stellt fest, daß selbst in den jüdischen Kollektiven die Religion stark verwurzelt ist. In vielen Kollektiven wird der Sabbath traditionell beobachtet, sind an den Türen der Wohnhäuser, ja sogar der sogenannten «roten Ecken» (Klubs, die ausschließlich kommunistischer Propaganda dienen sollen) «Mesusoth» angeschlagen. Zu Pessach wurden in allen Kollektiven Mazzoth gebacken. Parlamentsdebatte über Chasotiim In der letzten Sitzung des französischen Parlamentes wurde unter großer Aufmerksamkeit über die j ü d i s c li e n Kantoren verhandelt. Seit dem Jahre 1905, als die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich unter Leitung Briands durchgeführt wurde, werden die religiösen Beamten nicht mehr vom Staate bezahlt. In Elsaß und Lothringen gilt dieses Gesetz jedoch nicht, sondern es werden alle religiösen Beamten noch wie in Vorkriegszeit vom Staat besoldet. Der katholische Abgeordnete Oberkirch wies bei der Budgetberatung auf die schlechte Lage der jüdischen Chasonim hin. Die Abgeordneten und die vollbesetzte Galerie horchten plötzlich auf. Im Elsaß befinden sich 82 Der nichtjüdische Gelehrte GfrOrer erklärt, daß nicht nur der Charakter des «Vaterunsers» jüdisch ist, sondern daß auch die einzelnen Sätze dieses Gebetes sich in verschiedenen jüdischen Gebeten finden. Mit anderen Worten: Das «Vaterunser» ist jüdischen Ursprungs. Wißt Ihr, wie sich diese Behauptung belegen läßt? Der Kenner des Hebräischen wird zahlreiche Stellen des jüdischen Schrifttums anführen, so zum Beispiel: «Unser Vater im Himmel», Awinu sche-baschamajim (Sotah 9, 15); «Geheiligt werde Dein Name», Jithkadosch sch’meh rebba (im Kaddisch-Gebet); «Zu uns komme Dein Reich», Wejamlich malchuteh oder im Mussaph-Gebet der hohen Feiertage: Oalleh k’bod malchutecha alenu; «Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden», lassoth rezoncha blebab schalem (im Festgebet um Einigung der Menschheit; vergl. Talmud, Traktat Berachoth 29b, wo berichtet wird, daß Rabbi Elieser zu beten pflegte: Dein Wille geschehe im Himmel und Herzensfriede werde denen, die Dich auf Erden ehrfürchten; vergl. auch Psaltm 135,6); «Unser tägliches Brot gib uns Heute», «Hatripheni lechem chucki (Prov. 30,8); «Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigen», S’lach lonu abinu (im Achtzehngebet), unmittelbar auf dieses folgt: «Mein Gott, bewahre meine Zunge vor bösen, meine Lippen vor trügerischen Reden und denen, die mich schmähen, laß meine Seele mich schweigen» (vergl. Berachoth 17a); «Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel», Weal t’wienu lide nissajon pp. (aus dem Morgengebet, vergl. auch Psalm 121.7: «Der Herr bewahre Dich vor jedem Uebel», und Berachoth 60b, bezw. 16b); «Denn Dein ist das Reich pp.», Die hamalchut schell’cha hi pp. (aus dem täglichen Schlußgebet Alenu). Nach dem jerusalemitischen Talmud bildeten den Schluß aller öffentlichen Gebete die Worte: Baruch sohem kobod malchutho leolam waed — gepriesen sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches für und für. Nun eine profane Frage: Wißt Ihr, daß Hitler durchaus kein arischer Name ist? ln Warschau gibt es sehr viele Juden, die den Namen Hitler führen. Diese interessante Tatsache erklärt sich aus folgenden Umständen: Ein sehr verbreiteter jüdischer Frauenname ist der Name Gitel und häufig nannten sich Familien nach dem Namen ihrer Stammutter Gitel, im alten Rußland «Girier». Der Russe kann nun bekanntlich kein H aussprechen, und jedes frühere russische G wird «dann umgekehrt in den polnischen Landesteilen zu einem HL Auf diese Weise wurden alle die russischen Gitlers in Polen zu Hitlers und selbst des GecmeMeaekretär der Warschauer Judengemeinde führt den Namen Hitler. Man ist a ö also an die jüdischen Hitler in Polen gewöhnt. - Aber Nichtjuden, die Hitler heißen, kennt man rucl weniger, kennt man sozusagen nur den eilten, dessen Ruf als Judenfeind natürlich auch bis nach Warschau gedrungen ist Das macht folgenden Vorfall verständlich: Betrat in der Nalewka, der jüdischen Hauptstraße, neulich ein blonder Fremder die Gastwirtschaft des Isaak Braumann, um ein Glas Bier zu trinken. Wie es dort bei Wirten Brauch ist, will sich Braumann einen neuen Stammkunden dadurch sichern, daß er ihm sagt: «Sagen Sie mir Ihren Namen und Ihre Wohnung, dann brauchen Sie nicht gleich zu zahlen.» Der Gast zieht seinen Paß heraus und zeigt, freudig erregt über dieses Entgegenkommen, seinen Namen: «Ich heiße Konstantin Hitler, wohne . . .» Weiter kam er nicht. Die jüdischen Gäste hatten kaum den Namen Hitler gehört, als schon ein solcher Spektakel einsetzte, daß Herr Hitler es für zweckmäßiger hielt, sich schleunigst zurückzuziehen, die ganzen Gäste hinter ihm her. Neugierige auf der Straße fragen: «Was ist los?» «Dort läuft der Hitler!» Kein Wunder, daß binnen kurzem das ganze Judenviertel auf den Beinen ist, immer hinter dem unglücklichen Namensvetter unseres großen Adolf her. Ein Polizist rettet ihn schließlich. Auf der Waohe stellte sich, heraus, daß er wirk lieh nur Konstantin Hitler und nicht Adolf Hitler ist, ein biederer Maurer, der in der uti:ka bema in Warschau wohnt. Er hatte die Verfolgung nicht verdient, denn er ist im Gegensatz zu Adolf Hitler den Juden durchaus wohl gesinnt. Dem richtigen Adolf Hitler aber müßte man folgende Frage ins Stammbuch schreiben: Weißt Du, daß der jüngste Kriegsdienstfreiwillige des deutschfranzösischen Krieges von 1870/71 ein Jude war? Es war dies der Schlosserlehrling Michael Stolzenberg aus Königsberg u Pr., der sich Im Alter von 15% Jahren bei Kriegsausbruch sofort freiwillig meldete. Er wurde in das in Königsberg gamisoniö». rende Infanterie-Regiment «Kronprinz» eingestellt, wobei ausdrücklich festgestellt wurde, daß Stolzenberg der jüngste Soldat der gesamten preußischen Armee war. Naoh erfolgter Ausbildung ging er sogleich ins Feld, wo er an sämtlichen Schlachten und Gefechten des Regiments teilnahm. Michael Stolzenberg starb im Dezember 1913 in Königsberg. Dr. Waldstein gestorben Dr. W a 1 d s t e i n, einer der Begründer des Verbandes Poale Zion in Amerika, ein bekannter Schriftsteller und Gelehrter, seit 1912 Lehrer am Herzlia-Gymnasium in Jerusalem, ist am 6. Juni nachmittags im Alter yoa 67 Jahren gestorben, >

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